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Dienstbare Geister
Intelligente Maschinen in der Unterhaltungsindustrie (2/4)

Eine Zukunft, in der Menschen künstliche Intelligenz geschaffen haben, könnte so rosig aussehen. Gerade Roboter sollten uns doch Arbeit abnehmen, hilfreiche Freunde sein. Schon der Ursprung des Wortes macht klar, dass es ihre Aufgabe sein soll, unsere Arbeit zu erledigen: Der Begriff "Roboter" wurde von Karel Capek 1921 in seinem Werk "Rossum's Universal Robots" eingeführt. Der Ausdruck lehnt sich an das tschechische Wort "robota" für Fronarbeit an. Bereits in "Metropolis" (Deutschland, 1926) kann Ingenieur Rotwang einen künstlichen Menschen bauen, der die Arbeiter ersetzen könnte.

Die Unterhaltungsindustrie des späten 20. Jahrhunderts ist bevölkert von Blechfreunden: In George Lucas erfolgreichen "Star Wars"-Filmen erheitern uns die beiden intelligenten Roboter R2D2 und C3PO. Beide sind aber in ihren Umgangsformen und ihrer Sicht auf die Welt so menschlich, dass wir uns mit ihnen stärker identifizieren als mit dem Helden Luke Skywalker. Sie haben durchaus ihren eigenen Willen und ihre eigene Persönlichkeit.

Where no Pinocchio has gone before

Auch der Science Fiction- Dauerbrenner "Star Trek" präsentiert uns seit dem Start der Serie "The Next Generation" 1987 eine populäre, menschliche Maschine: den Androiden Data. Er ist einzigartig, sein positronisches Gehirn (was immer das sein mag) macht aus dem Blechgesellen mit der blassen Haut eine besonders schnell schaltende Bibliothek und damit eine Traumbesetzung als Wissenschaftsoffizier. Durch seine Stärke macht er sich auch immer wieder als Bodyguard seiner Mannschaftskameraden beliebt. Trotz seiner Stärke und seiner Überlegenheit erscheint er uns genauso wenig bedrohlich, wie sein Alter Ego Pinocchio, mit dem er sein Lebensziel teilt: Mensch zu werden.

Für Data sind die Menschen ein nie versiegender Quell der Verwirrung, vor allem aber Vorbild und Ziel dankbarer Loyalität. In der Episode "The Measure of a Man" entbrennt ein Rechtsstreit um Datas Status als selbstständig denkende Maschine. Data sei eine Maschine, da man ihn ausschalten könne, lautet das Argument der Kläger. Datas Verteidiger, sein Vorgesetzter, Captain Jean Luc Picard, entgegnet, dass auch Menschen letztlich nur biologische Maschinen seien. Data verfüge ebenso über Intelligenz, Selbstwahrnehmung und Bewusstsein wie ein Mensch - also müssten ihm die gleichen Rechte zuteil werden. Ansonsten wären Androiden nichts weiter als Sklaven. Das Gericht entscheidet schließlich zu Datas Gunsten.

Auch einem Roboter namens "Nummer 5" wird sein Recht auf Leben streitig gemacht. In der erfolgreichen Hollywoodkomödie des Regisseurs John Badham "Nummer 5 lebt" aus dem Jahre 1986 erwacht er durch einen Stromschlag zum Leben und verlangt "more input". Den Input holt er sich aus dem amerikanischen Kabelfernsehen und bringt die Zuschauer durch mehr oder weniger sinnvoll angebrachte Filmzitate zum Lachen. Der drollige kleine Flachschädel war als "Blech-E.T." konzipiert und eroberte mit dieser Strategie erfolgreich die Herzen der Kinozuschauer.

Weniger putzig ist der Android Ash an Bord der Nostromo. Der Regisseur Ridley Scott schickt dieses Raumschiff auf eine Reise in die Hölle. Die Mannschaft der Nostromo muss sich in "Alien" (GB 1979) mit einer tödlichen Lebensform auseinandersetzen. Der Android Ash erweist sich dabei als schlechter Freund seiner Mannschaftskameraden: Er setzt ungerührt von der tödlichen Gefahr die Anweisung um, das Alien für Forschungszwecke zu erhalten. In der Fortsetzung "Aliens" (USA 1986, Regie: James Cameron) kämpft der Androide Bishop wieder für das Überleben der Menschen.

Machen wir einen Abstecher in die Science-Fiction-Literatur: Bestsellerautor Tad Williams entführt uns in seinem vierbändigen Fantasy-Cyberspace-Epos "Otherland" in eine virtuelle Welt. Dort könnte der jugendliche Held Orlando Gardiner ohne sein Helferprogramm namens "Beezle" kaum überleben. "Beezle" - ursprünglich ein käferförmiges Kinderspielzeug - wird von seinem Besitzer wiederholt aufgerüstet und mausert sich so zu einem leistungsfähigen Hackerprogramm. Aber auch seine Persönlichkeit wird subtiler - er spricht mit dem Slang eines New Yorker-Taxifahrers, ist nie um eine schnoddrige Antwort verlegen und beginnt eigene Entscheidungen zu treffen. Seine Mischung aus Frechheit und Loyalität macht ihn für den Helden unentbehrlich und dem Leser sehr sympathisch. Auch wenn er bald seine Blechhülle ablegt und nur noch als Programmcode im Netzwerk existiert, gehört er auf jeden Fall zur Kategorie "Roboter als Freund und Helfer".

In der Obhut der Superhirne

Einen subtilen Entwurf des zukünftigen Zusammenlebens von Menschen und Maschinen präsentiert der erfolgreiche Autor Iain Banks mit seinen "Kultur"-Romanen. Hier ist es den Menschen gelungen, intelligente Maschinen zu erschaffen. Die Maschinen entwickeln sich selbst weiter und nach vielen Generationen und Jahrhunderten sind die Maschinen den Menschen weit überlegen. Die künstlichen Superhirne treffen in dieser Zivilisation, die sich selbst als "Kultur" bezeichnet, die Entscheidungen, missionieren andere Gesellschaften und führen Kriege. Aber vor allem kümmern sie sich um die Nachkommen ihrer Erbauer. Mit ihrer Technik erfüllen sie den Menschen alle Bedürfnisse und bieten ihnen eine Welt ohne materielle Sorgen, ohne Schmerzen und ohne Verantwortung.

Diese sehr satte menschliche Gesellschaft verdrängt die Wahrheit, dass sie einer Maschinenzivilisation als Schoßhunde dient. Und ganz tief in den Menschen schlummert die Angst, dass eines Tages die ordnungsliebenden elektronischen Superhirne den unberechenbaren menschlichen Ballast über Bord werfen könnten. In der Kurzgeschichte "Heruntergekommen" stürzt ein Mann mit seinem Raumschiff ab. Schwer verletzt steigt er in seinen intelligenten Raumanzug. Der aus eigener Kraft lauffähige Anzug, der an Wissen und Intelligenz bei weitem seinen Besitzer übertrifft, versucht den Verletzten trotz eigener Beschädigung bis zur nächsten Raumstation zu bringen. Der Mann im Inneren des Anzugs aber hat Angst, ihn verfolgt ein Alptraum:

"Ich beobachtete, wie ich in der luftlosen Kälte starb; dann sah ich, wie der Anzug mit langsamen, müden Bewegungen mich aus sich herausdrückte, steif und nackt; eine umgestülpte Reptilienhaut, die Negativhülle einer Schmetterlingspuppe. Er ließ mich ausgemergelt und armselig und leidend auf dem staubigen Boden liegen und ging davon, erleichtert und entleert. (...) Er könnte mich opfern, um sich selbst zu retten. So würden sich jedenfalls viele Menschen verhalten."

Der Anzug erweist sich als anständiger. Der Mensch stirbt zwar - der Anzug kann ihn nicht retten - aber die Leiche trägt er bis zur Station. Auf die Frage einer anderen Maschine, warum er die Leiche des Astronauten nicht zurückgelassen habe, antwortet der Anzug: "Nenn es Gefühlsduselei."


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