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Besuch in Vimmerby, wo ich schon zweimal war und daher zumindest auf Anhieb weiß, wo die Toiletten sind, nämlich direkt beim Touristbüro. Aber es geht an diesem heißen Tag ohnehin gleich weiter in einen der weltweit wenigen Freizeitparks, welche der Literatur gewidmet sind, hier: den Werken der zu Recht zur stillen Legende gewordenen Astrid Lindgren. Wegen des Wetters sind viele Familien zum Park gekommen, weil kleine Kinder in dem Freigelände voller Nachbauten aus diversen Lindgren-Büchern ein wunderbares (und verblüffend sauberes) Freigelände vorfinden: Wieschen zum Rennen, Häuschen zum Rein- und Rauskrabbeln, Wassersprenger zum Abkühlen und so fort. Höhepunkt Kaffeebar Weil wir unbekindert unterwegs sind, begeben wir uns statt dessen ins Lindgren-Museum, schauen uns einen gut gemachten Kurzfilm über die Dame an und eine eher unspirierte Ausstellung, deren Höhepunkt die Kaffeebar am Schluß ist, denn es liegt in der Natur der Dinge, daß schlechte Ausstellungen dreimal so sehr auf den Kreislauf schlagen wie gute. Immerhin erfahren wir, wie in verschiedenen Ländern Pippi Langstrumpf aussieht und können das Modell des Vorbildes der Villa Kunterbunt umwandern. Ansonsten bietet "Astrid Lindgrens värld" dem Interessierten wenig außer Verkaufsständen, in denen man natürlich das Gesamtwerk der Dame nebst diversem Merchandising erstehen kann (es gab sicher irgendwo auch das "All I got from their trip to Lönneberga was this lousy T-Shirt!"-T-Shirt. Ich bin nicht sicher, ob die Namensgeberin 'ihre' Welt so gern gehabt hätte. Sie scheint dem Charisma ihrer Werke so fern zu sein und hat mich, der ich die Autorin als Person immer aus der Ferne bewundert habe, ohne eine besonders innige Verbundenheit mit ihren Büchern zu verspüren, nicht im mindesten ansprechen können. Aber ich vielleicht gehöre ich doch zu sehr einer Generation an, die sich eine gesunde Befremdung angesichts zu offensichtlich inhaltsarmen Infotainments bewahrt hat. Für Kinder mag der chipkartengeschützte Eingang ein funktionierendes Tor in eine andere Welt sein; ich hatte diesen Schlüssel offenbar nicht. Satellitenstadtnichtflair Die Fahrt führte uns nun in Richtung schwerer Wolken und der schwedischen Hauptstadt. Der Bus hielt wiederum an einem (diesmal weniger verqualmten) Hotel in einem hügeligen Wohnvorort, der, wie uns mitgeteilt wurde, zu Stockholm gehörte und tatsächlich mit seiner in der Nähe befindlichen Ikea-Filiale und dem Kinocenter (es gab "Död mans kista" man darf raten), der Autobahn und dem McDonald's Drive-In internationales Satellitenstadtnichtflair verströmte. Das Abendessen gestaltete sich aus Sicht des Küchenpersonals schmeckbar verzweifelt, da vor uns eine andere ausländische Reisegruppe die Zurückhaltung des Ethnologen verbietet mir zu verraten, daß es sich um Israelis gehandelt haben soll derart zugelangt hatte, daß es für uns nur noch zu Reis und etwas gewürzfreiem Hühnchen reichte. Es wurden Stimmen laut, die bekundeten, zumindest in kulinarischer Hinsicht hätte man doch besser auf der Fähre bleiben sollen, und ich war zu diesem Zeitpunkt geneigt, dem nicht zu widersprechen. |
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