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Es gibt Wege, die sollte man einmal in seinem Leben gegangen sein. Dazu zählt für eine bestimmte Spezies von Menschen der Pilgerweg nach Santiago de Compostella. Oder einmal auf die Via Appia die Füsse gesetzt zu haben oder einen Fernwanderweg quer durch die Alpen "gemacht" zu haben. Diese Menschen verbinden mit solchen Wegen bestimmte Vorstellungen, Erwartungen oder gar Zielsetzungen. "I did it!" ist die diffuseste und unpräziseste; "Erlösung von meinem Leiden" sicher die konkreteste. Eine gewisse Form der Heilung schwebt immer neben dem Pilger oder Wallfahrer in eigener Sache. Und sei es lediglich die seelische Besserung, die Steigerung des Wohlbefindens, weil man sich endlich wieder nur mit einer Sache befaßt hat und die therapeutische Wirkung des Wanderns als "Verorten in der Natur" gesucht wird. Also - verorten wir uns in den Hängen der Cinque Terre, der fünf Dörfer an der Küste Ligurens, die erst seit Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Landweg per Eisenbahn erreichbar wurden - vorher ging dies nur per Boot über das Meer. Eine Steilküste mit Terrassen, wo immer es möglich war, eine Trockenmauer zum Absichern der Weinbergstreifen und schmalen Gärtchen zu errichten. Ein Wanderweg verbindet die Dörfer Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso al Mare. Er verläuft überwiegend parallel zur felsigen Küste und dürfte zu den beliebtesten Wanderrouten der Erde zählen. Er bietet neben immer wieder neuen Aussichtspunkten kaum etwas von dem, was der Durchschnittswanderer schätzt. Zumeist verläuft er in glühendem Sonnenschein, hat nur geringfügige Steigungen, er kostet Eintritt (3.- €) und kann auf seinem beliebtesten Abschnitt, der Via dell'amore, mühelos in Badeschlappen bewältigt werden. Hier wird es zudem an den Wochenenden ganz schön eng. Was zieht die Menschen also auf diesen Pfad, warum laufen sie schwitzend in kurzen Hosen, mit nacktem Oberkörper oder im Bikinioberteil diesen Pfad entlang, fallen in großer Zahl in die engen Gassen der fünf Dörfer ein, drängen sich in den Restaurants und Trattorias, stehen Mann an Frau auf brütend heißen Bahnsteigen, um mit dem Zug zum Ausgangspunkt ihrer Wanderung zurück zu fahren? Hier fällt die Antwort leichter, wenn man Italienisch von anderen Sprachen unterscheiden kann. Dann erkennt man, daß diese Menschen überwiegend Amerikanisch sprechen. Vor allem rucksackbepackte junge US-Bürger bevölkern Züge und Wege. Aber auch Ältere und Familien, die sich im Infobüro der Cinque Terre Material nebst Zugfahrplänen holen und dann erst mal das nach der Beschreibung typischste Dorf (Vernazza) als Besichtigungsort auswählen. Eine Erklärung könnte sein: Die Cinque Terre waren schon bewohnt und kultiviert, bevor der erste Indianer die Segel der Fregatte des Christoph Columbus erblickte. Und Amerikaner hegen eine offene Bewunderung für alles, was älter ist, als ihre Demokratie. Möglicherweise betrachten die transatlantischen Reisenden auch diesen Küstenabschnitt als den italienischen Teil eines noch größeren Disneylands Europa - dann ist Eintritt irgendwie selbstverständlich und mit 3.- € sogar preiswert. Ja, es soll sogar welche geben, die sich in diesem Disneyland für mehrere Tage eine Ferienwohnung nehmen. Selbst kochen werden sie wohl kaum, denn zum Einkaufen braucht man nicht nur einen geduldigen , weil touristenerprobten Verkäufer, sondern auch etwas Italienisch-Kenntnisse - weniger sprachlicher als kulinarischer Art. Was soll man nur all diesen fremdartigen Gemüsen und Früchten anfangen?. Die Sprachkenntnisse reichen jedoch für's Restaurant. "Look Honey, they have an english menue here: Mozzarella, Pasta, Pizza.....". Da ist es hilfreich, daß die Servicekräfte leidlich Englisch sprechen. Am Ende dann die nüchtere Erkenntnis, daß man es als Amerikanerin mittleren Alters doch nur zwei Tage hier aushalten kann: "After two days I will get a heartattack - all these stairs. The Italians are living much healthier than we Americans. Much more movement." Dörfer, die an einer Steilküste liegen, haben nun mal deutlich mehr Treppen als sonst üblich. Da ist vor allem Corniglia zu nennen, das einzige Dorf ohne direkten Meereskontakt. Vom Bahnhof am Wasser führt eine Treppe zickzackförmig mit 365 Stufen auf Dorf-Level. Wer diese Treppe nur einmal hochläuft, fühlt sich ein Jahr älter; wer sie eine Woche täglich hochläuft, fühlt sich 10 Jahre jünger. Doch um alle diese multikulturellen Eindrücke mit nach Hause zu nehmen, dazu muss man einfach in Cinque Terre gewandert und geschwitzt haben, ausgerüstet mit einer oder gar zwei Wasserflaschen am Rucksack und einem Durchhaltewillen, der für das Death Valley oder den Iron Man reichen würde. Irgendwann jedoch mag man keine verschwitzten Bikinioberteile samt unterschiedlich attraktivem Inhalt mehr sehen und kein Amerikanisch mehr hören. Zum Glück gibt es nicht nur den küstenparallelen Wanderweg Nr. 2, es gibt auch Querwege. Diese führen von der Küste weg ins Gebirge und dort auf den Höhenweg Nr. 1, der wiederum parallel zur Küste verläuft, aber im Vergleich zum Weg Nr. 2 durch Waldeinsamkeit führt. Nur wenige Schritte von dieser "Küstenautobahn" weg und man glaubt allein in den Cinque Terre zu sein. Beispielhaft eine Tageswanderung von Vernazza nach Corniglia, die ca. 4 Stunden dauert: In Vernazza ein kurzes Stück auf dem Weg Nr. 2 Richtung Corniglia, dann steil links hoch Richtung San Bernardino. Dieser Weg ist nur mit gutem Schuhwerk und Trittsicherheit zu bewaltigen, bietet dafür grandiose Ausblicke. Rast in San Bernardino, das auf einem Grat liegt. Weiter bergauf Richtung Casella, bis der Höhenweg Nr. 1 quer zur Marschrichtung kommt. Auf der Nr. 1 Richtung Portovenere, bis die Abzweigung nach rechts bergab Richtung Corniglia auftaucht. Hier geht es nun ständig bergab, anfangs in schattigen Kiefer- und Eichenwäldern, später durch die Terassengärten. In Corniglia durch die Via Fieschi bis zur Meerespanorama-Terasse. Dann entweder mit dem Pulman zum Bahnhof oder zu Fuß die Treppe mit 365 Stufen nach unten (ca. 15 Minuten bis zum Bahnhof). Rückfahrt mit der Bahn. Eine weitere Tagestour
abseits der "Autobahn" könnte so aussehen: Nach einigen Wanderungen und mehreren Tagen in Cinque Terre bleibt dem, der mit offenen Augen umhergeht, der wahre Grund für die Menschenmassen auf den Wanderwegen nicht verborgen: Die meisten suchen hier in einer Ferienwohnung Ruhe und Erholung. Doch Cinque Terre ist eine aufstrebende Region, in jedem der fünf Dörfer werden Häuser renoviert, Dächer neu gedeckt und andere geräuschintensive Arbeiten ausgeführt. Auf den Wanderwegen finden sich also alle, die in direkter Nachbarschaft eine solche Baustelle haben - und das eigentlich ist fast jeder. |
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Ristorante Gli Ulivi Informationen Ausgezeichnete Markierungen auf den Wanderwegen selbst, Wanderkarte mit Dauer der Etappe und relevanten Telefonnummern sowie weiteres Infomaterial gibt es kostenlos in den Infobüros der Cinque Terre an allen Bahnhöfen. Der Bahnpass, die Cinque Terre Card die von Levanto bis La Spezia gilt, bietet kostenfreie Fahrt in den Regionalzügen und den lokalen Pulmanbussen der Cinque Terre-Dörfer, sowie weitere Vergünstigungen. Links www.parconationale5terre.it
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