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	<title>SchönerDenken &#187; Keine Science Fiction</title>
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		<title>&#8220;Mr. Banks, sprechen wir doch mal über Ihre Unkultur &#8230;&#8221; 3. Die Aufsteigerin</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 22:01:15 +0000</pubDate>
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Dritter Teil: Die Aufsteigerin

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		<itunes:summary>Hendrik liest drei der Nicht-SF-Romane vom Autoren des &#60;Culture&#62;-Zyklus: &#60;Die Wespenfabrik&#62;, &#60;Träume vom Kanal&#62; und &#60;Die Aufsteigerin&#62;
Dritter Teil: Die Aufsteigerin

&#60;Die Aufsteigerin&#62; ist &#60;Träume vom Kanal&#62; in einer Beziehung recht ähnlich: wiederum steht hier eine starke und erstmal nur bedingt sympathische Frauenfigur im Mittelpunkt. Die Erzählerin Kate Telman ist eine selbstbewusste, gutaussehende Enddreißigerin und im oberen Management eines reichlich mysteriösen, weltumspannenden Konzerns tätig, den es offenbar bereits seit gut zweitausend Jahren gibt. Sie wird damit beauftragt, für den Konzern den Ankauf eines ganzen Landes vorzubereiten, weil man auf diesem Wege einen Sitz in den Vereinten Nationen erhält und sich auch ansonsten jede Menge Vorteile verspricht. Die Wahl fällt auf den Zwergstaat Thulahn hoch oben im Himalaja, und Kate ist von der Aussicht, dort für längere Zeit leben zu müssen, nicht wirklich begeistert:

&#8220;Anständig? Thulahn ist ein Rattenloch! Die haben so wenig ebenen Boden, dass ihre einzige Landebahn gleichzeitig als ihr Fußballstadion herhalten muß; als ich dort eingeflogen bin, wären wir fast bei unserem ersten Landeanflug abgestürzt, weil sie vergessen hatten, die Torpfosten abzubauen. Der königliche Palast wird mit schwelendem Yak-Dung beheizt, Onkel Freddy. Ihr Nationalsport ist Emigration.&#8221; (S.63)

Vor allem der bissige Humor der Erzählerin verleiht dem Ganzen eine wesentlich leichtere Note als &#60;Träume vom Kanal&#62;, zumal es nicht so offenkundig um Leben und Tod, sondern nur um Macht und gigantische Mengen Geld geht. Wiederum gerät Banks seine Zentralfigur so vielschichtig und stark, dass die Ereignisse um sie herum fast in den Hintergrund treten. Kate entdeckt sowohl in der Organisation, für die sie arbeitet, als auch in ihrer eigenen Gefühlswelt nach und nach Dinge, die sie nie für möglich gehalten hätte.
Banks versucht gar nicht erst, sich hier verkrampft irgendetwas Brandneues einfallen zu lassen, sondern reichert u.a. das ewig alte Thema des dekadenten Strebens der Mächtigen nach immer mehr Macht einfach kurzerhand mit so skurrilen Handlungsdetails an, dass es eine schlichte Lesefreude ist: wer führt schon ein Bewerbungsgespräch mit jemandem, der gerade vergnügt dabei ist, ein Kreuzfahrtschiff [schon wieder Schiffe!] zu Schrott zu fahren? Das beginnt hier und da schonmal den Rahmen dessen zu strapazieren, was man in einem nichtphantastischen Roman für gewöhnlich akzeptiert. Aber mit einem guten Erzähler ist es wie mit einem guten Markthändler: man nimmt ihm immer ein wenig mehr ab, als man eigentlich wollte, weil es einem so charmant untergeschoben wurde, und auf eine ganz subtile Weise ist diese harmlose Verführung sogar ein wesentlicher Bestandteil der Freude.
V.
Ich kann es nur als großen Glücksfall bezeichnen, dass Iain Banks – zumindest vermute ich, dass es so gewesen sein mag – irgendwann klar geworden ist, dass seine starken Charaktere sich einfach besser in einem ihnen ebenbürtigen Kontext entfalten. Er stünde damit in einer schönen Tradition von AutorInnen – prominentester Vertreter: Stanislaw Lem –, die einfach irgendwann die Phantastik entdecken mussten, weil deren konzeptionelle Ungebundenheit der einzig adäquate Erzählraum für den gedanklichen Freiheitsbedarf ihrer Entwürfe und ihrer Phantasie darstellt.
Ich persönlich glaube nicht, dass Erzähler, welche die ganze Zeit die möglichst hochwertige Vermittlung einer Botschaft im Auge haben, besonders gute Autoren abgeben. Vielmehr sehe ich mich immer wieder darin bestätigt, dass die Fähigkeit eines Erzählers, seinem Werk vor allem spürbar die eigene pure Freude am Erzählen mitzugeben, das entscheidende Enzym darstellt, das Literatur verdaulich macht. Auf dieser Basis folgt dann alles andere: Handlung, Requisite, Stil, Humor, Gefühl, Philosophie, Spannung, Botschaft.
Bei Iain Banks sind es vor allem die Charaktere, welche dieses Enzym transportieren, und das fu[...]</itunes:summary>
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		<title>&#8220;Mr. Banks, sprechen wir doch mal über Ihre Unkultur &#8230;&#8221; 2. Träume vom Kanal</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 22:01:26 +0000</pubDate>
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Zweiter Teil: Träume vom Kanal

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		<itunes:summary>Hendrik liest drei der Nicht-SF-Romane vom Autoren des &#60;Culture&#62;-Zyklus: &#60;Die Wespenfabrik&#62;, &#60;Träume vom Kanal&#62; und &#60;Die Aufsteigerin&#62;
Zweiter Teil: Träume vom Kanal

&#60;Träume vom Kanal&#62; (wiederum von Heyne als SF-Roman deklariert) scheint erstmal nur zu bestätigen, dass Iain Banks auf Schiffe steht; allerdings handelt es sich diesmal nicht um die hochintelligenten, meist reichlich exzentrischen Raumschiffe seines &#60;Culture&#62;-Zyklus, sondern um drei Frachtschiffe, die zu Beginn der 80er Jahre im Panamakanal festsitzen, weil Terroristen begonnen haben, jedes Schiff zu beschießen, das versucht, diesen Verbindungsweg zu passieren. Mit an Bord ist die weltberühmte japanische Cellistin Hisako Onoda, die sich aufgrund ihrer panischen Flugangst diesen Transportweg für eine Konzertreise nach Europa ausgesucht hat. Während um die drei Schiffe herum die politische Situation mehr und mehr eskaliert, wird parallel Hisakos Lebensgeschichte erzählt. Dann besetzt eine Gruppe der Terroristen die Schiffe und nimmt die darauf Befindlichen als Geiseln – mit der üblichen, zur ständigen Eskalation gezwungenen Rhetorik des alle Mittel rechtfertigenden edlen Zieles –
&#8220;Sehen Sie, die Großen müssen manchmal krumme Dinger drehen, Fräulein Onoda. Um groß zu bleiben, muß man krumme Dinger drehen; da führt kein Weg dran vorbei. Man kann es versuchen und sich von denjenigen distanzieren, die die krummen Dinger drehen; ich meine, sich von der ausführenden Hand zu distanzieren, aber man bleibt doch verantwortlich. In einer schlechten Welt muß man schlechte Dinge tun, wenn man fähig bleiben will, gut zu sein. Verstehen Sie das?&#8221; (S. 242)
Zuletzt ist es ausgerechnet Hisako, welche die Dinge in die Hand nimmt und sich dieser Eskalation entgegenstellt, und so wird aus den zwei augenscheinlich unvereinbaren Elementen eine Geschichte.
Obwohl mir &#60;Die Wespenfabrik&#62; recht eindeutig der bessere Roman zu sein scheint, steht &#60;Träume vom Kanal&#62; den SF-Romanen Banks&#8217; spürbar näher. Das hat weniger mit dem Handlungsort der Schiffe zu tun, als vor allem mit der Protagonistin, die als vielschichtige und – auch für sich selbst – widersprüchliche Frau eine nahe Verwandte z.B. der weiblichen Hauptfigur aus &#60;Vor einem dunklen Hintergrund&#62; ist. Man lernt Hisako kennen, beginnt ihre inneren Konflikte und Unvereinbarkeiten zu verstehen, und doch überrascht sie mit plötzlich hervortretenden Stärken und Schwächen in der Grenzsituation, in die sie gerät. Bei einem schlechteren Autoren als Banks würde das willkürlich, unzusammenhängend und damit trivial wirken, aber Banks gelingt es tatsächlich, diese Widersprüche zu einem Charakter zu vereinen, an dessen weiterem Schicksal man interessiert ist.
Banks entwirft seine Protagonistin dabei ein weiteres Mal nur bedingt so, dass man sie mag. Der Konvention, seine Handlungsträgerin als Identifikationsfigur nahezulegen, stellt er konsequent ihre innere Ambivalenz entgegen. Damit erzeugt die Figur der Hisako aus sich selbst heraus bereits ein eigenes Spannungsfeld, zumal an einem Ort, an dem sie völlig deplaziert wirken muss: eine zierliche japanische Cellistin an Bord eines von Militärs festgesetzten Tankers.
Das verleiht dem Roman wesentlich mehr Spannung als der weitere Verlauf der politischen Konfliktsituation selbst, die denn auch im Roman merkwürdig beiläufig bleibt: das Drumrum und die Beweggründe des Konfliktes interessieren kaum, nur das Hier und Jetzt dessen, was auf den drei Schiffen geschieht, ist für die Beteiligten (und damit für den Lesenden) noch relevant: ein eingeengter Raum, in dem mit zunehmender Wucht entgegengesetzte Kräfte aufeinanderprallen. In der Physik wie in der Literatur sind die Konsequenzen die gleichen; irgendwann muss es zu einer Entladung kommen, und Banks hat diese Versuchsanordnung (ein vornehmerer Rezensent würde jetzt schreiben: dieses Kammerspiel) erzählerisch kompetent umgesetzt.
Morgen folgt bereits der dritte un[...]</itunes:summary>
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		<title>&#8220;Mr. Banks, sprechen wir doch mal über Ihre Unkultur &#8230;&#8221; 1. Die Wespenfabrik</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 22:01:55 +0000</pubDate>
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Erster Teil: Die Wespenfabrik

I.
Der &#60;Culture&#62;-Zyklus, darunter die Roman[...]</itunes:subtitle>
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Erster Teil: Die Wespenfabrik

I.
Der &#60;Culture&#62;-Zyklus, darunter die Romane &#60;Bedenke Phlebas&#62;, &#60;Das Spiel Azad&#62; und &#60;Exzession&#62;, zählt zweifellos zu den intelligentesten und gelungensten neueren Space Operas und damit zu meinen klaren Favoriten in diesem Genre. Mit den Büchern von Iain Banks, die nicht der von mir so geliebten Science Fiction zugehörig sind, geht es mir daher ein wenig wie mit den Soloalben der Keyboarder meiner Lieblingsbands: irgendwie bin ich vorab schon entschlossen, sie ebenfalls zu mögen, aber zugleich bin ich mir nicht sicher, ob sie die Elemente enthalten, die ich an den mir bereits liebgewordenen Veröffentlichungen schätze.
Und so ist die Lektüre einiger Nicht-SF-Romane von Iain Banks für mich eine gute Gelegenheit herauszufinden, was mich an seinen Büchern eigentlich so reizt:
II.
&#60;Die Wespenfabrik&#62; ist Banks&#8217; überaus erfolgreiches Erstlingswerk von 1984. Nach dem SF-Roman &#60;Bedenke Phlebas&#62; war es das zweite seiner Bücher, die ich vor Jahren las, und zwar in der heute längst als naiv entlarvten Annahme, der Heyne Verlag veröffentliche in seiner Science Fiction und Fantasy-Reihe auch nur Science Fiction und Fantasy. &#60;Die Wespenfabrik&#62; ist weder das eine noch das andere, vielmehr ein ungewöhnliches Familien- und Adoleszenzdrama, dessen Besonderheit sich zunächst vor allem aus der Erzählerperspektive speist. Die erzählende Stimme gehört Francis Leslie Cauldhame, sechzehn Jahre alt und mit großer Intelligenz, einer reichhaltigen Phantasie und einer ausgeprägten Neigung zur Grausamkeit ausgestattet –
&#8220;Vielleicht sollte ich mir eines dieser Weckradios mit Leuchtdiode wünschen, obwohl ich eigentlich sehr an meinem alten Messingwecker hänge. Einmal habe ich je eine Wespe an die Klangkörper der kupferfarbenen Glocken auf dem Gehäuse gebunden, so daß der kleine Hammer auf sie eindrosch, wenn am Morgen der Alarm losging. Ich wache immer vor dem Weckerläuten auf, deshalb konnte ich es beobachten.&#8221; (S. 28)
Francis lebt, gemeinsam nur mit dem absonderlichen Vater, der seine Zeit mit von ihm geheimgehaltenen Experimenten verbringt, an einer abgelegenen Stelle der schottischen Küste, besucht keine Schule, sondern inszeniert mit in einem Schiffswrack gefundenen Explosivstangen in den Dünen Kriegsspiele.
Der ältere Bruder Eric befindet sich seit Jahren in einer geschlossenen Anstalt, nachdem er einst plötzlich Kinder aus dem nahen Ort attackiert und einige Hunde mit Benzin übergossen und angezündet hatte. Nun ist er jedoch aus der Anstalt entwichen und mutmaßlich auf dem Heimweg. Während Francis der Begegnung mit dem unheimlichen Bruder entgegensieht, erzählt das seltsame Kind seine Geschichte und auch die seiner Familie und wartet zuletzt mit einem doch sehr überraschenden Ende auf. Wenn Sie zu denjenigen zählen, die vor der regulären Lektüre eines Buches zunächst die letzten zwei Seiten lesen: lassen Sie&#8217;s diesmal.
Der Roman ist, das kann man sich bei dieser Erzählperspektive vorstellen, stellenweise in dem, was er schildert, etwas ungemütlicher und drastischer, als es zumindest mir für gewöhnlich lieb ist. Bücher mit Sätzen wie
&#8220;Manchmal wünschte ich, wir hätten eine Katze. Bisher besaß ich lediglich einmal einen Katzenkopf, und den haben mir die Möwen geklaut.&#8221; (S. 22)
lege ich für gewöhnlich rasch beiseite. Aber Banks beweist bereits in seinem Debutroman, dass er die Gabe besitzt, auch extremen Charakteren eine überzeugende Stimme und biographische Plausibilität zu verleihen. Auch der ungewöhnlichste Mensch hat Wurzeln, Motive, einen Werdegang und Wege der Selbstbegründung, und es zählt für mich Buchfan zu den Königsdisziplinen, solche Charaktere über Buchlänge hinweg aufrecht und interessant zu erhalten. So verschiedene Autoren wie Margaret Atwood und S[...]</itunes:summary>
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