“Ides of March – Tage des Verrats”: Verlorene Illusionen


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 30.Dezember 2011

Die Üblichen Verdächtigen sind begeistert von Clooneys Regiearbeit und Goslings Ausstrahlung. Ein Politthriller wie eine Schachpartie, unerwartete Winkelzüge, die Dame in Gefahr und lange ist nicht klar, wann wer (schach-)matt ist. Ein kluger Film, der es sich nicht leicht macht mit seinen Figuren, der zeigt, dass die, die Böses tun, nicht unbedingt “die Bösen” sind. Im Podcast wird über US-Präsidenten, Goslings Gesicht, Männer im Schatten und verlorene Illusionen geredet:

Die Üblichen Verdächtigen loben Clooney und Gosling [ 4:07 ] Jetzt abspielen | Download

Tage des Verrats (Ides of March)
USA 2011, 100 Min., Regie: George Clooney

Andere Meinungen

Thomas Groh und Lukas Förster (Perlentaucher) erklären in ihrer lesenswerten Filmkritik die Bedeutung des Raums in der Filmdramaturgie:

“Die entscheidenden Weichenstellungen werden ohnedies an entlegenen Orten in die Wege geleitet – auf Parkbänken, im Treppenhaus zum Dachboden, in der Küche eines Restaurants nach Feierabend, auf der Rückbank in einer Staatskarosse, oder aber – bildlich einem der stärksten Momente des ganzen Films – hinter einer gigantischen Flagge der USA, vor der Morris gerade eine zentrale Rede hält.”

Und Arne Hübner sagt im bummelkino, wie es ist:

“Das ist einfach nur großes und exzellent gespieltes Charakterkino. Und Clooney zeigt sich hier einmal mehr als versierter Regisseur. Er inszeniert so manche Szene meisterhaft. „The Ides of March“ ist tolles Erwachsenenkino, eine intelligente Gefühlsseifenoper für Männer, die trotz der aufgefahrenen Dramatik glaubwürdig bleibt.”


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“The American”: schön, still, schweigsam


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 4.Oktober 2010

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus “The American” und sind begeistert! Im Podcast über den Regisseur als Fotograf, über dialogarme Höhepunkte, Herbert Grönemeyer, warum der Film aggressiv ruhig, langsam und dabei hochspannend ist und warum der Film nicht “retro” sondern im doppelten Sinne “zeitlos” daherkommt:

Mr. Butterflys letzter Auftrag [ 6:43 ] Jetzt abspielen | Download

(c) Tobis 2010

Kurzkritik: Herr Clooney hat ein wunderbares Händchen für die Auswahl seiner Filme: Nach vielen Ausnahmefilmen wie “Syriana”, “Michael Clayton” oder “Up in the Air” hat er hier wieder die Gelegenheit ergriffen, in einem ausgezeichneten Film eine ausgezeichnete Vorstellung abzuliefern. Corbijn erzählt sehr unaufgeregt und im besten Sinne “klassisch” die Geschichte eines Mannes, der mit seinem bisherigen Leben abschließen will. Ständige Lebensgefahr und der Verzicht auf jede emotionale Bindung, die ihn angreifbar machen würde, drohen ihn zu zermürben. Das Psychogramm eines “Hitman” startet mit einer perfekt inszenierten Eröffnung und endet mit einem schlüssigen Finale. Einer der besten Filme des Kinojahrs 2010 überhaupt.

Links

Carsten Baumgardt wieder einmal mit einer sehr lesenswerten Kritik:

“Es passiert nicht viel, aber das sehr präzise in Anton Corbijns psychologischem Drama „The American”. Die völlig ironiefreie Variation von „Brügge sehen… und sterben?” lebt von dem Gefühl permanenter Unsicherheit, das die Charaktere erfasst. „The American” ist ein in gemächlichem Tempo erzähltes, karges und ruhiges Psychogramm, das von der Spannung zwischen den Figuren lebt und eine beachtliche emotionale Wucht entwickelt.”


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Das Schweigen der Ziegen


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 21.März 2010

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus dem Jedi-Film “Männer, die auf Ziegen starren” und es sei an dieser Stelle versichert, dass bei der Produktion dieses Podcasts keinerlei Drogen welcher Art auch immer im Spiel waren – es ist einfach der Film, der diese Wirkung hat :-)

Die Jedis der U.S. Army [ 2:01 ] Jetzt abspielen | Download

(c) Kinowelt 2010

Und sonst? Keine Siege ohne Ziege! Hendrik sagt:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Auf dem Heimweg vom Kino höre ich einen Song der Traveling Wilburys, und nachdem mir – wie auch den anderen – im sofortigen Nachgang zu ‘Männer, die auf Ziegen starren’ nur wenig eingefallen ist (ob die was ins Klimasystem getan haben?), kommt mir plötzlich der Gedanke: Ja, genau SO wie einer der Songs der Traveling Wilburys ist dieser Film: da treffen sich ein paar Große, die absolut keinem mehr irgendetwas beweisen müssen und fabrizieren deutlich spürbar sehr entspannt ein Werk, dass von vornherein überhaupt nicht vorhat, Originalitätsrekorde zu brechen oder irgendeinem Genre etwas Nochniedagewesenes hinzuzufügen.

(c) Kinowelt 2010Jeder der Beteiligten macht einfach, was er gut kann, und im Ergebnis kommt dabei ein runder, tiefenentspannter Film heraus, in dem Jeff Bridges der Welt ein weiteres Mal sein unnachahmliches Althippielächeln schenkt, George Clooney nach seinem sehr korrekt beschlipsten, pointierten Auftritt in Up in the Air sich einen Rotzfänger ins Gesicht kleben, sich im Sand wälzen und das Hemd aus der Hose hängen lassen darf, Kevin Spacey inszeniert mit gut plazierter Gestik und Mimik sehr präsent seinen üblichen Unberechenbaren, und der einzige, der sich noch ein wenig anstrengen muss, ist Ewan McGregor. Die für das Jahr 2010 auffällig unhektische Komödie erinnert mich stellenweise in der Gangart ein wenig an Komödien der 50er Jahre, die gelegentlich Ruhepausen zwischen den Gagjagden einlegen, und das finde ich persönlich ab und an mal sehr angenehm – manchen wird’s auch schlicht anöden.

Zwar hätte ich mir bei dieser Idee und dieser grandiosen Besetzung mehr satirischen Biss gewünscht, aber das war wohl nicht vorgesehen im Konzept, und deswegen ist das mein Problem und nicht eines des Filmes. Die Produktion wird ein kleiner Klassiker für Freunde der Darsteller werden, aber ansonsten rasch in DVD-verramschte Vergessenheit geraten. Ich werde ihn mir trotzdem irgendwann für 5 Euro an der Baumarktkasse mitnehmen, denn an manchen Abenden ist genau diese Art Film genau das, was ich sehen mag.

An dieser Stelle bedanken wir uns im Übrigen stellvertretend für alle Abspannhelfer (und hier auffallend wenige -helferinnen) bei Ramon Frank, einem der “jedi stunts”, und “set medic” Doug Acton. Ramon Frank hat seinen Körper u.a. auch schon für “Three Burials” und “Seraphim Falls” hingehalten, während Doug Acton auch schon am Set von “21 Gramm” und ebenfalls “Seraphim Falls” Heftpflaster verklebt hat (möglicherweise auf Ramon Frank). Vielen Dank an Euch & die anderen & in diesem Fall: auch an die Ziegen.

Links

Christian verliebte sich – wie so viele – in den Filmtitel: “So aber ist diese Groteske nur ein nettes Filmchen, das man sich zwar gerne ansieht, am Ende jedoch aber auch leicht enttäuscht ist. Man kann es auch anders ausdrücken: Wenn der Titel besser ist, als der eigentliche Film, dann ist einiges daneben gegangen.“ / Flo Lieb findet: “Dennoch hebt sich Heslovs Film selten über seine Durchschnittlichkeit hinweg.” / Mehr Kritik bei film-zeit.


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Ein Mann mit leichtem Gepäck


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 22.Februar 2010

Die Üblichen Verdächtigen kommen aus “Up in the air” und sind alle begeistert. Hören Sie im Podcast, warum Thomas ihn als ” Frauenfilm für Männer” lobt, warum ein gescheites Ende wichtiger ist als die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, warum die Musik sehr gut/nicht sehr gut ist und warum wir “Cloonistas” uns keinen anderen als George in dieser Rolle vorstellen können:

Einchecken mit George Clooney [ 4:47 ] Jetzt abspielen | Download

© 2009 DW STUDIOS L.L.C. and COLD SPRING PICTURES. All Rights Reserved.

Wie etabliert man als Regisseur seine Hauptfigur? Jason Reitman ist es ganz wunderbar gelungen: Er zeigt den Vielflieger Ryan Bingham (George Clooney), wie er effektiv und elegant die Sicherheitskontrollen absolviert, jeder Handgriff, jedes Platzieren des Gepäcks schnell und geschmeidig, das alles flott und pfiffig geschnitten. Seit der Einführung des Werbefachmanns Roger Thornhill (Cary Grant) in Hitchcocks “North by Northwest” wurde eine Hauptfigur nicht mehr so souverän präsentiert. Ein interessantes Drehbuch mit erinnerungswürdigen Zeilen wie „Ich bin die perfekte Frau, um die du dir keine Gedanken machen musst. Ich bin wie du, nur mit Vagina.“, sehr starke Darsteller und viele sehenswerte Details. Ein augenzwinkernder und dabei sehr ernster Film, eine Geschichte über Beziehungen und schwerelose Lebensentwürfe, über das Leben im Kapitalismus und das Gewicht des Lebens. Ein Klassiker, der einige Oscars verdient hätte.

© 2009 DW STUDIOS L.L.C. and COLD SPRING PICTURES. All Rights Reserved.

P.S. von Hendrik

Während der Abspann von “Up in the Air” lief, fiel mir wieder einmal auf, wie sehr doch ein Film das Werk von zumeist doch im Grunde völlig anonym (wer liest [außer uns natürlich ...] schon Abspannlisten?) im Hintergrund werkelnden Machern ist. Auch der beste Regisseur mit den besten Darstellern wäre ohne ein funktionierendes Team von Drehbuchautoren, Kameraleuten, Tonleuten, Schnittspezialisten, Beleuchtern, Bühnenbauern, Requisiteuren, Mechanikern, Elektrikern, Maskenbildnern, Organisatoren, Fahrern, Caterern, Effektspezialisten usw. usw. so völlig aufgeschmissen wie Dirigent Lorin Maazel im entscheidenden Augenblick der Mahler-Sinfonie ohne Triangelspieler.

Damit das nicht vergessen geht, möchten wir uns an dieser Stelle ausdrücklich und stellvertretend für alle ihre KollegInnen auch bei Anne Freivogel (B Second Assistant Photographer, sprich: Kameraassistenz) und Todd Wood (Grip, sprich: Bühnenbau) für ihre wertvolle Mitarbeit bei “Up in the Air” bedanken. Übrigens kann man auch zu diesen Hintergrundhelfern in Filmdatenbanken zuweilen Aufschlussreiches finden: Anne Freivogel ist – wenn man den Angaben der IMDb folgt – erst seit 2005 dabei, hat aber bereits an über einem Dutzend Fernsehproduktionen mitgewirkt (und offenbar auch als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits einen eigenen Kurzfilm fertiggestellt), während Todd Wood ein filmhandwerklich alter Hase zu sein scheint, der schon in den 90ern als Beleuchter für’s Fernsehen gearbeitet hat, und deswegen in 2010 als darstellender ‘Repair Man’ auch mal kurz VOR die Kamera darf. Auch Euch: Herzlichen Dank!

Links

Maximilian erklärt unter dem Motto “Lost in Recession”: “So können Zuschauer drei famose Darsteller, geschliffene Dialoge und humorvolle Momente genießen, außerdem aber ein treffendes Spiegelbild vieler essentieller Aspekte unserer Zeit.” Edda ist nicht restlos überzeugt, findet aber: “Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie eine Punktlandung in den letzten Minuten aus einem guten Film einen sehr guten machen kann, der noch eine ganze Weile nachklingt.” Christian schließlich gibt 9 von 10 Punkten und zieht das Fazit: “Man lehnt sich am Schluss mitnichten wohlig in den Kinosessel zurück, wohl aber ist man auf hohem Niveau unterhalten worden.” Gleiche Punktzahl auch bei Carsten und euphorisches Lob:

“Mit „Up In The Air“ legt Jason Reitman eine meisterhafte, kluge Tragikomödie vor, die vor dem Hintergrund der größten Weltwirtschaftskrise seit Dekaden eine eigene Welt erschließt und dabei einfach formidabel unterhält. Atmosphärisch dicht, leicht und beschwingt, mal zynisch, mal warmherzig und in der Spitze herzergreifend ist „Up In The Air“ der Beweis dafür, dass es auch abseits der ausgetretenen Pfade noch Neues zu entdecken gibt.”

Mehr Meinungen wie immer bei film-zeit, moviepilot und OFDB.


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