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Was sie schon immer über Romantik
wissen wollten, aber nicht
zu fragen wagten


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Allgemein, Buch am 10.Februar 2008

Nachtlektüre: PJ liest
Rüdiger Safranski: “Romantik – eine deutsche Affäre”

Eine Affäre ist eigentlich eine Liebesbeziehung zweier Menschen, die keine lange Bindung suchen. So hatten die Deutschen auch mit der Romantik immer wieder mal Affären, aber so richtig wollten sie dann doch nicht. Das zeigt Safranski beginnend mit den Vorromantikern zur Zeit der französischen Revolution bis hin zu den 68ern, die er als die letzten, neuzeitlichen Romantiker ansieht.

Romantisch denken heißt, das Gewöhnliche romantisch zu verklären und zu überhöhen und ihm so den Glanz des Ungewöhnlichen zu geben. Romantisches Denken ist aber nicht nur sentimentale Schwärmerei, es zeitigt konkrete politische Wirkungen; so wird im Verlauf der Lektüre deutlich, dass viele politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen des 20. Jahrhunderts ohne die Romantiker des 19. Jahrhunderts völlig undenkbar wären.

Die Schattenseite dieser Strömungen bildet Richard Wagners aggressiver Antisemitismus, der sich direkt auf den jungen Adolf Hitler übertrug. Die Sonnenseite der Sucher nach der „Blauen Blume“ ist eindeutig die Tatsache, dass politischer Realismus ohne romantisches Denken staubtrocken und blutleer bleibt.

Die Lektüre für jeden, der eine Ahnung davon bekommen möchte, wie das Herz den Verstand und wie beide die Gesellschaft formen. Oder Lesefutter einfach auch für diejenigen, die mehr über E.T.A. Hoffmann, Schleiermacher, Nietzsche, Schopenhauer und andere Köpfe der deutschen Geistesgeschichte erfahren möchten. Dies alles in recht gut zu verdauenden und übersichtlichen Kapitelhappen.

Ein Kommentar Was sie schon immer über Romantik
wissen wollten, aber nicht
zu fragen wagten
Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Allgemein, Buch am 10.02.2008

Ein Kommentar
  1. stefan 11.Februar 2008

    Hallo, endlich darf ich mal “klug” mitreden. Zwei bedeutende Kritiken an dem Buch des sonst von mir sehr geschätzten Autor:

    1. Seine “Diagnose” greift zu kurz: Die Romantik ist nicht nur eine Affäre, sie ist eine krankhafte Wahnbeziehung. Diese These der Linken Romantikrezeption ist zwar unmodern, wird aber auch von Safranski nicht widerlegt. Die Romantik steigerte sich in Deutschland zu einen extremen Nationalismus. Der romantisch verklärte Wunsch nach einer Revolution (wie in Frankreich) endete in einem Schwarz Rot Goldenen Taumel und Frankreichhass (als Bedrohung der neu gefundenen Einheit). In der Spätromantik kam es zu einer unheilvollen Verquickung: Anstelle der Freiheit des Individuums trat die Freiheit der Nation. All dieses hatte schon der Begründer des “Sonderwegs”, Georg Lukács, der 1954 in seinem Buch “Die Zerstörung der Vernunft” beschrieben. Der “romantische Irrationalismus” sei die Keimzelle der faschistischen Mentalität. Es ergebe sich eine Traditionslinie “von Schelling zu Hitler”. (das ist nun stark vereinfacht, OK). Safranzki ist für so was wie ein bisschen Lukács, oder sagen wir ein bisschen Schwanger.

    2. 1968 und der Nationalsozialismus können nicht verglichen werden. Safranzki hat für mich den Stein ins Rollen gebracht, den Götz Aly nun “weiterspielt”. In den Punkten Veränderungswunsch und politischer Fanatismus träfen sich – so S. – die beiden “Bewegungen”. Doch diese Punkte ließen sich bei allen “Freiheitsbedrohenden” Bewegungen finden, Mormonen, islamische Fundamentalisten, der Linken, der Rechten, den krassen Feministinen, ganz krassen Onlineredakteuren etc. Ist also irgentwie kein Argument.

    Danke für Ihre Aufmerksamkeit — Stefan

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