Hendrik hilft: Filmtipps für Markus – 1998


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter 14 Jahre ohne Kino, Kino am 2.Februar 2012

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So kann man sich vertun. Ich hatte bis zu dieser Liste 1998 als eher maues Kinojahr in Erinnerung, aber das wird natürlich daran liegen, dass ich nur wenige der Filme, die 1998 erschienen, damals tatsächlich im Kino, sondern meist später auf DVD gesehen habe (war wohl ein weitgehend leinwandfreies Jahr auch für mich), so dass ich viele davon gar nicht 1998 zusortiert hätte. Unter Androhung von Kaffeeentzug gezwungen, eine halbwegs irgendwie abwechslungsreich sortierte Top Ten-Empfehlung abzugeben, käme ich da aus heutiger Sicht ungefähr auf Folgendes:

Star Trek: Der Aufstand. Keiner meiner liebsten Star Trek-Filme, aber er hat seine Momente. Ein schöner Einstieg ins Kinojahr.

Zugvögel – Einmal nach Inari. Eine leise, etwas melancholische Komödie mit Joachim Król, die mir vielleicht auch deswegen in netter Erinnerung geblieben ist, weil ich die in einem sehr heimeligen uralten Kino mit 70er-Interieur und zwei recht kernigen Betreiberinnen gesehen habe. Als bei unserer Vorführung damals niemand auf die etwas barsche Frage „Möchte jemand Eis?!“ reagierte, barschte es hinterher „Dann gibt’s auch keinen Hauptfilm!“. Vor Schreck wurden gleich mehrere Packungen verkauft. Ich glaube, das funktioniert bei denen schon seit Jahrzehnten.

Im Auftrag des Teufels. Diese Kombination aus Horror- und (vordergründig) Juristendrama ist eigentlich sogar in doppelter Hinsicht nicht mein Genre, aber der Horror ist so zurückhaltend dosiert und Al Pacino ist ein so genüsslicher Teufel, dass ich den Film nur als sehr gelungen empfinden konnte. Besonders inklusive des Endes.

The Big Lebowski. Eine der schrägsten Komödien meiner bisherigen persönlichen Kinogeschichte; hat mir zeitweise den Spitznamen ‘The Duden’ eingetragen.

Kundun. Die Geschichte des jungen Dalai Lama; diesen Film ziehe ich „Sieben Jahre in Tibet“ jederzeit vor. Mit Brad Pitt-Abwesenheitsbonus und Musik von Philip Glass.

Dark City. Ein düsterer, faszinierender mysteriöser Science Fiction-Film, der lange nachhallt.

Shakespeare in Love. Man kann sagen, was man will, ich hatte jedenfalls schon mehrfach Spaß an dieser gut gespielten, federleichten Historienkomödie. Denn letztendlich macht der Film genau das richtig, was auch Shakespearekomödien richtig machen: die richtige Ausgewogenheit von Drama und Witz. Bis in die Nebenrollen gut besetzt, insbesondere mit Judi Dench als Queen Elizabeth.

Gattaca. Intelligenter Science Fiction. In einer genetisch optimierten Zukunftswelt, in der nur noch körperlich und genetisch perfekte Individuen einen Wert haben, schließen ein genetisch perfekter Körperbehinderter und ein physisch perfekter, jedoch genetisch vom Ideal Abweichender einen Pakt, um das System auszutricksen. Ein seltenes Exemplar eines extrem spannenden Science Fiction-Films, in dem es weder (sichtbar) Raumschiffe gibt noch allzuviel geballert wird.

Und abschließend mein Favorit: Wag the Dog. Unbedingt unbedingt. Ganz klar einer meiner Lieblingsfilme überhaupt, eine absolut runde, swingende Politsatire in Bestbesetzung (Hoffman, De Niro, Heche, Harrelson), die sich mit Zeilen wie „Den Krieg erklären? Die U.S.A. haben schon seit Jahrzehnten keinen Krieg mehr erklärt, wir haben ihn einfach angefangen.“ fest in meine Idealvorstellung von gutem Dialogkino eingeprägt hat. Kurzinhalt: Um von einem möglichen Sexskandal um den Präsidenten kurz vor der Wahl abzulenken, erfinden dessen Berater kurzerhand einen Krieg, der nicht existiert, und lassen diesen von einem exzentrischen Hollywoodproduzenten gekonnt in Szene setzen. Ich will lieber nicht wissen, wie vieles von dieser Filmfiktion vermutlich gar keine Fiktion ist.

Warum nicht „Event Horizon“? Weil ich den nur bedingt mochte, auch als Trekkie. Warum nicht „Ronin“ oder „Copland“? Weil ich die bis heute nur vom Namen her kenne. Warum nicht „Good Will Hunting“? Weil ich irgendwann eine leichte Robin Williams-Allergie bekam, obwohl ich vor Jahren von dem Film schwer beeindruckt war.


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“Killer Elite”: Das Erste, was stirbt, ist der Spaß


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 29.November 2011

Ein etwas eingegrenzter Verdächtigenkreis war in dem mit rasantem Trailer angekündigten Actionfilm “Killer Elite”, der immerhin mit dem kernigen Trio Jason Statham, Clive Owen und Robert De Niro aufwartet.

Verkocht wurde eigentlich fast alles, was das Actionmögerherz begehrt – Fäuste flogen, Reifen quietschten, es wurde geballert, über Dächer geturnt und zwischendrin einer betörenden Blondine tief in die Augen geschaut, dass es eine Freude hätte sein können, inklusive der potenziell charmanten Besonderheit, dass der Film tief in den guten alten 1980ern spielt, was schonmal Clive Owens Rotzbremse erklärt.

Trotz der gut ausgewählten Darsteller, der angemessen unaufdringlich-eindimensionalen Story und der fast vollständig versammelten Bierchenfilmrequisiten fehlte jedoch leider für uns etwas Entscheidendes. Was das war, erfahrt Ihr im Podcast:

Nicht lustig [ 4:24 ] Jetzt abspielen | Download

The Killer Elite
AU/USA 2011, 117 Minuten, Regie: Gary McKendry


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Blogger Powwow (2) – Nachschlag zu Nippon Connection 2011


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Interview, Japan, Kino, Nippon Connection, Podcast am 18.Oktober 2011

Nippon Connection 2011 – das diesjährige Festival des japanischen Films in Frankfurt ist schon ein paar Monate her. Trotzdem haben die SchönerDenker noch etwas zum Thema auf Halde. Denn natürlich waren auch viele andere AutorInnen anderer Blogs vor Ort, und am zweiten oder dritten Festivaltag ergab sich ganz ungeplant ein sehr spannender Austausch von Gedanken und Eindrücken, den wir nicht auf der Festplatte verrotten lassen möchten:

Bloggerdiskussion Teil 2 [ 10:53 ] Jetzt abspielen | Download

Ciprian DavidIm zweiten Teil des Mitschnitts erfahren wir zunächst von Cyprian David von Negativ und der Düsseldorfer Bloggerin Karoline Steinfatt, warum sie eigentlich zu Nippon Connection gekommen sind; Cathy Munroe Hotes von Nishikata Eiga erläutert noch einmal ihre Ideen zum Phänomen der Japanese Half-Hour und kommt dann auf einige neuere Entwicklungen der japanischen Filmindustrie zu sprechen. Roger Macy von MidnightEye stößt zu unserer Runde und erklärt, warum die enormen Fortschritte der digitalen Filmtechnik dem Kino nicht immer guttun.

Zuletzt unterhalten wir uns u.a. mit Roger MaGee vom Toronto J-Film Pow-Wow darüber, welche Rolle das Phantastische im japanischen Film spielt – und auch darüber, dass es schwierig ist, für Filme mit phantastischen Elementen gute Kurzprogrammtexte (blurbs) zu schreiben.


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„Ich habe eine Möglichkeit gefunden, Gott die Drecksarbeit abzunehmen.“


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Future Revisited, Kino, Video am 25.September 2011

The Future … revisited! schoener-denken entkorkt alte Jahrgangs-SF und testet die Nachhaltigkeit des Bouquets wiederveröffentlichter alter Science Fiction-Filme.

Hendrik verkostet heute das Filmäquivalent eines guten alten Whiskeys.

1.

Als ich die DVD kaufte, wusste nicht mehr viel über diesen Film, den ich zuletzt als Kind vor etwa 25 Jahren gesehen haben muss – dass Richard Burton (den ich mochte) mitspielte, dass Lino Ventura (den ich nicht mochte) mitspielte, und dass irgendwann eine Kirche einstürzt. Und dass ich den Film damals ziemlich beeindruckend fand.

An dieser hochkarätigen Besetzung und vielleicht auch an der Überschrift, die den wohl bekanntesten Satz des Filmes zitiert, werden andere Kinder der 60er Jahre ihn vielleicht schon erkannt haben – den Film „Der Schrecken der Medusa“ (The Medusa Touch), eine britisch-französische Koproduktion aus dem Jahre 1978, der als einer der besten Genre-Crossover seiner Zeit beworben wird, als perfekte Melange aus Horror-, Kriminal- und Katastrophenfilm.

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Der Schriftsteller John Morlar (Richard Burton) wird in seiner Wohnung niedergeschlagen und ins Krankenhaus eingeliefert, sein Körper ist fast tot, jedoch sein Gehirn entfaltet eine völlig unerklärliche Aktivität. Inspektor Brunel (Lino Ventura), welcher den Mordversuch untersuchen soll, stellt rasch fest, dass es mit Morlar eine besondere Bewandtnis haben muss: der Autor war fest davon überzeugt, die Gabe zu besitzen, mittels seiner Geisteskräfte Unfälle und Katastrophen auszulösen; von Morlars Psychiaterin Dr. Zonfeld (Lee Remick) erfährt Brunel, dass das ganze Leben Morlars tatsächlich begleitet wurde von einer Reihe unerklärlicher Zwischenfälle, welche diese Behauptung untermauern. Und er muss sich mehr und mehr davon überzeugen lassen, dass Morlar, obwohl im tiefen Koma, diese Gabe offenbar noch besitzt – und einzusetzen plant … weiterlesen


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Blogger Powwow (1) – Nachschlag zu Nippon Connection 2011


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Big in Japan, Interview, Japan, Kino, Nippon Connection, Podcast am 22.September 2011

Nippon Connection 2011 – das diesjährige Festival des japanischen Films in Frankfurt ist schon ein paar Monate her. Trotzdem haben die SchönerDenker noch etwas zum Thema auf Halde. Denn natürlich waren auch viele andere AutorInnen anderer Blogs vor Ort, und am zweiten oder dritten Festivaltag ergab sich ganz ungeplant ein sehr spannender Austausch von Gedanken und Eindrücken, den wir nicht auf der Festplatte verrotten lassen möchten:

Das BloggerPowWow @ NC 2011 [ 12:11 ] Jetzt abspielen | Download

Die einzigartige Cathy at NC 2011 (Foto: Thomas Laufersweiler)Im ersten Teil des Mitschnitts stellen sich erst einmal alle vor. Danach kann man erfahren, welches tolle Geschenk Cathy Munroe Hotes von Nishikata Eiga an diesem Tag erhalten und was das mit ihrer Begeisterung für japanische Art Animation zu tun hat; Mark Saint-Cyr und Chris MaGee vom Toronto JFilmPowWow machen sich Gedanken darüber, ob man im kommenden Jahr bereits filmische Verarbeitungen der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan zu sehen bekommen wird; Simon Born vom Filmmagazin Negativ hat, kaum angekommen, bereits einen Lieblingsfilm gefunden.

Zum Abschluss unterhalten wir uns über das Phänomen der Japanese Half-Hour – was das ist, und ob Kanadier damit besser zurechtkommen als Deutsche, erfahrt Ihr im Podcast.

Origami auf der Nippon Connection 2011 (Foto: Thomas Laufersweiler)


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Science Fiction Places We’d Like To See (3)


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Buch am 18.September 2011

Während Prof. Pu Urlaub nimmt, geht Hendrik auf eine Reise – und nimmt uns mit an Orte, wo wir noch nie gewesen sind … oder doch? Dritter und letzter Teil.

XIII.

Ein reizvoller SF-Ort, der innerhalb seiner eigenen Fiktion wiederum eine Fiktion darstellt, ist jenes weltumspannende gigantische Haus, in dem einige Episoden von Tad Williams’ “Otherland” spielen; allerdings hätte ich hier stets Angst, dass einer den Stecker zieht und wüsste gern, wo sich mein Körper derweil aufhält.

XIV.

Es ist Skeptikern der Science Fiction oft nicht klar, aber der Handlungsort eines gewichtig großen Teils des Genres ist ganz klar die gute alte Erde – wenngleich eine Erde in den verschiedensten Variationen. Obschon sich hier sehr viele Klassiker tummeln – die Erde der Eloi und Morloks, jene des Großen Bruders, der Soylentfabriken oder des Kanonenclubs – sind die meisten davon zu düster, um anders als per Buch bereist zu werden. Von all den Varianten würde ich daher die Erde aus „Stadt der Illusionen“ (Ursula K. Le Guin) am liebsten besuchen: menschliche Heimat, die sich durch das Vergehen vieler Jahrtausende von dem zerstörerischen Wüten ihrer Schöpfung erholt und ein Gleichgewicht gefunden hat, eine neue Art von Heimat für eine neue Art von Mensch geworden ist – und doch genügend Abenteuer und Kontrast und Geheimnis besitzt, um wirklich aufregend zu sein.

XV.

Mir fallen noch einige weitere Welten ein, die anzusehen ich keineswegs ablehnen würde – solche, die umfangreich erzählt wurden, wie der Großplanet Helliconia mit seinem Tausende von Jahren währenden Jahreszeitenzyklus (Brian W. Aldiss), bis hin zu solchen, die nur in Nebensätzen Erwähnung finden („… o die santraginesischen Meere … oh, die santraginesischen Fische!!“) und sogar bis hin zu solchen, die in ihrer eigenen Fiktion nicht mehr in dieser Form existieren (das Narn vor der Zerstörung durch die Centauri, Vogsphäre vor der Evolution der Vogonen…). Aber dann würde die Liste, wie schon erwähnt, meterlang – und die Zusatzbedingung der besonders starken Anregung meiner Phantasie erfüllen sie auch nicht wirklich.

XVI.

Daher seien zuletzt nur noch wenige letzte Orte erwähnt, welche dieses wichtigste Kriterium erfüllen. Den ersten Ort habe ich an anderer Stelle bereits erwähnt und geschildert, es ist die Gartenbibliothek der Mahigul (Ursula K. Le Guin, Changing Planes).

XVII.

Der zweite Ort ist auf den ersten Blick eher einer der Fantasy als der SF. Aber bei der SF ist ja nicht immer die Wissenschaft des Raumflugs und der Astronomie zentral, es mag auch zuweilen die der Ethnologie sein. Und so ist, glaube ich, der Ort, den ich in Büchern in neuerer Zeit am faszinierendsten empfand, das Tal aus Always Coming Home, der (nie ins Deutsche übersetzten) fiktionalen Ethnographie der Kesh, eines fiktiven indianischen Volkes, das in einem weiten Tal in einem fiktiven Nordkalifornien lebt(e): „The people in this book might be going to have lived a long long time from now in Northern California.“ ist einer der schönsten mir bekannten ersten Sätze einer Buchreise[ent]führung, und wenn man mich wahrhaft lesebeglückt finden möchte, wird das in der Gesamtschau vermutlich auch weiterhin meist irgendwo zwischen hier und Altair-4 stattfinden.

XVIII.

Über die weiteren, hier daher letztgenannten SF-Orte meiner Reisewunschliste wurde kaum je ein erzählerisches Wort verloren, denn es handelt sich um die weit geschwungenen Landschaften, die schwebenden Berge und unerschöpflichen ins Nichts stürzenden Meere der Gemälde Roger Deans, Rodney Matthews’ und Patrick Woodroffes, auf denen gewundene Pfade sich um organische Türme ranken, gigantische Segelschiffe durch die Luft reisen, skurrile Lebewesen in wandernden Städten wohnen, Musiker und Kämpfer auf geflügelten Rossen durch die Lüfte gleiten, während im Hintergrund die Raumschiffwracks längst vergessener Kriege vom Dschungel überwuchert sind. Ungestört von erzählerischen Vorgaben konnte ich mich seit jeher wunderbar in diesen Welten verlieren – die ich zunächst von Plattencovern, später aus Bildbänden kannte, und von denen u.a. James Cameron ganz sicher auch einige besitzt. Hier ist manchmal die Eleganz einer geschwungenen Linie eine so universelle Kraft, dass sie die Gravitation außer Dienst setzt. Gemeinsam mit den vielen anderen Bildern meiner Sammlung von Raumschiffen, fremden Völkern und Welten bilden diese ein kollektives Universum der Vorstellungen aller Menschen, die sich das Träumen und Phantasieren weder durch allgemeine zivilisatorische Phantasielosigkeit noch durch die Special Effects der Phantasien anderer nehmen lassen. Und diesen nichtendend vielgestaltigen Ort immer wieder gern zu besuchen und auf diesem Wege durch mich selbst zu erweitern, ist (außer Konkurrenz) ganz klar eine meiner allerliebsten SF-Reisen.


Ein Kommentar




Science Fiction Places We’d Like To See (2)


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch am 4.September 2011

Während Prof. Pu Urlaub nimmt, geht Hendrik auf eine Reise – und nimmt uns mit an Orte, wo wir noch nie gewesen sind … oder doch? Zweiter von drei Teilen.

VII.

Zur Erholung von den unvermenschten Weiten kann ich aus der Zeit meiner frühen Leseerinnerungen zwei weitere Lieblingsorte nennen, und das ist die sich im Walzertakt der Schwerelosigkeit wiegende Erdorbitalstation aus 2001 – Odyssee im Weltraum und natürlich der schnittige Raumkreuzer ‘Orion’; beides sind aus heutiger Perspektive reichlich naive Extrapolationen über das Thema Zukunft, aber gerade dadurch haben sie für mich nichts von ihrem Charme verloren – im Gegenteil: irgendwie sind sie gerade dadurch reizvoller als so manche Raumschiffe, in denen es womöglich mehr zu sehen gäbe – die ‘Sol’ (Perry Rhodan), die ‘Voyager’ (Star Trek) und natürlich die gesammelten ‘Enterprises’ (wiederum Star Trek). Ich glaube, ich hätte mehr Spaß daran, durch Verstellen des berühmten Bügeleisens den „Rücksturz zur Erde“ einzuleiten als mich einfach in Papa Siskos Restaurant zu beamen – wäre aber natürlich gerne bereit, es auf einen Vergleichsversuch ankommen zu lassen.

VIII.

Von den aufgrund ihrer schieren Dimensionen spektakulärsten Orten der SF – nur begonnen bei der bereits erwähnten Flusswelt und der kaum weniger berühmten Ringwelt – fände ich aktuell vermutlich vor allem die von Iain M. Banks entworfenen Konstruktionen am besuchenswertesten, vielleicht vor allem, weil hier der Gigantismus stets erzählerisch durch das Element des Humors verdaulicher gemacht wird. Wer – metaphorisch gesprochen – stets gehalten ist, staunend den Mund nicht mehr zuzubekommen, der verhungert irgendwann beim Lesen, und Nivens sonnenumspannende Ringwelt habe ich mit Magenknurren in Erinnerung. In Iain M. Banks’ SF-Orten werden dem Leser humoristische Häppchen gereicht, und sei es dadurch, dass zuweilen der Ort selbst reichlich verschrobene Persönlichkeit besitzt – vielleicht reist man z.B. gerade mit dem Raumschiff ‘Ich gebe meiner Mutter die Schuld’ – und so ist dies ein wesentlich angenehmerer geistiger Aufenthalt. Gezwungen, mich zwecks längeren Verbleibs für einen der vielen Orte im Kultur-Universum zu entscheiden, würde ich – Landei, das ich wohl auch als SF-Leser bin – womöglich allerdings das Haus des Protagonisten aus Das Spiel Azad wählen.

IX.

Wieder auf Planetendimensionen hochgedacht, fallen mir natürlich noch weitere Orte ein, die mich faszinieren. Der Waldplanet Athshe (Ursula K. Le Guin, Das Wort für Welt ist Wald) hat sich in mir als einer der wenigen SF-Orte eingeprägt, an denen Mensch und Natur zumindest die Möglichkeit einer harmonischen Koexistenz noch nicht aus den Augen verloren haben. Auch Gethen (Ursula K. Le Guin, Die linke Hand der Dunkelheit) würde ich – trotz der Kälte dort – gerne einen Besuch abstatten.

X.

Der im 9. Star Trek-Film heiß umkämpfte Lebensraum der Ba’ku scheint ein äußerst nettes Fleckchen zu sein. Ach, und wo wir schon im Star Trek-Universum vorbeischauen, sei gleich ergänzt, dass mir der ewige Urlaubsplanet Risa eher uninteressant vorkommt, weil ich mir kaum etwas Langweiligeres vorstellen kann als ein himmelskörpergroßes Vollpensionsresort, wo es eindeutig mehr Badeanzüge als Lesestoff gibt (… und, ähm, nein Schatz, das ist nicht mein Horgan, den muss jemand hier liegengelassen haben). Da würde ich viel eher noch durch das Bajor vor der cardassianischen Invasion reisen; vielleicht sogar durch das Cardassia vor der cardassianischen Invasion. Alles mit Zwischenstationen auf Deep Space 9 natürlich, um auch hiervon ein Scheibchen mitzubekommen. Vom oberen Pylon 2 soll ja die Aussicht besonders spektakulär sein.

XI.

Jack Vance, ein weiterer meiner Lieblingsautoren, schuf ebenfalls einige wunderbare und bestaunenswerte Orte. Neben an anderer Stelle bereits Erwähntem fällt mir da u.a. die Erzählung „Die Welt der Zehn Bücher“ ein. Auf diesem fernen Planeten ist an einem entscheidenden Wendepunkt der dortigen Evolution ein terranisches Raumschiff abgestürzt, und die zivilisatorische Entwicklung des Lebens dort hat sich völlig an zehn Büchern orientiert, welche als einziges Artefakt den Absturz überstanden haben. Jahrhunderte später landen erneut Raumfahrer, Flüchtlinge von der mittlerweile völlig heruntergewirtschafteten Erde auf dem gleichen Planeten, und während man ihnen die Wunder zeigt, die man dort nach dem Vorbild der stilistisch übertriebenen Zukunftsspinnereien eines längst vergessenen Autors errichtet hat, entschuldigt man sich ständig bei den völlig überwältigten Terranern wegen der Primitivität all der Errungenschaften, denn auf der Erde sei man ja gewiss mittlerweile längst über all dies weit hinaus… – anschauenswert? Ganz gewiss!

XII.

Aus naturwissenschaftlicher Neugier heraus würde ich mich auch liebend gerne für eine Zeit auf den Planeten begeben, auf dem David Brins „Der Übungseffekt“ angesiedelt ist. Hier ist das Gesetz der Entropie umgekehrt, und während überall sonst jede Materie sich irgendwann verbraucht und jede komplexe Maschinerie irgendwann zerfällt, verbessern sich dort die Dinge durch Gebrauch: um ein perfektes Flugzeug zu erhalten, muss man ‘nur’ etwas zusammenschustern, das gerade irgendwie fliegen kann, und es dann ständig benutzen. Die schönsten Kleider sind solche, die ständig getragen werden; und so fort. Etwas beängstigend vielleicht, aber anschauenswert? Ganz gewiss!


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The New Mainz School … Is a Kindergarden


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Museum, Podcast, Verlassen Sie sofort meine Sammlung! am 30.August 2011

Neue Reihe bei “SchönerDenken”: “Verlassen Sie sofort meine Sammlung!” Bücher, Filme, Musik, die wir auf keinen Fall behalten wollen. Heute: Ein Buch, das ich gerne besäße, um es mit Entschiedenheit aus der Sammlung zu weisen.

Hendrik möchte einen Katalog loswerden [ 8:27 ] Jetzt abspielen | Download

I.

Wirklich schade, dass ich dieses Buch nicht besitze, denn dann könnte ich es aussortieren, nein, besser noch: achtkantig aus der Sammlung pfeffern, betont achtlos in der prallen Sonne, neben dem Swimming Pool, dem Herd oder in der Nähe von grobmotorischen Kleinkindern liegen lassen, als Unterlegscheibe für Saftgläser verwenden oder dem nächstgelegenen Chinchilla als Knabberei zur Verfügung stellen.

Dabei bin ich gar nicht sicher, ob es das Buch gibt, weil ich es zu eilig hatte, die Ausstellungsstätte zu verlassen, um mich danach umzusehen. Es handelt sich um den Katalog zur Ausstellung „The New Mainz School“, welche bis Anfang August in den Räumen der Kunsthalle Mainz zu besehen war.

Um das Elend kurz zu machen: Wir drei Besucher (eine davon selbst arrivierte Künstlerin) waren weiterlesen


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