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Vergangenheit ... Ein Flitzbesuch in Lund, dem alten Universitätsstädtchen mit der berühmten Kirche, deren Krypta noch aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stammt. Als ich vor Jahren bereits hier gewesen war, hatte es Spaß gemacht, die übersichtliche Stadt zu Fuß zu erkunden und ein bißchen in alte Läden reinzuschnuppern. Ich erinnere, in einem Antiquariat einen Stapel 130 Jahre alter englischsprachiger Lyrikbände zum Spottpreis erstanden und den Laden leicht jagderfolgsbekifft mit prallvollen Tüten verlassen zu haben. Ich erinnere mich an ein sehr nettes Studentencafé in einer Altbauwohnung, wo es schwarzen Tee mit Kanelsnecka (Zimtschnecken) gegeben hatte.
Ich entsinne mich ein paar netter schiefer Straßen, eines alten Parks, in dem es von irgendwoher nach frischem Brot roch, einer spannenden halben Stunde in einem Laden für offenbar nur in Schweden bekannte Haushaltswaren, eines Plauschs mit einer Wolladenbesitzerin. Vor allem aber erinnere ich das Gefühl meiner Hand an einer der Steinwände der Krypta, den Minuten der Erdung und des Ankommens in diesem steinernen Saal, wo ich für Augenblicke das Gefühl gehabt hatte, fast den Schlüssel für die Tür in eine andere Zeit dieses Ortes ertastet zu haben. ... und Gegenwart Diesmal war es anders. Der erste Haltepunkt war ein Kurzstop vor der berühmten Kirche, vor dem uns unsere Führerin einige Infotainment Snacks reichte wie jene Anekdote um die beiden bizarren Säulenfiguren in der Krypta, von denen es heißt, es seien Riesen oder Trolle, die beim Bau des Doms geholfen hätten und nun seinerzeit um ihren Lohn geprellt immer noch versuchten, das Ganze wieder einzureissen. Die Gruppe bekam dann eine halbe Stunde Auslauf zur Selbsterkundung des Doms, was ich für ausreichend hielt, bis mir im Nachhinein klar wurde, daß obwohl wir eigentlich eine frühere Fähre als geplant genommen hatten dies bereits die einzige insgesamt eingeplante Zeit für den Aufenthalt in Lund gewesen war. Statt dessen wurde uns von unserem mittlerweile eingetroffenen eigentlichen Reisebegleiter ausgiebig erzählt, wie vor 40 Jahren die Studenten hier zu feiern gewußt hätten, was mir über den Reisebegleiter etwas mitteilte, allerdings nur bedingt über jenes Lund, das wir derweil verließen, ohne es (für mein Gefühl) zuvor überhaupt betreten zu haben. Nicht zu vergessen: das Marinemuseum Unter freundlich konzeptlosem Geplauder über Schweden ("Es gibt hier übrigens drei Mobilfunkgesellschaften...") schaukelte der Bus die Südküste entlang nach Karlskrona ("Dort gibt es übrigens ein interessantes Marinemuseum."), einem passablen Hafenstädtchen ("Hier lohnt sich ein Besuch im Marinemuseum."), das den einzigen Nachteil hat, außer einer für an solcherlei Dingen Interessierten interessanten Militärmarinegeschichte ("Dort hinten ist dann das Marinemuseum, gar nicht zu verfehlen!") nicht viel zu bieten zu haben. Zur Aufheiterung beschloß ich, den Reisebegleiter zu erwürgen, sollte er nur noch einmal das Marinemuseum erwähnen. Er erwähnte es noch dreimal und lebt heute noch, was beweist, wie willensschwach einen dieses Busgeschaukel macht. Derweil dann der eine Großteil der Gruppe sich auf den Weg zum Marinemuseum und der andere Großteil sich auf den Weg zu Toiletten und Kaffee & Kuchen machte, besuchten wir die einzige andere naheliegende erwähnenswerte Architektur vor Ort, die Admiralitätskyrka die größte Holzkirche Schwedens, ein schon seit zwei Jahrhunderten beeindruckendes ursprüngliches Provisorium und innen eine der hellsten und freundlichsten Kirchen meiner persönlichen Sakralbautendurchspazierliste. Eine Nacht in Kalmar Erste innerschwedische Übernachtungsstation war das Scandic Hotel Kalmar. Seit in Schweden das Rauchen in der Öffentlichkeit verpönt ist, ziehen sich die Unbelehrbaren der Nation offenbar zum Quarzen gerne in die Räume dieses idyllisch im Industriegebiet liegenden Flachbaus zurück. Entsprechend ging man in der Küche von der Geschmacksbetäubtheit der meisten Gäste aus und servierte gewürzfreies Hühnchen, was völlig zu Recht nicht als schwedische Nationalspeise gerühmt wird. Ich trank dazu ein einziges Lettöl (Leichtbier) und bin daher ziemlich sicher, daß die Dutzende von Hasen, die wir beim anschließenden Spaziergang stadteinwärts entlang der Gewerberoute zu sehen bekamen, echt waren. Eine tote Möwe fanden wir auch man kann nicht behaupten, in Kalmar sei nachts nichts los.
Der nächste Morgen brachte uns eine Führung durch das immerhin ganz sehenswerte Kalmarer Schloß, das mir so geht es mir immer weniger durch seine klotzige Häufung von monarchischen Mauersteinen und klotziger Historie oder umgekehrt interessant erschien (merke: Wenn Du in Schweden irgendeinen König identifizieren sollst, liegst du mit 'Gustav' fast immer richtig, sonst heißt es unweigerlich 'Christian'), sondern durch die aus den Ritzen der alten Möbel sickernden Alltagsgeschichten. So wurden den Schnitzfiguren des in Dänemark eroberten (!) königinnenlichen Prunkbettes sämtliche Nasen abgehauen, weil man glaubte, es steckten die Seelen der Abgebildeten darin, und so etwas hat ja wohl niemand gerne im Schlafzimmer; dafür aber nachts Diener am unteren Matratzenende zum Füßewärmen. Über das spezielle Verhältnis der Schweden zu Möbeln ist aber wohl an anderer Stelle schon in ausreichender Menge geschrieben worden (Stichwort: "Wohnst du schon, oder schraubst du noch?"). |
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