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Eifrige Italienreisende haben es schon längst gemerkt: Nicht erst mit dem Niedergang der Toscanafraktion (von der man sowieso bezweifeln kann, ob sie länger als eine Medienkampagne existierte) wird die Aussage "Den nächsten Urlaub verbringen wir in der Toscana" kaum noch mit einem anerkennenden "Ehrlich? Toll!" kommentiert. Vielfach stellen die Gesprächspartner Fragen wie "Dort ist es aber ziemlich teuer, nicht?" oder "Aber nicht zur Haupturlaubszeit - oder?". Gar nicht zu reden von Eingeweihten, die ergänzend bemerken, dass sie schon vor längerem ihr Ferienhaus dort abgestoßen haben (gewinnbringend, versteht sich); die frühere "typische" toscanische Atmosphäre gebe es schon lange nicht mehr. Ach ja, Italien!
Immer, wenn es den Deutschen gut ging, fuhren sie nach Italien - das
zeigt die Geschichte, die für die ausgehenden 1950er und beginnenden
1960er Jahre eben dieses Phänomen verzeichnen kann. Da die Deutschen
mit Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch in einem gewissen Umfang
nach Italien fahren, scheint es ihnen immer noch gut zu gehen. Aber
in die Toscana? Als Zwischenstopp vielleicht, um in einem der vielen
Orte, die man vor Jahren idyllisch und "typisch" fand, Halt
zu machen und festzustellen, dass sich auch hier mittlerweile deutschsprachige
Hinweisschilder, Speisekarten und Verkaufsschilder breit machen. Was tun? Eine klassische Frage, völlig unpolitisch zu verstehen. Dem preisgünstigen Trend Richtung Türkei oder Mallorca ("Malle") folgen? Ganz woanders hinfahren (wo immer das liegen mag)? Dem Retrotrend folgen und in Deutschland urlauben? Wozu hat man sich denn mühsam die wichtigsten italienischen Worte angeeignet (Stanza con bagno / vino rosso, bianco / il conto)? Und alle diese hochglänzenden kunstgeschichtlichen Führer, die nun im Bücherregal stehen, gekauft? Also doch wieder Italien - aber wohin? Mit Hilfe der modernen flugtechnischen Errungenschaften haben sich deutsche Urlauber mittlerweile exotische Regionen wie Sizilien, Sardinien (gehört auch zu Italien, im Gegensatz zu Korsika!) oder den Golf von Neapel mit der angrenzenden Amalfi-Küste erschlossen. Für andere Regionen - so fürchten sie - wird eine gewisse Abenteuerlust benötigt. Für den Appenin, weil dort möglicherweise noch Wölfe leben, für Cinque Terre, weil dort unzählige Amerikaner für den wasserlosen Marsch durch Death Valley trainieren und für Rimini, weil man fürchtet, dort den letzten deutschen Prolos zu begegnen. Bleiben der nahegelegene und durch die benachbarte Schweiz zivilisierte Norden sowie der völlig unbekannte Süden. Seine Nähe zum Balkan und zu Afrika hat beim Italiener selbst tief sitzende Vorurteile entwickelt: "Südlich von Rom beginnt Afrika" ist nur ein Verdikt der italienischen Nordhälfte über den Süden. Selbstverständlich ist es dort im Sommer fast so heiß wie in Afrika, dafür können Regionen wie Apulien aber auch mit sehr milden Wintern aufwarten, in denen die Nachttemperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt und die Tagestemperaturen zweistellig bleiben. Wir entschlossen uns zu einem Selbstversuch. Beim Anflug schaute ich auf das Häusermeer von Bari und erinnerte mich an die Erzählungen über Diebstahl am hellen Tag in den Altstadtstraßen, von Bandenkriegen und über Verkehrsrowdies, die Baris Straßen zu einem Schlachtfeld machten. Mit einem Mietauto (also einer Selbstbeteiligung von 300.- € bei Unfall) steuerten wir die Stadt an. Weit vor uns schaltete eine Ampel auf "Rot" und ich war gespannt, was geschehen würde. Alle Autos vor mir hielten vorbildlich an. Auch irgendwelche unvorhergesehenen Manöver unterblieben völlig. Einige hundert Meter weiter am Meeresboulevard von Bari drängelten sich die Fahrzeuge - Linksabbieger schienen chancenlos. Doch ohne Anwendung unmittelbaren Zwangs und ohne weitere Hilfen wie Ampeln oder Verkehrspolizisten konnte ich recht bald abbiegen und sogar nach nur zehn Minuten einen Parkplatz besetzen. In schwierigen Zeiten kann diese Suche auch mal zwei Stunden dauern. Wir testeten nun die Einkaufsstraßen. Sie wimmelten von Menschen, gut gekleideten Menschen, die das tun, was Menschen in ganz Italien am liebsten tun - flanieren und shoppen. Die teuer gekleideten älteren Damen, die aus den Nobel-Shops von Gucci oder Louis Vitton treten, erinnerten sehr an Düsseldorf oder Wiesbaden - die Preise mancher Edelbistros ebenso. Am mächtigen Castello Friedrichs II. liessen die engen, halbdunklen Altstadtgassen uns wieder bedenklicher werden, aber Kinder spielten Fußball, Männer saßen in den offenen Souterrainwohnungen um einen Tisch und spielten mit ungezinkten Karten und vor den Häusern fertigen alte Frauen fingergeschickt regionale Nudelsorten wie Oriechiette und Minchiarelli. Dies geschieht blind: Eine Handvoll Teig wird gerollt, von dieser dünnen Wurst wird ein Stück abgeschnitten, mit dem Messer oder dem Daumen flachgedrückt und dabei gerollt. Für den deutschen Laien ein unglaublich geschickter Vorgang - vieltausendfach geübt und zu Tausenden liegen diese Nudeln auf Kuchenblechen in der Gasse zum Trocknen. Fast mag man glauben, das einzige, was die Barinesen jemals gestohlen haben, seien die Reliquien des heiligen Nikolaus (der vom 6. Dezember) gewesen und das ist schon hunderte Jahre her. Gegen 21 Uhr, wenn sich im kalten Deutschland allmählich die Nachtruhe ankündigt, beginnt in Bari erst langsam das Leben. Die Luft wird frischer (also kühler als 30°C), vom Meer unterstützt durch eine frische Brise. Man flaniert mit Kind und Kegel und wenn die Brise sich gelegt hat, dann geht man in einem der unzähligen Restaurants in Meeresnähe essen - falls noch ein Platz frei ist. Reservierungen für 22 Uhr scheitern deshalb erfahrungsgemäß. Denn bis nach Mitternacht pulsiert das Leben auf den städtischen Straßen, in den Parks und auf den Plätzen am Meer. Mitten im Gewühl ziemlich viel Polizei und darüber Überwachungskameras - sehr viel Sicherheit für einige Touristen und viele Einheimische. Da wird man mutig und landet in einer Altstadtgasse in einer typischen Osteria, isst ein leckeres Menu, bummelt weiter, schaut bei einem Karaoke-Wettbewerb zu, blickt aufs dunkle Meer und isst noch aus einem "laboratorio di cornetti" einen frischen Cornetto mit oder ohne Füllung. Nachtschwärmer gehen dann so gegen Mitternacht in eine der vielen Discos, andere geniessen einfach die Kühle und das Gespräch. Am Morgen dann erst mal ausschlafen und nach dem kurzen italienischen Frühstück "al mare". Hier bietet Apulien rund 800 Kilometer Küste - einiges davon Privatbesitz, vieles felsig, aber auch viele Sandstrände. Diese sind teilweise nur per Eintritt zugänglich, wobei der zwei bis fünf Euro kostet, Liegestuhl und Sonnenschirm extra. Dafür gibt es Umkleiden und Süsswasserduschen. Sonntags ist alles am Meer, dann wird es laut und eng - vor allem im Dunstkreis der größeren Städte. Aber bei Tagestemperaturen um die 30°C im Juli zieht es schon ans Wasser, eine frische Brise tut ein übriges. Zur Mittagszeit geht der Pugliese essen - also von 13 Uhr bis etwa 16 Uhr. Es folgt eine Siesta. Hierbei kann der Mitteleuropäer die Vorzüge dieses mittäglichen Kurzschlafs erleben. Die Geschäfte sind alle dicht und erst ab 18 Uhr, wenn es wieder kühler wird, regt sich das Leben allmählich. Die Rolläden gehen hoch und so um 20 Uhr beginnt die Passeggiata entlang der zentralen Straße. Um 22 Uhr wird dann wieder was gegessen. Dann bestellt man gerne eine Pizza, aber auch ein "richtiges" Essen mit Antipasti, Nudeln als erstem und Fisch oder Fleisch als zweitem Gang wird durchaus nicht verschmäht. Die Küche ist einfach, aber schmackhaft, die Oriechiette (Öhrchen-Nudeln) sind auf der außen gewölbten Seite nicht geglättet, damit sie die Sauce besser aufnehmen. Meist eine Tomatensauce, die dann auch nach frischen Tomaten schmeckt. Aus dem Meer kommt alles frisch auf den Tisch, verschiedene Fischarten, Calamari, Polpi und Ricci, die Seeigel, die hier als Delikatesse roh gegessen werden. Dazu einen halben Liter Roten oder Weißen de la casa oder eine Flasche Montepulciano, nein, nicht der aus der Toscana, sondern von der Rebe, die so heißt und in Apulien angebaut wird. Daneben hat die Primitivo-Rebe trotz ihres frugal klingenden Namens international die Rotweintrinker überzeugt. Der Weißwein z.B. aus dem Anbaugebiet Castel Monte ist frisch und ein guter Begleiter beim Essen. Zum Nachtisch gibt es Früchte oder Pannacotta und selbstverständlich Espresso, der hier "Cafë" heißt. Ein völlig anderer Tagesrhythmus, aber wer einige Sommerwochen in Apulien verbracht hat, passt sich freiwillig an. Schwer wird es dann zu Hause, die innere Uhr wieder umzustellen. Auf dem Weg zurück nach Deutschland kreisen die Gedanken um eine Information, die man auf der Flughafentoilette erhielt: Hier liest man den mehrsprachigen Hinwies, daß diese Toilette desinfiziert wurde mit Produkten auf der Basis von Quartärsalzen von Ammonium. Da setzt man sich doch beruhigt nieder und fragt sich nur, wie das erst mit Primärsalzen wäre. Und man lässt den Einheimischen die Rätselfrage zurück: Was macht der Deutsche im Winter ohne frisches Basilikum? |
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Flüge nach
Bari mit LH oder Alitalia Unterkünfte auf dem Lande zumeist in Form von Agriturismo, also Weingüter oder Olivenfarmen zumeist mit einem alten Haupthaus, wenigen Zimmern und Frühstück bzw. Halbpension, an der Küste Ferienwohnungen. Adresse Osteria "Da
Enzo"
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