„Manchmal genügt ein Nichts, damit das Leben aus den Fugen gerät.“


Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Podcast, Prof. Pu und die Pücher am 21.August 2011

Prof. Pu empfiehlt: “Die erste Liebe” von Véronique Olmi

Prof. Pu entdeckt "Die erste Liebe" [ 4:28 ] Jetzt abspielen | Download

Emilie ist gerade dabei, das Essen für ihre Silberhochzeit vorzubereiten. Hätte sie auf ihren Mann gehört, säßen sie in einem Restaurant, sie aber wollte einen besonders schönen Abend zu zweit haben und ist dann doch mit den Vorbereitungen überfordert. Schon der Einkauf stürzt die fahrige Frau in kleine Krisen.

Wirklich, es hätte perfekt sein können. Wenn. Ich mich nicht mit dem Weinverkäufer gestritten hätte. Nicht aus seiner Boutique gerannt wäre, ohne etwas zu kaufen, und schließlich die Flasche Pommard genommen hätte, die Marc am vorangegangenen Wochenende aus Burgund mitgebracht hatte und die in die Anzeigenseiten von Libération gewickelt war.

„Emilie, Aix 1976. Komm so schnell wie möglich zu mir nach Genua. Dario.“

Dario Contadino. Ihre erste Liebe. Unvergessen.
Sie ist noch so geistesgegenwärtig, den Herd abzuschalten und die Kerzen zu löschen.
Dann nimmt sie die Autoschlüssel und fährt los. Hals über Kopf. Ohne ihr Handy oder Gepäck mitzunehmen Sie schreibt ihrem Mann nur, er solle sich „BLOSS keine Sorgen“ machen.
In Rückblicken, mit wunderschönen Beschreibungen, wie in einem französischen Film der Siebziger Jahre, erzählt Veronique Olmi die Liebesgeschichte der beiden Sechzehnjährigen. Dario, der italienische Liebling der Götter, nein, der französischen Mädchen, ist vielfach geküsst, doch nur mit Emilie verbindet ihn mehr als mit den anderen. Bisher kennt sie so etwas wie Symbiose nur aus dem Verhältnis zu ihrer großen Schwester, „der ein Chromosom fehlt“.  Dario ist es, der sie aus der Eintönigkeit des Familienlebens herausholt, sie wortlos versteht, und ihr zum ersten Mal in der Kabine eines Schallplattenladens Chopin vorspielt, ein erster inniger Moment.

(…) ein Wort, dass ich noch nicht kannte, verband Dario und mich und entfernte uns von den anderen.
Später lernte ich dieses Wort: „Intimität“. So nah an der Schüchternheit. Fast dieselbe Zartheit, die Geduld, die man braucht, um dorthin zu gelangen.

Auch jetzt entflieht sie ihrem eintönigen Leben mit den drei Töchtern, die sie nicht mehr brauchen und dem Mann, der ihr langweilig geworden ist.

Lieben wir uns, Marc und ich? Ich glaube eher, wir verstehen uns gut, trotz unserem Gezanke, und wir tun, was wir zu tun haben. Unsere Freunde, die sich nacheinander im regelmäßigen Rhythmus von drei Monaten scheiden lassen, sagen uns, was für ein Glück wir haben, dass wir beide „auf einer Wellenlänge liegen“.
Sie wissen nicht, dass sich diese Welle nicht bewegt, sie tanzt nicht durch die Luft und vibriert tatsächlich nicht genug, um uns über Bord zu werfen. Wir liegen in derselben Hängematte. Um uns herum schwankt alles und wir halten uns aneinander fest.

Paris hinter sich lassend, lässt sie sich treiben, fährt erst nach Aix-en-Provence, besucht ihre Schwester im Heim, wird von einer der Töchter aufgespürt, die ihre Mutter natürlich überhaupt nicht versteht. Auch ihr Mann kann nicht begreifen, was sie da tut. Auch sie selbst wundert sich immer wieder über ihre Sehnsucht nach Dario, die so plötzlich ausgebrochen ist und so lange verborgen lag. Zu Recht fragt sie sich, ob diese Anzeige wirklich ihr galt.

In Genua angekommen, wird sie mit harten Realitäten konfrontiert. Auch wenn Emilie tatsächlich die in der Anzeige Angesprochene ist, so war es nicht Dario, der sie aufgegeben hat …

Der nostalgischen Verklärung meiner Jugendzeit ziemlich abgeneigt – jeder zufällig gehörte Siebziger-Jahre-Titel katapultiert mich ungewollt in die Sonntagnachmittag-Disco vom Katholischen Jugendheim – hat mich dieser Roman sehr berührt und nachdenklich zurückgelassen. Wie sagt Emilie zu Beginn des Buches:

„Manchmal genügt ein Nichts, damit das Leben aus den Fugen gerät.“

Véronique Olmi
Die erste Liebe
Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
Kunstmann 19,90 €
978-3-88897-702-2

Découvrez “Le premier amour”, nouveau roman de Véronique Olmi sur Culturebox !


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




Wohltemperierte Rezepte zwischen zwei Gedichtbänden


Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Podcast, Prof. Pu und die Pücher am 7.August 2011

Prof. Pu empfiehlt: “Kulinarisches Traktat für traurige Frauen” von Héctor Abad

Prof. Pu mit einem literarisch-kulinarischen Leckerbissen [ 3:10 ] Jetzt abspielen | Download

Zugegeben, gekauft habe ich das Buch wegen seines originellen Titels, umso glücklicher war ich, dass Abad sein Versprechen hält. Er tröstet, amüsiert und lenkt ab – sollte Lektüre nicht genau so sein?

Heutzutage nennt man es ja gerne Soulfood – ich nenne es lieber Trostessen: Kartoffelpüree, Vanillepudding mit dem Plastiklöffel, Milchreis, Nuss-Nougat-Creme direkt aus dem Glas, Schokolade sowieso … Bei Héctor Abad gibt es wesentlich kompliziertere Dinge, dafür versprechen sie für alle Aggregatszustände von Traurigkeit eine erheblich bessere Wirkung als der schnöde Pudding es je erreichen kann.

“An den Nachmittagen mit anhaltendem Nieselregen, wenn der Geliebte weit fort ist und die Last seiner Abwesenheit dich erdrückt, schneide aus deinem Garten achtundzwanzig frische Melissenblätter und brühe sie mit einem Liter Wasser zu einem Tee.”

Er empfiehlt, den Tee “mit dem Rücken zum Nachmittag aus einer weißen Tasse“ zu trinken, wie poetisch! Hinreißend auch das Rezept für „Blumenkohl im Nebel“ , mit der Empfehlung, seine Melancholie mit diesen „unverwelklichen, absurden, prähistorischen Röschen“ zu teilen.

Abads Traktat ist eine Mischung aus mittelalterlichem Hausbuch, Ratgeber für alle Formen von Liebeskummer, inklusive Eifersuchtsanfällen, und einer Art Hexenkochbuch, vor allem aber ist es ein wunderschönes, intelligentes  und spielerisches Bekenntnis zur Melancholie.  Mit leichtfüßiger Ironie und erstaunlichem Einfühlungsvermögen in die weiblichen Empfindsamkeiten und Empfindlichkeiten scheut er die Wahrheit nicht, nimmt er kein Blatt vor den Mund.
Eine Frau sucht nach Bestätigung?

“Ich habe das geeignete Rezept dafür.  (…) Es wird auf der Grundlage von einfachstem Geflügel zubereitet und hat einen Namen, den du mir angesichts der Umstände verzeihen musst: Hähnchen à la cocotte. Cocotte, coco-tte – kokettierst du gerne?”

Es gibt Rezepte gegen Gelüste in der Schwangerschaft, für eine gesunde Gesichtsfarbe, Rezepte zum Auslöschen unangenehmer Erinnerungen, gegen Eifersucht, für die perfekten Küsse, gegen trostloses Zusammenleben. Meine allerliebste Empfehlung aber ist, für den Fall, dass einen alle Worte krank machen und man sich selbst nicht mehr hören kann, einen Teller Spaghetti aglio e oglio zu kochen, ihn zwischen zwei Gedichtbände zu legen und immer abwechselnd in den Büchern zu lesen.

“Dahinter stellst du ein volles Glas trockenen Rotwein. Jede andere Gesellschaft ist nicht empfehlenswert.”

Buchprädikat: Besonders empfehlenswert!

Héctor Abad
Kulinarisches Traktat für traurige Frauen
Deutsch von Sabine Giersberg
Wagenbach Taschenbuch € 8,90
ISBN 978-3-8031-2546-0


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




Versteigerung einer Liebe


Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Podcast, Prof. Pu und die Pücher am 10.Juli 2011

Prof. Pu empfiehlt: Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris, darunter Bücher, Mode und Schmuck. Von Leanne Shapton

Prof. Pu Jetzt abspielen | Download

Wer kennt das nicht, die bisweilen kitschigen und für andere völlig wertlosen Beweisstücke einer Liebe? Eine auf dem Rummel geschossene Plastikrose (nie würde man sich sonst Kunstblumen in die Wohnung stellen!), ein kleines Plüschtier (aus dem Alter sind wir doch jetzt wirklich raus!), der Korken der ersten gemeinsam getrunkenen Champagnerflasche (wollte ich nicht aufhören, alles aufzuheben?)

Leanne Shapton hat aus den Devotionalien einer Liebesgeschichte ein literarisches Kunstobjekt gemacht: Sie erzählt den Lauf einer Liebe anhand eines fiktiven Auktionskatalogs mit den Besitztümern eines erfundenen Paares. Die Idee dazu kam ihr bei der Versteigerung von Truman Capotes Nachlass.

Als ich von ihrem Buch hörte, dachte ich nur, wie soll das gehen – doch schon nach der ersten Seite war ich gefesselt und musste es unbedingt in einem Zug bis zum Ende durchlesen. Der Katalog ruft eine Mischung aus Lese-Neugier (wie geht es weiter, schaffen sie es, bleiben sie zusammen?), Wiedererkennen von Vertrautem (ach, nicht nur ich hebe simple Zettelchen auf … oh, diese Katzenzungen-Schachtel vom Café Demel in Wien steht auch in meinem Bücherregal!), und Bewunderung hervor, für die schöne Idee, eine Liebesgeschichte auf diese ausgefallene Art zu erzählen.

Lenore schreibt eine kulinarische Kolumne für die New York Times, Harold ist freier Fotograf. Kennengelernt haben sie sich auf einer Halloween-Party von gemeinsamen Freunden. Wie rührend ist Objekt Nr. 1006, die zerknitterte Serviette, auf die Lenore für Harold ihre Mailadresse geschrieben hat. Es gibt romantische Widmungen in Büchern, die sie sich gegenseitig zum Geschenk machten:

>>Verliehen an Lenore am Vorabend meiner Abreise nach London am 11. Dez. 2002. Wird nach meiner Rückkehr zurückgefordert. Vergib meinen Platz nicht. H.<<

Oder die unvergesslichen Mix-CDs als Liebesgaben. Kitschige Geschenke, deren Sinn sich nur aus der Intimität zweier Liebenden ergibt (und die einem später schon mal ein kleines bisschen peinlich sein können). Sehr hübsch auch die zehn Postkarten, geschrieben zwei Monate nach ihrem Kennenlernen, von ihm an sie (wie sich doch Worte von Verliebten gleichen, wenn sie nicht beieinander sein können!):

<<War letzten Abend auf einer Vernissage in der Tate. Habe mich vom Wein-Gelage davongestohlen, um mir einen reizenden Balthus im dritten Stock anzusehen. Stellte mir vor, Du stündest neben mir und wir betrachteten ihn gemeinsam …<<

Der Reiz dieses Buches liegt in seinem absoluten und manchmal gnadenlosen Realismus. Wir begleiten sie auf ihrer ersten gemeinsamen Reise nach Venedig, sehen ihre Fotos und lesen ihre Postkarten. Man erfährt alles über das Paar, als ob man mit ihnen befreundet wäre, bei ihnen ein und aus ginge, als ob sie einem ihr Herz ausgeschüttet hätten. Wartet gespannt, ob sie denn nun zusammenziehen. Völlig involviert habe ich dementsprechend empfindlich auf Lenores handschriftliche Notiz reagiert, nachdem sie zu Harold gezogen ist:

<<Ich kann es nicht fassen, dass Du angeblich keinen Kuchen mehr sehen kannst. Damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt, und Deine Worte haben mich tief verletzt. (…) Mein Job ist genauso hart wie Deiner. <<

Noch mehr zog sich mein Herz bei Objekt Nr. 1248, „Eine handschriftliche Notiz“ 18×15 cm / $10-20“ zusammen:

<<BITTE / Beantworte meine E-Mails / Ruf an, wenn Du später kommst / Interessiere Dich für das Thema Essen / Interessiere Dich für meine Freunde / Nimm zur Kenntnis, dass ich versuche, Dich glücklich zu machen / Hör auf, Dich über meine Sachen in Deiner Wohnung lustig zu machen / Hör auf, so herrisch zu sein / Lass Deine Genervtheit nicht mehr an mir aus / VERDAMMT noch mal!<<

Wer hat solche Listen noch nicht erstellt, zumindest in Gedanken? Und dann taucht unter Objekt Nr. 1255 die Nummer eines Paartherapeuten auf, oh oh … Wie es endet? Sie wollen versuchen, Freunde zu sein …  Na, schon mal gehört, schon mal gesagt?

Ich hatte einen sehr kurzweiligen Sonntag mit dieser fein ziselierten Liebesgeschichte in ihrer ausgefallenen Erscheinungsform. Und einige Déja-Vu-Effekte …

Leanne Shapton
Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris, darunter Bücher, Mode und Schmuck.
Berlin-Verlag € 19,90
978-3-8270-0901-2

Links

Creative backstory: Leanne Shapton
Videorezension in 140 Sekunden


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




“Wie Matrosen”: Wendepunkt im Leben


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, FILMZ, Kino, Podcast am 29.November 2010

Die Üblichen Verdächtigen sind auf dem FILMZ-Festival und kommen aus “Wie Matrosen” – und sind begeistert von einer sehr stimmungsvollen Boy-meets-Girl-Variante. Im Podcast reden sie über tolle Hauptdarsteller (Alice Dwyer und André Szymanski), hautnahe Handkamera, einen entspannten Regisseur, einen kanadischen Akzent, eine angenehme Moderation, Wendepunkte im Leben, Fernsehgebühren und was der Film mit “Lost in Translation” zu tun hat:

Perfekter kleiner Schauspielerfilm [ 3:40 ] Jetzt abspielen | Download

Wie Matrosen
D 2009, 45 Min., Regie: Jesper Petzke

Mehr Informationen zum Film bei ZDF – Das kleine Fernsehspiel


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




“Liebesfilm”: Glück trotz Handicap


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, FILMZ, Kino, Podcast am 29.November 2010

Die Üblichen Verdächtigen sind auf dem FILMZ-Festival und kommen aus “Liebesfilm” – einer von zwei Filmen von “Doku 04“ – Carina und Harald sind begeistert und schwer beeindruckt von der bedingungslosen Liebe eines geistig behinderten Ehepaares. Im Podcast reden sie über die Definitionen von Liebe und Komplikationen, die ausbleiben, wenn man nicht zuviel kommuniziert:

Ein ungewöhnliches Liebespaar [ 2:08 ] Jetzt abspielen | Download

Liebesfilm
D 2009, 26 Min., Regie: Maximilian Haslberger

Offizielle Website des Films


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




Eine gute Fee für Großstädte und einsame Inseln


Ein Beitrag von Carina, abgelegt unter Blogparade, Kino am 20.Februar 2010

Carinas Nachreichung für die eigentlich bereits abgelaufene Teo-Net-Blogparade “Mein Lieblingsfilm”.

Die Frage nach dem Lieblingsfilm ist schwer zu beantworten. Natürlich gibt es viele Filme, die mir – je nach Lebensphase und Stimmung – etwas bedeutet haben. Um die Auswahl einzugrenzen, bin ich die Frage mal so angegangen: Welchen Film würde ich mit auf eine einsame Insel nehmen, wenn ich nur einen einzigen auswählen dürfte? Ich meine: Welcher Film erzeugt in mir eine Stimmung, die mir (notfalls) ein Leben lang etwas geben kann? Meine Entscheidung war prompt getroffen: Die fabelhafte Welt der Amelié (2001, Regie: Jean-Pierre Jeunet).

Fantasie als “Allheilmittel”

Die Welt, in der Amelié lebt, ist allerdings alles andere als märchenhaft. In ihr wimmelt es von Absurditäten des Alltags und Menschen mit Macken und Neurosen. Ob die hypochondrische Georgette, der an der Glasknochenkrankheit leidende Maler oder der arme Lucien, der von seinem herrischen Chef fortwährend gedemütigt wird: Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen.

Amelié hat es indes auch nicht leicht. Sie wächst in einem lieblosen Elternhaus auf, wo ihr einziger Freund ein depressiver Goldfisch ist. Eines Tages muss sie sogar mit ansehen, wie ihre Mutter von einer Selbstmörderin erschlagen wird, die sich aus Liebeskummer von einem Kirchturm stürzt. Amelié lernt schon als Kind, ihre Fantasie als Allheilmittel gegen die triste Realität einzusetzen.

Auch als Erwachsene hat sie den Kopf noch voller Träume und ist empfänglich für die kleinen Freuden des Lebens. So liebt sie es beispielsweise beim Gemüsehändler ihre Hand heimlich in einen Sack voll Bohnen zu stecken oder weiterlesen


4 Kommentare




… nur drei Sommertage lang


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 13.Januar 2010

Fast wünschte ich mir, wir wären Schmetterlinge
und lebten nur drei Sommertage lang.
Drei solcher Tage mit dir könnte ich mit mehr Entzücken füllen
als fünfzig gewöhnliche Jahre jemals fassen könnten.

Die üblichen Verdächtigen kommen aus “Bright Star” von Jane Campion – ein Podcast der leisen Töne, sie sind noch traurig und wie in Verzauberung, berichten von magischen Augenblicken, die sie für den Rest ihres Kinozuschauerlebens behalten werden, sehen eine Kulturgeschichte der Emotionen und wunderbare Gemälde. Dem einen allerdings hat etwas gefehlt und dem anderen war der Film zu schnell:

Ein Film wie ein Gedicht [ 7:53 ] Jetzt abspielen | Download

(c) Tobis 2009

Romantische Liebe – das ist Rosamunde Pilcher, das ist Weichzeichner und das sind Frauen mit unrealistischen Vorstellungen vom Leben im Allgemeinen und Männern im Besonderen. Aber Liebe in den Zeiten der Romantik – das ist Jane Campion, das ist Leidenschaft, Verliebtsein, Sehnsucht, Poesie, eine brennende Flamme, Licht und Blüten und Schmetterlinge. Und für drei Sommertage ist das alles Wirklichkeit. Campions Kunst ist die Kunst des Verzichts auf naheliegende gefühlsduselige Streicher, auf Kerzenlicht und konstruierte Konflikte. Und wo dieser wunderbare Film ein wenig Zuckerguss hat, dann ist es der Zuckerstaub auf den süßen Lippen der Geliebten.

(c) Tobis 2009

Links

Michael Sennhauser erkennt, warum der Film so denkbar weit von Liebeskitsch entfernt ist:

“Jane Campion bleibt filmend immer auf Distanz, fast so, wie auch Abbie Cornishs Fanny Brawn bemerkenswerterweise immer zugleich schwärmerisch, leidenschaftlich und nüchtern zugleich auftritt. Zusammen mit der natürlich wirkenden Tageslichausleuchtung der historisch detailliert aufgebauten Sets, den Kostümen und dem Verzicht auf einen musikalischen Score ergibt das eine eigenwillige Stimmung. Bilder, die stets knapp vor dem elegischen Absaufen gefrieren …”

weiterlesen


Schreiben Sie uns Ihre Meinung!




“Der große Roman einer unvollendeten Liebe”


Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Podcast, Prof. Pu und die Pücher am 8.November 2009

sagt La Stampa. Prof. Pu empfiehlt: “Die Einsamkeit der Primzahlen” von Paolo Giordano

Menschen wie Primzahlen [ 5:30 ] Jetzt abspielen | Download

Primzahlen sind durch 1 und durch sich selbst teilbar. Sie haben ihren festen Platz, eingeklemmt zwischen zwei anderen, in der unendlichen Reihe natürlicher Zahlen, stehen dabei jedoch ein Stück weiter draußen. Es sind misstrauische, einsame Zahlen. Deshalb fand Mattia sie auch wunderbar und dachte manchmal, dass sie irrtümlich in dieser Folge, aufgereiht wie Perlen einer Halskette, gelandet waren. Andere Male dachte er, dass sie vielleicht gern wie alle anderen gewesen wären, einfach beliebige Zahlen, was ihnen aus welchen Gründen auch immer aber nicht gelang. Dieser zweite Gedanke kam ihm vor allem abends, in dem chaotischen Geflecht von Bildern, die dem Schlaf vorausgehen, wenn das Hirn zu müde ist, um sich noch selbst zu belügen.

CoverMattia und Alice sind solche Primzahlen. Beide haben in ihrer Kindheit traumatische Dinge erlebt, die sie hellsichtiger machten, aber zugleich auch zu einsamen Außenseitern. Als die beiden sich im Gymnasium kennenlernen, ist sie gerade dabei, sich in einer Freundin zu täuschen, während er seinen einzigen Schulfreund unabsichtlich enttäuscht. Fast zwei Jahrzehnte lang berühren und verfehlen sie sich. Wenn sie überhaupt zu jemandem Vertrauen fassen können, dann nur Mattia zu Alice, Alice zu Mattia. Sie erleidet aufgrund der Sturheit ihres Vaters einen schweren Skiunfall.

Alice della Rocca hasste die Skischule. Sie hasste den Wecker, der auch jetzt in den Weihnachtsferien morgens früh um halb acht klingelte, und ebenso ihren Vater, der ihr beim Frühstücken zusah und dabei nervös mit dem Bein unter der Tischplatte wippte, wie um zu sagen: Los, beeil dich doch endlich. Sie hasste die Strumpfhose, die an den Oberschenkeln kratzte, die Skihandschuhe, in denen sie die Finger nicht bewegen konnte, den Helm, der ihre Wangen zusammenkniff und dessen Metallschnalle sich in ihren Unterkiefer bohrte, und vor allem diese Skischuhe, die viel zu eng waren und in denen sie wie ein Gorilla lief.

Sie behält nach dem Unfall ein steifes Bein und reagiert mit Magersucht. Einmal wagt sie es, ihren Freund Mattia zu küssen. Was diesen vollkommen verstört. Sie heiratet einen Mann, den sie nicht liebt. weiterlesen


Ein Kommentar




« Ältere Beiträge
Twitter facebook XING Impressum

Auf iTunes abonnieren




  • Neue Kommentare

    • marijke kusters bei “Keär man, wär dat getzt lecka!” Ein Besuch im Berliner Currywurstmuseum
    • pu bei Filmtipps für Markus: Das erste Jahr – 1998
    • flim news bei “In Time”: Zeit ist Geld
    • Thomas bei LIFE: Selbstkritik und Pflaumen
    • Götz bei Filmtipps für Markus: Das erste Jahr – 1998
  • Neue Beiträge

    • TV-TIPP: “District 9″ – Kino wie Katzenfutter
    • Hendrik hilft: Filmtipps für Markus – 1998
    • LIFE: “Man bekommt für alles eine Quittung
    • “Verblendung”: “Darf ich ihn töten?”
    • LIFE: “Ich bin 30 Jahre alt, wohne bei meiner Mutter und habe ein Captain-Kirk-Kostüm.”
    • “Drive”: Es gibt keine guten Haie
    • LIFE: Selbstkritik und Pflaumen
    • Filmtipps für Markus: Das erste Jahr – 1998
    • “In Time”: Zeit ist Geld
    • Dem Manne muss geholfen werden!
  • Kategorien

  • Archive

  • Seiten

    • Impressum
    • Sternzeit
    • Über SchönerDenken
      • Schöner Sprechen
  • Auf dem Zettel haben uns

    • BlogAlm.de
    • Ohrient.de
    • podcast.de
    • podster.de
  • Kino-Links

    • Abspannsitzenbleiber
    • Christians Foyer
    • CineKie
    • Das Manifest
    • FilmSPAICHer
    • In der Kinoprovinz
    • JFilmPowWow
    • Kino, TV und Co.
    • moviepilot
    • NEGATIV
    • Nishikata Eiga
    • OliBlog
    • Online-Filmdatenbank
    • Screenshot
    • Symparanekronemoi
    • Zeitverschwender
  • Meta

    • Anmelden
  • Wir empfehlen

    • Die Computerecke
    • Kosmopiloten
    • Lehrerzimmer
    • Molochronik
    • Pornophonique
    • strange views
    • U wie Umwelt
    • Unsichtbare Bibliothek
    • Zuckerfisch News
  • RSS Tipp: Kosmopiloten

    • Warnmodelle sind unsinnig und gefährlich
    • TV-Werbung reagiert auf Nutzerkommentare
    • Wikimedia-Vereine gegen Zentralisierung des Fundraisings
  • RSS 1 x täglich: Sprechbude

    • Silvester bei den Kannibalen von Joachim Ringelnatz
    • Kino – Karl Kraus
    • Auf einen Brand zu – Gotthold Ephraim Lessing
  • SchönerDenken kooperiert mit:


    Blog-Parade

    Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
    Mit Bloglines abonnieren
    Radio.de
    blogoscoop
    Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
    Bloggeramt.de


    Läuft mit Wordpress

    Slidingdoor Design von Wayne

    Podcast ermöglicht durch podPress v8.8.10.13