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Musik aus dem tschechoslowakischen Untergrund
Erster Teil

Die PLASTIC PEOPLE OF THE UNIVERSE wurden im September 1968, im Monat nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei, gegründet. Anfangs profitierte die Band von der staatlichen Förderung sogenannter big beat-Gruppen, die den Bedarf an Rockmusik im Land decken sollten. Die Songs dieser Bands waren englischsprachig, die Texte aus politischer Sicht wenig anstößig; bei Auftritten waren sogar Diaprojektionen, Licht- und Soundeffekte - ganz nach dem westlichen Vorbild der psychedelischen music happenings - erlaubt. Etwa eineinhalb Jahre konnten auch die PLASTIC PEOPLE dieses staatliche Wohlwollen genießen.

Plattencover Egon Bondy's Happy Hearts Club Banned1970 veränderte sich die Kulturpolitik in der Tschechoslowakei. Es erfolgte das Verbot englischsprachiger Lieder und Gruppennamen, die Freiheiten bei Live-Events wurden eingeschränkt, ein ‚ordentliches' Auftreten vorgeschrieben. Ivan Jirous, künstlerischer Leiter der PLASTIC PEOPLE, lehnte diese Eingriffe in die Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten strikt ab:

"Es ist besser, überhaupt keine Musik zu machen, als eine, die nicht die wahre Überzeugung des Musikers ausdrückt. Es ist besser, überhaupt nicht zu spielen, als das zu spielen, was das Establishment verlangt."

Daraufhin wurde den PLASTIC PEOPLE die Profi-Lizenz entzogen, die Band musste ihr musikalisches Equipment - es war von einer staatlichen Agentur geliehen - abgeben, die Mitglieder waren gezwungen, sich andere Jobs zu suchen.

Im Winter 1971 begannen die PLASTIC PEOPLE wieder mit Konzerten, nun als ‚unbezahlte' Amateurband bei Schul- und Privatfesten. In diese Zeit dürfte auch der erste Kontakt mit dem Untergrunddichter Egon Bondy zu datieren sein; die strategische Entscheidung, nunmehr tschechisch zu singen und in Alltagskleidung statt geschminkt und in Kostümen aufzutreten, müsste wesentlich von diesem Zusammentreffen beeinflusst worden sein. Egon Bondy betätigte sich in der Folgezeit als Texter der PLASTIC PEOPLE, die Band wurde sozusagen sein Sprachrohr in der Tschechoslowakei, da er dort keines seiner Werke veröffentlichte.

1973 schalteten sich erneut die staatlichen Behörden ein. Jetzt musste jede Amateurband eine staatlich anerkannte Organisation als Veranstalter ihrer Konzerte nachweisen. Die PLASTIC PEOPLE entschieden sich für eine "Organisation für Leibeserziehung" (Turnverein) und beantragten eine neue Profilizenz. Sie konnten zwar durch ihre musikalischen Fähigkeiten die Jury zur Vergabe einer "Lizenz als Berufskapelle der zweiten Qualifikationsstufe" bewegen, doch um die Nation besorgte Bürokraten hatten die Gruppe noch nicht vergessen und entzogen die Lizenz zwei Wochen später; die Musik habe eine negative gesellschaftliche Wirkung. Ivan Jirous schrieb in einem Essay dazu:

"Nichts von dem, was wir machen, kann den Repräsentanten der offiziellen Kultur gefallen; denn man kann es nicht dazu benutzen, die Illusion aufrechtzuerhalten, die Dinge seien in Ordnung. Der Underground ist die Aktivität von Intellektuellen und Künstlern, die für das Establishment inakzeptabel sind und die angesichts dieser Ablehnung dennoch nicht passiv bleiben, sondern mit ihren Werken und ihrem Verhalten an der Dekonstruktion des Establishments arbeiten."

weiter zum zweiten Teil


Erster Teil: "Es ist besser, überhaupt nicht zu spielen, als das zu spielen, was das Establishment verlangt."

Zweiter Teil: "Wir leben in Prag, das ist dort, wo die rechte Gesinnung eines Tages erscheinen wird"

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