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"Bitte zusammenbleiben!"
Gruppen-Sightnotseeing in Sweden - ein Reisetagebuch
von Hendrik Schulthe

Ab und an muß man mal an die eigenen Grenzen gehen. Da der Büroalltag dafür oft nur wenig Gelegenheiten bietet (außer bei den schillernderen Facetten des Windows-Fehlermeldungsuniversums), verlegen viele Menschen ihre Extremerfahrungen in den Urlaub, fahren zum Bungeejumping nach Südamerika, Mountainbikefahren nach Tibet oder Freeclimbing in den Grand Canyon. Mir erschienen dieserlei Herausforderungen jedoch zu lasch, und so stellte ich mich einem privaten Albtraum und folgte einer Einladung, gemeinsam mit einer Gruppe von Saarländern und Pfälzern eine neuntägige Busrundreise durch Schweden zu unternehmen.

Sprach- und andere Barrieren

Als erster Vorteil dieses Arrangements erwies sich der Umstand, daß ich mich nicht erst bei Grenzüberschreitung, sondern bereits bei der Abfahrt mit der Sprachbarriere auseinandersetzen durfte; und – soviel sei vorweggenommen – nach mehrtägigem Vergleich sollte sich das Schwedische als die erlernbarer erscheinende und weniger exotisch klingende Sprache erweisen.

Von Kusel aus ging es frühmorgens los, und nach einer kleinen Westschleife zur Einsammlung der saarländischen Fahrgäste ging die Fahrt in Richtung Travemünde. Die knapp über dreißig Personen umfassende Gruppe bestand fast ausschließlich aus Personen bereits jenseits der bügelfreien Bikinizonen und schamhaften Bierbauchtarnunterfangen. Organisiert und geleitet wurde das Ganze von einem erst im Viertelfinale ausgeschiedenen Mitstreiter eines Heinz-Becker-Ähnlichkeitswettbewerbes, dessen organisatorische Kompetenz ausreichend war, derweil seine Moderation allerdings zuweilen ins Schlaftablettenhafte abglitt. Aufmunternd war daher einzig seine Ankündigung, in Schweden selbst werde uns ein ortsansässiger Führer begleiten.

Das Programm: Befürchtungen und Hoffnungen

Im Laufe des Anreisetages hatte ich Gelegenheit, mir über meine Befürchtungen und Hoffnungen klar zu werden. Das bevorstehende Reiseprogramm umfaßte die für solche Reisen übliche Mischung aus Burgen, Schlössern, Kirchen und historischen Altstädten, schien jedoch auch Optionen für anders geartete Vor-Ort-Beschäftigungen zu bieten. Ein wenig wandern und das ein und andere leckere schwedische Gericht vielleicht? Ich selbst war bereits zweimal in Schweden gewesen und hatte das zumeist freundlich-entspannte Charisma des Landes, seine waldreiche Landschaft, das Klima und einiges von seinem Essen mögen gelernt. Ich freute mich darauf, meine eher mittelmeerkundige Begleiterin vielleicht für die Reize des Nordens erwärmen zu können.

Nach einer Schon- und Aufwachphase erfolgte eine leider ohne hochdeutsche Synchronspur übertragene, aber immerhin akzeptabel angelesene Einführung in die schwedische Landeskunde; immerhin war dies ja eine subventionierte Bildungsreise. Zum Glück wurde für unter der Würde aller Mitfahrer befunden, Kennenlernspielchen etwelcher Art zu veranstalten. Alles in allem bestand mein erster Lernerfolg an diesem meinem ersten Tag als Busreisender in der Wahrnehmung der entspannenden, teilweise hypnotisch-einschläfernden Wirkung dieses sanften Verschaukeltwerdens, und umgeben von apfelschorle- und biertrinkenden leise Plaudernden ließ es sich in der Tat zunächst ganz gut abwechselnd lesen und nickern.

Die Lektüre: Raubzüge

Ich neige dazu, mir meine Lektüre passend zum Reiseland zu wählen und hatte mir den in den 1930ern populären historischen Roman "Die Abenteuer des Röde Orm" eingepackt, in dem in herzhafter Ausführlichkeit von den verschiedenen Raubzügen der Drachenbootfahrer im mittelalterlichen Schweden und Dänemark erzählt wird. Bereits ein flüchtiger Blick auf die Bus- und Wohnwagenreihen in der Warteschlange des Fährhafens ließ mich mit solcherart dem Historischen zugewandten Blick erkennen, daß die heutigen Völkerwanderungen lediglich etwas andere Formen angenommen haben, derweil zwischenzeitlich die international anerkannt beste Methode zur Abwehr barbarischer Eroberer darin besteht, die barbarischen Eroberer gar nicht abzuwehren, sondern sie herzlich einzuladen und ihnen das frühere Beutegut überteuert, dafür zollfrei zu verkaufen, um sie dann wieder heimzuschicken. Aber ich greife vor.

weiter zum zweiten Teil: "Großwildsafari in Malmö"


 

Gruppen- Sightnotseeing in Sweden

Bitte zusammenbleiben!
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