Kein Kino für Katzenfreunde
Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 3.März 2010
Die Üblichen Verdächtigen kommen aus “Book of Eli” und das Beste, was sie über den Film sagen können, ist, dass es manchmal ganz ordentlich aber sinnfrei auf die Fresse gibt. Erfahren Sie im Podcast, warum Christopher sofort die Hirnlöschautomatik angeworfen hat und was der Film mit Konfirmationsunterricht, Jennifer Beals und Katzen zu tun hat:

Bevor ich es vergesse: Nicht reingehen! “Book of Eli” ist ausschließlich für Freunde des postapokalyptischen B-Movies geeignet. Diesem 80er Jahre-Genre hat der Film nichts hinzugefügt, ein überflüssiger Film, dessen religiöse “Botschaft” völlig unklar bleibt. Nur einzelne kurzweilige Szenen und die beiden Hauptdarsteller verhindern, dass man den Kinosaal vor Ende des Films verlässt. Höhepunkt des Kinoabends war folgender Dialog eine Reihe vor uns:
Er (überrascht): “Ah, das Buch ist die Bibel!”
Sie (schlecht gelaunt): “Was hast Du gedacht, welches Buch das ist? HARRY POTTER?”
Hier der Trailer, der mehr verspricht als der Film halten kann:
Nachwort von Hendrik
… und obwohl der Film letztlich bei uns durchgefallen ist, möchten wir uns bei allen Abspannerwähnten des Filmes bedanken, den MaskenbildnerInnen, Tonleuten, TelefonistInnen, SchneiderInnen, FahrerInnen, und und und, kurz: den Zuständigen für dritte Hände und allgemeines Gerenne – eben denen, die aufspringen, wenn es durch das Megaphon heißt “Wir brauchen sofort…!”. Ohne Euch wäre es zappenduster im Kino.
Stellvertretend für alle andere Mitwirkenden bedanken wir uns also bei Yvonne Bastidos, ihres Zeichens “set costumer” nicht nur dieses Films, sondern seit rund 10 Jahren auch anderer Produktionen, u.a. “The Pursuit of Happiness”, “Ray” und “The Terminal”. Ob sie es war, die die Kiste mit den 80er-Jahre-Sonnenbrillen verwaltete? Und bei Ricardo Guillermo, “set designer”, den nicht einmal die imdb kennt, der aber laut google derzeit in Albuquerque (New Mexico) lead set designer der 3. Staffel der Serie “Breaking Bad” ist. Der wird hier am Set des öfteren Sand ins Auge bekommen haben, und diese Erfahrung teilt er sich leider mit der “großen apokalyptischen Vision” des Filmes. Trotzdem: Danke!
Ein Tonyscott ist ein Tonyscott ist ein Tonyscott. Er hat einen bestimmten Stil und man kann ihm wirklich nicht vorwerfen, er würde sich nicht treu bleiben. Sehr professionelle, oft sehr schöne Bilder, alles in die jeweils richtigen Farbtöne getaucht, eine Kamera, die gerne ruckeldiwackel ganz nah an der Action ist, Schnitte nach dem Motto, lieber 100 zuviel als einer zu wenig. Dazu zwei ausgebuffte Profis in den Hauptrollen: John Travolta spielt den gefährlichen, männlichen, intelligenten und charmanten Bösewicht, der über Leichen geht, mit unübersehbarer Routine und deutlicher Unterforderung. Denzel Washington als Gutmensch mit menschlichen Schwächen, der letztlich tut, was getan werden muss. Auch er unterfordert.
Gut unterhalten folgt man der solide erzählten, spannenden Geschichte. Schwachpunkt: die Charaktere bleiben blass – die Dialoge sind berechenbar und blutleer. Höhepunkt: Wenn der Bösewicht von einer Islandreise mit einem “Arsch”-Modell erzählt. Tiefpunkt: Wenn der Gutmensch mit seiner Frau verhandelt, wieviel Milch er mit bringt. Das ist schmerzhaft gewollt und nicht gekonnt.





