Das Ozeaneum in Stralsund führt ins Blaue …


Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Museum am 5.Dezember 2010

… und erzählt dabei von der Schönheit der Meere und der Vielfalt des Lebens im und am Wasser.

Wie eine riesige Muschel zwirbelt sich das Ozeaneum den Kai am nördlichen Hafenbecken entlang, schmiegt sich sanft an die hohen Giebelgebäude aus Backstein. Der Bau eines der modernsten Museen der Republik hat der historischen Kulisse am Strelasund nicht geschadet. Der Kontrast zwischen alt und neu zieht die Besucher der Hansestadt an, viele kommen nach Stralsund allein wegen des Meeresmuseums, das sich rasend schnell zu einem Besuchermagneten gemausert hat.

Ozeaneum Stralsund (Foto: Nicole Asmuth)

Mit der Rolltreppe nach oben unter Wasser

Letztes Jahr gelang den Machern der im Juli 2008 eröffneten Ausstellung mit über 1,2 Millionen verkauften Eintrittskarten der Sprung auf den dritten Platz der besucherstärksten Museen in Deutschland. Im Mai dieses Jahres wurde das Ozeaneum ausgezeichnet als Europas Museum des Jahres.

Die Menschen stehen in langen Schlangen vor den Kassen. Sie alle wollen eintauchen in das große, weite Blau. Dafür allerdings müssen sie erst einmal schwindelfrei Europas längste, freitragende Rolltreppe mit einer Länge von über 30 Metern emporschweben, denn der Ritt über die Meere beginnt im obersten Stock.

Ozeaneum Stralsund (Foto: Nicole Asmuth)

Die Ausstellungsmacher starten genau hier, wo das Festland auf Deutschlands größte Insel Rügen trifft, im Stralsunder Hafenbecken. Vitrinen mit bekannten aber auch denkbar fremden und seltsamen Meeresbewohnern laden zum Staunen ein. Eingelegte Kraken, weiterlesen


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




Der Maulwurf in der digitalen Welt


Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Blogparade am 3.Dezember 2010

Die Flut an Notizbüchern, die es heutzutage überall, am Bahnhofskiosk, im Was-die-Welt-nicht-braucht-Laden oder traditionell in der Papeterie zu kaufen gibt, hat uns vor die Frage gestellt, wer und vor allem was wer da wie in die Moleskines et al. hineinschreibt. Ein klasse Thema für eine Blogparade, haben wir uns gedacht und unsere Leser gebeten, uns zu erzählen, was Ihnen ihr Notizbuch bedeutet, wofür sie es verwenden und was mit ihm passiert, wenn es voll ist.

Die Antworten waren so individuell wie aufschlussreich über die Persönlichkeit der Autoren. Stark verspätet – zugegeben – aber immerhin, hier ist unsere Übersicht der Blogparadenbeiräge:

Der „Moleskine-Mann“ etwa gibt sich nicht mit der Norm zufrieden. Ein Notizbuch ist kein Notizbuch – denkt Molosovsky und füllt stattdessen parallel unzählige von ihnen. Die Ordnung kann dabei schon einmal flöten gehen:

“Früher habe ich ein Tagebuch brav fast täglich mit einem Eintrag versehen. Nun sind die verschiedenen Gedankenstützen für Rezis und längere Artikel wild kreuz und quer in zig angefangenen Moleskins verstreut. Waren Listen und Kapitelübersichten einst ein selteneres Gewürz, dominieren sie nun die Seiten meiner diversen Moleskins.”

Eins für die Rezensionsnotizen für zu Hause, eins für unterwegs. Ein anderes enthält Personenübersichten zu seinen Pynchon-Lektüren. Eins ist für Übersetzungen, das nächste für …. Und so weiter und so fort. Ein ums andere Mal hat Molosovsky sich in seinen Schriften wohl schon verirrt, die retrospektive Suche nach einem kontinuierlichen Gedankengang gleicht mitunter einer Schnitzeljagd.
Hier kann man den ganzen Beitrag nachlesen.

Doch auch den bedächtigen und ruhigen Götz machen seine eigenen Aufschriebe im Rückblick ab und an ratlos. Und das, obwohl die Schrift klar, die Zeilen gerade und nur wenige Korrekturen zu sehen sind:

“Von vielen Notizen weiß ich nach Jahren nicht mehr, was ihre Niederschrift ausgelöst hat. So ist es auch hier bei diesem spontan entworfenen, wohl parodistisch gedachten Anfang zu einer Kurzgeschichte, die auch nicht viel länger ist als der zu sehende Ausschnitt und damit endet, dass der Protagonist sich mit einem Regenschirm gegen mögliche Klapperschlangen bewaffnet und in Richtung einer Farm wandert.”

Hör auf uns, Götz! Weiterschreiben, vollenden!!
Hier kann man den ganzen Beitrag nachlesen.

Bei Martina würde vielleicht nicht sie selbst aber ganz bestimmt jeder Andere, so er denn den unentschuldbaren Fehler beginge, in einem fremden Tagebuch zu blättern, recht verwirrt zurück bleiben. Denn Martinas Notizbücher gleichen dem kreativen Chaos, ach was, sind kreatives Chaos. weiterlesen


Ein Kommentar




Montalbano wird alt – und hat noch einiges zu lernen


Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Buch am 17.Oktober 2010

Il Commissario folgt der Spur des Fuches

CoverEs ist kein guter Morgen für Montalbano. Am Strand vor seinem Haus liegt ein erschlagenes Pferd. Und das verschwindet kurze Zeit später einfach wieder spurlos. Nun gehören malträtierte Tiere nicht unbedingt in den Zuständigkeitsbereich des Commissario. Aber – Montalbano ist empört. Wer ist zu einer solch grausamen Tat fähig? Getrieben von dem Wunsch nach Vergeltung begibt er sich auf die Suche nach dem Täter und stößt dabei auf die Spur eine überaus durchtriebenen Fuchses. Vigata, jenes beschauliche Hafenstädtchen mit seinen so außergewöhnlichen Bewohnern, wird erneut Augenzeuge von Verbrechen, die so typisch für Sizilien, aber doch auch seltsam anachronistisch für die kriminellen Energien unserer modernen Gesellschaft anmuten.

Es ist der zwölfte Fall, den Italiens hoffentlich noch viele, viele Jahre lebende Krimilegende Andrea Camilleri seinem kauzigen Commissario auferlegt. Der Zahn der Zeit, er nagt mittlerweile an Salvo Montalbano.  Auch wenn der es sich partout nicht eingestehen will, seine Sehkraft lässt nach. Dass sein Kollege Mimi Augello dieser Tage mit Brille herumläuft, es verbessert die Laune des Commissario nicht. Und das bekommen seine Untergebenen Fazio, Gallo, Galluzzo und natürlich der Türen schlagende Catarella zu spüren. Dennoch begleiten sie ihren Chef treu vom Milieu der kleinen Gauner über die illegalen Pferderennen der besseren Gesellschaft bis hin zum unentwirrbaren Geflecht der Mafia und der unvermeidlichen Leiche. In deren Schlepptau sich wie stets der mindestens ebenso griesgrämige Pathologe Dottore Pasquano befindet. Spätestens hier muss Montalbano seinen ganzen Charme spielen lassen:

„Machen wir’s doch einfach so, Dottore: Sie reden und ich tupfe Ihnen in der Zeit den Schweiß ab, verjage die Fliegen und dann und wann gebe ich Ihnen auch noch einen Kuss auf die Stirn.“
Pasquano musste lachen. Und dann sagte er, ohne zwischendurch auch nur einmal Luft zu holen:
„Er wurde von einem Schuss in den Rücken getötet. Aber das musste ich Ihnen ja nicht erst sagen. Das Geschoss ist nicht ausgetreten. Und auch das musste ich Ihnen nicht erst sagen. Sie haben ihn nicht hier erschossen, weil, und das wissen Sie ja wohl auch selbst, einer nicht in Unterhosen herumläuft und erst recht nicht auf so einem elenden Überlandweg wie diesem. Er muss seit mindestens vierundzwanzig Stunden tot sein, auch um das zu begreifen besitzen Sie genug Erfahrung. Was den Biss in den Arm betrifft, so sieht ein Blinder, dass der von einem Hund stammt. Folglich bestand überhaupt keine Notwendigkeit, mich zum Sprechen aufzufordern, womit Sie nur meinen Atem vergeudet haben und mir wirklich ganz gehörig auf den Sack gegangen sind. War ich deutlich genug?“

Deutlich genug für den Commissario, doch nicht deutlich genug für die Presse. Wie schon in den vorherigen Büchern lässt sich Camilleri die Möglichkeit, die Seriosität  der italienischen Medien in Frage zu stellen, nicht entgehen:

Im Fernsehen wurde die Meldung verbreitet, dass im Ortsteil Spinoccia der Leichnam eines Unbekannten von einem Fischer im Röhricht aufgefunden worden war. Nach Ansicht der Polizei handelte es sich um Mord, weil am Hals des Mannes Würgemale entdeckt worden waren. Unbestätigten Angaben zufolge habe der Mörder bestialische Grausamkeit gegenüber seinem Opfer walten lassen und es durch Bisse in Stücke gerissen. Die Ermittlungen führt Commissario Montalbano.

Und der kommt noch ganz schön in die Bredouille, beruflich wie privat. Beruflich, da er den Mörder des Toten schützen muss, und privat, da er seine langjährige Geliebte Livia, mit dem ihn vor allem ätzende Telefongespräche verbinden, mit der Besitzerin des getöteten Pferdes betrügt. Ehe unser Held sich aus dem emotionalen Geflecht befreien und das Geheimnis des toten Pferdes und das des Toten in Unterhosen lüften kann, lernt er zum Glück für ihn und uns noch viel über sich und die Natur des Menschen.

Dabei ist es mit dem zunehmend kurzsichtigen Montalbano letztendlich doch ein bisschen so wie bei einem guten Wein. Je älter, desto besser.

Andrea Camilleri
Die Spur des Fuchses
- Commissario Montalbano lässt den Blick in die Ferne schweifen

Hardcover, 267 Seiten
ISBN: 978-3-7857-2395-1
EUR 19,99


Ein Kommentar




Radio Heimat


Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Buch am 11.März 2010

Frank Goosen erzählt von zuhause

Mit freundlicher Genehmigung des EichbornverlagsWir schreiben das Jahr 2010. Das Jahr, in dem eine ganze Region Kulturhauptstadt sein darf. Wer sich fragt, mit  welchem Recht, der lese das passend zum Datum erschienene „Radio Heimat“ von Frank Goosen. Mit dem nötigen Respekt vor knapp sitzenden Haushaltskitteln und holzvertäfelten Partykellern räumt der Autor und Kabarettist mit dummen Klischees über das Land an Emscher und Ruhr auf und erzählt von denen, die wirklich stimmen. Dabei gibt er unverzichtbare Insidertipps, ohne die Fremde den Pott nicht bereisen sollten.

Fragen Sie mal in unserer Gegend nach dem Weg. Woanders kann es Ihnen passieren, dass Ihnen auf die entsprechende Frage tatsächlich erklärt wird, wie Sie ihr Ziel erreichen. Bei uns müssen Sie mit der Antwort rechnen: „Watt willze denn da? Hömma, ich war da ma. Da war scheiße. Da willze gar nich hin! Ich sach die getz ma, wo du hinwillz!“

Überhaupt steckt in Goosens liebevoller Beschreibung seiner persönlichen Sozialisation in und um Bochum viel Lehrreiches und Bewusstseinserweiterndes, wie zum Beispiel in dem Kapitel, dass sich den ungesunden Getränken widmet:

„Dann trink ma dat hier, dat macht n Mann aus dir!“ Mit diesen Worten stellte er eine Cola-Flasche vor mich hin, die bis zum Hals mit etwas gefüllt war, das aussah wie der Himmel über dem Krupp-Gelände, an einem wolkenlosen, strahlenden Tag: sehr hellblau. Ich fragte, wie man das Zeug nenne, und der Nachbar sagte: „Dat? Dat ist Wodka Wick-Blau.“ „Entschuldige“, gab ich zurück. „Ich habe Wodka Wick-Blau verstanden.“ „Genau darum gehdet, Junge.“

Dass der Verzehr nicht für jeden zur Nachahmung empfohlen ist, lässt Goosen nicht unerwähnt.

Das erste Pinnchen rauscht in den Magen, und man hat den Eindruck, man muss nie wieder husten. Beim zweiten Pinnchen kommen einem erste Zweifel und nach dem dritten sieht man plötzlich die Tierchen im Rasen ganz groß, obwohl man sich gar nicht erinnern kann, umgefallen zu sein.

Natürlich gibt es auch in den Alpen und an der Küste die erste Liebe, das erste Auto und den ersten Rausch. Aber da gibt es eben keinen Theo – Ach geh mir doch weg mit Feinstaub! Wir, nä, wir hatten früher Staubkörner, die waren so groß wie RATTEN! Und wir sind auch groß geworden!, keinen Laberfürst – Hasse gehört? Der labert noch im Sarch!, keinen lachenden Zahnarzt – Wenn ich mir das so ansehe, kann ich nur sagen: Schlussverkauf! Alles muss raus! Wie? Ach was, es gibt so schöne Schnabeltassen … und vor allem keine Omma –  Omma, wie war das mit Napoleon? Na ja, der war klein! Die Welt mit wenigen Worten erklärt. Danke! Ohne diese Menschen wäre das Ruhrgebiet weiterlesen


Ein Kommentar




“Keär man, wär dat getzt lecka!” Ein Besuch im Berliner Currywurstmuseum


Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Museum am 26.Februar 2010

Gleich vorneweg, ich komme aus dem Pott und damit aus der nicht immer unbestrittenen Heimat der Currywurst. Dass das erste und bisher einzige Currywurstmuseum Deutschlands Mitte letzten Jahres in Berlin eröffnet hat, traf mich im ersten Moment wie ein Faustschlag in den Magen. Seit ich aber da war, muss ich gestehen, viel besser hätten wir es auch nicht gekonnt.

Denn was sich da auf überschaubaren 1.000 Quadratmetern in der Nähe des Brandenburger Tores präsentiert, ist für den ambitionierten Currywurst-Laien der unabdingbar zu beschreitende Lehrpfad in Sachen Historie und kultureller Bedeutung des scharfen Würstchens. Und für den Liebhaber liefert der Besuch dieses Ortes die ultimative Rechtfertigung seiner emotionalen Verbundenheit zu jener kulinarisch so häufig verpönten Götterspeise. Ganz nebenbei hat das Berliner Currywurstmuseum auch noch eine eklatante Lücke in der deutschen Museumslandschaft geschlossen.

(c) Nicole Asmuth

Ganz  im Sinne moderner Museumspädagogik darf hier fast alles in die Hand genommen werden.  Wer etwa am Eingang zur Ausstellung die Ketchup-Flaschen vom Stehtischchen nimmt, dem dringen daraus die vertrauten Klänge von Grönemeyers Kö-kö-körriwuuuurst in die Ohren. Ein dezenter Hinweis der Museumsmacher auf das Ruhrgebiet, als die Provenienz des besungenen Objektes? Frohgelaunt geht man weiter um die Ecke.

Hier kann man in der Gewürzkammer an mattsilbern schimmernden Riechkolben den Schnüffeltest machen. Muskat? Nelken? Oder doch Curry? Der so genannte Soßenstrom am Boden führt weiter durch die Ausstellung, vorbei an Weltkarten, auf denen die Orte markiert sind, an denen dem Genuss der gepuderten Wurst gefrönt wird, entlang an Vitrinen, die sich dem Pappteller widmen, auf dem sie gewöhnlich kredenzt wird und schließlich hin zur Wurst im Film. Wieder eine unverkennbare Reminiszenz an den Pott: Schimanski anne Bude.

Die Riechkolben (c) Nicole Asmuth

Trefflich pausieren lässt es sich zwischendurch in der wurstigen Sitzecke, in der ein Monitor über die Wurstherstellung informiert, nichts für Vegetarier. weiterlesen


4 Kommentare




Platz schaffen für Neues


Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Blogparade am 17.November 2009

Zeichnung von Nicole Asmuth

Zeichnung von Nicole Asmuth

Die SchönerDenken-Blogparade Das Moleskine-Notizbuch: Der Maulwurf in der digitalen Welt

Nicole erzählt ihre Moleskine-Geschichte:

Wann ich angefangen habe meine Gedanken niederzuschreiben, ist leicht festzustellen: Ich schaue einfach auf das Datum des ersten Eintrags meines ersten Notizbuches und lese: 6. Juni 1997. Worum es da geht, wird nicht verraten. Aber schon davor habe ich immer wieder mal in Skizzenblocks geschrieben, gekritzelt und gezeichnet.

Ich fühle mich besser, wenn ich aufschreiben kann, was ich denke, irgendwie geordneter. Außerdem kann ich dann die Gedanken aus meinem Hirn wieder löschen und Platz schaffen für Neues; das Alte bleibt in schriftlicher Form erhalten. Ich benutze übrigens selten Moleskines. Ich schreibe in kleine Bücher, die ich mir von Reisen mitbringe oder geschenkt bekomme. Ich bevorzuge elegantes Papier, auf dem mein Stift weiche Linien zieht. Überhaupt, der Stift muss zum Papier passen, denn ein Kuli, der auf rauher Papieroberfläche kratzt und Aussetzer hat, stört meinen Gedankenfluss.

+++ Moleskine – Der Maulwurf in der digitalen Welt Dieser Beitrag ist Teil einer Blog-Parade von SchönerDenken. Wir rufen jeden bloggenden Notizbuchbenutzer auf, seine oder ihre “Moleskine-Geschichte” auf seinem Blog zu erzählen. Welche Notizbuch-Geschichten können Sie erzählen? Seit wann haben Sie ein Moleskine und was vertrauen Sie ihm an? Bitte schreiben Sie die Links zu Ihrem Blogbeitrag in einen Kommentar zu diesem Beitrag. Oder einfach die Geschichte direkt in unser Kommentarfeld schreiben. Diese Blogparade läuft bis zum 1. Dezember 2009 und wird am Ende alle Notizbuchgeschichten in einem Beitrag versammeln. +++

Ich halte mich trotz mittlerweile zahlreicher gefüllter Hefte nicht für eine klassische Tagebuchschreiberin. Denn ich schreibe nicht nur über mich und das Resümee meiner Tage. Ich notiere mir Wegbeschreibungen ebenso wie Zitate aus Büchern, schreibe Skizzen nieder für Artikel und Eindrücke von Reisen. Und besonders scheine ich ein Faible für Listen zu haben. Das zumindest ist mir beim Durchblättern aufgefallen. Ich schreibe auf, warum ich welche Filme dringend sehen muss. Welche Haarfarben ich in meinem Leben bis jetzt gehabt habe (die Länge der Liste überrascht mich ein bisschen, da ich die Hälfte erfolgreich verdrängt hatte). Ich notiere die zehn wichtigsten Gründe, die für das Grillen von Marshmallows sprechen, und komme dabei locker auf 37 – alle absolut nachvollziehbar. Ich schreibe auf, welche Länder ich bereits bereist habe und welche ich noch dringend bereisen muss und erstelle eine Aufzählung meiner Lieblingsgerichte.

Und ich mache Skizzen in meine Notizbücher, immer wieder. Im Nachhinein wäre für einen Fremden oft nur vage zu erkennen, worum es sich handelt. Aber ich, die ich da war zu jenem Zeitpunkt und den Stift in der Hand hatte, ich erinnere mich beim Blick darauf wieder genau an jenen Ort und jene Menschen auf dem Papier.


2 Kommentare




Das Moleskine-Notizbuch: Der Maulwurf in der digitalen Welt


Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Blogparade am 10.November 2009

Nicole will’s wissen: Wie halten wir es mit Notizbüchern?
Was da Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts seine Wiedergeburt feierte, war eine Herausforderung an die junge, digitale Generation, die zwar schnell tippen konnte aber keine echte Handschrift mehr besaß. Jung wie alt wurde gleichermaßen infiziert von den 9 x 14 Zentimetern. Rasant eroberte die Maulwurfshaut Rucksäcke von Webbern der zweiten Generation und elegante Designer-Handtaschen, nahm ihren Platz ein neben Palms, Subnotebooks und i-Phones. Und es gab Nachahmer, zahllose, die aufsprangen auf den Zug der Zeit und Replikate schufen, manche besser, manche schlechter als das Original, aber alle mit einem Ziel, Heimat für zu Papier gebrachte Skizzen und Gedanken zu sein.

+++ Moleskine – Der Maulwurf in der digitalen Welt Dieser Beitrag ist der Start einer Blog-Parade von SchönerDenken. Wir rufen jeden bloggenden Notizbuchbenutzer auf, seine oder ihre “Moleskine-Geschichte” auf seinem Blog zu erzählen. Welche Notizbuch-Geschichten können Sie erzählen? Seit wann haben Sie ein Moleskine und was vertrauen Sie ihm an? Bitte schreiben Sie die Links zu Ihrem Blogbeitrag in einen Kommentar zu diesem Beitrag. Oder einfach die Geschichte direkt in unser Kommentarfeld schreiben. Diese Blogparade läuft bis zum 1. Dezember 2009 und wird am Ende alle Notizbuchgeschichten in einem Beitrag versammeln. +++

Moleskine, das ist das legendäre Notizbuch, das die Pariser Künstler- und Literaturszene der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für ihre Aufzeichnungen nutzte. Gemacht aus schwerem Baumwollstoff, unkaputtbar, mit einem Gummiband versehen, mit dem man das Buch schließen konnte und einer Innentasche für Reisereminiszenzen: Bons, Eintritts- und Visitenkarten und vieles geheimnisvolle mehr. Vincent van Gogh soll es genutzt haben, Pablo Picasso, Ernest Hemingway. Und Bruce Chatwin, dem es ein besonders treuer Reisegefährte gewesen sein soll und der mit den Worten zitiert wird:

Losing my passport was the least of my worries, losing a notebook was a catastrophe.

Als die Produktion der kleinen schwarzen Bücher 1986 in Frankreich eingestellt wurde, soll er tieftraurig gesagt haben:

Le vrai moleskine n’est plus …

Doch seit einigen Jahren gibt es sie wieder. Die italienische Firma Modo & Modo hatte 1998 die brilliante Idee, das Notizbüchlein wieder aufzulegen. Mit enormen Erfolg. Wer heute intellektuell dazugehören will, zieht leger sein Moleskine aus der Jackentasche und notiert seine Gedanken, während er seinen Espresso schlürft. Moleskine, das ist der Inbegriff für Kultur, Weltgewandtheit und Persönlichkeit.

Erstaunlich ist es nicht, dass sich das anachronistisch anmutende Notizbuch im digitalen Zeitalter so großer Beliebtheit erfreut. Die Hersteller der „Maulwurfshaut“ jedenfalls haben den scheinbaren Spagat zwischen der alten und der neuen Welt spielend geschafft. Wer sich auf ihre Homepage begiebt, kann sich mit Moleskinecity auf eine globale Reise begeben und Blicke werfen in die Notizbücher von Menschen aus aller Welt.

Aber egal ob Moleskine oder billiges Imitat. Damals wie heute kommt es auf den Inhalt an. Es gibt viele, die sich die schönsten und teuersten Notizbücher kaufen und keine Zeile hineinschreiben, aus Angst vor dem weißen Blatt Papier. Und es gibt jene, die am Fließband Notizbücher füllen ohne das jemand sie jemals lesen wird. Vielleicht ist Moleskine ja nur ein Ausdruck für den Wunsch vieler, mehr zu hinterlassen, als flüchtige Spuren in einer digitalen Welt.


6 Kommentare




Commissario Montalbano sehnt sich nach
der Leichtigkeit des Seins


Ein Beitrag von Nicole, abgelegt unter Buch am 5.November 2009

"Die Flügel der Sphinx"

Der neue Montalbano

Nicole liest den neuen Montalbano von Andrea Camilleri: “Die Flügel der Sphinx: Commissario Montalbano sehnt sich nach der Leichtigkeit des Seins”

„Dottori, ich hab Sie doch nicht geweckt?“
„Nein, Catarè, ich war schon wach.“
„Ist das auch ganz wirklich wahr, Dottori? Sie sagen das nicht nur aus Höflichkeit?“
„Nein, mach dir keine Sorgen. Was gibt’s denn?“
Was soll’s schon geben, Dottori, wenn ich Sie so früh am Morgen anrufe?“
„Ist dir eigentlich klar, Catarè, dass du nie gute Nachrichten für mich hast, wenn du mich anrufst?“

Und so ist es auch dieses Mal. Eine junge Frau ist ermordet worden. Eine sehr schöne Frau vermutlich, doch ihr Gesicht wurde vollständig zerstört. Montalbano, Siziliens – ach was – Italiens bester Ermittler, macht sich auf die Spur der Täter. In gewohnter Mannschaftstärke, mit Mimi Augello, Fazio, Gallo, Galluzzo und Catarella. Und natürlich mit Pasquano, dem etwas anderen Pathologen:

„Ich sag Ihnen was, heute morgen qualmen mir die Eier“, war die freundliche Begrüßung von Dottor Pasquano. Montalbano blieb ungerührt und antwortete im gleichen Ton. Pasquano war nur dann umgänglich, wenn man ihm Paroli bieten konnte.
„Wollen Sie wissen, was mit meinen ist? Dampflok, sag ich nur.“

Pasquanos Informationen bringen den Commissario nicht wesentlich weiter. Lange Zeit tappt der Held aus Andrea Camilleris Krimireihe im Dunkeln. Motzig wie gewohnt, hungrig wie eh und je und mit der bekannten Portion sizilianischer Schlitzohrigkeit. Die braucht er auch, denn neben dem Mörder der jungen Frau muss Montalbano auch noch nach einem Entführten suchen. Und dessen Lebendigkeit steht dank der poetischen Wortgewalt Catarellas weiterlesen


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




« Ältere Beiträge
Twitter facebook XING Impressum

Auf iTunes abonnieren




  • Neue Kommentare

    • marijke kusters bei “Keär man, wär dat getzt lecka!” Ein Besuch im Berliner Currywurstmuseum
    • pu bei Filmtipps für Markus: Das erste Jahr – 1998
    • flim news bei “In Time”: Zeit ist Geld
    • Thomas bei LIFE: Selbstkritik und Pflaumen
    • Götz bei Filmtipps für Markus: Das erste Jahr – 1998
  • Neue Beiträge

    • TV-TIPP: “District 9″ – Kino wie Katzenfutter
    • Hendrik hilft: Filmtipps für Markus – 1998
    • LIFE: “Man bekommt für alles eine Quittung
    • “Verblendung”: “Darf ich ihn töten?”
    • LIFE: “Ich bin 30 Jahre alt, wohne bei meiner Mutter und habe ein Captain-Kirk-Kostüm.”
    • “Drive”: Es gibt keine guten Haie
    • LIFE: Selbstkritik und Pflaumen
    • Filmtipps für Markus: Das erste Jahr – 1998
    • “In Time”: Zeit ist Geld
    • Dem Manne muss geholfen werden!
  • Kategorien

  • Archive

  • Seiten

    • Impressum
    • Sternzeit
    • Über SchönerDenken
      • Schöner Sprechen
  • Auf dem Zettel haben uns

    • BlogAlm.de
    • Ohrient.de
    • podcast.de
    • podster.de
  • Kino-Links

    • Abspannsitzenbleiber
    • Christians Foyer
    • CineKie
    • Das Manifest
    • FilmSPAICHer
    • In der Kinoprovinz
    • JFilmPowWow
    • Kino, TV und Co.
    • moviepilot
    • NEGATIV
    • Nishikata Eiga
    • OliBlog
    • Online-Filmdatenbank
    • Screenshot
    • Symparanekronemoi
    • Zeitverschwender
  • Meta

    • Anmelden
  • Wir empfehlen

    • Die Computerecke
    • Kosmopiloten
    • Lehrerzimmer
    • Molochronik
    • Pornophonique
    • strange views
    • U wie Umwelt
    • Unsichtbare Bibliothek
    • Zuckerfisch News
  • RSS Tipp: Kosmopiloten

    • Warnmodelle sind unsinnig und gefährlich
    • TV-Werbung reagiert auf Nutzerkommentare
    • Wikimedia-Vereine gegen Zentralisierung des Fundraisings
  • RSS 1 x täglich: Sprechbude

    • Silvester bei den Kannibalen von Joachim Ringelnatz
    • Kino – Karl Kraus
    • Auf einen Brand zu – Gotthold Ephraim Lessing
  • SchönerDenken kooperiert mit:


    Blog-Parade

    Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
    Mit Bloglines abonnieren
    Radio.de
    blogoscoop
    Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
    Bloggeramt.de


    Läuft mit Wordpress

    Slidingdoor Design von Wayne

    Podcast ermöglicht durch podPress v8.8.10.13