Die Bewohner von Malta spielen ihre Geschichte nach (Bild: SLO)

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Malta: Goldene Falken und reiche Ritter

Es ist etwa zwanzig Jahre her, dass ich auf Malta neugierig wurde: beim Spielfilm "The Maltese Falcon" mit Humphrey Bogart als Detektiv Sam Spade - nach einem Roman von Dashiell Hammett. Da jagen Gangster einer edelsteinbesetzten, goldenen Falkenstatue hinterher. Sie stammte von den unermesslich reichen Rittern des Johanniterordens, der auf Malta residierte. In der Tat war ein Falke pro Jahr die so genannte Lehnsgabe, die von den Rittern an Karl. V. entrichtet werden musste - dafür gab es eine ganze Insel.

Eine Insel, die außer Steine und Hitze vor allem eines zu bieten hat: Geschichte - und davon gleich 7.000 Jahre. Strategisch günstig zwischen Italien und Afrika gelegen, haben die unterschiedlichsten Völker das Archipel besiedelt, erobert, übernommen. Und alle haben sie ihre Spuren hinterlassen.

Rillen in Clapham Junction (Bild: SLO)Wer zum Teufel hat diese Rillen in den Stein geschlagen? Und das vor dreitausend Jahren. Experimentalarchäologen haben herausgefunden, dass Karren mit Rädern hier nicht vorankommen. Statt dessen funktionieren Gleitkarren wunderbar. Die sind variabel in der Spurbreite und waren damals weit verbreitet. Zumindest eine gute Theorie. Der Engländer, der sie sah, dachte direkt an einen Güterbahnhof und nannte das Gelände Clapham Junction. Dieses Kulturdenkmal ist nicht gut ausgeschildert. Malteser sind aber ein auskunftsfreudiges Volk und lassen verirrte Reisende nicht in der Felswüste stehen.

Meister des Tempelbaus

Der Tempel in Mnajdra (Bild: SLO)Die beeindruckendsten Bauwerke auf Malta sind allerdings noch älter. Vor etwa 5.800 Jahren errichteten Steinzeitmenschen riesige Tempel aus Steinen, die mehr als sechs Meter groß waren. Das war ein Jahrtausend vor den Pyramdien, anderthalb Jahrtausende vor Stonehenge. Diese Tempel wurden ohne Metallwerkzeug errichtet. Wer das Glück hat, diese Tempel - vor allem Hagar Qim (gesprochen Hadscharim, bedeutet Steine des Gebetes) und Mnajdra (gesprochen Imnaidra, bedeutet Ausblick) - in aller Ruhe zu betreten, kann sich ihrem Zauber schwerlich entziehen. Noch beeindruckender als die Bauwerke sind die dort gefundenen Skulpturen: drei Meter hohe, übermässig fette Frauen, kleine Venusfiguren und eine wunderschön modellierte liegende Frau. Wahrscheinlich beteten die Malteser damals eine Fruchtbarkeitsgöttin an. Alles weitere ist reine Spekulation.

Insel der Katholiken

Paulus auf Malta, Gemälde von Stefano Erardi 1683 (Bild: SLO)Heute glauben die Malteser an Gott - die streng katholischen Insulaner sind vom heiligen Paulus persönlich missioniert wurden. Den hatte es 59 nach Christus bei einem Schiffbruch an die Küste Maltas verschlagen. Nachdem er einen Schlangenbiss überlebt hatte, hielten ihn die Inselbewohner für einen Gott. Heute fehlt an kaum einem Haus ein Heiligenbild, die Kirchen sind sonntags voll, selbst in den Bussen wacht über dem Fahrer und den Passagieren die heilige Maria in ihrem Schrein. Hier bekreuzigen sich sogar die Passagiere vor der Fahrt - beim Alter der legendären maltesischen Busse und dem Fahrstil der jungen Fahrer kein Wunder. Da die Malteser von den Arabern im 8. Jahrhundert die Sprache übernommen hatten, dürften sie die einzigen Katholiken sein, die ihren Gott "alla" nennen.

Mosaik im Domus Romana (Bild: SLO)Jetzt haben wir aber die Phönizier und die Römer übersprungen. Unter beiden Hochkulturen ging es den Maltesern gut - die Honiginsel mit ihren riesigen Naturhäfen war fruchtbar und ein Zentrum des Mittelmeerhandels. Die Spuren der Römer sind am eindrucksvollsten in Rabat zu sehen: im Museum Domus Romana (behindertengerecht). Dort sind wunderschöne Mosaiken erhalten geblieben.

Araber, Normannen, Staufer, Spanier - die Insel geht von einer Hand in die nächste über, bis sie 1530 zur neuen Heimat der Johanniter wird. Die waren von den Türken nach schweren Kämpfen aus Rhodos vertrieben worden. Sie bestimmten das Schicksal der Insel für fast dreihundert Jahre. Sie bauten die Befestigungen aus und konnten der Belagerung der türkischen Armee 1565 standhalten. Die Ritter verschmähten die alte Inselhaupstadt Mdina (gesprochen Imdina) und errichteten neue Städte an den großen Häfen. Für den Touristen ist das autofreie und saubere Mdina heute eine Oase des Friedens.

Grab in der St. Agatha-Katakombe (Bild: SLO)Im benachbarten Rabat warten auf den kulturinteressierten Reisenden die Katakomben von St. Paul. Die weitläufigen Anlagen zeigen, wie die Römer und frühe Christen ihre Angehörigen in Steingräbern beisetzten. Übertroffen werden die Katakomben einige Schritte weiter durch die Gräber unterhalb von St. Agatha. Die Wartezeit bis man die Höhlen betreten darf, kann man sich im herrlichen Sammelsurium-Museum der Kirche vertreiben. In den Katakomben selbst verschlagen einem die christlichen Malereien die Sprache: Die ältesten sind aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Auf eigene Faust kann man die Katakomben erkunden - mit Hilfe einer Taschenlampe auch die unbeleuchteten Teile. Eine gruselige Zeitreise, denn hier liegen die Toten noch in ihren Steingräbern.


 


Goldene Falken und reiche Ritter

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