|
Moselreise: Zwischen Koblenz und Trier Der schönste Fluss der Niederlande? Die Mosel natürlich. Wer sich auf eine entspannte Reise die Mosel hinauf begibt, stößt allenthalben auf unsere freundlichen Nachbarn. Und das ist gut so, denn die netten Touristen aus dem Land der Tulpen und der Windmühlen genießen ihren Moselurlaub mit einer stillen Fröhlichkeit. Was man nicht von allen Bajuwaren und Schwaben sagen kann, die vor allem die Radwege der Mosel für sich entdeckt haben. Erster Halt: Campingplatz Vogelsang Brodenbach Nach der Moselmündung
in der umtriebigen Stadt Koblenz ein ruhiges Plätzchen für
die Nacht? Das bietet der Campingplatz in Brodenbach. Nun ja, hohe
Punktzahlen bei der ADAC-Bewertung sind nicht zu erwarten. Die Reinlichkeit
der sanitären Anlagen gemahnt doch zu sehr an den leicht morbiden
Charme kleiner, südfranzösischer Campingplätze. Dafür
ist die Übernachtung preiswert, der obligatorische Kiosk und
ein Gasthaus vorhanden. Auch sind ein Minigolfplatz, Parkanlagen,
verschiedene Restaurants, ein Bootsverleih oder Ausflugsziele wie
die Burg Eltz mit dem Auto schnell zu erreichen. Burgen Wer am Abend
auf der Suche ist nach einer kleinen Pizzeria, auch das gibt es einige
Kilometer von Brodenbach entfernt: Im hübschen Städtchen
Burgen mit freiem Blick auf die Mosel: "Ristorante L'Airone",
gut geeignet für ein kleines Essen und das letzte kühle
Pils an einem lauen Abend. Moselromantik in Cochem Wer schon immer
mal ein Fachwerkhaus aus dem späten 20. Jahrhundert bewundern
wollte, sollte in Cochem am Marktplatz die Augen aufhalten: Sehr hübsch,
aber definitiv aus Beton - die "Pizzeria Arkaden". Ausgespuckt
aus dem Rachen der Reisebusse und Moselschiffe drängen sich jedes
Jahr zwei Millionen Menschen in den hübschen Gassen. Von jenen
schenkt kaum einer dem Marktbrunnen von 1767 Beachtung. Dabei ist
er durchaus einen zweiten Blick wert: Der Ritter St. Martin begräbt
unter den Hufen seines Kriegspferdes einen Bettler. Dieser richtet
den Blick angsterfüllt auf den Heiligen, der sein kurzes Schwert
hält, als wolle er nicht nur den Mantel in der Mitte, sondern
auch den Kopf des Bettlers vom Rumpfe trennen. Campen bei Cochem: "Landkern Altes Forsthaus" So muss ein Wirt aussehen: Rundlich, mit Bart, leicht roter Kopf und immer zu einem Scherz aufgelegt. So muss ein Campingplatz aussehen: Sauber mit Kinderspielplatz und Swimmingpool. Hier lässt es sich so angenehm urlauben, dass die Wohnwagen sogar feste Holzanbauten haben, da man sowieso nicht mehr weg möchte. Soviel Häuslichkeit lässt allerdings die Speisekarte in der "Camping-Klause" recht knapp ausfallen. Dafür ist zwei Orte weiter eine ausgezeichnete Pizza zu bekommen. Das "Pizzeria-Ristorante Roma" in Kaisersesch: Ein echter Geheimtipp. Reichsburg Cochem Fast zu schön, um wahr zu sein: die Reichsburg Cochem. Und ganz wahr ist sie auch nicht. Hier waren (wie fast überall links des Rheins) die Franzosen am Werk und schleiften die Burg im Auftrag von Ludwig XIV. Aber die Cochemer hatten Glück im Unglück: Der Berliner Eisenfabrikant Louis Ravené stieß auf der Suche nach einer Burg auf die Ruine auf dem Schieferfels über der Stadt. Man wurde sich schnell handelseinig - wo seit 200 Jahren nur noch Reste des Bergfriedes und der Hexenturm standen, rekonstruierten Architekten die alte Reichsburg. Nur ein paar Türmchen mehr, ein paar Verzierungen mehr und die Innenausstattung ganz auf die Bedürfnisse von Damen des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Denn Ravené baute die Reichsburg als Sommersitz für seine Gattin auf. Die dankte es ihm schlecht: Den blumigen Ausführungen des Fremdenführers zufolge brannte die Dame mit Ravenés bestem Freund durch. Die Bürger der Stadt haben mittlerweile die Reichsburg zurück gekauft. Ein gutes Geschäft: Auch wenn die Erhaltung - vor allem des abrutschgefährdeten Burgfelsens - einen Großteil des Geldes verschlingt, das jährlich 300.000 Besucher auf der Burg lassen. Von Zell nach Traben-Trarbach Manch einer kommt an die Mosel, um den leckeren Wein zu trinken. Mit einer der berühmtesten Tropfen nennt sich "Schwarze Katz" und kommt aus dem Fachwerkidyll Zell. Manch einer ist aber auch in charmanter weiblicher Begleitung unterwegs und wird mit dem Verlangen nach original italienischem Eis konfrontiert. Auch da wartet Zell mit einem Kleinod auf: das Eis-Café Venezia - südlandische Gastlichkeit und ein Eis, dass man vor der Wirtin hinknien möchte. Nächste
Station ist Traben-Trarbach, wo uns das Mittelmosel-Museum gefangen
nimmt. Untergebracht ist das Heimatmuseum im so genannten Haus des
Kommandanten. Der Kaufmann und Steuereintreiber Böcking ließ
sich von seinem Schwager, dem Hofarchitekten Hauth, das prächtige,
spätbarocke Haus 1760 errichten. Der Beruf des Steuereintreibers
brachte Böcking wohl auch einen besonderen Schatz ein: Ein Wandgemälde
nach Motiven des Kleist-Gedichtes "Der Frühling". Es
war wahrscheinlich statt Bargeld abgegeben worden und Böcking
hat es für eines seiner Zimmer zurechtstutzen lassen. "Es ward stockfinster; eingeengt wußten wir uns zwischen mehr oder weniger steilem Ufer, als ein Sturm, bisher schon ruckweise verkündigt, gewaltsam anhaltend hereinbrach; bald schwoll der Strom im Gegenwinde, bald wechselten abprallende Windstöße niederstürzend mit wütendem Sausen; eine Welle nach der anderen schlug über den Kahn, wir fühlten uns durchnäßt. Der Schiffmeister barg nicht seine Verlegenheit; die Not schien immer größer, je länger sie dauerte, und der Drang war aufs höchste gestiegen, als der wackere Mann versicherte, er wisse weder wo er sei, noch wohin er steuern solle." Goethe kam lebend ans Ufer und wurde im Hause der Böckings aufgenommen, wo er eine angenehme und weinselige Nacht verbrachte. Wer genaueres erfahren möchte, wendet sich im Museum an die Damen, die nicht nur das Museum betreuen, sondern auch sehr viel über seine Exponate zu erzählen haben. Und für Architekturfreunde ein Tipp: In Traben-Trarbach sind einige bemerkenswerte Jugendstilhäuser erhalten, sehenswert die Villa Huesgen und die Villa-Dr.-Breucker. Bernkastel-Kues: Die Stadt des Cusanus 1401 wurde dem
Kuesener Fischer Hennen Chrypfffs (das moselfränkische Wort für
Krebs) ein Sohn geboren. Der wurde trotz seiner nichtadeligen Geburt
Kurienkardinal. Nikolaus von Kues war aber vor allem ein sehr gebildeter
Bücherfreund, der sich auch intensiv der Philosophie widmete.
Seine Schriften über die menschliche Wahrnehmung nahmen im 15.
Jahrhundert Erkenntnisse der Kommunikationswissenschaften vorweg.
Zu Lebzeiten erfolgreich war er auch als Kirchen- und Klosterreformer.
Und das obwohl er beim Baseler Konzil von der reformorientierten Konzilspartei
zu den Papsttreuen wechselte, weil er die Einheit der Kirche gefährdet
sah. Bei diesem Konzil war im Gefolge seines Gegners Herzog Sigismund
von Tirol auch der Ritter und große Poet Oswald von Wolkenstein.
Aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte. Besonders erwähnt sei auch das Weingut Schenk. Das Winzerehepaar Schenk führt den schönsten, auf jeden Fall den freundlichsten und saubersten Campingplatz an der Mosel. Von der Weinstube, der Leihbibliothek und dem Schwimmbecken abgesehen, ist die Katze des Gastwirtes die eigentliche Attraktion. Die begleitet nämlich ihren "Dosenöffner" bei den allabendlichen Rundgängen durchs Campingplatz-Revier. |
Burgen Cafe Bistro
Infothek Ristorante Pizzeria
L'Airone Cochem Tourist-Information
Cochem/Cochem-Land Reichsburg
Cochem Kaisersesch Pizzeria-Ristorante
Roma Zell Eis-Café
Venezia Traben-Trarbach Tourist-Information
- Traben-Trarbach Mittelmosel-Museum
im Hause Böcking Bernkastel-Kues Weinkulturelles
Zentrum Tourist-Information Weingut-Hauth-Reitz
Erben & Informationen zur
Mosel in der Literatur unter: Buchtipps "Mosel" "Literarischer
Reiseführer Rheinland-Pfalz"
|