In London
gilt Lawrence bald als die "die romantischste Gestalt, die
der Krieg hervorgebracht hat", wie Rudyard Kipling sagte.
Hier setzt er sich noch einmal für Feisal und die Sache der
Araber ein. Er nutzt seinen Ruhm, um verantwortlichen Politikern
"auf die Hühneraugen zu treten", wie der Parlamentarier
Robert Cecil es nannte. Als Feisal im Februar 1919 vor der Friedenskonferenz
in London spricht, übersetzt Lawrence. Beide stehen sie vor
der Versammlung in leuchtend weißen Scherifengewändern
und so hat sich das Bild von T. E. Lawrence in der englischen
Vorstellungswelt eingebrannt: ein Abenteurer und Gelehrter, der
Züge sprengt und als Feldherr die Araber zum Sieg führt.
Auf einen solchen Helden hatte England lange gewartet und Lawrence
versäumte nun nichts, um diesem Anspruch gerecht zu werden.
Jetzt ist
es auch an der Zeit, die Legende zu festigen. Lawrence beginnt
mit der Arbeit an seinem Werk "Die sieben Säulen der
Weisheit", mit dem er sich an die Seite von Dostojewski und
Melville stellen will. Auf mysteriöse (und publikumswirksame)
Weise geht das Manuskript verloren - in unglaublich kurzer Zeit
erschafft er das ganze Werk aus dem Gedächtnis neu und wird
später Ungenauigkeiten in Details mit eben diesen Umständen
erklären. Möglicherweise ist das Manuskript gar nicht
verschwunden, sondern einfach umgearbeitet worden. Das ganze Werk
- von den Zeitgenossen bejubelt - erscheint uns heute literarisch
durchschnittlich, politisch subjektiv und historisch sehr oberflächlich.
Als die Franzosen
1920 Feisal als König von Syrien aus Damaskus vertrieben
wird, hört man von Lawrence allerdings keinen Protest. Im
folgenden Jahr arbeitet Lawrence als Berater für arabische
Angelegenheiten für den Kolonialminister Churchill. Im März
nimmt er an der Kairo-Konferenz teil, die Feisal zum Oberhaupt
des Irak wählt. Am 20. Juli 1922 aber scheidet Lawrence aus
Churchills Dienst aus und tritt unter Pseudonym als einfacher
Soldat bei der Luftwaffe ein.