Konzerttipp: Shambelle, mehr als eine B-Seite


Ein Beitrag von Gabriel, abgelegt unter gAAAbe Accessing All Areas, Interview, Musik, Podcast am 8.Oktober 2011

gaaabe_250gAAAbe freut sich Uschi Mathes und Klaus Weis von Shambelle interviewen zu dürfen und hat einen Konzerttipp für Euch.

Im Spätsommer vor drei Jahren in Mainz. Mehrere Bands spielen an diesem Abend im SWR Funkhaus. Darunter Shambelle. Ich kenne sie nicht. Hinter mir sagt eine Frau im Publikum. “Die machen schöne Popmusik”. Ich zucke zusammen – Popmusik, pfff. Ich hasse Popm…  die Band fängt an zu spielen.

Sie haben popappeal, aber für mich haben sie vor allem einen tollen Klang an diesem Abend. Das Quartett nimmt mich sofort mit in ihre Welt. Die wunderbar tiefe Stimme der Sängerin Uschi erinnert mich an die Cultured Pearls-Sängerin Astrid North. Um sie herum jazzig-soulige-Klänge mit einem bisschen Electro von ihren Bandkollegen.

Klaus Weis und Uschi Mathes von Shambelle (photo by gAAAAbe)

Ich habe dieses Konzert irgendwie immer in Erinnerung behalten und versucht zu verfolgen was Shambelle so machen, aber sie seitdem nicht mehr live gesehen. Aber diese Zeit ist jetzt vorbei: Am Samstag den 8. Oktober spielt das Quartett ab 21.00 Uhr in Klein-Winternheim bei Jazz in der Garage mit Hattler (Kfz-Werkstatt Kilicaslan, Raiffeisenstraße 14, Klein-Winternheim).

Noch dazu habe ich vorab ein Interview mit zwei Mitbegründern der Band bekommen, von denen ich erfahre, wer Shambelle sind, was sie für Musik machen und warum The Police für die Band wichtig war.

Gaaabe genießt Shambelle [ 10:31 ] Jetzt abspielen | Download

Die Band-Homepage mit Tourterminen, Diskographie und weiteren Informationen gibt es hier. Eine kleine musikalische Kostprobe findet Ihr direkt hier bei uns auf SchönerDenken:




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Es fliegt raus: “100 Fragen an”


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Verlassen Sie sofort meine Sammlung! am 27.Juli 2011

Neue Reihe bei “SchönerDenken”: “Verlassen Sie sofort meine Sammlung!” Bücher, Filme, Musik, die wir auf keinen Fall behalten wollen. Thomas beginnt mit “100 Fragen an”.

Eine Menge prominenter Namen: von Harald Schmidt bis George Clooney, von Dieter Bohlen bis Hilary Rodham Clinton. Alle interviewt von Moritz von Uslar. Der Klappentext schraubt die Erwartungen hoch: Die Erfindung einer neuen Interviewform, “messerscharf und gefährlich nah dran”, “Das Originellste” blablabla. Was sich Uslar ausgedacht hat, ist eine Art Schnellfeuerinterview – 100 Fragen in 4 oder 5 Minuten. Was dabei aber herauskommt, ist eine meist sinnlose Ansammlung von Fragen, auf die selbst Harald Schmidt nur bedingt unterhaltsam antworten kann:

“Wie heißt Ihr Bierchenkumpel?”
“Wer? Habe ich nicht.”

Und dann zwischendurch Beschreibungen der Situation im Telegrammstil:

“Jetzt versteht man ihn nicht – der Moment, in dem die Möglichkeit der Abstraktion einzieht. Gleich toll. Man sollte öfter mal unverständlich sein.”

Aha. Soso. Warum eigentlich noch weiterlesen? Damit man nicht den Wutanfall von Omar Sharif verpasst:

“Ihr lustigstes Vorurteil gegen das heutige Russland?”
“Das ist keine Frage! Das ist … ein Nichts! Ich hasse die Sorte Interview! [...] Ich kenne die Leser! Sie verachten die Leere, die Kurzatmigkeit Ihrer Fragen. [...] Sie fragen Dinge, die vollständig uninteressant sind.”

Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.


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Jack Vance: Der Weltendenker und sein Verleger (2)


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch, Interview am 12.September 2010

Anlässlich des 94. Geburtstages von Autorenlegende Jack Vance führten wir ein ausführliches Interview mit einem, der dessen Werk wirklich in- und auswendig kennt – seinem deutschen Verleger und Übersetzer Andreas Irle.

Hier Teil Zwei des Interviews. Teil Eins findet sich hier.

Im Hintergrund das, was bei einem SF-Liebhaber einer Schatztruhe glechkommt

Jack Vance-Übersetzer und -Verleger Andreas Irle

Ich möchte noch einmal zurückkommen auf das, was Du eingangs über die besonderen Aspekte in Vances Werk gesagt hast, vor allem über die Bedeutung der Sprache. Während es sicherlich – in der SF wie auch in jedem anderen belletristischen Genre - AutorInnen gibt, die Sprache als reines Handwerkszeug und Medium ansehen, um einen von ihnen für viel wichtiger erachteten Plot zu transportieren, gehört Vance zu jenen, bei denen die Sprache nicht nur Mittel und Weg zum Zweck zu sein scheint, sondern der Vorgang des Erzählens ist selbst Teil des Ziels. Liest man womöglich Vance auch deswegen so gern, weil er es offensichtlich so liebt zu erzählen?

Die Sprache ist für Vance nicht einfach nur Mittel zum Zweck, sondern in gewissem Sinn ein Symbol für das Leben selbst – der Weg ist das Ziel. Das drückt sich stärker noch in den Handlungen vieler seiner Romane aus, dazu später mehr. Viele seiner erfundenen Worte sind auf Klang ausgelegt, sie sollen sich einfach gut anhören, für ihn selbst und für den Leser. Dabei passt er die Sprache den verschiedenen Gesellschaften an.

Das Kapitel “Vances Worte” in Jack Rawlins Buch “Demon Prince” ist diesbezüglich sehr interessant, wie natürlich das gesamte Buch. Rawlins schildert, wie Vance mittels Fachsprachen, Latinismen und Substantivierungen eine fremde Aura schafft, die jedoch, da sie ja menschengemacht ist, auch irgendwie vertraut ist. Dabei geht in den Übersetzungen allerdings einiges verloren, insbesondere, was die Substantivierungen angeht, da es diese zumeist bereits in Deutsch gibt.

Viele lesen Bücher wegen des Handlungsbogens, sie brauchen geradlinige Plots, die zielgerichtet auf die Lösung zugehen und in einem Showdown enden. Bei Vance, der auch handlungsorientiert schreiben kann, was viele seiner Werke beweisen, ist das in anderen seiner Werke nicht so. Ihm wird vorgeworfen, häufig die Lust am Ende von Serien zu verlieren. Ich schließe mich allerdings der Ansicht von Jack Rawlins in “Demon Prince” an, dass dies Vances Absicht ist. Im letzten Band der Durdane-Trilogie, “Die Asutra”, zum Beispiel, ist der eigentliche Held Gastel Etzwane aus dem Zentrum der Handlung verschwunden. Nicht er ist derjenige, der die Handlung vorantreibt, sondern jemand anderes. Daher wirkt das Ende des Buches etwas ernüchternd, was jedoch gewollt ist, da der Leser die Gefühle Etzwanes teilen soll. Außerdem hat Vance ab der Durdane-Trilogie auch die Angewohnheit angenommen, Handlungsstränge häufig nicht in einem Bogen zu entwickeln (obwohl hier der Gesamtbogen gewahrt bleibt), sondern irgendwann während des Verlaufs der Handlung aufzulösen (teilweise ebenfalls entgegen der/den Erwartungen/Hoffnungen des Lesers).

Oben: Die Vance Integral Edition. Unten: Die Bände der Werkedition von Andreas IrleGeschichten wie “Die Mondmotte” leben von der Unvollkommenheit, oder besser: Unvollständigkeit der Requisiten: Vance ist für mich einer von denen, die mit wenigen Sätzen einen Ort oder eine Kultur anzureißen und diese so gewandt zu skizzieren vermögen, dass die Phantasie des Lesenden eingeladen wird, das Bild selbst fortzumalen. Das Lesen bleibt kein passives Rezipieren, sondern erhält kleine Anregungen zum Weiterspinnen – ‘Wie lebt man in einer Zivilisation, in der jeder sich ständig hinter Masken verbirgt? Oder tun wir das in einem gewissen Sinne nicht tatsächlich ständig?’ – und so weiter.

Ob es der Grundgedanke von “Die Kriegssprachen von Pao” bzgl. der Relevanz von Sprache für das Denken oder nur eine beiläufige Fußnote über die Machtaspekte des Wartens ist (irgendwo in den Cadwal-Chroniken, glaube ich, sinniert Vance darüber, dass, wer jemand anderen warten lassen kann, damit Macht über den Wartenden ausübt): Vance scheint sich nicht nur wahllos exotische Kulturen auszudenken, sondern auch eine recht wache Wahrnehmung dafür zu haben, wie Kultur funktioniert. Ich persönlich finde, dass es vor allem genau das ist, was Vances Romane von trivialer Unterhaltungslektüre unterscheidet. Wie siehst Du das?

Vance weiß, was eine Kultur ausmacht und benutzt die Bestandteile – Architektur, Sitten, Religion, etc. – um die Grundlage dafür zu legen. Dabei geht er bei manchen Dingen in die Tiefe und bezeichnet ein “Glas” nicht als solches, sondern als “Kelchglas”; meist sind “Boote” keine “Boote”, sondern ein ”Skiff”, eine “Kogge”, ein “Lastkahn”. Wobei wir bei den Aufzählungen von Vance wären. In Jack Rawlins “Demon Prince” gibt es dazu ein eigenes Kapitel. Diese Aufzählungen treten oft in Dreiergruppen auf und schildern beispielsweise den Inhalt von einem Bücherschrank, eine Reihe von Instrumenten, Nahrungsmittel etc. Manche Listen enthalten Begriffe, die im Grunde ein und dasselbe beschreiben; dies nutzt Vance zuweilen dazu, ein von ihm geprägtes Wort zu verwenden, weil man anhand der anderen Begriffe sofort weiß, worum es sich handeln muss.

Er versteht es, einen Rahmen gerade so weit vorzugeben, dass der Leser in der Lage ist, diesen weiter zu füllen; er stellt das Gerippe, der Leser das Fleisch. Seine Werke spiegeln die ungeheure Vielfalt wider, in der wir leben und die er uns, als Science Fiction verpackt, vorhält. Jeder Mensch ist ein Universum in sich, mit seinen Eigenheiten, seinen Träumen und Beweggründen

Am Anfang von Vance Schriftstellerlaufbahn jagen die Helden etwas hinterher, was sie haben wollen. Dies drückt sich auch in den Titeln aus: “To Live Forever” [Ewig zu leben] (Kaste der Unsterblichkeit), “The Five Gold Bands” [Die fünf goldenen Bänder] (Das Weltraum-Monopol), “The Houses of Iszm” (Die lebenden Häuser). Die Themen von Vance ähneln sich: Einerseits kommt ein Außenseiter in eine ihm fremde Kultur und muss sich darin zurechtfinden, zum Beispiel bei “Großplanet, “Tschai”, “Showboot-Welt”, den “Dämonenprinzen”. Andererseits bringt eine Kultur einen Menschen hervor, der sie in Frage stellt, wie in “Kaste der Unsterblichen”, “Der azurne Planet”, “Emphyrio”, “Die Domänen von Koryphon”.

Anfang der 70er Jahre kommt bei Vance das Thema Heimat auf. In Büchern wie “Trullion: Alastor 2262″, “Marune: Alastor 933″, “Maske: Thaery” und den “Cadwal Chroniken” geht es um die Bewahrung des Zuhauses. In manchen Werke sind die Themen gemischt. Interessant ist dabei, dass in den früheren Werken die (fremde) Kultur häufig unter die Räder kommt. Das Paradebeispiel dafür ist “Tschai”; auf der Suche nach einem Raumschiff kommt Reith mit vier Fremdrassen in Kontakt, die alle nach der Begegnung nicht mehr so sind wie vorher. Vance entwickelt auch einen Sinn für den Verlust großer kultureller Errungenschaften, wie beispielsweise dem Lied der Ka in “Durdane”. Später geht es ihm eher, darum, die Werte der bestehenden Kultur zu schützen, siehe “Maske: Thaery” oder die “Cadwal Chroniken”.

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Kleiner Plausch mit der Zukunft: Ein Interview mit der Münchner Science Fiction-Autorin Miriam Pharo


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch, Interview am 14.Oktober 2009

Schlangenfutter

"Schlangenfutter" von Miriam Pharo

Kürzlich durfte ich mal wieder eine kleine Lesezeitreise antreten, und zwar diesmal in das Jahr 2066 und nach Norddeutschland. Das sind Handlungsort und –zeit des Science Fiction-Thrillers “Sektion 3: Hanseapolis”, dessen erste beide Episoden kürzlich unter dem Titel “Schlangenfutter” als Taschenbuch beim Acabus Verlag erschienen. An dieser Stelle wurde vor Monaten die Sprechbudenumsetzung der ersten Episode bereits kommentiert, da bietet es sich an, auch einen Blick auf das nun erschienene Buch zu werfen. Und so nutze ich gerne die Gelegenheit, für SchönerDenken via E-Mail ein wenig mit der Autorin und Erfinderin dieser Zukunft zu plauschen: Guten Tag, Miriam Pharo.

Nimm Platz, ich erhebe einen frischen Kaffee in Deine ungefähre Richtung und reiche Dir einen virtuellen Keks dazu … wollen wir anfangen? Schön:

1. Erzähl doch mal: wie sieht die Alltagsgegenwart einer Menschin aus, in deren Kopf eine zukünftige Riesenmetropole stattfindet?

Auch, wenn ich das tue, was die meisten Menschen in Deutschland tun, nämlich morgens aufstehen, Kaffee trinken, Zeitung lesen und ihr Leben finden, befinde ich mich die meiste Zeit im Analysemodus. Jede noch so unbedeutende Handlung wie einfach nur aus dem Fenster zu schauen, kann Fragen nach sich ziehen: „Stehen in 60 Jahren hier noch Bäume?“ oder „Werden die Menschen der Zukunft überhaupt noch auf die Straße gehen, oder bleiben sie in ihrer Cyberwelt verhaftet?“ Das betrifft sowohl alltägliche Dinge wie „Woraus wird Kaffee im Jahr 2066 bestehen?“ wie auch gesellschaftlich relevante Fragen im Stile von „Wie wird sich das Verbrechen entwickeln? Wird die menschliche Natur noch mehr verrohen, oder werden wir eines Tages die Gefühlsnotbremse ziehen, wie in ‘Equilibrium’?” Und natürlich kreisen meine Gedanken immer wieder um den Verlauf meiner Geschichten.

2. Welche Verbindung hast Du eigentlich zu Hamburg, wo Du doch in der Nähe von München lebst?

Ich habe einige Jahre in Hamburg gelebt und liebe es über alles. Es war Liebe auf den zweiten Blick, dafür aber richtig. Mein Roman ist eine Hommage an diese großartige Stadt, deren Schönheit oft verkannt wird, vor allem international. Umso mehr habe ich mich übrigens gefreut, dass Hamburg 2011 Grüne Hauptstadt Europas wird. Das Flair, die Menschen, das Zusammenspiel von Alster und Elbe … das alles stellt für mich eine wunderbare Kulisse dar.

3. Neben der Kriminalhandlung des Romans gelingt es Dir, auch vom Alltagsleben in einer zukünftigen deutschen Riesenmetropole zu erzählen. Wie hast Du Deine Stadt der Zukunft für Dich lebendig werden lassen? Hast Du dafür recherchiert? Und gibt es einen Stadtplan von Hanseapolis an Deiner Wand?

Noch hängt kein Stadtplan von Hanseapolis an meiner Wand, nein. Allerdings liegt ein Stadtplan von Hamburg in meinem Büro, darauf wiederum Zeichenpapier, auf dem ich sukzessive meine Stadt der Zukunft skizziere. Diese weist zurzeit auch noch viele weiße Flecken auf: meine persönliche Terra Incognita. Von Natur aus bin ich eigentlich strukturiert, nicht aber beim Schreiben. Hier erschließt sich mir alles nach und nach. Natürlich habe ich eine grobe Vorstellung, die Details aber ergeben sich beim Schreiben. Das gilt auch für Plot und Figuren. Ich gehöre nicht zu den Autoren, die von vorne herein alles festlegen. Ich lasse mich lieber überraschen.

Was die Recherche betrifft, meide ich Websites und Fachzeitschriften zum Thema Zukunftsforschung wie die Pest, um meiner Fantasie freien Lauf lassen zu können. Ich möchte nichts kopieren, was schon x-mal diskutiert wurde. Ich bin ohnehin von dem beeinflusst, was ich bereits an Science Fiction gelesen oder gesehen habe – ob ich will oder nicht. Bei technischen Themen komme ich allerdings um die Recherche nicht herum. Ich habe keine entsprechende Ausbildung und will schließlich keinen totalen Stuss schreiben!


4
. In Deinem Buch sind, was ich sehr reizvoll finde, an passender Stelle immer wieder mal Infoausschnitte aus dem YIN, dem “Yahoogle Investigation Network” eingebaut, was nicht nur an der jeweils passenden Stelle die vom Leser gebrauchten Erklärinfos liefert, sondern zu der Vorstellung des Lesenden von Hanseapolis auch immer ein Mosaiksteinchen hinzufügt. Ist das eine Hommage z.B. an John Brunners Klassiker “The Sheep Look Up” oder andere Genrevorbilder, die mit solchen ‘Alltagstextzitaten’ arbeiten?

John wer? (lacht) Kleiner Scherz. Was die Infobreaks betrifft, habe ich keine direkten Vorbilder. Zum einen fand ich die Idee charmant, Kurzinfos in dieser Form einzubinden, zumal sie im Präsens geschrieben sind und damit lebendiger wirken. So bleibt der Leser in der Welt von 2066 beheimatet. Zum anderen hat diese Idee sehr praktische Gründe. Es gibt viel, was in Hanseapolis erklärungsbedürftig ist, egal ob Wasserersatz oder Kommunikationssystem. Fußnoten kommen auf keinen Fall in Frage, es handelt sich schließlich nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung, und integrierte Erläuterungen können den Erzählfluss massiv behindern.

5. Du nennst in Deiner Selbstvorstellung die Kriminalautorinnen Elizabeth George und Minette Walters sowie die SF-Autoren Timothy Zahn und Robert Anson Heinlein als Lieblinge. Was ist für Dich das Besondere an den Werken dieser AutorInnen?

Portrait der Autorin (c) Miriam Pharo - Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Miriam Pharo

Portrait der Autorin

In den Werken von Elizabeth George und Minette Walters bewundere ich die psychologische Tiefe der Figuren. Schwarz-Weiß-Betrachtungen gibt es in deren Geschichten nicht. Die Figuren interpretieren die Welt auf ihre Weise und handeln gemäß ihrer Natur, was zu Katastrophen führt. Bewundernswert, wie meisterhaft beide Autorinnen um Klischees herumsteuern. Robert Heinlein und Timothy Zahn mag ich deshalb, weil sie wunderbare Geschichtenerzähler sind. Sie sind actionreich und spannend, ohne den Leser mit übermäßigen technischen Diskursen zu langweilen. Das schätze ich sehr an Science-Fiction-Autoren. Wenn ich Timothy Zahn sage, meine ich übrigens Werke wie „Totmannschaltung“ und nicht unbedingt die Star Wars Romane, obwohl sie natürlich gut geschrieben sind.


6. Du schreibst, in einem SF-Roman sei eine gute Story wichtiger als jede noch so ausgefeilte futuristische Technik, und ich gebe Dir 120%ig recht. Kannst Du mir ein Beispiel nennen für eine Story (gleich welchen Alters oder Genres), die Dich so richtig mitgerissen hat? weiterlesen


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Nahtod-Erfahrungen einer Gitarre


Ein Beitrag von Gabriel, abgelegt unter gAAAbe Accessing All Areas, Interview, Musik, Podcast am 6.Oktober 2009

gAAAbeZurzeit ist der Jazzmusiker John Abercrombie wieder in Deutschland auf Tour (7.10. in Gießen, 9.10. in Frankfurt, 22.10. in Mannheim). Das letzte Mal live habe ich ihn vor zwei Jahren in Trier gesehen. Damals ist er mit Joe Beck aufgetreten. Die beiden, die 2007 schon jenseits der 60 waren, haben mir jungen Hüpfer eindrucksvoll bewiesen, warum sie zu den besten Jazz-Gitarristen der Welt gehören. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an das Konzert zurückdenke. Dabei begann alles wenig verheißungsvoll.

John Abercrombie, ich und Joe BeckVor dem Gig mussten die zwei Musiker mir nämlich ein kurzes Interview geben. Wovon sie zunächst weniger begeistert schienen als ich. Die anfangs steife Unterhaltung entwickelte es sich aber zu einem launigen Gespräch, das ein jähes Ende fand, als John Abercrombie versuchte, etwas aus seiner Jacke zu holen, und dabei seine Gitarre unsanft vom Schrank herunterriss.

Sie krachte volle Kanne auf den Boden und das nur, weil ich John mit einer Nachfrage abgelenkt hatte. Die “Sonderanfertigung”, die “einzige Gitarre, die er dabei hatte”, “Johns Lieblingsgitarre”. Sekunden der Stille vergingen, in denen John, Joe, der Roadie und ich mit Schrecken auf das teure Instrument starrten und ich mir nur dachte:

“Oh mein Gott, ich habe Abercrombies Gitarre getötet! Und jetzt lynchen mich die wartenden Jazzfans im Saal.”

Denn John und Joe waren nur mit zwei Gitarren und dem Roadie unterwegs, und es gab keine Ersatzinstrumente. John hob seinen Liebling fluchend vom Boden auf, überprüfte die Saiten, den Gitarrenhals und die Tonabnehmer. Alles schien soweit in Ordnung. Ich verdrückte mich derweil aus der Garderobe und das Konzert fand ohne weitere Zwischenfälle statt.

Dem Interview, das eines der letzten Interviews der beiden gemeinsam sein dürfte (übrigens, ebenfalls nie gesendet), hört man die widrigen Umstände, unter denen es entstanden ist, nicht an.

Beck und Abercrombie erzählen [ 4:55 ] Jetzt abspielen | Download

Aber wer sind überhaupt Joe Beck und John Abercrombie? weiterlesen


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