Filmischer Lichtblick von der dunklen Seite des Mondes


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 20.Juli 2010

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus “Moon” und sind sehr zufrieden. Im Podcast sprechen Sie über den Weltraum-Bonus, die Vorbilder aus der SF-Geschichte, wenig Überraschungen, über angenehm wenig Bohei, einen tollen Schauspieler und über eine Geschichte, die es wert ist erzählt zu werden:

Mond-Klassiker [ 5:39 ] Jetzt abspielen | Download

(c) Sony 2009

Hendrik weiß: Moon wird Freunde finden

Arbeiter Sam Bell schiebt die einsamste Schicht im Universum. Als einziger Bewohner einer Energiegewinnungsstation auf der erdabgewandten Seite des Mondes hat er drei Jahre lang keinen Kontakt zu anderen Menschen, mit Ausnahme der Videobotschaften seiner Bosse und seiner Familie. Seine einzige Gesellschaft ist eine künstliche Intelligenz, welche die Anlage wartet, während er im Mondtraktor unterwegs ist, um die von großen Erntemaschinen direkt von der Oberfläche gewonnene kostbare Substanz Helium-3 einzusammeln und mit unbemannten Raketen zur Erde zu schießen. Seine Schicht ist fast zu Ende, als ein Unfall geschieht, den Sam nur knapp überlebt – nur um daraufhin eine Entdeckung zu machen, die alles in Frage stellt, was er je gewusst zu haben glaubt…

Großes „JA!!“: es gibt sie noch: mit geringem Budget gedrehte intelligente SF, die es versteht, eine gute Story gekonnt zu servieren. Nachwuchsregisseur Duncan Jones bekennt sich in seinem Debut offen zu den von ihm dabei zitierten Vorbildern, Genreklassikern wie Lautlos im Weltraum und Outland. Das stört nicht im Geringsten, da es ihm (scheinbar mühelos) gelingt, über diese Anlehnungen hinaus eine eigenständige Story zu entwickeln.

Da er im Unterschied zu vielen seiner Kollegen in Hollywood lediglich ein sehr geringes Budget zur Verfügung hatte, kam er wohl auch schon deswegen nicht in Gefahr, effektgestützte Action versehentlich als Handlungssurrogat anzusehen. Wo sich zunehmend vermehrt die Level-to-Level-Logik aus Computer-Rollenspielen in Drehbüchern verwalzt sieht, weil man in vielen Produktionsfirmen seinen Zuschauern offenbar durchweg ADS unterstellt, hebt sich Moon durch seinen selbstbewusst gemächlich erzählten Plot hervor, der es sogar locker wegsteckt, dass der routinierte SF-Fan die <große Entdeckung> Bells meist schon vorausgeahnt haben wird. Denn die wahre Spannung ergibt sich gar nicht nur aus den äußeren Ereignissen, sondern aus der Entwicklung des Charakters.

Damit hat endlich mal wieder ein hervorragender Hauptdarsteller (Sam Rockwell, deutsche Stimme: Dietmar Wunder) viel Zeit, den persönlichen Konflikt weiterlesen


Ein Kommentar




Das Schweigen der Ziegen


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 21.März 2010

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus dem Jedi-Film “Männer, die auf Ziegen starren” und es sei an dieser Stelle versichert, dass bei der Produktion dieses Podcasts keinerlei Drogen welcher Art auch immer im Spiel waren – es ist einfach der Film, der diese Wirkung hat :-)

Die Jedis der U.S. Army [ 2:01 ] Jetzt abspielen | Download

(c) Kinowelt 2010

Und sonst? Keine Siege ohne Ziege! Hendrik sagt:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Auf dem Heimweg vom Kino höre ich einen Song der Traveling Wilburys, und nachdem mir – wie auch den anderen – im sofortigen Nachgang zu ‘Männer, die auf Ziegen starren’ nur wenig eingefallen ist (ob die was ins Klimasystem getan haben?), kommt mir plötzlich der Gedanke: Ja, genau SO wie einer der Songs der Traveling Wilburys ist dieser Film: da treffen sich ein paar Große, die absolut keinem mehr irgendetwas beweisen müssen und fabrizieren deutlich spürbar sehr entspannt ein Werk, dass von vornherein überhaupt nicht vorhat, Originalitätsrekorde zu brechen oder irgendeinem Genre etwas Nochniedagewesenes hinzuzufügen.

(c) Kinowelt 2010Jeder der Beteiligten macht einfach, was er gut kann, und im Ergebnis kommt dabei ein runder, tiefenentspannter Film heraus, in dem Jeff Bridges der Welt ein weiteres Mal sein unnachahmliches Althippielächeln schenkt, George Clooney nach seinem sehr korrekt beschlipsten, pointierten Auftritt in Up in the Air sich einen Rotzfänger ins Gesicht kleben, sich im Sand wälzen und das Hemd aus der Hose hängen lassen darf, Kevin Spacey inszeniert mit gut plazierter Gestik und Mimik sehr präsent seinen üblichen Unberechenbaren, und der einzige, der sich noch ein wenig anstrengen muss, ist Ewan McGregor. Die für das Jahr 2010 auffällig unhektische Komödie erinnert mich stellenweise in der Gangart ein wenig an Komödien der 50er Jahre, die gelegentlich Ruhepausen zwischen den Gagjagden einlegen, und das finde ich persönlich ab und an mal sehr angenehm – manchen wird’s auch schlicht anöden.

Zwar hätte ich mir bei dieser Idee und dieser grandiosen Besetzung mehr satirischen Biss gewünscht, aber das war wohl nicht vorgesehen im Konzept, und deswegen ist das mein Problem und nicht eines des Filmes. Die Produktion wird ein kleiner Klassiker für Freunde der Darsteller werden, aber ansonsten rasch in DVD-verramschte Vergessenheit geraten. Ich werde ihn mir trotzdem irgendwann für 5 Euro an der Baumarktkasse mitnehmen, denn an manchen Abenden ist genau diese Art Film genau das, was ich sehen mag.

An dieser Stelle bedanken wir uns im Übrigen stellvertretend für alle Abspannhelfer (und hier auffallend wenige -helferinnen) bei Ramon Frank, einem der “jedi stunts”, und “set medic” Doug Acton. Ramon Frank hat seinen Körper u.a. auch schon für “Three Burials” und “Seraphim Falls” hingehalten, während Doug Acton auch schon am Set von “21 Gramm” und ebenfalls “Seraphim Falls” Heftpflaster verklebt hat (möglicherweise auf Ramon Frank). Vielen Dank an Euch & die anderen & in diesem Fall: auch an die Ziegen.

Links

Christian verliebte sich – wie so viele – in den Filmtitel: “So aber ist diese Groteske nur ein nettes Filmchen, das man sich zwar gerne ansieht, am Ende jedoch aber auch leicht enttäuscht ist. Man kann es auch anders ausdrücken: Wenn der Titel besser ist, als der eigentliche Film, dann ist einiges daneben gegangen.“ / Flo Lieb findet: “Dennoch hebt sich Heslovs Film selten über seine Durchschnittlichkeit hinweg.” / Mehr Kritik bei film-zeit.


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Brennendes Herz


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Blogparade, Kino am 6.Februar 2010

Prof. Pu präsentiert für die Teo-Net-Blogparade ihren Lieblingsfilm: “Sodbrennen” von Mike Nichols

“Sodbrennen” ist einer meiner Lieblingsfilme, seit ich ihn 1986 im Kino gesehen habe. Ein wenig erstaunt war ich dann schon über meine Geschmackstreue – Mike Nichols (Regie, letzter Film: Der Krieg des Charlie Wilson) und Nora Ephron (Drehbuch, letzter Film: Julie & Julia) tauchen immer wieder in meinen Filmlisten auf – von Meryl Streep und Jack Nicholson ganz zu schweigen. Außerdem ein Highlight: Kevin Spacey als Dieb in seiner ersten Kinorolle. Die Komödie basiert auf dem autobiografischen Roman Ephrons, “Heartburn”, über ihre Ehe mit dem Watergate-Enthüller Carl Bernstein. Es ist eine einfache Geschichte:

Rachel Samstat und Mark Forman, beide beziehungsgeschädigt, lernen sich auf einer Hochzeit kennen, heiraten, kaufen ein heruntergekommenes Haus, Rachel bekommt ein Kind, der Alltag verwässert die Liebe. Erst während der zweiten Schwangerschaft wird ihr klar, dass die Affäre, die man einer bekannten Journalistin nachsagt, eine Affäre mit ihrem Ehemann ist. Sie trennt sich, er will zurück zu ihr, gelobt Treue und wird rückfällig. Rachel verlässt ihn endgültig. So weit, so gewöhnlich.

Was ich an diesem Film liebe, ist das Spiel von Streep und Nicholson. In ihrer ersten gemeinsamen Nacht verblüfft sie ihn: ganz un-new-yorkish kocht sie für ihn eine Riesenschüssel Spaghetti, die sie dann gemeinsam im Bett essen. Für immer lieben werde ich die Szene, in der sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählt, während sie im notdürftig renovierten und zugigen Schlafzimmer sitzen, Pizza aus dem Karton essen und Nicholson – auch in der deutschen Version nicht synchronisiert! – sehr schräg alle Lieder mit dem Wort „Baby“ im Titel anstimmt, einfach göttlich.

Oder Meryl Streeps Mimik, ihr Blick in den Spiegel, Method-acting-geübt, als ihr beim Friseur klar wird, dass und vor allem mit wem sie betrogen wird. Und wie oft denke ich an den Moment, als sie ihrem Ehemann während eines Essens – jenseits aller Tortenschlachten-Peinlichkeiten – vollkommen ungerührt den Nachtisch ins Gesicht drückt, den Autoschlüssel nimmt und verschwindet. Diese Nonchalance möchte man gern besitzen. Ja, es ist nicht so sehr die Handlung, es ist das Spiel der beiden, das mich diesen Film für immer lieben lässt.


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