TV-TIPP: “Im Winter ein Jahr”


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Kino am 27.Dezember 2011

“Im Winter ein Jahr” | 28.12.2011 | 20.15 Uhr | Das Erste

Es soll im Film “Im Winter ein Jahr” ums Malen gehen, hat mir jemand gesagt. Und da ich selbst ein wenig mit Farben hantiere, interessierte mich der Film. Der Titel sagte mir nichts, auch während des Films dämmerte es erst allmählich, dass er von einem Ereignis handelt, das im kommenden Winter (der Film spielt im Herbst) ein Jahr zurückliegt. Es geht schon ums Malen, das aber erst später. Zuerst geht es um eine Familie, die Mutter (Corinna Harfouch) eine erfolgreiche Innenarchitektin, der Vater (Hans Zischler) ein renommierter Wissenschaftler und Fachbuchautor, die Tochter (Karoline Herfurth) mehr oder weniger ehrgeizige Tanzelevin und der Sohn, von dem man anfangs nur erfährt, dass er den ersten Schnee über alles liebt. Genauer gesagt, liebte – denn er verschwindet recht bald aus der Szenerie. Nun will die Mutter ein Bild von Tochter und Sohn bei einem renommierten Maler in Auftrag geben. Beide sollen abgebildet werden, obwohl – erfährt man im Gespräch mit dem Maler (Josef Bierbichler) – der Sohn tot ist. Im Winter ein Jahr. weiterlesen


Ein Kommentar




Die wunderbare Welt der Kanaren


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Allgemein am 17.Dezember 2011

Es ist kalt, Regen, Schnee, Sturm. Denken wir an etwas ganz anderes, an den Frühsommer in Gomera. PJ mit einigen idyllischen und weniger idyllischen Gedanken zur Kanareninsel.

Gomera (PJ Klein)
Foto: PJ Klein

Wann immer in den zurückliegenden zwei oder drei Jahrzehnten der Gedanke ans “Aussteigen” durch den Kopf deutscher Etablierter spukte, spukte oft der Begriff “La Gomera” gleich hinterher – eventuell löste er sogar den Aussteiger-Gedanken aus. Die Insel vor der afrikanischen Küste auf der Höhe der Sahara, Teil der Kanarischen Inseln, aber bei weitem nicht so touristisch erschlossen, einsame Täler, schroffe Berghänge, Nebelwald, Höhlen, in denen Hippies hausen und es sich bei ganzjährig milden Temperaturen recht gut gehen lassen. Und dieses Flair schwingt heute noch mit. Immer noch hat La Gomera keinen internationalen Flughafen, immer noch dauert es rund 90 Auto-Minuten ins Valle Gran Rey, dem frühen Ziel der Aussteiger.

Wer mit Wehmut die 60er/70er Jahre zurücksehnt, in denen man auf dem Schaltknüppel nur die Nummern 1 bis 4 als Vorwärtsgänge abgebildet sah, der ist auf Gomera genau richtig: Hier kommt man nie in den 5. Gang, es sei denn, man läßt bei den langen kurvigen Abfahrten das Kupplungspedal durchgedrückt und legt (sozusagen leer) mal den 5. ein – aber das ist reine Theorie, zum Fahren in dieser höchsten Stufe kommt es nie, dazu sind die Straßen zu kurvig und zu steil. Aber – sehr gut ausgebaut. Und Fotografier-Punkte sind vorab mit einem entsprechenden Schild angekündigt.

Valle Gran Rey (Foto: PJ)
Valle Gran Rey – Tal des großen Königs, weil vor der Eroberung durch die Spanier der größte Stammesführer der Guanchen hier herrschte. Klingt irgendwie nach Nobelkurort, nach adliger Freizeitgestaltung, Wellness und ein wenig Schickeria.
Valle Gran Rey/Foto: PJ Klein

Dies alles sollte der Reisende nicht erwarten. Das Valle Gran Rey wurde zwar schon recht früh besiedelt, aber nur im oberen, fruchtbaren und bewässerbaren Teil. Das heutige Zentrum La Playa (Der Strand) wurde nur gelegentlich angesteuert. Im Obertal bauten die Einheimischen (Nachfahren der Spanier, etliche vermischt mit Guanchen) Gemüse an, hielten Schafe oder Ziegen und schöpften aus den Palmtrieben eventuell Palmhonig. In La Playa entstand erst in den 80er Jahren ein gewisser Tourismus, der von den Hippies vorbereitet wurde. Wie so oft: Der Backpacker ist der Vorreiter des Massentourismus. Nur daß in diesem Fall wegen der schlechten Anbindung nennenswerte Massen nicht nach La Gomera strömen konnten – siehe oben.

Was erwartet den Reisenden heute? Zuerst mal weiterlesen


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




“Die Kunst, frei zu sein – Handbuch für ein schönes Leben.”


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Buch am 12.Oktober 2011

Da kommt einer daher und gibt gute, wohlfeile Ratschläge:

“Kündige alle Daueraufträge!”
“Schmeiss Deine Uhr auf den Müll!”
“Wirf den Fernseher weg!”
“Pachte einen Schrebergarten!”

Was will dieser Mann? Nicht mehr und nicht weniger eine andere Gesellschaft, in der die Menschen ohne Karrieredenken, ohne mediale Ablenkung, ohne Zeitdruck und vor allem ohne drückende Schulden leben. Eines seiner Schlagworte: Höre auf zu konsumieren und beginne zu produzieren. Gemeint ist z.B. Gemüse oder handwerklich Hergestelltes.

Tom Hodgkinson hat eine ausgezeichnete, ja elitäre Ausbildung in Cambridge genossen und hat sich den vergangenen zum Wortführer des Müßiggangs entwickelt. Er zog von London aufs Land und lebte dort in einem Bauernhof. Er gibt “The Idler” (“Der Müßiggänger”) heraus; ein Magazin, in dem Aufsätze über alternative Zeitgestaltung abseits von der tagtäglichen Hektik erscheinen.

Seine Stoßrichtung zielt vor allem auf die Banken, die durch ihren “Service” die Menschen in die sklavische Abhängigkeit von Krediten und Hypotheken treiben. Einmal unterschrieben, zwängen sie die Menschen, ein Vierteljahrhundert lang eine ungeliebte Arbeit auszuüben, um eben diese Hypothek abzubezahlen. Das ist gar nicht so falsch. Aber noch mehr:

“Verschuldet zu sein kann das Gefühl vermitteln, man trage Bleistiefel. Dadurch wird eine mächtige Schranke zwischen uns und unseren Träumen errichtet. … Es fesselt uns. Wir machen die Schuldenrückzahlung zur Priorität und verschieben die Dinge, die wir wirklich tun möchten. Deshalb bleiben wir schließlich in unserem Sklavenberuf. … Das ist nützlich für das System, denn es bedeutet, daß die meisten von uns mehr oder weniger ruhiggestellt sind und weiterschuften. Schulden verursachen zudem große Angst, Gesundheitsprobleme und Nervenzusammenbrüche.”

Seine Lösung: Ausstieg aus dem System, indem man seine Stelle aufgibt und zu Hause für sich selbst produziert – vereinfacht: man gärtnert. Sein Ideal sind die mittelalterlichen Verhältnisse, Zeiten, zu denen die meisten von ihrer Hände Arbeit leben konnten und noch genug Muße hatten. Das zeigen Studien, die er zitiert. Die Gilde, in denen Menschen zusammen geschlossen sind und sich gegenseitig unterstützen, ist sein Ideal. Die dörfliche (Produktions- und Handels-) Gemeinschaft, die durch ihren Kreislauf verhindert, daß globale Konzerne das Geld abschöpfen ist sein Ziel.

Er wettert bevorzugt gegen das puritanisch/protestantische Ethos, demzufolge Fleiß und stetige Arbeit die einzige gottgefällige Art zu Leben sei und lobt das katholische Gottvertrauen, das vor Luther die Menschen genußvoll dem Müßiggang frönen ließ (Seht ihr die Lilien auf dem Felde…). Aber die Puritaner unter Heinrich VIII. hätten Feiertage und Müßiggang geächtet und als die Medici es geschafft hätten, die bis dahin verbotenen Wucherzinsen hinterrücks doch einzuführen, da sei es vorbei gewesen mit der schönen, menschenfreundlichen Welt. weiterlesen


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Fermors Zeit der Gaben


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Buch am 22.Dezember 2010

CoverZu Fuß quer durch Europa – das haben wir doch schon mal irgendwo gehört? Ja – dieser Seume machte doch im 19. Jahrhundert einen „Spaziergang nach Syrakus“! Wer aber ist Patrick Leigh Fermor? Laut Wikipedia einer der wichtigsten englischen Reiseschriftsteller. Dieser machte sich eines Tages auf, um von Hoek van Holland an Rhein und Donau entlang zum Bosporus zu wandern. Der Zeitpunkt war aus Sicht Fermors genau der Richtige: Der gerade 18-Jährige war in Cambridge von der Schule geflogen (wegen des Anbandelns mit der Tochter des Gemüsehändlers), hatte nach etlichen Monaten Privatunterricht die Nase voll und beschloß, diese Wanderung zu unternehmen. Aus Sicht des (deutschen) Lesers war der Zeitpunkt ebenfalls bestens gewählt: Spätherbst 1933, also ein halbes Jahr nach Hitlers „Machtergreifung“.

Da es damals gute Sitte war, wandernde Studenten gastfreundlich aufzunehmen und Fermor auf Anraten des britischen Passbeamten „Student“ in seinem Ausweis hatte eintragen lassen, konnte er meist ein Dach über dem Kopf finden. Und das war bitter nötig, denn Holland, Deutschland und Österreich durchwanderte er zur Winterzeit. Weitere Details zu Unterkunft, Verpflegung und Finanzierung entnehme man den beiden Bänden.

Foto: PJ Klein

Seine Erlebnisse und Eindrücke schildert Fermor wortgewaltig, bildhaft und aus dem Fundus seiner humanistischen Bildung schöpfend. Gerade die Stimmung in Deutschland, wo SA-Männer martialisch durch die Straßen marschieren und im Wirtshaus alsbald romantisch-wehmütige Volksweisen anstimmen, beschreibt Fermor sehr eindringlich. Aber auch die beiden Nachbarstaaten – das nichtsahnende Holland und das bereits von Nazi-Umtrieben geschüttelte Österreich – wird lebendig. Dabei blickt er eher naiv-unpolitisch auf die aktuellen Entwicklungen, nur gelegentlich Anmerkungen aus späterer Sicht einflechtend.

Interessant die Charakterisierung der Menschen, die dem Wandernden Unterkunft gewähren und manchmal ihr letztes Essen mit ihm teilen. Manche Beschreibung könnte auch von heute sein, so die von Menschen im Münchner Hofbräuhaus, das Fermor neben Kirchen, Museen und anderen Kulturstätten selbstverständlich aufsucht:

„Vom Oberlauf des Rheins muß man 180 Meilen ostwärts reisen und von den Gipfeln der Alpen 70 nordwärts um zu begreifen, in welchem Maße Bier (zusammen mit beinahe ununterbrochenem Essen – Mahlzeit um Mahlzeit in so rascher Folge über den ganzen Tag, dass kaum eine Zeit bleibt, in der man nichts zu sich nimmt) den Körper eines Menschen verändern kann. Magengrimmen und unerbittlicher Nachschub an Nahrung schlagen manch einem Deutschen aufs Gemüt und zeigen sich in finsterer Miene und machen sich in heftigen Worten und Taten Luft. Die Leiber dieser tafelnden Bürger waren breit wie ein Faß. Ihre Gesäße, auf die Wirtshausbänke gedrückt, nahmen gut und gern einen Meter ein. Sie teilten sich zu Oberschenkeln, dick wie der Körper eines Zehnjährigen und Arme vergleichbarer Größe drohten das Tuch ihrer Janker zu sprengen. Hals und Brust verschmolzen zu einer massigen Säule …“

Doppelausgabe "Zeit der Gaben" und "Zwischen Wäldern und Wasser"

Doppelausgabe "Zeit der Gaben" und "Zwischen Wäldern und Wasser" (Dörlemann)

Da scheint das Bild so manches zeitgenössigen Bajuwaren vor unserem inneren Auge auf. In diesem Stil geht es weiter, bis der gerade 19 Jahre alt gewordene Reisende nach mehreren Maß Bier regelrecht versackt. Weiter donauabwärts werden längst vergangene Zeiten wieder lebendig, wenn Fermor in Dürnstein auf den Spuren des hier gefangenen Richard Löwenherz die Ruinen der Burg durchstreift.

So wandert der Leser mit Fermor auch durch 2000 Jahre europäischer Geschichte; Episoden der römischen oder mittelalterlichen Historie klingen an; aber auch der gerade 15 Jahre zurückliegende 1. Weltkrieg und der damit verbundene Zusammenbruch der Donau-Monarchie. Dies wird vor allem in den Wiener Wochen Fermors immer wieder thematisiert.

Im zweiten Band setzt Fermor Regionen wie Ungarn, Rumänien, Transilvanien, Siebenbürgen, Moldavien und Städten wie Kronstadt, Cluj, Orzsova ein Denkmal. Er durchstreift die ungarischen Ebenen und die südlichen Karpaten, als hier noch die Aura des 19. Jahrhunderts durchschimmert. Die beiden Bände der Reisebeschreibung verfasste er 1977 bzw. 1986, wohl wissend, daß der Zweite Weltkrieg und die folgenden Jahrzehnte dies alles hinweggefegt hatten. Er genießt die Gastfreundschaft der Einheimischen, mal bei einfachen Hirten oder Holzfällern, mal wird er von Herrenhaus zu Landsitz „weitergereicht“. Mit einigen seiner Gastgeber schloß er sehr gute Freundschaften, doch:

„Jeder Teil Europas, den ich bislang bereist hatte, sollte durch den Krieg zerrissen und erschüttert werden … Nach dem Krieg war das Ausmaß der Entwurzelung und Verwüstung so gewaltig, dass es mitunter Jahre dauerte, ehe sich der Nebel lichtete und ich hie und da einen Hinweis erhielt, was aus ihnen geworden war.“

So liest man das Buch der Wanderung eines jungen Mannes, geschrieben von einem Mann mit den Erfahrungen und dem Wissen eines halben Jahrhunderts später. Dies macht Reiz und Schwierigkeiten der Lektüre aus, muß aber akzeptiert werden. In den beiden Büchern entsteht das Bild einer unwiederbringlich dahin gegangenen Zeit und Kultur; einer europäischen, vielfältigen Kultur, wie man sie nur noch in solch wortgewaltigen Erzählungen erleben kann. Der zweite Band endet am Südzipfel der transilvanischen Alpen an der Grenze zur Walachei mit dem lapidaren Hinweis „Letzter Teil folgt“. Leider blieb dieser Manuskript.

Patrick Leigh Fermor (geb. 1915) gilt als einer der bekanntesten englisch-sprachigen Reiseschriftsteller. In Deutschland ist er kaum bekannt. Sein Ruhm rührt auch daher, dass er für den englischen Geheimdienst im Zweiten Weltkrieg auf Kreta den Widerstand gegen die Deutschen organisierte und den deutschen General Kreipe gefangen nahm. Diese Geschichte wurde Anfang der 50er Jahre verfilmt. Fermor lebt auf dem Peloponnes.

PJ Klein im Dezember 2010

Patrick Leigh Fermor:
Zeit der Gaben / Zwischen Wassern und Wäldern

(Zu Fuß nach Konstantinopel)
Fischer-Verlag
ISBN 978-3596169566

Nachtrag von Thomas:
Die Originalausgabe im Dörlemann-Verlag umfasst beide Bände. Sara Venzin vom Dörlemann-Verlag machte uns darauf aufmerksam, dass Patrick Leigh Fermor noch am dritten Band arbeite und der Band sowohl in Englisch als auch später in Deutsch erscheinen werde.

Patrick Leigh Fermor:
Zeit der Gaben / Zwischen Wassern und Wäldern
Zu Fuß nach Konstantinopel: Von Hoek van Holland zum Eisernen Tor. Der Reise erster und zweiter Teil sowie eine Episode aus dem dritten Teil.
Dörlemann-Verlag
ISBN 9783908777496


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Splitter aus Südafrika


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Länder, Südafrika am 13.Mai 2010

PJ kommt aus Südafrika zurück und berichtet von einer widersprüchlichen Welt:

Straße in Franschoek (Foto: PJ)
Straße in Franschoek

Es beginnt damit, daß die Autos auf der falschen Seite fahren – denn in Südafrika herrscht Linksverkehr. Den haben die früheren britischen Kolonialherren vererbt. Andererseits werden hier Entfernungen in Kilometer gemessen – dieses Maß kommt wahrscheinlich von den Buren, also den Holländern. So vieles ist hier andersrum: Der Mond am prächtigen Sternenhimmel steht andersrum als auf der Nordhalbkugel; die Rotweine werden auf der sonnigen Nordseite der Hügel angepflanzt, die Weißweine auf der eher schattigen Südseite. Da muß man schon zweimal überlegen, wenn man den Sonnenschirm optimal positionieren möchte. Und man braucht ihn, denn die Sonne brennt ziemlich heftig, woran auch der manchmal ebenso heftige Wind nur wenig ändert. Aber in der Nacht wird es angenehm kühl, das Meereswasser kommt selten über 15 Grad hinaus. Dazu kräftige surferfreundliche Wellen und eine sehr schwimmerunfreundliche Unterströmung, die nicht unterschätzt werden sollte.

Strand bei Wilderness (Foto: PJ)
Strand bei Wilderness

Ein Mosaik aus Afrika und dem Rest der Welt, so könnte man denken, hat sich hier am Südrand des schwarzen Kontinents zusammengewürfelt. Das Problem ist nur: Die vielen Steinchen ergeben kein geschlossenes Bild. Was der Reisende sieht und erfährt, sind lediglich Schlaglichter, Impressionen.  Eigentlich ist jeder Staat auf dem afrikanischen Kontinent Produkt einer mehr oder weniger willkürlichen Grenzziehung und einer in den vergangenen Jahrhunderten mehr oder weniger zufällig zusammengewürfelten Bevölkerung.  Das gilt auch für Südafrika, das zusätzlich bis vor 20 Jahren eine strikte Apartheit-Politik betrieb. Die Auswirkungen dieser Rassentrennung spürt der Reisende auch heute noch.

Franschoek Straßenszene (Foto: PJ)
Franschoek Straßenszene

Das Leben teilt sich immer noch in zwei Bereiche: Weiße und schwarze Zonen, auch wenn die Vertreter der jeweiligen Hautfarbe weiterlesen


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Slowenien: Das Land, in dem die Konsonanten blühen


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Länder, Slowenien am 28.Juli 2009

Wenig Vokale, aber viel Essen [ 5:03 ] Jetzt abspielen | Download

PJ erklärt uns: Slowenien bietet viel, aber kaum Vokale.
Slowenien? Ach ja, das liegt doch da unten auf dem Balkan! Schlimm, was damals die Serben angerichtet haben, aber das ist ja jetzt vorbei. Richtig und falsch zugleich, denn eigentlich war Slowenien nie in den Krieg verwickelt. Das Land zwischen Kroatien und Österreich erkämpfte 1991 in einem Zehn-Tage-Krieg gegen Kroatien seine Unabhängigkeit und ist seitdem schnell und entschlossen seinen Weg nach Europa gegangen.

Wehrturm in Maribor (Foto: PJ)

Von den Habsburgern als Pufferstaat gegen die serbischen und türkischen Balkanvölker aufgebaut, ist es nun die Fortsetzung Östereichs mit slowenischen Mitteln. Das beginnt mit der (slowenischen) Süd-Steiermark südlich von Graz mit dem Zentrum Maribor und endet mit der slowenischen Küste südlich von Triest mit den Städtchen Piran, Koper und Portoroz, die früher mal italienisch später österreichisch waren.

Begonnen hat das slowenische Nationalbewußtsein Ende des 19. Jhdts mit den Werken des Dichters Preseren (heute auf dem slowenischen 2-Euro-Stück). Nach dem 1. Weltkrieg durchlief das Land die Etappen des serbisch-kroatisch-slowenischen Königreichs, des Königreichs Jugoslawien, des sozialistischen Tito-Staates bis zur Selbstständigkeit.
Nein, es ist nicht ganz so wie bei Luxemburg, wo man ängstlich darauf achten muß, rechtzeitig zu bremsen, weil man sonst schon wieder durch ist. Immerhin ist das Land so groß wie Hessen.

Über den Dächern von Piran (Foto: PJ)

Wer heute in den 2-Millionen-Staat reist, kann sich – je nach Region – auf Deutsch oder Italienisch und fast immer auf Englisch verstandigen. Wie sagte ein Kellner auf die Frage, wo er sein Deutsch gelernt habe: “Bei rtl und Pro7″. Auch die sind also für etwas gut. An der slowenischen Adriaküste Italienisch zu sprechen ist nicht immer opportun, denn trotz jahrhundertelanger  Zugehörigkeit zu Venedig, wie ein schweizer Historiker im Gespräch betonte, besteht der Slowene auf seiner Unabhängigkeit. Ebensowenig mögen es die Slowenen, wenn weiterlesen


2 Kommentare




Männer für gefährliche Reise gesucht …


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Buch am 12.Mai 2009

Während der Eisheiligen folgen wir einer Polarexpedition, denn PJ liest (aus gegebenem Anlaß): M. Morrell / S. Capparell: “Shackletons Führungskunst – Was Manager von dem großen Polarforscher lernen können.”

“Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringer Lohn, bittere Kälte, monatelange völlige Dunkelheit, ständige Gefahr. Sichere Heimkehr zweifelhaft. Ehre und Ruhm im Erfolgsfalle.”

Mit dieser Anzeige warb angeblich der Polarforscher Sir Ernst Shackleton 1913 die Mitglieder seiner legendären Polarexpedition in die Antarktis an. Um es gleich zu sagen: Das Ziel, zum Südpol zu gelangen, erreichte die Gruppe nicht. Ihr Schiff blieb im Packeis hängen, musste aufgegeben wurden und wurde vom Eis zermalmt.

Aber Shackleton scheiterte glorreich, denn es gelang ihm, alle 27 Mann seiner Gruppe aus dieser ausweglosen Situation heil heraus zu bringen. In dem fast zweijährigen Überlebenskampf blieben die Männer körperlich gesund und vor allem psychisch stabil – ein Verdienst, das sich nur wenige Polarforscher zugute halten können. So war ein gutes Jahrzehnt zuvor die Expedition Robert F. Scotts gescheitert, mit mehreren Toten, die Überlebenden von der Skorbut ausgezehrt, verbunden mit einer unerträglichen Atmosphäre zwischen den Männern.

Wieso konnte Shackleton seinen Männern stets das Gefühl vermitteln, dass die Gefahr trotz ihrer lebensbedrohenden Dimension zu bewältigen sei und wie konnte er sie in objektiv verzweifelter Lage „bei der Stange halten“? Die Autorinnen zeigen entlang der Stationen der Erkundungsfahrt, dass es von Anfang an weiterlesen


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Der Ernst des Lebens und was man dagegen tun muss


Ein Beitrag von PJ, abgelegt unter Buch am 15.April 2009

PJ liest: Andreas Lebert / Stephan Lebert: “Der Ernst des Lebens und was man dagegen tun muss”

Da ist es wieder, das Heilsversprechen:

„Die, die ihr dieses Buch kauft (18.- €) und die ihr dieses Buch lest (176 Seiten), ihr werdet erfahren, wie ihr der Last des Lebens, der Düsternis der Trübsal und der Hölle der Verzweiflung entrinnen könnt.“

Ich kaufte, las und zweifelte.
Die Autoren wollen uns verraten, was man gegen Ernst des Lebens tun kann – nein: tun MUSS und geben gleich zu, dass man Heiterkeit nicht einfach erzeugen kann. Sie sei eben die Kunst, sich im Leben nicht unterkriegen zu lassen. Hinzu kommt recht bald der Ratschlag, den unscharfen Blick aufzusetzen. Also den Focus zu verschieben und auf Nebenakteure, Seitenthemen zu achten. Das helfe, das Eigentliche zu sehen. Aber erzeugt, das Heiterkeit? Die ausführliche Auflistung der besten 5 weiblichen und 5 männlichen Schauspieler (nach Meinung der Autoren) in Nebenrollen hat mir da auch wenig geholfen.

Die vielen Anekdoten und Geschichten von Menschen, die sich trotz widrigster Umstände nicht unterkriegen lassen, Beschreibungen von den kleinen, kostbaren Situationen der Heiterkeit – dies ufert aus und wirkt eher geschwätzig, bringt mich aber nicht weiter. weiterlesen


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