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Moselreise: Zwischen Koblenz und Trier

Der schönste Fluss der Niederlande? Die Mosel natürlich. Wer sich auf eine entspannte Reise die Mosel hinauf begibt, stößt allenthalben auf unsere freundlichen Nachbarn. Und das ist gut so, denn die netten Touristen aus dem Land der Tulpen und der Windmühlen genießen ihren Moselurlaub mit einer stillen Fröhlichkeit. Was man nicht von allen Bajuwaren und Schwaben sagen kann, die vor allem die Radwege der Mosel für sich entdeckt haben.

Erster Halt: Campingplatz Vogelsang Brodenbach

Nach der Moselmündung in der umtriebigen Stadt Koblenz ein ruhiges Plätzchen für die Nacht? Das bietet der Campingplatz in Brodenbach. Nun ja, hohe Punktzahlen bei der ADAC-Bewertung sind nicht zu erwarten. Die Reinlichkeit der sanitären Anlagen gemahnt doch zu sehr an den leicht morbiden Charme kleiner, südfranzösischer Campingplätze. Dafür ist die Übernachtung preiswert, der obligatorische Kiosk und ein Gasthaus vorhanden. Auch sind ein Minigolfplatz, Parkanlagen, verschiedene Restaurants, ein Bootsverleih oder Ausflugsziele wie die Burg Eltz mit dem Auto schnell zu erreichen.
Von Koblenz kommend ist Brodenbach der erste einer Reihe von Campingplätzen, die in den moselauf folgenden, zum Teil sehr hübschen, Örtchen gelegen sind. Der eigentliche Höhepunkt bietet der Campingplatz Brodenbach ganz ohne sein Zutun in der Nacht: einen so klarer Sternenhimmel, dass man die Milchstraße deutlich erkennen und den Perseiden-Sternschnuppen beim Verglühen zuschauen konnte.

Burgen

Wer am Abend auf der Suche ist nach einer kleinen Pizzeria, auch das gibt es einige Kilometer von Brodenbach entfernt: Im hübschen Städtchen Burgen mit freiem Blick auf die Mosel: "Ristorante L'Airone", gut geeignet für ein kleines Essen und das letzte kühle Pils an einem lauen Abend.
Burgen hat übrigens in Fragen Touristik die Zeichen der Zeit erkannt: In einem gemütlichen Bistro, das tagsüber und abends geöffnet hat, befindet sich auch die Infothek. Dort sitzt eine nette junge Dame und beantwortet alle Fragen, die man als Durchreisender oder zukünftiger Stammgast eben so hat. Sehr angenehm. Sehr vernünftig.

Moselromantik in Cochem

Wer schon immer mal ein Fachwerkhaus aus dem späten 20. Jahrhundert bewundern wollte, sollte in Cochem am Marktplatz die Augen aufhalten: Sehr hübsch, aber definitiv aus Beton - die "Pizzeria Arkaden". Ausgespuckt aus dem Rachen der Reisebusse und Moselschiffe drängen sich jedes Jahr zwei Millionen Menschen in den hübschen Gassen. Von jenen schenkt kaum einer dem Marktbrunnen von 1767 Beachtung. Dabei ist er durchaus einen zweiten Blick wert: Der Ritter St. Martin begräbt unter den Hufen seines Kriegspferdes einen Bettler. Dieser richtet den Blick angsterfüllt auf den Heiligen, der sein kurzes Schwert hält, als wolle er nicht nur den Mantel in der Mitte, sondern auch den Kopf des Bettlers vom Rumpfe trennen.
Übersehen wird auch ein daumendickes Loch in der zartblauen Tür des Rathauses: Ein Separatist hatte 1923 seine Waffe auf das Haus abgefeuert. Von weiteren Schäden ist nichts überliefert. So unvermittelt der Schwall der Touristen sich ab 10.00 Uhr über die kleine, idyllische Stadt ergießt, so abrupt verebbt die Flut gegen 18.00 Uhr, wenn der letzte Bus los fährt und das letzte Schiff ablegt. Dann gehört Cochem wieder den Einheimischen und einigen wenigen Reisenden. Zur Übernachtung geht es dann ein Stückchen weg von der Mosel.

Campen bei Cochem: "Landkern Altes Forsthaus"

So muss ein Wirt aussehen: Rundlich, mit Bart, leicht roter Kopf und immer zu einem Scherz aufgelegt. So muss ein Campingplatz aussehen: Sauber mit Kinderspielplatz und Swimmingpool. Hier lässt es sich so angenehm urlauben, dass die Wohnwagen sogar feste Holzanbauten haben, da man sowieso nicht mehr weg möchte. Soviel Häuslichkeit lässt allerdings die Speisekarte in der "Camping-Klause" recht knapp ausfallen. Dafür ist zwei Orte weiter eine ausgezeichnete Pizza zu bekommen. Das "Pizzeria-Ristorante Roma" in Kaisersesch: Ein echter Geheimtipp.

Reichsburg Cochem

Fast zu schön, um wahr zu sein: die Reichsburg Cochem. Und ganz wahr ist sie auch nicht. Hier waren (wie fast überall links des Rheins) die Franzosen am Werk und schleiften die Burg im Auftrag von Ludwig XIV. Aber die Cochemer hatten Glück im Unglück: Der Berliner Eisenfabrikant Louis Ravené stieß auf der Suche nach einer Burg auf die Ruine auf dem Schieferfels über der Stadt. Man wurde sich schnell handelseinig - wo seit 200 Jahren nur noch Reste des Bergfriedes und der Hexenturm standen, rekonstruierten Architekten die alte Reichsburg. Nur ein paar Türmchen mehr, ein paar Verzierungen mehr und die Innenausstattung ganz auf die Bedürfnisse von Damen des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Denn Ravené baute die Reichsburg als Sommersitz für seine Gattin auf. Die dankte es ihm schlecht: Den blumigen Ausführungen des Fremdenführers zufolge brannte die Dame mit Ravenés bestem Freund durch. Die Bürger der Stadt haben mittlerweile die Reichsburg zurück gekauft. Ein gutes Geschäft: Auch wenn die Erhaltung - vor allem des abrutschgefährdeten Burgfelsens - einen Großteil des Geldes verschlingt, das jährlich 300.000 Besucher auf der Burg lassen.

Von Zell nach Traben-Trarbach

Manch einer kommt an die Mosel, um den leckeren Wein zu trinken. Mit einer der berühmtesten Tropfen nennt sich "Schwarze Katz" und kommt aus dem Fachwerkidyll Zell. Manch einer ist aber auch in charmanter weiblicher Begleitung unterwegs und wird mit dem Verlangen nach original italienischem Eis konfrontiert. Auch da wartet Zell mit einem Kleinod auf: das Eis-Café Venezia - südlandische Gastlichkeit und ein Eis, dass man vor der Wirtin hinknien möchte.

Nächste Station ist Traben-Trarbach, wo uns das Mittelmosel-Museum gefangen nimmt. Untergebracht ist das Heimatmuseum im so genannten Haus des Kommandanten. Der Kaufmann und Steuereintreiber Böcking ließ sich von seinem Schwager, dem Hofarchitekten Hauth, das prächtige, spätbarocke Haus 1760 errichten. Der Beruf des Steuereintreibers brachte Böcking wohl auch einen besonderen Schatz ein: Ein Wandgemälde nach Motiven des Kleist-Gedichtes "Der Frühling". Es war wahrscheinlich statt Bargeld abgegeben worden und Böcking hat es für eines seiner Zimmer zurechtstutzen lassen.
1792 will ein deutscher Geheimrat auf der Rückreise von Frankreich mit einer Moselfahrt schneller nach Koblenz kommen. Aber der Herr namens Goethe hatte die Rechnung ohne die Mosel gemacht:

"Es ward stockfinster; eingeengt wußten wir uns zwischen mehr oder weniger steilem Ufer, als ein Sturm, bisher schon ruckweise verkündigt, gewaltsam anhaltend hereinbrach; bald schwoll der Strom im Gegenwinde, bald wechselten abprallende Windstöße niederstürzend mit wütendem Sausen; eine Welle nach der anderen schlug über den Kahn, wir fühlten uns durchnäßt. Der Schiffmeister barg nicht seine Verlegenheit; die Not schien immer größer, je länger sie dauerte, und der Drang war aufs höchste gestiegen, als der wackere Mann versicherte, er wisse weder wo er sei, noch wohin er steuern solle."

Goethe kam lebend ans Ufer und wurde im Hause der Böckings aufgenommen, wo er eine angenehme und weinselige Nacht verbrachte. Wer genaueres erfahren möchte, wendet sich im Museum an die Damen, die nicht nur das Museum betreuen, sondern auch sehr viel über seine Exponate zu erzählen haben. Und für Architekturfreunde ein Tipp: In Traben-Trarbach sind einige bemerkenswerte Jugendstilhäuser erhalten, sehenswert die Villa Huesgen und die Villa-Dr.-Breucker.

Bernkastel-Kues: Die Stadt des Cusanus

1401 wurde dem Kuesener Fischer Hennen Chrypfffs (das moselfränkische Wort für Krebs) ein Sohn geboren. Der wurde trotz seiner nichtadeligen Geburt Kurienkardinal. Nikolaus von Kues war aber vor allem ein sehr gebildeter Bücherfreund, der sich auch intensiv der Philosophie widmete. Seine Schriften über die menschliche Wahrnehmung nahmen im 15. Jahrhundert Erkenntnisse der Kommunikationswissenschaften vorweg. Zu Lebzeiten erfolgreich war er auch als Kirchen- und Klosterreformer. Und das obwohl er beim Baseler Konzil von der reformorientierten Konzilspartei zu den Papsttreuen wechselte, weil er die Einheit der Kirche gefährdet sah. Bei diesem Konzil war im Gefolge seines Gegners Herzog Sigismund von Tirol auch der Ritter und große Poet Oswald von Wolkenstein. Aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte.
Im schönen Fachwerkstädtchen Bernkastel-Kues hat der Kirchenmann seine Spuren hinterlassen. Kues, der wie seine Kollegen häufig Ablässe verkaufte, stiftete ein Hospital für 33 alte, mittellose Männer. Dieses Hospital wurde fast fünf Jahrhunderte nach seinen Statuten geführt. Heute beherbergt es zwar Ausstellungen und die vollständige erhaltene, schon fast sagenumwobene Bibliothek des Philosophen, dient aber immer noch als Altersheim.

Besonders erwähnt sei auch das Weingut Schenk. Das Winzerehepaar Schenk führt den schönsten, auf jeden Fall den freundlichsten und saubersten Campingplatz an der Mosel. Von der Weinstube, der Leihbibliothek und dem Schwimmbecken abgesehen, ist die Katze des Gastwirtes die eigentliche Attraktion. Die begleitet nämlich ihren "Dosenöffner" bei den allabendlichen Rundgängen durchs Campingplatz-Revier.

Burgen

Cafe Bistro Infothek
Marktplatz
56332 Burgen
Tel. 0 26 05 / 95 34 89

Ristorante Pizzeria L'Airone
Moselstraße 28
56332 Burgen/Mosel
Tel. 0 26 05 / 38 30

Cochem

Tourist-Information Cochem/Cochem-Land
Endertplatz 1
56812 Cochem
Tel. 0 26 71 / 600 40
Fax: 0 26 71 / 600 444
Internet:
www.cochem.de

Reichsburg Cochem
56812 Cochem
Tel. 0 26 71 / 255
Internet:
www.reichsburg-cochem.de

Kaisersesch

Pizzeria-Ristorante Roma
Hambucherstr. 10
56759 Kaisersesch
Tel. 0 26 53 / 32 81

Zell

Eis-Café Venezia
Inhaberin: Valeria Vittoria
Schloss-Str. 6
56856 Zell-Mosel

Traben-Trarbach

Tourist-Information - Traben-Trarbach
Verkehrsamt und Kurverwaltung
Bahnstraße 22
56841 Traben-Trarbach
Tel. 0 65 41 / 90 11
oder -12
Fax: 0 65 41 / 29 18
Internet:

www.traben-trarbach.de

Mittelmosel-Museum im Hause Böcking
Ecke Moselstraße/ Enkircher Straße
Öffnungszeiten: täglich außer montags
Gruppen nach vorheriger Anmeldung:
Tel. 0 65 41 / 94 80

Bernkastel-Kues

Weinkulturelles Zentrum
Cusanusstraße 2
54470 Bernkastel-Kues
Tel. 0 65 31 / 41 41
Fax: 0 65 31 / 41 55

Tourist-Information
Bernkastel-Kues

Gestade 5
54470 Bernkastel-Kues
Tel. 0 65 31 / 40 23
Fax: 0 65 31 / 79 53
Internet:
www.bernkastel-kues.de

Weingut-Hauth-Reitz Erben &
Camping Schenk

Christiane und Heiner Schenk
Hauptstraße 165
54470 Bernkastel-Wehlen
Tel. 0 65 31 / 81 76
Fax: 0 65 31 / 76 81
Internet:
www.wehlen.de
/schenk.htm

Informationen zur Mosel in der Literatur unter:
www.goldlay.de
/literatur.html

Buchtipps

"Mosel"
Autor: Reinhold Schommers
Dumont-Reisetaschenbuch
Köln, 2001, 230 Seiten
ISBN 3 7701 3741 8
Preis: 19,80 DMDumontmoselfuehrer

"Literarischer Reiseführer Rheinland-Pfalz"
Hrsg.: Josef Zierden
Verlag Brandes & Apsel,
Frankfurt a.M. 2001, 552 Seiten, CD-ROM
ISBN 3 86099 483 2
Preis:
49,- DM
Literarischer Reisefuehrer