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Sizilien
für Unverfrorene
Jahreszeit; Frühjahr,
beste Zeit für Blumen und Blütenteppiche, keine brütende
Hitze, weniger, deutlich weniger Touristen, günstigere Preise und
(noch) recht freundliche Souvenierverkäufer und Kellner. Dies sind
die positiven Seiten des Frühlings in Sizilien. Sollte allerdings
eine ungünstige gesamteuropäische Wetterlage ein eher kühles
Klima im Mittelmeerraum verbreiten, dann erhalten andere Faktoren eine
zunehmende Bedeutung:
Ungeheizte
Häuser, zumeist auch Restaurants, alle Einheimischen beklagen das
"brutto tempo", "che freddo che fa" und tun so,
als sei dies die absolute Ausnahme im ansonsten sonnigen Sizilien, daß
es mal regnet. Dabei weist die Wetterstatistik für März 9
- in Worten "neun" - Regentage aus und es ist bis jetzt noch
nicht berichtet worden, daß es auch aus heiterem Himmel geregnet
habe. Also - irgendetwas stimmt da nicht!
Jetzt
weiß man, warum die italienische Mode nicht nur hauchdünne
Damenblusen, sondern auch massiv wärmende Merinopullover hervorgebracht
hat. Die dünnen sommerlichen Stücke werden zwar im Schaufenster
dekoriert, die warmen gibt's dann unter der Ladentheke als Bückware.
Jetzt weiß man, warum die Häuser von Taormina und anderer
touristischer Magneten so eng zusammenrücken. Nicht etwa aus Platzmangel
- nein, sie sind unbeheizt, kalt und sie kuscheln sich frierend aneinander.
Denn das sommerliche Image der Region verlangt, daß alle mit kalten
Terracotta-Fliesen und mit wärme-absorbierendem Marmor ausgestattet
werden müssen.
Mein
Tipp: An besonders kalten Tagen ein Auto mieten und viel herumfahren.
Die Heizung sorgt für Wärme und Besichtigungen heben die Bildung.
Allerdings auch nur eine temporäre Lösung, denn am Abend wartet
das kühle, ungemütliche, klamme Haus. Für
den täglichen Gebrauch empfehlen wir deshalb folgendes Ritual:
Betreten Sie eine der vielen Apotheken und sprechen Sie dort gegenüber
der weißgekleideten Verkäuferin folgenden Zauberspruch: "Una
borsa di aqua calda, per favore." Sie wird sie mit blaugefrorenen
Lippen verständnisvoll anlächeln und ihre kalten zitternden
Hände eine solide gearbeitete Wärmeflasche aus Kunststoff
drücken.
Für
wenige Euro haben Sie nun ein Zaubermittel, das Allheilmittel gegen
einschlafverhindernde kalte Füsse, Ungemütlichkeit erzeugende
Terracotta-Fliesen und kältegeschrumpfte Nieren erstanden. So
ausgestattet, überstehen Sie zumindest die kritischsten Situationen.
An der gesamteuropäischen Wetterlage, die ein Kältetief von
der Ostsee bis nach Süditalien und ein Wärmehoch von Deutschland
bis nach England plaziert , ändert sich dadurch selbstverständlich
nichts. In Kalabrien fällt Schnee, in Rom fällt Platzregen
und in Deutschland werden 23 Grad Celsius (plus!) gemessen.
Am
letzten Tag, dem Tag der Abreise, kommt dann fraglos ein kräftiger
Wind auf, der sämtliche Wolken entfernt und einen fast blankgeputzten
Himmel hinterläßt. Daraus strahlt eine kräftig wärmende
Sonne auf den Dahingehenden herunter. Der aber, in seiner Unverfrorenheit
gewappnet gegen jede Art von Wetter, bleibt cool. Er ignoriert völlig,
daß die Passanten Hemden mit kurzen Ärmeln tragen. Er freut
sich darüber, daß der Busfahrer die Klimaanlage einschaltet,
denn kühle Luft ist sein Metier. Er behält gerne seinen Pullover
an, denn er weiß, zu Hause erwartet ihn kühles Regenwetter.
Ihn bewegt nur eine Frage: Habe ich auch daran gedacht, in der Ferienwohnung
die elektrische Heizung auszuschalten?
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