Unsere neueste
Landpartie
Gruppen- Sightnotseeing in Sweden

Frankreich
Wanderungen
durch Paris

Italien
Apulien
Sizilien
Cinque Terre
Padua
Veneto
Venedig
Burano
Ischia

Griechenland
Rhodos: Insel der Sonne

Malta
Goldene Falken, reiche Ritter

Deutschland
An Ems und Hase
Bad Liebenzell
Maximiliansweg
Moselreise
Nordsee in der Nebensaison

Luxemburg
An der Obersauer

England
Cambridge
Peak-District
Norfolk Broads

Zypern
Die Insel entdecken

Schweden
Gruppensightnotseeing

Am Wegesrand
Italienische Autofahrer
Wellnessfrust
Schlafwandler

Mischbatterien
Bedürfnisse, drängende

Tai Chi
Entschleunigungskünste

Home
Kontakt/Impressum

Nordsee in der Nebensaison - Urlaub hinterm Deich

Die Vorfreude war groß. Endlich wieder mal ein Urlaub an der Nordsee, Wellenrauschen, Strandspaziergänge, herrlich. Aber als wir ankamen, fehlte der Hauptdarsteller: die Nordsee. Es war Ebbe, absolutes Niedrigwasser und im Watt heißt das: Die Nordsee ist kilometerweit entfernt.

Krabbenfischer im Hafen von Dorum-Neufeld (Bild: SLO)Gute sechs Stunden später war dann wieder Hochwasser und das Meer in seiner ganzen Pracht zu bewundern. Ausgesucht hatten wir uns das Nordseebad Dorum, genau in der Mitte zwischen Cuxhaven und Bremerhaven. Eine Ferienwohnung in einem reetgedeckten Haus, wenige hundert Meter hinterm Deich und das in der Vorsaison. Vorm Deich ein kleiner Hafen mit Krabbenfischern. Kaum andere Touristen, überall Friesen, die putzen, polieren, neu anstreichen und alles für den kommenden Sturm der Feriengäste vorbereiten. Die große Zahl von Ferienhäuschen lässt ahnen, was sich hier im Sommer tut.

Aufm Deich

Deich im Morgennebel (Bild: SLO)Der ideale Tag an der Nordsee beginnt mit einem standesgemäßen Frühstück in der Koffiestuv (friesisch für Kaffestube). Da muss es nicht der zugegebenermassen leckere Ostfriesentee sein, auch ein Pott Kaffee ist hier standesgemäß. Gestärkt geht es hinaus auf den Deich. Und der ist immer schön, ob bei Nebel, Regen, Sonne oder Schnee. Zwischen Deich und Meer liegen die Salzwiesen. Nicht überall darf man sie betreten, und wenn dann nur auf den markierten Wegen - besonders während der Brut- und Aufzuchtzeit vom 1. April bis zum 31. Juli brauchen die Vögel ihre Ruhe. Neben alten Bekannten wie Enten, Gänsen und Möwen kann man hier auch Rotschenkel, Wiesenpieper und Austernfischer sehen.

Das Watt

Abendstimmung im Watt (Bild: SLO)

Das Watt wirkt von den Vögeln abgesehen wie ausgestorben. Aber weit gefehlt. Ein genauer Blick zeigt Wattschnecken, die sich mit ihren Raspelzungen über die Algen hermachen. Deutliche Spuren hinterlassen auch die Wattwürmer, die aus dem Sand die Nährstoffe herausfiltern und nach dem Essen ein Häufchen Sandspaghetti zurücklassen. Und natürlich die Muscheln, von denen jede einzelne einen Liter Wasser in der Stunde filtert! Wer im Watt wandern will, sollte sich auf jeden Fall einer geführten Gruppe anschließen. Dies dient nicht nur dem Naturschutz und der Weiterbildung, sondern verhindert auch, dass man im auflaufenden Wasser nicht mehr rechtzeitig zur Küste kommt. Das Watt ist gefährlicher als die meisten Binnen-Menschen denken. In Dorum gibt es übrigens auch ein Wattmuseum mit anschaulichen Erklärungen zum Leben im Watt.

Versunkenes Lebstedt

Die Spuren der Wanderer verschwinden im Watt (Bild: SLO)Ganze Dörfer sind schon im Watt versunken. Die Gemeinde Lebstedt soll einer Sage nach reich an Weizen und Raps gewesen sein. Die wohlhabenden Bauern hatten die Scheunen und die Goldschatullen voll. Statt wie üblich den Stubenboden mit Sand auszustreuen, sollen sie in ihrem Überfluß das wertvolle Weizenmehl genommen haben. Diesen "gottlosen" Frevel sollen die Lebstedter in einer Sturmflut gebüßt haben - eine Flut, die keine Spuren zurückließ.
Und hätten die Archäologen nicht die Reste einer Straße gefunden, die geradewegs dort ins Meer führt, wo man das versunkene Lebstedt vermutet, wüßte man gar nicht, ob es das Dorf wirklich je gegeben hat.

Wursten? Wursten!

Denkmal in Dorum-Neufeld: Deicherbauer mit Böhre (Bild: SLO)Land Wursten nennt sich die Region. Und das hat nichts Lebensmitteln zu tun. Der Begriff Wursten stammt aus einer Zeit, in der es noch keine Deiche gab. Um sich vor den Sturmfluten zu schützen, wurden ab 1000 n.Chr. Häuser und später ganze Dörfer auf Wurten oder Wierden gebaut, etwa vier Meter hohe Aufschüttungen. Kurze zeit später begann man auch mit dem Deichbau. Der heutige Deich entstand im frühen 17. Jahrhundert und wurde zuletzt 1984 erhöht. Die Deiche wurden bis 1600 mühsam mit Schubkarren, Forken und Böhren (Tragbahren) errichtet. Aber die Arbeit hat sich gelohnt: Viele tausend Menschenleben konnten in den folgenden Sturmfluten gerettet werden. Aber ganz sicher sind die Wurster auch heutzutage noch nicht. Darum gilt noch heute ihr Gebet:

"God bewahre Damm und Dieken,
Siel un Bullwark un derglieken;
Dato unse Hab un Good
Un en eerlik Wurster Blood."


Empfehlenswerte Ausflüge
nach Bad Bederkesa und Bremerhaven

Ausflüge
nach Bad Bederkesa
und Bremerhaven

Informationszentrum
Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer
Haus Land Wursten
Tel. 04741/2826
Dorum-Neufeld
E-Mail
Öffnungszeiten:
1. Mai bis 15. September
10.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Kurverwaltung Land Wursten
Am Kutterhafen 3
27632 Dorum/Nordseebad
Tel. 04741/9600
Internet: www.wursterland.de
E-Mail

De Koffiestuv
Sieltrift 2
27632 Dorum-Neufeld
Tel. 04741 / 2098