Issac Asimov
Die Psychohistoriker
Das
Imperium ist am Ende, die Galaxie zerfällt. Die Ausgangssituation
in Asimovs "Die Psychohistoriker" ist bedrückend.
1951 erstmals erschienen, beschreibt Roman eine futuristische Welt
ohne Zukunft. Das Zentrum dieser Welt bildet der Planet "Trantor",
von hier aus gebieten die "Kaiser"über das "Galaktische
Imperium". Ein Reich von 25 Millionen Planeten. Doch Ohnmacht
und Unfähigkeit der Regierenden gefährden den Bestand
dieses Imperiums. Seine überragenden technischen Leistungen
und mit ihnen seine fast zwölftausend Jahre alte Kultur sind
dem Untergang geweiht.
Keine
Helden
In Asimovs Roman
gibt es keinen "weißen Reiter", keinen Helden, der
das Unabwendbare abwendet. Seine Rolle übernehmen die Psychohistoriker.
Ihr Ziel ist nicht die Rettung des Imperiums, sondern die Bewahrung
seines zivilisatorischen Erbes. Kopf dieser Wissenschaftsgemeinde
ist der Mathematiker Hari Seldon. Überzeugt von der Idee, dass
Geschichte durch statistische Verfahren beschrieben werden kann,
entwickelt er eine Überlebensstrategie für das kulturelle
Erbe des Imperiums. Ziel dieser Strategie ist es zivilisatorische
Inseln zu schaffen, die das "Weltwissen" für spätere
Generationen bewahren.
Gesetze
der Geschichte?
Asimov verfolgt
diesen Prozess über die Jahrhunderte und stellt dabei eine
alte Frage neu: Ist Geschichte zufällig oder folgt sie bestimmten
Gesetzmäßigkeiten? Seine Antwort ist der personifizierte
Kampf zwischen Tradition und Zufall. Jahrhunderte nach dem Fall
von Trantor wird der "Muli", ein Mutant, zur existenziellen
Herausforderung für die Psychohistoriker. Sein Auftreten steht
für jene zufällige Veränderung, der sich Kulturen
zu stellen haben. Entscheidend dabei ist ihre Fähigkeit die
Auswirkungen dieser Zufälle durch die Überlieferung von
Wissen begrenzen zu können. Seldons Zivilisationsinseln werden
zu einen entscheidenden Bollwerk im Kampf gegen den Muli.
Das
Erbe retten
Asimovs Roman
misst dem "Aufstieg und Fall" von Reichen bzw. Staaten
etwas episodenhaftes bei. Nicht der epochale Sturz steht für
ihn im Mittelpunkt, sondern die Kontinuität von Wissenschaft
und Kultur. In diesem Sinne ist für Asimov der Untergang von
Terminus erträglich, wenn nur sein kulturelles Erbe gerettet
wird. Asimovs Insellösung folgt historischen Analogien. Seine
Psychohistoriker sind futurische Mönche. Ob Byzanz, Monte Casino
oder der Planet "Trantor", der Ort spielt dabei keine
Rolle. Wichtig ist nur, dass die Ernte eingebracht wird, bevor die
lange dunkle Nacht des Chaos hereinbricht.
Asimov,
Isaac : "Die Psychohistoriker"
587 Seiten, Lübbe-Verlag, Bergisch-Gladbach 1983
ISBN: 340428108X
"Die
Psychohistoriker" wurden empfohlen von Christopher Henkel