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Der
Kampf
Nachdem die
Entscheidung gefallen war, den arabischen Aufstand zu unterstützen,
stellte sich die Frage, wer ihn führen sollte. Die angesehenste
Führungspersönlichkeit im Hedschas, dem entscheidenden
zentralarabischen Raum, war Scherif Husein. Aus Sicht der Briten
schien er aber ungeeignet, da er zu alt und zu unabhängig war.
Lawrence schlägt sich auf die Seite von Feisal, dem jüngsten
der drei Söhnen des Scherif Husein. Lawrence ist tief beeindruckt
von Feisal, den der englische Offizier H. Young als "einen
schönen, an der Startschranke zitternden Vollblüter"
beschreibt. Das Arabische Büro stellt ihm Lawrence als politischen
Berater zur Verfügung.
Sein Geschick
auf die arabische Mentalität einzugehen, und seine eigenen
Ideen seinen Gesprächspartnern als die ihren erscheinen zu
lassen, ermöglichen ein sehr vertrautes Verhältnis mit
Feisal und den Stammesfürsten wie Auda abu Taji von den Howeitat.
Die Bedeutung, die Lawrence für den Erfolg des arabischen Aufstandes
hatte, wird allerdings überschätzt: "sein" erster
großer Erfolg, die Eroberung Aqabas von Land aus, die gemeinhin
als sein genialer taktischer Einfall angesehen wird, war nicht allein
seine Idee. Die Überwältigung der türkischen Garnison
in Aqaba fiel zudem viel leichter aus, als erwartet wurde (und als
sie dargestellt wird). Lawrence aktiver Beitrag dazu fiel denkbar
gering aus, da er, nachdem er in der Hitze des Gefechtes seinen
Kamel eine Kugel durch den Kopf gejagt hatte, zu Boden stürzte
und besinnungslos liegen blieb. Seine späteren Angaben zu den
Umständen des Marsches auf Aqaba und den darauffolgenden Erkundungsritten,
die er alleine unternommen haben will, widersprechen in entscheidenden
Punkten den Erinnerungen seiner arabischen Freunde.
Lawrence trägt
mittlerweile arabische Kleidung, ein auffallendes, weißes
Hochzeitsgewand der Beduinen. Er ist begeistert von der Art der
Araber zu kämpfen, ihren Temperament und ihrer Tapferkeit -
trotz einer gewissen Distanz zu den Überzeugungen der Wüstenvölker
hält er seinen arabischen Vorgesetzten eisern die Treue mit
dem Selbstverständnis eines mittelalterlichen Vasallen gegenüber
seinem Lehnsherren, während in Frankreich Materialschlachten
die europäische Jugend des 20. Jahrhunderts aufreiben.
Zu seinen Aufgaben
gehört es, die türkischen Nachschubwege zu stören,
dass heißt in erster Linie die Sprengung von Zügen. Er
genießt die Aufregung dieses Partisanenkrieges, aber er leidet
auch darunter:
"Ich
werde dieses Spiel nicht mehr lange durchstehen: Meine Nerven sind
hinüber, und die Selbstbeherrschung ist dünn gerieben
(...) Wenn dieser Alptraum endet, werde ich hoffentlich wieder lebendig
werden. Dieses Töten und Töten von Türken ist entsetzlich."
Im November
1917 erhält Lawrence den Auftrag, eine strategisch wichtige
Brücke zu sprengen. Diese zumindest für diesen Nebenschauplatz
des Krieges wichtige Heldentat gelingt ihm nicht, und er muss voller
Schuldgefühle und in der Gewissheit seines Versagens aufgeben.
In dieser Stimmung kommt es zu einem interessanten Phänomen:
Lawrence Selbstvorwürfe und seine enge, möglicherweise
masochistische Beziehung zu dem schönen Scherifen Ali ibn al
Husein, einem Bruder Feisals, finden ein Ventil in einer Legende,
er sei in die türkische Garnison Gerra geritten, sei dort gefangen
genommen, ausgepeitscht und von einem osmanischen Offizier sexuell
missbraucht worden.
Es könnte
allerdings auch sein, dass Lawrence von Ali ibn al Hussein ausgepeitscht
wurde und dass er das Übermaß an Schmerz als Erleichterung
und gerechte Strafe empfand. Im Januar 1918 fällt dann die
Entscheidung in der Schlacht von El Tafila. In seinen eigenen Erinnerungen
erscheint Lawrence dabei allgegenwärtig und überall kommandierend.
In Wirklichkeit hatte er nur fünf Männer seiner Leibwache
unter Befehl.
Die Maschinerie
der Mythenbildung setzt sich allerdings erst so recht in Bewegung,
als Lowell Thomas, ein amerikanischer Journalist, auf Lawrence aufmerksam
wird. Er wird aus dem schneidigen und tragischen englischen Offizier
den weißen Gott der Wüste formen. Er hat den Auftrag
"alles,
was ich gesehen habe, so optimistisch wie möglich wieder zu
geben. Die Absicht war natürlich, Hallelujas für den Anfall
kriegerischer Raserei zu singen."
Der Anblick
des als Scherif von Mekka herausgeputzten Lawrence begeistert Thomas.
So kommen Veröffentlichungen im Strand Magazin zustande wie
"Mit 26 Jahren war er der ungekrönte König des Hedschas,
Prinz von Mekka." Auda abu Taji werden sogar folgende Worte
in den Mund gelegt:
"Dieser
blondhaarige Sohn Allahs kann alles, war wir tun, sogar noch besser
tun als wir selbst. Er hat das Gesicht und das Haar einer tscherkessischen
Schönheit, den Körperbau einer Antilope, den Mut eines
Abu Bekr und die Weisheit eines Omar."
Lawrence gerät
in eine gefährliche Nähe zum Größenwahn. Er
glaubt offensichtlich, alle unterständen seinem Befehl und
legt sich eine Leibgarde von einhundert gekauften, arabischen Desperados
zu. Er behauptet, ein Kopfgeld von $ 20.000 sei auf ihn ausgesetzt.
Scherif Ali ibn al Husein zieht sich von Feisals Freischärlern
zurück, Dahoum, Lawrence geliebter syrischer Schüler,
ist gestorben. In dieser düsteren Stimmung werden die Angriffe
des T. E. Lawrence immer tollkühner und bei der Verfolgung
einer fliehenden türkischen Armee wird ein berühmter Befehl
ausgegeben: "No prisoners!"
Lawrence konzentriert
sich darauf "seine" Araber nach Damaskus zu bringen, der
schönsten unter den alten islamischen Metropolen, bevor die
Engländer eintreffen. Es gelingt, auch wenn er selbst als vermeintlicher
türkischer Soldat von einem übereifrigen Unteroffizier
festgehalten wird. Lawrence betritt die Stadt noch vor Feisal und
General Allenby und beteiligt sich an Intrigen, die im politischen
Chaos seinem Widersacher Abd-el-Kader den Tod bringen.
Damaskus ist
auch der Ort, an dem England den arabischen Aufstand zugunsten eines
Abkommens mit Frankreich verraten wird. Ganz Syrien wird Frankreich
zugesprochen - Feisal und Lawrence ziehen sich wütend von der
Konferenz mit Allenby zurück. Schon am nächsten Morgen
verlässt Lawrence enttäuscht Damaskus. Er verlangt, seinen
Urlaub sofort antreten zu können. "Dieser alte Krieg geht
nun zu Ende, und ich habe hier nun keine Aufgabe mehr." Einige
Tage später ist er in London.
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