Robert Zemeckis
Contact
Was für
ein Auftakt - die Mutter aller Rückfahrten! Inferno, Getöse,
Musik, Wortfetzen, Funksignale ... Die Erde driftet fort. Wega,
der Pferdekopfnebel, dann die Milchstraße, ganze Galaxienhaufen,
Megacluster rauschen vorbei ...
Sternen-Feuerwerk, statisches Rauschen und dann: STILLE.
BLENDE
Das Größte
spiegelt sich im Kleinsten. Das All, die ganze Schöpfung -
im Auge eines Kindes.
(... da kräuselt
sich das Nackenhaar zum ersten Mal ...)
"CQ, CQ,
GFO, WKL, come back!"
. Statisches Rauschen.
"CQ, CQ, GFO, WKL, do you copy?" fragt die kleine Ellie
Arroway zaghaft in ihr Funkgerät.
Irgendjemand
da draußen?
Das ist die
Frage in Robert Zemeckis geist- und metaphernreichem, bildgewaltigen
SF-Drama.
Das Leben, das Universum und der ganze Rest - alles nur für
UNS?
"If it´s just us - what an awful waste of space!"
stellt das kleine/große Mädchen Ellie Arroway, fest,
die exzellente, starrsinnige Wissenschaftlerin, die nichts glaubt.
Nichts annimmt, was außerhalb des Sichtbaren, wissenschaftlich
Erfassbaren liegt.
Anrührend,
bisweilen geradezu soghaft (in english, please!) spielt Jodie Foster
die brillante Astronomin, die besessene Kopf-Arbeiterin, zutiefst
verwundet durch den frühen Tod von Mutter und Vater. Verlust,
Einsamkeit - der Motor für ihre manische Suche nach "contact"
im All.
Anybody out
there?!
Ganz nah kommt
Palmer Joss, Priester und spiritueller Berater des US-Präsidenten
(etwas blässlich: Matthew McConaughey, ein kleiner Wermutstropfen)
an sie heran. Er könnte ihr fehlendes Gegenstück sein,
doch sie stößt ihn weg.
Immerhin, der Mann ist clever, lässt ihr einen Kompass da,
zur Orientierung, aus der Cornflakes-Packung (noch so ein genialer
Nackenhaarkräusler, später dann ...).
Inzwischen ist
Ellie eine ganze Herde gewaltiger Antennen untertan: Die Riesen-Radio-Ohren
von Arrecibo. Dort liegt sie, lauscht mit dem Kopfhörer ins
schweigende All. Statisches Rauschen. Ruhe ...
Und wieder leitet eine Rückfahrt einen rasanten Tempowechsel
ein:
ELLIES EYES,
CLOSEUP
Erkenntnis dämmert:
Ein Geräusch, ein Muster, ein metallisch-markerschütterndes
Hämmern ... nicht natürlichen Ursprunges! Eine Botschaft
... CONTACT!
Meisterhaft, wie hier das Laut-Motiv des Anfangs umgekehrt wiederaufgenommen
wird. Wie der Weltall-Sound ... laut, laut, lauter wird, bis er
die Leinwand zu sprengen droht.
Meisterlich
und wendungsreich erzählt, wie die All-Weisheit sich als "Babuschka"
von den Sternen entpuppt. Wie jeder Bedeutungs-Schicht der Botschaft
ein weiteres Geheimnis entrissen wird: von der retour geschickten
Adolf-Hitler-Fernseh-Aufzeichnung ("return to sender"
... kräusel ... kräusel) bis zum verschlüsselten
Bauplan für eine Astronauten-Rohrpost.
Form, vollendet,
schließlich, als Astronautin Ellie zu den Sternen reist und
doch anscheinend die Erde gar nicht verlässt ...
Die Un-Gläubige
begegnet im All dem "Vater" (O.K, das ist ein bisschen
süßlich inszeniert - aber: starke Metapher und wieder
ein wundervoller Kreisschluss!). Sie kehrt heim und niemand will
ihr Glauben schenken. Die Wissenschaftlerin wird vorgeführt,
denn sie hat nichts vorzuführen. Keinen Beweis. Nur statisches
Rauschen hat die Missionskamera aufgezeichnet. Und doch ...
PHONECALL
Präsidentenberaterin:
" You said, her camera recorded nothing? Nothing, but static?"
James Woods:
"Yes."
Präsidentenberaterin:
"My scientists tell me, that it recorded in fact
eight
hours of static!"
James Woods:
"Very interesting, isn´t it?"
"Contact"
USA 1997
Regie: Robert Zemeckis
Buch: Carl Sagan
Schauspieler: Jodie Foster, Matthew McConaughey, James Woods, John
Hurt, Tom Skerritt, David Morse, Angela Bassett et al...
Carl
Sagan: "Contact"
478 Seiten, Droemer Knaur Verlag 2000
ISBN: 3426607654
"Contact"
wurde empfohlen von Thomas Meirich