Aufstand der Androiden
Intelligente Maschinen in der Unterhaltungsindustrie
(3/4)
Die dienstbaren
Geister können sich allerdings auch gegen ihre Erschaffer wenden,
besonders wenn sie weniger Rechte erhalten als die Menschen. Besonders
beeindruckend im Film "Blade Runner" (USA 1982),
wie "Alien" ein Werk von Ridley Scott und zweifellos ein
Kultfilm. Der Film basiert auf Philip K. Dicks Roman "Do Androids
Dream of Electric Sheep?" Grundidee: Die Menschen sind im Jahre
2019 in der Lage, mit Robotern tierisches und menschliches Leben
nachzuahmen. Die künstlichen Menschen, so genannte Replikanten,
müssen Arbeiten verrichten, die für Menschen zu gefährlich
sind. Um die Replikanten unter Kontrolle zu halten, wird deren Lebenserwartung
vom Hersteller-Konzern Tyrell auf vier Jahre begrenzt.
Es kommt zum
Aufstand einiger Androiden. Die Replikanten fliehen und wollen von
ihrem Schöpfer Tyrell ihr (Weiter-)Leben einfordern. Der Polizist
Rick Deckard (dargestellt von Harrison Ford) soll die Flüchtlinge
zur Strecke bringen. Aber Tyrells Replikanten sind von Menschen
fast nicht mehr zu unterscheiden -"more human than human",
heißt es im Film. Bei seiner Jagd fragt Deckard sich bald,
wer Mensch und wer Replikant ist und zweifelt am Ende an seiner
eigenen Identität.
Der Film beantwortet
diese Frage nicht und lässt den Zuschauer in einer Ungewissheit
zurück, die kennzeichnend ist für die Phantastische Literatur.
Scotts Blick auf die Zukunft ist düster. Der Mensch ist seiner
Welt entfremdet - ganz in dem Sinne wie Hegel den Begriff eingeführt
hat: Die Erzeugnisse des menschlichen Geistes - zum Beispiel die
Technik - sind dem Menschen fremd geworden. In "Blade Runner"
schließlich sind sich die Menschen selbst fremd geworden und
wissen nicht mehr, ob sie sind, was sie zu sein scheinen.
Im Comic "Exterminator
17" (Frankreich 1979) des erfolgreichen Zeichners Enki
Bilal kommt es ebenfalls zum Aufstand der Androiden. In dieser Geschichte
bereut der Erfinder der Androiden, dass er seine Geschöpfe
dem Militär übergeben hatte. Bei seinem Tod kommt es zu
einer metaphysischen Verbindung mit dem letzten Exemplar des ersten
funktionstüchtigen Prototyps, dem Exterminator 17. Dieser war
aus militärischen Erwägungen heraus abgeschaltet worden.
Jetzt erwacht er wieder und dient dem verstorbenen Erfinder als
neuer Körper. Seine Mission: Die Befreiung der versklavten
Androiden, denn ihr Erfinder sieht in ihnen die Chance zu einem
Neubeginn:
Bestsellerautor
Michael Crichton (Dino-Park, Emergency Room) lässt in seinem
Debütfilm als Regisseur in Hollywood, "Westworld"
(USA 1972), Roboter Amok laufen. In einem neuartigen Unterhaltungspark
sollen die Roboter, die von Menschen äußerlich nicht
zu unterscheiden sind, einem superreichen Publikum den perfekten
Urlaub bescheren, in Schaukämpfen mit den Touristen sterben
oder ihre sexuellen Wünsche erfüllen. Fehlprogrammierungen
der Roboter lassen aus dem dekadenten Spaß der amerikanischen
Oberschicht schnell ein blutiges Massaker werden - die Roboter machen
Jagd auf die Urlauber.
Erst in der
Fortsetzung "Futureworld" (USA 1976) beginnt man
hinter die Kulissen des Vergnügungsparks zu schauen: Die Programmierer
werden durch hochentwickelte Roboter ersetzt, die menschliches Versagen
ausschließen sollen. Verbrecherisches Ziel der Parkbetreiber
ist es allerdings, wichtige Persönlichkeiten zu töten
und durch Kopien zu ersetzen. Der Film lässt den Zuschauer
lange im Unklaren, ob die Originale oder die Kopien noch am Leben
sind.
Eine dämonisch-tragische
künstliche Intelligenz steht im Mittelpunkt des Science Fiction-Films,
der ohne Zweifel das Genre verändert hat und dessen Kultstatus
unangefochten bleibt: Stanley Kubricks "2001: Odyssee im
Weltraum" (USA 1968). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts entdecken
die Menschen Zeugnisse einer hochentwickelten außerirdischen
Intelligenz auf dem Mond: schwarze Monolithen. Das Raumschiff "Discovery"
soll das Geheimnis lüften. Das Ziel der Expedition ist der
Besatzung allerdings nicht bekannt - nur dem Super-Bordcomputer
HAL 9000. Und dieses mächtige Gehirn versucht, die menschliche
Besatzung zu töten. Dem Astronauten David Bowman gelingt es,
die Anschläge der Maschine zu überleben. Jetzt setzt er
alles daran, HAL auszuschalten. Ein Meilenstein der Filmgeschichte
ist die Szene im Inneren des Rechners, als der Computer mit angsterfüllter
Stimme um sein Leben bettelt. Der Mensch kann sich hier noch einmal
mit knapper Not gegen die Maschine durchsetzen.