TV-TIPP: “District 9″ – Kino wie Katzenfutter


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 4.Februar 2012

Fernsehtipp Morgen, Sonntag  5. Februar 2012 | 22.35 Uhr | ProSieben
Die üblichen Verdächtigen über “District 9″. Sie sind zwar begeistert – aber auch nicht unkritisch:

Realistischer SF-Actioner [ 5:54 ] Jetzt abspielen | Download

Wir alle warten auf große SF-Filmmeilensteine wie “Alien” oder “Blade Runner”. Neil Bomkamps “District 9″ sah nach den Trailern aus, als hätte er das Zeug dazu. Optisch hat er alle Versprechen gehalten – das realistischste Produktionsdesign, die glaubwürdigsten Animatronics und CGIs, die ich jemals gesehen habe. Und er wartet mit einer ambitionierten Geschichte auf:

Außerirdische sind mit ihrem Raumschiff über Johannesburg gestrandet. Unterernährt und antriebslos werden sie in einem Ghetto untergebracht, eingesperrt. Nach zwanzig Jahren sollen sie aus dem District 9 evakuiert und in ein neues Lager umgesiedelt werden. Aber bei der Evakuierung gerät einiges außer Kontrolle …

© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH

Blomkamp erzählt seine Geschichte mit Elementen des Dokumentarfilms vor einem sozialkritischen Hintergrund – die politischen Töne um Apartheid, Ausgrenzung, Angst hätten durchaus noch schärfer ausfallen dürfen. Seine Figuren bleiben leider ohne Tiefe und ihr Schicksal kann uns deshalb nie wirklich intensiv berühren. Das ist vielleicht die entscheidende Schwäche des Films.

Auf der Haben-Seite stehen neben der tricktechnischen Perfektion und der wunderbaren Kameraführung vor allem die Liebe zu den unzähligen Details: z.B. die UN-weißen Fahrzeuge des privaten Militärs inklusive weißgestrichener Gewehre.

Dass Jackson und Blomkamp ihren Rundgang durch die SF-Filmgeschichte hinter sich haben, zeigt sich an einer Fülle von Zitaten – das reicht von “Starship Troopers”, “Independence Day”, “Aliens” über “Minority Report” bis zur “Fliege”. Dabei sind die meisten Anspielungen angenehm beiläufig. Blomkamp hat es schon im ersten großen Film nicht nötig, einen auf dicke Hose zu machen.

Pluspunkt auch, dass der Film sehr viele Fragen offen lässt – das ist allemal besser als dämliche Antworten zu geben und unglaubwürdige Auflösungen zu konstruieren. Ich freue mich schon auf die DVD und hoffentlich bergeweise Bonusmaterial. Denn auch wenn er die Kurve zum Meisterwerk nicht bekommen hat, ist er doch gute Unterhaltung mit atemberaubender Optik. Und man muss ihn nicht mit aktuellem Hochglanz-Abfall wie “Transformers 2″ vergleichen, um ihn hoch einzuschätzen. Fazit: sehr sehenswert.

Links

Björn Becher erklärt in seiner sehr informativen Kritik:

“Newcomer Neill Blomkamp gelingt das Kunststück, einen erstklassigen Sci-Fi-Actioner abzuliefern, der als Unterhaltungsfilm genauso funktioniert wie als klares politisches Plädoyer.”

Flo sieht Stärken und Schwächen, urteilt dann aber milde:

“Insofern ist Blomkamp vielleicht nicht unbedingt ein Meisterwerk gelungen, aber den überzeugendsten Actionfilm des Sommers kann man sicherlich ohne größere Probleme in dem Science-Fiction-Actioner ausmachen.”

Thomas Groh weist auf die Schwächen des Films und hat einen Vorschlag, dem wir uns alle nur anschließen können:

“Eine sorgfältige Adaption durch das US-Fernsehen, das den öden Actionballast als solchen über Bord wirft und den kaum ausgeschöpften Stoff vielleicht sogar im Stil von “The Wire” als Möglichkeit zu einer soziologischen SF-Studie zu nutzen versteht, deren Welt eben nicht unter Getöse wieder auseinander fällt, eine solche Serie also wäre zweifellos atemberaubend gut.”

Marcus findet:

“Ganz nebenbei widerlegt Blomkamps intelligenter SciFi-Thriller alle Skeptiker, die glaubten, Actionfilme müssten zwangsläufig hohl und reaktionär sein.”

Und Asokan merkt an:

“Aber, und das ist ein Einwand, der den Fanboys nicht gefallen wird: der durchweg temporeiche, aber seltsam einfallsarme District 9 weiß nicht viel mit der konzeptionell interessanten, visuell atemberaubenden Welt anzufangen, in die er den Zuschauer durchaus gekonnt transportiert.”

Auf die Kritik von Christian Hellwig warten wir noch Christian erklärt Hintergründe zum Film, eine Übersicht gibt es wie immer bei film-zeit und moviepilot.

Der Beitrag erschien zuerst am 14. September 2009.


2 Kommentare




“In Time”: Zeit ist Geld


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 12.Januar 2012

Nachtrag aus dem Kinojahr 2011: Tom und Harald haben sich gut unterhalten in dieser Mainstream-Kreuzung aus “Robin Hood” und “Logans Run”. Im Podcast reden Sie über Zeitkapitalismus, wie es ist, wenn alle wie 25 aussehen und über Kleenex-Sex für PG 13:

Standard Podcast [ 3:33 ] Jetzt abspielen | Download

In Time – Deine Zeit läuft ab (In Time)
USA 2011, 109 Min., Regie: Andrew Niccol


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“Captain America”: Der Indiana Jones unter den Superhelden


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 19.September 2011

Die Üblichen Verdächtigen hatten ihren Spaß mit dem ersten Avenger – im Podcast reden sie über den Unterschied zwischen “dicke Backen machen” und “dicke Backen haben”, reales Real3D, trockene Oneliner, sehr gelungenes Retrodesign, Ironiesignale und der Atem der gelungenen B-Pictures:

Die Üblichen Verdächtigen über Captain America [ 4:01 ] Jetzt abspielen | Download

Manch einer wird die Naivität, den übertriebenen Pathos und den unreflektierten Patriotismus eines amerikanischen Heldenmärchens nicht ertragen. So einfach ist das aber mit “Captain America” nicht, denn der Held wird erstmal in seinem lächerlichen Kostüm auf einer lächerlichen Tingeltangel-Bühne der Lächerlichkeit preisgegeben. Statt mit seinen neuen Superkräften den Krieg zu entscheiden, verkauft er Kriegsanleihen, in dem er so tut als ob er einen Hitlerdarsteller K.O. schlägt. Dann werden seine nicht stattgefundenen Abenteuer als Comic verkauft, schließlich wird er in schwarzweißen Abenteuerfilmen zumindest in Hollywoodkulissen an die Front geschickt. Mehr Meta geht für eine Comicverfilmung doch gar nicht mehr. Als dann in der zweiten Hälfte unser Held tatsächlich an die Front geht und die Bösen bezwingt, lagen für mich alle grandiosen Bilder aus der zweiten Filmhälfte immer auf der Folie der verhergehenden Tingeltangelnummer – und das tut dem Film wirklich gut! Abgesehen davon sieht der Film über weite Strecken sehr gut aus, so gut war eine 40er-Jahre-Ästhetik noch nicht überhöht worden, zumindest nicht seit “Indiana Jones” – und das ist kein Zufall, wie uns flightattendantlovesmovies erklärt:

“Bevor Joe Johnston selbst Regie führte, hat er mit Steven Spielberg zusammengearbeitet. Für den ersten Indiana Jones-Film “Raiders of the Lost Ark” hat er einen Oscar für Visuelle Effekte erhalten. “Captain America” wirkt auch teilweise wie ein Indiana-Jones-Abenteuerfilm.”

Captain America – The First Avenger
USA 2011, 124 Min., Regie: Joe Johnston

Andere Meinung

Skeptischer bleibt man bei Blockbuster Entertainment:

“Johnston macht in keiner einzigen Szene einen Hehl daraus, ein charmantes B-Movie auf den Spuren Indys, teutonischer Fantasymythen, Haudraufkloppereien und trashiger Reizüberflutung zusammengezimmert zu haben.”


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Science Fiction Places We’d Like To See (3)


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Buch am 18.September 2011

Während Prof. Pu Urlaub nimmt, geht Hendrik auf eine Reise – und nimmt uns mit an Orte, wo wir noch nie gewesen sind … oder doch? Dritter und letzter Teil.

XIII.

Ein reizvoller SF-Ort, der innerhalb seiner eigenen Fiktion wiederum eine Fiktion darstellt, ist jenes weltumspannende gigantische Haus, in dem einige Episoden von Tad Williams’ “Otherland” spielen; allerdings hätte ich hier stets Angst, dass einer den Stecker zieht und wüsste gern, wo sich mein Körper derweil aufhält.

XIV.

Es ist Skeptikern der Science Fiction oft nicht klar, aber der Handlungsort eines gewichtig großen Teils des Genres ist ganz klar die gute alte Erde – wenngleich eine Erde in den verschiedensten Variationen. Obschon sich hier sehr viele Klassiker tummeln – die Erde der Eloi und Morloks, jene des Großen Bruders, der Soylentfabriken oder des Kanonenclubs – sind die meisten davon zu düster, um anders als per Buch bereist zu werden. Von all den Varianten würde ich daher die Erde aus „Stadt der Illusionen“ (Ursula K. Le Guin) am liebsten besuchen: menschliche Heimat, die sich durch das Vergehen vieler Jahrtausende von dem zerstörerischen Wüten ihrer Schöpfung erholt und ein Gleichgewicht gefunden hat, eine neue Art von Heimat für eine neue Art von Mensch geworden ist – und doch genügend Abenteuer und Kontrast und Geheimnis besitzt, um wirklich aufregend zu sein.

XV.

Mir fallen noch einige weitere Welten ein, die anzusehen ich keineswegs ablehnen würde – solche, die umfangreich erzählt wurden, wie der Großplanet Helliconia mit seinem Tausende von Jahren währenden Jahreszeitenzyklus (Brian W. Aldiss), bis hin zu solchen, die nur in Nebensätzen Erwähnung finden („… o die santraginesischen Meere … oh, die santraginesischen Fische!!“) und sogar bis hin zu solchen, die in ihrer eigenen Fiktion nicht mehr in dieser Form existieren (das Narn vor der Zerstörung durch die Centauri, Vogsphäre vor der Evolution der Vogonen…). Aber dann würde die Liste, wie schon erwähnt, meterlang – und die Zusatzbedingung der besonders starken Anregung meiner Phantasie erfüllen sie auch nicht wirklich.

XVI.

Daher seien zuletzt nur noch wenige letzte Orte erwähnt, welche dieses wichtigste Kriterium erfüllen. Den ersten Ort habe ich an anderer Stelle bereits erwähnt und geschildert, es ist die Gartenbibliothek der Mahigul (Ursula K. Le Guin, Changing Planes).

XVII.

Der zweite Ort ist auf den ersten Blick eher einer der Fantasy als der SF. Aber bei der SF ist ja nicht immer die Wissenschaft des Raumflugs und der Astronomie zentral, es mag auch zuweilen die der Ethnologie sein. Und so ist, glaube ich, der Ort, den ich in Büchern in neuerer Zeit am faszinierendsten empfand, das Tal aus Always Coming Home, der (nie ins Deutsche übersetzten) fiktionalen Ethnographie der Kesh, eines fiktiven indianischen Volkes, das in einem weiten Tal in einem fiktiven Nordkalifornien lebt(e): „The people in this book might be going to have lived a long long time from now in Northern California.“ ist einer der schönsten mir bekannten ersten Sätze einer Buchreise[ent]führung, und wenn man mich wahrhaft lesebeglückt finden möchte, wird das in der Gesamtschau vermutlich auch weiterhin meist irgendwo zwischen hier und Altair-4 stattfinden.

XVIII.

Über die weiteren, hier daher letztgenannten SF-Orte meiner Reisewunschliste wurde kaum je ein erzählerisches Wort verloren, denn es handelt sich um die weit geschwungenen Landschaften, die schwebenden Berge und unerschöpflichen ins Nichts stürzenden Meere der Gemälde Roger Deans, Rodney Matthews’ und Patrick Woodroffes, auf denen gewundene Pfade sich um organische Türme ranken, gigantische Segelschiffe durch die Luft reisen, skurrile Lebewesen in wandernden Städten wohnen, Musiker und Kämpfer auf geflügelten Rossen durch die Lüfte gleiten, während im Hintergrund die Raumschiffwracks längst vergessener Kriege vom Dschungel überwuchert sind. Ungestört von erzählerischen Vorgaben konnte ich mich seit jeher wunderbar in diesen Welten verlieren – die ich zunächst von Plattencovern, später aus Bildbänden kannte, und von denen u.a. James Cameron ganz sicher auch einige besitzt. Hier ist manchmal die Eleganz einer geschwungenen Linie eine so universelle Kraft, dass sie die Gravitation außer Dienst setzt. Gemeinsam mit den vielen anderen Bildern meiner Sammlung von Raumschiffen, fremden Völkern und Welten bilden diese ein kollektives Universum der Vorstellungen aller Menschen, die sich das Träumen und Phantasieren weder durch allgemeine zivilisatorische Phantasielosigkeit noch durch die Special Effects der Phantasien anderer nehmen lassen. Und diesen nichtendend vielgestaltigen Ort immer wieder gern zu besuchen und auf diesem Wege durch mich selbst zu erweitern, ist (außer Konkurrenz) ganz klar eine meiner allerliebsten SF-Reisen.


Ein Kommentar




“Cowboys & Aliens”: Mein Name ist Lonergan, Jake Lonergan …


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 11.September 2011

“Ich habe gute Männer Böses tun sehen und böse Männer Gutes tun sehen.”

Die (meisten) Üblichen Verdächtigen hatten Spaß an diesem toughen Genremix, für den mehr Stuntmen gearbeitet haben als Programmierer. Im Podcast reden sie über Blut und Staub, trockenen Humor und Gipsexplosionen, fehlender Swing und geglückte Momente – vor allem widmen sie sich den Monstern:

Die Üblichen Verdächtigen hatten Spaß an diesem staubtrockenen Genremix [ 7:36 ] Jetzt abspielen | Download

Eins vorneweg: Der ultimative Genremix zwischen Science-Fiction und Western existiert bereits und heißt “Firefly”. Trotzdem freut man sich ja wieder über jeden Versuch mit geladenem Colt und staubigen Stiefeln ein Raumschiff zu betreten :-) Daniel Craig im Wilden Westen zuzuschauen – das alleine macht schon richtig Spaß, vor allem an der Seite von Harrison Ford. Am Ende fehlt diesem sehr gut fotografierten und kurzweiligen Film nur eines: mehr Humor.

P.S. Die Vorlage für den Film war übrigens ein Comic und nicht (wie in der Presse und im Podcast behauptet) ein Computerspiel.

“Cowboys & Aliens”
USA 2011, 118 Min., Regie: Jon Favreau

Andere Meinungen

Die Flugbegleiterin, die Filme liebt (flightattendantlovesmovies), hatte keinen Spaß:

“Es kann kein gutes Zeichen sein, wenn mehrere Autoren an einem Drehbuch schreiben. Hier sind es offiziell fünf (man spricht sogar von acht) Autoren, die scheinbar einzeln ihre Ideen eingebracht haben, aber so keinen vernünftigen Film zustande gebracht haben.”

Benjamin Hahn (Das Manifest) hatte mehr erwartet, zeigt einige Schwächen auf, zieht aber ein versöhnliches Fazit:

“Der Film ist einigermaßen flott erzählt, abwechslungsreich, mitunter liebevoll inszeniert, stellenweise angenehm komisch ohne sich dabei in peinlichen oder unpassenden comic relief-Momenten zu ergehen, voller handgemachter Action und wunderbar fotografierten Einstellungen und gesegnet mit einem Konzept, das trotz seiner anfänglichen Widersprüchlichkeit ziemlich gut aufgeht.”

Die Zeitzeugin übersieht die (offensichtlichen :-) Vorzüge des Films nicht:

Ich habe mich sehr wohl in dem Film gefühlt, das traf so ziemlich meinen Geschmack. Gelacht habe ich an mancher Stelle ganz gut, es gab einen Schockmoment, bei dem ich fast meine Cola auf meinen Hintermann geschüttet hätte und Craigs Arsch ist… wo waren wir?


2 Kommentare




“Green Lantern 3D”: Reib den Ring an der Laterne


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 6.September 2011

Die Üblichen Verdächtigen sind zerstritten: Während Tom1 über den dämlichsten Film des Jahres lästert, haben Tom2 und Harald einen Heidenspaß an dieser inhaltlich eher einfach gestrickten Comicverfilmung. Und wenn man genau wüsste, was die beiden in derart gute Laune versetzt hat, könnte man es glatt in 20 Gramm-Päckchen verkaufen :-) Im Podcast wird ein bisschen gemault und sehr viel gelacht:

Kappes oder Kult? [ 3:49 ] Jetzt abspielen | Download

Green Lantern
USA 2011, 114 Min., Regie: Martin Campbell

(P.S. Ja, Martin Campbell, das ist der Regisseur von Casino Royale …)


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Science Fiction Places We’d Like To See (2)


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch am 4.September 2011

Während Prof. Pu Urlaub nimmt, geht Hendrik auf eine Reise – und nimmt uns mit an Orte, wo wir noch nie gewesen sind … oder doch? Zweiter von drei Teilen.

VII.

Zur Erholung von den unvermenschten Weiten kann ich aus der Zeit meiner frühen Leseerinnerungen zwei weitere Lieblingsorte nennen, und das ist die sich im Walzertakt der Schwerelosigkeit wiegende Erdorbitalstation aus 2001 – Odyssee im Weltraum und natürlich der schnittige Raumkreuzer ‘Orion’; beides sind aus heutiger Perspektive reichlich naive Extrapolationen über das Thema Zukunft, aber gerade dadurch haben sie für mich nichts von ihrem Charme verloren – im Gegenteil: irgendwie sind sie gerade dadurch reizvoller als so manche Raumschiffe, in denen es womöglich mehr zu sehen gäbe – die ‘Sol’ (Perry Rhodan), die ‘Voyager’ (Star Trek) und natürlich die gesammelten ‘Enterprises’ (wiederum Star Trek). Ich glaube, ich hätte mehr Spaß daran, durch Verstellen des berühmten Bügeleisens den „Rücksturz zur Erde“ einzuleiten als mich einfach in Papa Siskos Restaurant zu beamen – wäre aber natürlich gerne bereit, es auf einen Vergleichsversuch ankommen zu lassen.

VIII.

Von den aufgrund ihrer schieren Dimensionen spektakulärsten Orten der SF – nur begonnen bei der bereits erwähnten Flusswelt und der kaum weniger berühmten Ringwelt – fände ich aktuell vermutlich vor allem die von Iain M. Banks entworfenen Konstruktionen am besuchenswertesten, vielleicht vor allem, weil hier der Gigantismus stets erzählerisch durch das Element des Humors verdaulicher gemacht wird. Wer – metaphorisch gesprochen – stets gehalten ist, staunend den Mund nicht mehr zuzubekommen, der verhungert irgendwann beim Lesen, und Nivens sonnenumspannende Ringwelt habe ich mit Magenknurren in Erinnerung. In Iain M. Banks’ SF-Orten werden dem Leser humoristische Häppchen gereicht, und sei es dadurch, dass zuweilen der Ort selbst reichlich verschrobene Persönlichkeit besitzt – vielleicht reist man z.B. gerade mit dem Raumschiff ‘Ich gebe meiner Mutter die Schuld’ – und so ist dies ein wesentlich angenehmerer geistiger Aufenthalt. Gezwungen, mich zwecks längeren Verbleibs für einen der vielen Orte im Kultur-Universum zu entscheiden, würde ich – Landei, das ich wohl auch als SF-Leser bin – womöglich allerdings das Haus des Protagonisten aus Das Spiel Azad wählen.

IX.

Wieder auf Planetendimensionen hochgedacht, fallen mir natürlich noch weitere Orte ein, die mich faszinieren. Der Waldplanet Athshe (Ursula K. Le Guin, Das Wort für Welt ist Wald) hat sich in mir als einer der wenigen SF-Orte eingeprägt, an denen Mensch und Natur zumindest die Möglichkeit einer harmonischen Koexistenz noch nicht aus den Augen verloren haben. Auch Gethen (Ursula K. Le Guin, Die linke Hand der Dunkelheit) würde ich – trotz der Kälte dort – gerne einen Besuch abstatten.

X.

Der im 9. Star Trek-Film heiß umkämpfte Lebensraum der Ba’ku scheint ein äußerst nettes Fleckchen zu sein. Ach, und wo wir schon im Star Trek-Universum vorbeischauen, sei gleich ergänzt, dass mir der ewige Urlaubsplanet Risa eher uninteressant vorkommt, weil ich mir kaum etwas Langweiligeres vorstellen kann als ein himmelskörpergroßes Vollpensionsresort, wo es eindeutig mehr Badeanzüge als Lesestoff gibt (… und, ähm, nein Schatz, das ist nicht mein Horgan, den muss jemand hier liegengelassen haben). Da würde ich viel eher noch durch das Bajor vor der cardassianischen Invasion reisen; vielleicht sogar durch das Cardassia vor der cardassianischen Invasion. Alles mit Zwischenstationen auf Deep Space 9 natürlich, um auch hiervon ein Scheibchen mitzubekommen. Vom oberen Pylon 2 soll ja die Aussicht besonders spektakulär sein.

XI.

Jack Vance, ein weiterer meiner Lieblingsautoren, schuf ebenfalls einige wunderbare und bestaunenswerte Orte. Neben an anderer Stelle bereits Erwähntem fällt mir da u.a. die Erzählung „Die Welt der Zehn Bücher“ ein. Auf diesem fernen Planeten ist an einem entscheidenden Wendepunkt der dortigen Evolution ein terranisches Raumschiff abgestürzt, und die zivilisatorische Entwicklung des Lebens dort hat sich völlig an zehn Büchern orientiert, welche als einziges Artefakt den Absturz überstanden haben. Jahrhunderte später landen erneut Raumfahrer, Flüchtlinge von der mittlerweile völlig heruntergewirtschafteten Erde auf dem gleichen Planeten, und während man ihnen die Wunder zeigt, die man dort nach dem Vorbild der stilistisch übertriebenen Zukunftsspinnereien eines längst vergessenen Autors errichtet hat, entschuldigt man sich ständig bei den völlig überwältigten Terranern wegen der Primitivität all der Errungenschaften, denn auf der Erde sei man ja gewiss mittlerweile längst über all dies weit hinaus… – anschauenswert? Ganz gewiss!

XII.

Aus naturwissenschaftlicher Neugier heraus würde ich mich auch liebend gerne für eine Zeit auf den Planeten begeben, auf dem David Brins „Der Übungseffekt“ angesiedelt ist. Hier ist das Gesetz der Entropie umgekehrt, und während überall sonst jede Materie sich irgendwann verbraucht und jede komplexe Maschinerie irgendwann zerfällt, verbessern sich dort die Dinge durch Gebrauch: um ein perfektes Flugzeug zu erhalten, muss man ‘nur’ etwas zusammenschustern, das gerade irgendwie fliegen kann, und es dann ständig benutzen. Die schönsten Kleider sind solche, die ständig getragen werden; und so fort. Etwas beängstigend vielleicht, aber anschauenswert? Ganz gewiss!


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“Prevolution”: Der Fluch des Planeten der Affen


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 1.September 2011

Die Üblichen Verdächtigen sind enttäuscht von einem Affenprequel ohne Höhepunkte. Im Podcast reden sie über Klischees und Tricktechnik, einen zähen Filmanfang und einen erstaunlichen Mangel an Originalität. Vor allem erfahren wir im Podcast, warum Tom an diesem Abend besser ein Brusthaartoupet getragen hätte :-)

Enttäuscht vom Prequel des Planets der Affen [ 3:32 ] Jetzt abspielen | Download

Um es in dürren Worten zu sagen: Wetas hochprofessionelle Tricktechnik und Andy Serkis darstellerische Leistung als Affe Caesar retten diesen Film nicht mehr. Was soll das beste Kunsthandwerk, wenn die Charaktere nur Stereotypen sind und gedengeltes Hollywoodblech daherreden.

Planet der Affen: Prevolution (Rise of the Planet of the Apes)
USA 2011, 105 Min., Regie: Rupert Wyatt


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