Torsten Knoll: Lieder über Aufruhr, Liebe und Ungewöhnliches


Ein Beitrag von Carina, abgelegt unter Interview, Musik, Podcast am 1.Juli 2010

Optisch gesehen ist allenfalls seine schwarze Schieberkappe typisch. Noch schwieriger verhält es sich bei Torsten Knoll, wenn man versucht, seine Musik auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Das ist Protest und Provokation, das ist permanenter Diskurs und Erinnern, das ist Verarbeiten und schließlich Mitteilen. Torsten Knoll ist Komponist, Pianist und Sänger. Dabei deckt er gleich drei Musiksparten ab: Theater, Film und Chanson.

Ende Mai präsentierte er in den Mainzer Kammerspielen seine Chansons. Unter dem Motto „Lieder über Aufruhr, Liebe und Ungewöhnliches“ sang er über sich und seine Generation, über Liebe, Einsamkeit und Wut, Gefühle, die jeder kennt. Vor der Veranstaltung sprach Carina mit Torsten Knoll über sein Verständnis als Musiker und den Entstehungskontext seiner musikalischen Auswüchse:

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Torsten Knoll in den Mainzer Kammerspielen

Über Sofasozialismus und vergessene Lieben

Während des Konzertabends bettete er seine Lieder vorab in ihren Entstehungskontext ein: “Gute Nacht” sei in Erinnerung an die Dienstagabende bei seiner Oma entstanden, die immer alles kommentierte, sich selbst aber scherzhaft als reine “Sofasozialistin” bezeichnete. Es stecke aber auch der Ärger darüber drin, “dass man unglaublich viel reden kann, ohne etwas Sinnvolles zu unternehmen.” Humorvoll zeigte er sich im Umgang mit dem Thema Liebe. In “Seelenfrei” sang er über ein anfangs überschwängliches Verliebtsein, das binnen drei Wochen verpuffte, während “Schlaraffenland” ein Liebeslied sei, bei dem er keine Ahnung mehr habe, für wen er es einst schrieb.

Alles – nur niemals in der Mitte

Diese Achterbahn zwischen Höhenflügen und Abstürzen zog sich durch alle Lieder. Neben Aufruhr und Liebe kam dabei auch die Wut nicht zu kurz. So gab er in “Es tut mir leid Arschgesicht” ein Spottlied über einen ihm unleidigen ehemaligen Dozenten zum Besten. Bei seiner direkten Wortwahl sparte Knoll mitunter nicht an derben Beschreibungen: “Oh, wie es mir sanft die Eier leckt, dieses Bitzeln, diese Ahnung von Zerfall”. Pointiert brachte er schließlich seine Weltsicht auf den Punkt: “Es ist Hass und es ist Liebe, nur Gleichmut ist es nie”.

Chöre & Theater

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Unversöhnlich war dementsprechend sein Kommentar über sich und seine Generation. In “Was sind wir schön” beschrieb er sie als “ein ganz klein wenig schrill, ein bisschen dürr, vielleicht auch unterschwellig krank” und schloss mit dem Fazit: “Wir verrecken, einheitlich abgeschmackt – allein”. Bei aller Kritik an untätigen Zeitgenossen, konnte er es sich nicht verkneifen, der nachfolgenden Generation Ratschläge zu erteilen. In “Die neuen Fürbitten”, was er dem ungeborenen Kind einer Freundin widmete, sprach er ihm Mut zum Scheitern zu: “Und wenn du verfehlst, da ist gar nichts passiert, denn für nichts ist es je zu spät.”

Was sind wir schön

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Weitere Infos unter: www.torsten-knoll.de


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Ein Bonbon mit bitterem Beigeschmack


Ein Beitrag von Carina, abgelegt unter Buch am 19.März 2010

Carina hat Lob, aber noch mehr Abneigung für Shane Jones Roman “Thaddeus und der Februar” übrig und erklärt, warum.

Ein Mythos um “Thaddeus und der Februar” eilte seinem Erscheinungstermin in Deutschland voraus. Kritiker vergleichen Shane Jones Fantasie mit der von Italo Calvino oder Lewis Carroll. Das klang vielversprechend und ich war gespannt, dieses vermeintlich “moderne” Märchen zu lesen. Mein Urteil fällt jedoch anders aus. Zunächst war ich vom wilden und kreativen Schreibstil des Autors begeistert. Jones Erzählweise zieht seine Leserschaft direkt in die Geschichte hinein. Ich fand die surreale – wenn auch traurige – Traumwelt einfach schön, dann fand ich sie unheimlich schön, doch irgendwann leider nur noch unheimlich, und zwar unheimlich sexistisch.

Zwischen Traurigkeit, Ohnmacht und Widerstand
cover_thaddeus_u_februar

Zur Handlung: Eine Stadt ist von einer ungewöhnlichen Plage befallen: Seit hunderten von Tagen dauert der kalte Februar an. Der Wechsel der Jahreszeiten ist außer Kraft gesetzt und es fällt ununterbrochen Schnee. Niemand weiß, warum das so ist. Ballons dürfen nicht mehr zum Himmel aufsteigen, finstere Priester patrouillieren, Kinder verschwinden im Wald und die ganze Stadt ist durchdrungen von einer unfassbaren Resignation und Traurigkeit. Kinder fangen an den Eulen die Hälse umzudrehen und Priester zerhacken mit großen Äxten die Körbe der Ballons und reißen aus den Schulbüchern Bilder von Fluggeräten oder Vögeln. Die Art und Weise, wie der Autor seine Leserschaft in den Bann dieser Traurigkeit mit hineinzieht, ist tatsächlich faszinierend. Thaddeus Sehnsucht nach dem Frühling ist nahezu ansteckend:

“Erinnert euch, wie es war, als die Bäche vor dem Schlafzimmerfenster rauschten und das Wasser über die Augustfelsen strömte, als die Vögel auf grünen Zweigen sangen und die Hunde in den Feldern heulten … Wisst ihr noch, wie es war, als ihr am Morgen aufwachtet und die Sonnenstrahlen übers Bett und die bloßen Füße wanderten?” (S. 49)

Der Wunsch nach Widerstand wird immer stärker. Eines Tages erklärt die ganze Stadt dem Februar den Krieg. Thaddeus, der Ballonfahrer, soll ihr Anführer sein. Auf unterschiedliche Weise versuchen die Menschen den Februar zu vertreiben: So gießen sie große Mengen heißes Wasser auf den Schnee, versuchen mit langen Stangen Löcher in die Wolken zu reißen oder ignorieren die Kälte:

“Caldor Clemens tut so, als würde er Beeren pflücken. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn, bevor er in eine Schneewehe taucht und zu schwimmen beginnt. Thaddeus und Selah entfernen sich von der Gruppe und lieben sich im nackten Schnee. Sie ermuntern sich gegenseitig an den Ozean zu denken, dessen Wellen ihre Zehen umspielen …” (S. 45)

Der Februar

Mit der Zeit stellt sich heraus, dass der Februar keine Naturgewalt, sondern ein junger Mann ist, der am Stadtrand lebt und die Geschichte der Stadt schreibt. Als Autor ist er der Herrscher über die Stadt und entscheidet, was mit weiterlesen


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Eine gute Fee für Großstädte und einsame Inseln


Ein Beitrag von Carina, abgelegt unter Blogparade, Kino am 20.Februar 2010

Carinas Nachreichung für die eigentlich bereits abgelaufene Teo-Net-Blogparade “Mein Lieblingsfilm”.

Die Frage nach dem Lieblingsfilm ist schwer zu beantworten. Natürlich gibt es viele Filme, die mir – je nach Lebensphase und Stimmung – etwas bedeutet haben. Um die Auswahl einzugrenzen, bin ich die Frage mal so angegangen: Welchen Film würde ich mit auf eine einsame Insel nehmen, wenn ich nur einen einzigen auswählen dürfte? Ich meine: Welcher Film erzeugt in mir eine Stimmung, die mir (notfalls) ein Leben lang etwas geben kann? Meine Entscheidung war prompt getroffen: Die fabelhafte Welt der Amelié (2001, Regie: Jean-Pierre Jeunet).

Fantasie als “Allheilmittel”

Die Welt, in der Amelié lebt, ist allerdings alles andere als märchenhaft. In ihr wimmelt es von Absurditäten des Alltags und Menschen mit Macken und Neurosen. Ob die hypochondrische Georgette, der an der Glasknochenkrankheit leidende Maler oder der arme Lucien, der von seinem herrischen Chef fortwährend gedemütigt wird: Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen.

Amelié hat es indes auch nicht leicht. Sie wächst in einem lieblosen Elternhaus auf, wo ihr einziger Freund ein depressiver Goldfisch ist. Eines Tages muss sie sogar mit ansehen, wie ihre Mutter von einer Selbstmörderin erschlagen wird, die sich aus Liebeskummer von einem Kirchturm stürzt. Amelié lernt schon als Kind, ihre Fantasie als Allheilmittel gegen die triste Realität einzusetzen.

Auch als Erwachsene hat sie den Kopf noch voller Träume und ist empfänglich für die kleinen Freuden des Lebens. So liebt sie es beispielsweise beim Gemüsehändler ihre Hand heimlich in einen Sack voll Bohnen zu stecken oder weiterlesen


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Taschenkalender: Externe Festplatten à 365 Tage


Ein Beitrag von Carina, abgelegt unter Blogparade am 30.Dezember 2009

Carina entscheidet sich: Jedes Jahr plagen mich dieselben Fragen, bevor ich einen neuen Kalender kaufe: Möchte ich die ganze Woche auf einer Doppelseite im Überblick haben oder reicht eine Zweittagesübersicht? Wie viel Platz brauche ich für Notizen und soll es diesmal ein Hard- oder Softcover sein?  Das alles muss gut überlegt sein, denn das neue Exemplar begleitet mich immerhin ein ganzes Jahr. Mein Kalender ist nicht nur ein Merkbuch für Daten wie Geburtstage, Termine und Verabredungen. Ich halte darin alles Mögliche fest wie: Einkaufszettel, Songtitel, Geschenkideen, Buchsignaturen, Zugfahrzeiten, Wegbeschreibungen, die Maße von meinem neuen WG-Zimmer und manchmal sogar einfach das, was mich gerade bewegt. Kurzum: Mein Kalender ist so etwas wie eine kleine nichtelektronische externe Festplatte à 365 MB – pardon – Tage.

Adieu, 2009!?

Dieses Jahr soll es zum zweiten Mal der Moleskine “12 months – Weekly Notebook – Black softcover-Pocket” sein. Bevor ich aber den neuen Begleiter einweihe, nehme ich von meinem alten Abschied. Ich blättere ihn durch und lasse das vergangene Jahr Revue passieren. Nicht alle wichtigen Ereignisse sind in meinem Moleskine-Gedächtnis vermerkt. Manchmal reicht aber nur eine kurze Notiz, um eine Kettenreaktion an Erinnerungen aufleben zu lassen. Das kann sehr spannend sein: Welche Zutaten brauchte ich noch, als ich im Mai bei meiner Kochgruppe an der Reihe war? Wo war noch das Geschäft in Hamburg, in dem ich mir meine Lieblingsschuhe gekauft habe? Wie hieß meine Mitfahrgelegenheit nochmal, mit der ich montags morgens um 6 von Stuttgart nach Mainz fuhr?

Foto: Carina Schmidt

Die Spreu vom Weizen trennen

Wenn ich mit meinem persönlichen Jahresrückblick soweit durch bin, fange ich an, die alten Geburtstage und Adressen von einem in den anderen Kalender zu übertragen. Das hat mitunter eine reinigende Wirkung: Wessen Geburtstag übertrage ich tatsächlich noch in den neuen Kalender? An was möchte ich mich nächstes Jahr gerne erinnern? Während ich vor ein paar Jahren noch Skrupel beim Aussortieren hatte, bin ich heute radikaler und weniger sentimental. Es reicht ja schon, dass ich alle Kalender von den letzten zehn (oder sogar noch mehr?) Jahren in einem Ikea-Karton aufbewahre. Warum ich nicht längst auf eine elektronische Alternative umgestiegen bin und die alten Dinger wegschmeiße? Weil ich dann vieles aus den vergangenen Jahren tatsächlich vergessen würde. Zum Beispiel was und wer mir mit Neunzehn wichtig war, wie sich meine Handschrift verändert hat – und ich selbst. Natürlich freue ich mich auf das neue Jahr und besonders darauf, manchen Ballast von 2009 loszuwerden. Trotzdem möchte ich zum Jahresende nicht gleich die ganze Festplatte formatieren.

+++ Moleskine – Der Maulwurf in der digitalen Welt Dieser Beitrag ist der letzte Teil einer Blog-Parade von SchönerDenken. Wir hatten jeden bloggenden Notizbuchbenutzer aufgerufen, seine oder ihre “Moleskine-Geschichte” auf seinem Blog zu erzählen. Bald werden wir alle Beiträge noch einmal zusammenfassen. +++


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