|
Nachdem es uns, wie es dem Homo touristiensis eigen ist, einen Reisetag und diverse hunderte von Kilometern gekostet hatte, uns auch geistig wirklich auf den Weg zu machen und damit aufzuhören, uns über die vielleicht versehentlich nicht mehr gegossenen Blumen im Schlafzimmer und derlei Gedanken zu machen, hatte die Nachtfähre bereits die Strecke Travemünde-Malmö zurückgelegt. Mein Schatz und ich hatten dabei Glück im Kabinenlosverfahren und erhielten eine Suite direkt unterhalb der Brücke mit Blick nach vorne. Die unterhalb des Kabinenfensters angebrachten Knöpfe ließen mich momentelang vermuten, man habe uns versehentlich die Hilfssteuerwarte zugewiesen und es werde Nautisches von uns erwartet, aber es waren dann doch nur die Bedienknöpfe des Bordradios. Zum Abendessen und Frühstück versammelte sich die Reisegruppe zum reichhaltigen Buffet, über das man beim besten Willen nicht meckern konnte. Von der Kunst auf dem Wasser zu essen Der Mensch ist übrigens nicht das einzige Lebewesen, das die Kunst gemeistert hat, während der Querung einer größeren Wasserfläche eine Mahlzeit zu sich zu nehmen, aber er ist vermutlich das einzige, das sich dabei kauend vorsorglich schon einmal über die mutmaßlichen Mängel der Verpflegung auf der anderen Seite beschwert, und unter solcherlei munterem Geplauder vom Nebentisch waren wir gegen 7.00 Uhr früh auf schwedischem Asphalt angelangt. Glasscheiben und Gruppenzwang in Malmö Die Reisegesellschaft eröffnete dann gesättigt die 'eigentliche' Reise mit einer Busrundfahrt durch das morgentlich verschlafene Malmö. Eine eigens engagierte örtliche Führerin erklärte uns charmant, was man alles dort zu sehen bekommen könne, wenn a) die Zeit dafür da, und b) von der Straße aus nicht dieser oder jener häßliche Neubau im Weg wäre. Immerhin gelang es uns unter Verrenkungen, flüchtige Eindrücke der mittleren Teile beeindruckender Architektur und urbanen Charismas zu sammeln. Eine Stadtrundfahrt hat mit einer Großwildfotosafari die Eigenschaft gemein, daß der Aspekt der Abgrenzung gegenüber dem Aspekt der Kontaktfindung dominiert: dort könnte ich eintreten, dieses näher ansehen, darüber mehr erfahren wenn ich mich eben nicht hinter Glasscheibe und Gruppenzwang verpackt hier aufhielte. Immerhin mag ja eine solche kurze Rundfahrt der ersten Orientierung dienen, als eine Vorer-Fahrung, ein Trailer sozusagen, bevor mit der eigentlichen individuelleren lust- und interesseorienten Erkundung begonnen werden kann. Dumm nur, wenn dies gar nicht vorgesehen ist, weil es gleich zum nächsten Trailer weitergeht.
|
|