“Fliegende Koffer”: Näher dran geht nicht
Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Prof. Pu und die Pücher am 12.April 2009
Prof. Pu empfiehlt: “Fliegende Koffer” von Annegret Held

„Du sollst wissen, Ännchen, auch wenn ich jetzt gehe, dass ich dich – unsäglich – liebe.“
Das waren die letzten Worte von Simon, dem Polizisten, Annettes einzige Liebe. Die er seiner Familie zuliebe wieder verlassen hat. Zehn Jahre ist das jetzt her. Und jetzt steht er wieder vor ihr, im Café Istanbul, einem verrauchten Raum in den Katakomben des Frankfurter Flughafens, einem heimlich betriebenen Café der Kofferschlepper. Dort treffen sich die abgekämpften Schichtarbeiter des Riesenbetriebes auf einen Plastikbecherkaffee und eine Zigarette. Annette arbeitet im Flugsicherungsbereich. In zermürbenden Tag- und Nachtschichten kontrolliert sie Tausende von Reisenden, mit der Sonde, in der Kabine, am Röntgengerät für Gepäck. Ihre Kollegen, alles Gestrandete, ein Theologe, ein Augenoptiker, eine ehemalige Stabsoffizierin aus dem Kosovo. Alle versuchen, mit diesen mörderischen Arbeitszeiten klar zu kommen, jeder auf seine Weise.
Annette probiert immer wieder, aus den Massen, die jeden Tag und jede Nacht an ihr vorüberziehen, das Individuum herauszufiltern und bemüht sich, freundlich zu sein. Wohlwollende Blicke für die verschleierten Frauen, liebevolle Gesten oder ein Lächeln für die genervten Passagiere, die zum x-ten Mal kontrolliert werden. In Gedanken runzelt sie immer wieder die Stirn über die teilweise absurden Sicherheitsregeln, durch die Tonnen von Parfüms, Weinflaschen, Deosprays und Honiggläser im Müll landen. Als sie es einmal nur wagt, sich einen Hauch eines zum Wegwerfen bestimmten Parfüms anzusprühen, ist die Hölle los. Durch die Routine hat sie sich einigermaßen im Griff, lange genug hat es gedauert, bis sie die Abwesenheit von Simon ertragen konnte. Und jetzt steht er vor ihr, im Café Istanbul, und es wirft sie aus der Bahn: weiterlesen

Eine solche Figur ist der englische Offizier Thomas Edward Lawrence, der im Dezember 1914 seine Tätigkeit für den britischen Geheimdienst in Kairo aufnimmt. Sein Einsatz für die Befreiung der arabischen Stämme, seine abenteuerliche Rolle in den Konflikten mit den Türken, die Eroberung von Aqaba und Damaskus und die Verehrung seiner arabischen Freunde haben ihm den Ruhm eines “modernen Helden” eingetragen. Nicht ohne Grund, wie sich zeigen wird, und auf jeden Fall nicht ohne sein eigenes Zutun.





