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Schon ging es weiter nach Öland, der schmalen langgestreckten Insel knapp vor der schwedischen Südostküste, die nicht nur tausenden von Schweden als Badeferienziel, sondern auch unserem Reisebegleiter als Wohnort dient. Kilometer über Kilometer ging es die Küste entlang bis zu einer der Sommerresidenzen der schwedischen Königin mit einer von ihr selbst entworfenen und daher berühmten und eintrittsteuren Gartenanlage. Obschon ich natürlich kein Monarch bin, bilde ich mir ein, jeder auch nur mit einem vagen Konzept von einer Idee eines Gartens ausgestattete Bürgerliche (merke: das Braune in die Erde, das Grüne nach oben) hätte zumal unter Mitwirkung von acht Vollzeitgärtnern hier Sehenswerteres gezaubert. Ich nenne solche Anlagen Tobleronegärten, der ästhetikfrei zu Dreiecken gefrästen Buchsbaumreihen wegen, um die herum hier wie auch andernorts in andere geometrische Beetformen gezwängte Rosen lagerten, serviert auf englischem Rasen und wiederum umzingelt von den üblichen Marmorstatuen und alten Bäumen, welchletztere aber am allerwenigsten dafür können, daß sie da stehen. Höhe- & mein persönlicher Tiefpunkt der Anlage war eine bis zum Erbrechen geranierte Pächterkate, den Hinweisen zufolge der ehemalige Lieblingsspielplatz diverser Königskindergenerationen und ein so deprimierend gutes Beispiel für sight sacralization (was sich frei mit "inszenierter Sehenswürdigkeit" übersetzen läßt), daß ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Ich sprach in aller Stille einen Wachstumssegen für alles sich hier im Untergrund verbergende Unkraut aus, und wir umwanderten lieber die einzige in der Nähe befindliche Alternative, eine etwas weiter oben gelegene Festungsanlage, die mir sehr sympathisch schien, weil sie aus historischen Gründen (Rückzug der Dänen) noch vor Fertigstellung der Überflüssigkeit anheimgefallen war.
Zurück am Bus erwartete uns eine gutgemeinte Zwischenmahlzeit, die uns allerdings bei der Weiterfahrt in gefährliche Nähe der alten Scherzfrage brachte, was zwölf Meter lang ist und nach Leberwurst riecht, und worauf die Antwort 'Ein Bus voller Pfälzer' lautet. Fluchtsiedlung für innere Fluchten Während wir über die infrastrukturellen Probleme der Öländer und ihrer einzigen Landverbindung informiert wurden, schaukelten wir noch einige weitere Haltepunkte der Insel an: vier alte Windmühlen "für die Fotografen unter Ihnen", ein von unserer Ankunft leicht überfordertes winziges Gartencafé, auf Wunsch einiger eine typische Inselkirche und zuletzt die Ruine einer mitten im Wald gelegenen Fluchtsiedlung, in welche die dörflichen Öländer sich zurückgezogen hatten, wenn ihre Küsten von vorbeiziehenden Plünderern bedroht waren.
Aber auch das kann natürlich nur Illusion sein, und ich, der ich nichtverstehend für eine Steinsekunde hier vorbeihusche, bin genauso deplaziert wie alle anderen Touristen auch. Und folge brav dem Ruf zum Bus, verlasse den ersten Ort Schwedens, an dem ich für einen Augenblick tatsächlich gewesen bin. |
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