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	<title>SchönerDenken &#187; Buch</title>
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	<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>Umzug mit Büchern</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jun 2011 22:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Pu</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Prof. Pu empfiehlt zieht mit 35 Bücherkisten um und macht sich so ihre Gedanken: Hilfe, ich komme einfach nicht zum Lesen, vor lauter Packen und Aussortieren. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal in der Lage sein werde, mich von Büchern zu trennen, aber siehe da: es geht! Es gibt Bücher, von denen könnte ich [...]]]></description>
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		<title>&#8220;Unser allerbestes Jahr&#8221;: Cinephilie!</title>
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		<pubDate>Sat, 21 May 2011 22:01:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Pu</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Prof. Pu empfiehlt: Unser allerbestes Jahr von David Gilmour Es ist ein Vater-Sohn-Buch, ein Kompendium für Cineasten, aber auch ein Männer-Erläuterungs- und Erhellungs-Roman für Frauen – sie verstehen dann vielleicht ein wenig besser, wie junge und ältere Jungs so ticken. Es ist eine Erziehung des Herzen par excellence und eine wahre Geschichte dazu. David Gilmour, [...]]]></description>
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		<itunes:summary>Prof. Pu empfiehlt: Unser allerbestes Jahr von David Gilmour


Es ist ein Vater-Sohn-Buch, ein Kompendium für Cineasten, aber auch ein Männer-Erläuterungs- und Erhellungs-Roman für Frauen – sie verstehen dann vielleicht ein wenig besser, wie junge und ältere Jungs so ticken. Es ist eine Erziehung des Herzen par excellence und eine wahre Geschichte dazu.
David Gilmour, kanadischer Journalist und Filmkritiker, genehmigt seinem Sohn, die Schule vorzeitig zu verlassen. Er kann nicht mehr mit ansehen, wie Jesse sich quält.
Er war ein sanfter, umgänglicher Junge, aber sehr stolz und völlig außerstande, etwas zu tun, was ihn nicht interessierte, selbst wenn ihm die Konsequenzen Angst machten. Sie machten ihm sogar große Angst. Er bekam miserable Noten, nur die Kommentare waren positiv. Er war beliebt, die Leute mochten ihn, sogar die Polizisten, die ihn verhafteten, weil er die Mauern seiner ehemaligen Grundschule mit Graffiti besprühte (ein paar Nachbarn erkannten ihn, ungläubig, fassungslos). Als der Beamte ihn zu Hause ablieferte, sagte er: „Ich würde mir an deiner Stelle keine Hoffnungen auf eine kriminelle Karriere machen, Jesse. Dafür hast Du einfach nicht das Zeug.“
Die einzige Bedingung des Vaters an seinen Sohn, nachdem der ihm gestanden hat, er möchte nie mehr eine Schule von innen sehen: Keine Drogen und:
Ich will, dass du jede Woche mit mir drei Filme anschaust. Ich suche sie aus. Das ist die einzige Form von Ausbildung, die du bekommst.
 Sie beginnen ihren „Filmclub“ mit Truffauts „Sie küssten und sie schlugen ihn“. Gilmour erzählt auf fesselnde und bisweilen auch sehr amüsante Weise Geschichten rund um die Filme, berichtet seinem Sohn und uns von Interviews, die er mit Regisseuren geführt hat, gerät manchmal ins Dozieren, bremst sich charmant-selbstironisch wieder. Es bereitete mir große Lust, seiner persönlichen Filmauswahl zu folgen. Über fünfzig Filme erwähnt er, gesehen haben müssen sie jedoch viel mehr. Er schult den Blick und den Verstand seines Sohnes auf eine einzigartige Weise und begleitet ihn wechselweise durch Liebeskummer und Verliebtheit. Erinnert sich an seine eigenen Jugendlieben, hadert mit sich, als er selbst beschäftigungslos zu Hause herumsitzt und darüber nachdenkt, was die fleißigen chinesischen Nachbarn wohl über sie beide denken könnten.
Es ist ein großes Lesevergnügen, eine geniale Idee für eine Auszeit. Und wie oft habe ich gedacht, ja, diesen oder jenen Film würde ich jetzt auch gerne auf der Stelle sehen. Und wie würde meine persönliche Liste der Herzensbildung-durch-Film-Schule aussehen? Wie wäre das Buch geschrieben von einer Mutter für ihre Tochter? Das sind die guten Lektüren, die mit der Nachwirkung und der Nachhaltigkeit &#8230;
Hier noch ein Rat von Herrn Gilmour für alle Filmliebhaber und –Liebhaberinnen:
Wenn man einen Film zum zweiten Mal anschaut, sieht man ihn eigentlich das erste Mal. Man muss wissen, wie er aufhört, um zu erkennen, wie gut er aufgebaut ist.
Einfach schön. Ein großes Danke an die Freundin, die dachte, ich müsse das Buch unbedingt lesen!
David Gilmour
Unser allerbestes Jahr
Aus dem Englischen von Adelheid Zöfel
Fischer-Taschenbuch € 9,95
978-3-596-18224-4</itunes:summary>
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		<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>&#8220;Die Orangen des Präsidenten&#8221;: Hinter der Sonne*</title>
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		<pubDate>Sat, 07 May 2011 22:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Pu</dc:creator>
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		<itunes:summary>Prof. Pu empfiehlt: Die Orangen des Präsidenten von Abbas Khider


Es war die große Ausstrahlung Khiders im Interview mit Denis Scheck, die mich faszinierte und mich veranlasste, sofort sein Buch zu kaufen. Dieses strahlende Gesicht mit den dunklen traurigen Augen – und genau so schreibt er auch, traurig-lachend, lachend-traurig:
Meine Mutter weinte, wenn sie sehr glücklich war. Sie nannte diesen Widerspruch „Glückstränen“. Mein Vater dagegen war ein überaus fröhlicher Mensch, der überhaupt nicht weinen konnte. Und ihr Kind? Ich erfand eine neue, melancholische Art des Lachens. Man könnte es als „Trauerlachen“ bezeichnen. Diese Entdeckung machte ich, als mich das Regime packte und in Ketten warf.
Sein Roman erzählt die Geschichte des jungen irakischen Taubenzüchters Mahdi aus Babylon. Als Mahdi acht Jahre alt ist, fällt sein Vater im Iran-Irak-Krieg. Seine Mutter erhält von der Regierung zur Entschädigung einen Renault, ein Grundstück und zweitausend Dollar. Sie bringt sich und ihren Sohn mit einem Gemüseladen durch, bis auch sie stirbt und Mahdi nach Nasrijah zu Verwandten kommt. Er sucht sich zwei Ziehväter, Sami, den Taubenzüchter und Razaq, den Geschichtslehrer und Bücherwurm. Von ihnen lernt er für sein Leben, bis zu dem Tag, als er zur Feier seines Abiturs 1989 mit den falschen Leuten in einem Auto sitzt und kurzerhand für zwei Jahre unschuldig im Gefängnis landet. Und auch dort lernt er von den einsitzenden älteren Männern nicht nur die Regeln zum Überleben unter Hunger und Folter, er lernt auch politisches Denken. Die Beschreibungen der Hungerphantasien erinnerten mich stark an die des jungen Oskar Pastior in Herta Müllers Roman „Atemschaukel“. Hunger quält alle Menschen gleich und die Phantasiebegabten und Wortgewaltigen finden dafür ähnliche Bilder.
Ich vergaß sogar nach einigen Monaten meinen Traum von der Entlassung und träumte nur noch von einer üppigen Mahlzeit. Es waren schöne Träume, die in Albträumen endeten: Gemüse, Obst, Brot, Getreide, rotes und weißes Fleisch, Säfte und Süßigkeiten fielen mich fast jede Nacht an. Sie spielten mit mir, wie man mit einem Ball spielt. Das Obst warf mich zum Brot und das Brot zu anderen Köstlichkeiten, bis ich in einem Teller voller Suppe landete. Ich badete darin.Versank.
Eines Tages geht im Gefängnis das Gerücht um, am Geburtstag Saddam Husseins soll es eine Amnestie für alle Gefangenen geben. Am Ende erhalten alle statt ihrer Freiheit – wie zynisch und menschenverachtend – eine Orange vom Präsidenten &#8230;
Zwischen den Episoden im Gefängnis, in harter rauher Sprache geschrieben, erzählt Khider poetisch-schön und humorvoll vom Leben in dem Land an Euphrat und Tigris, das ständig in unseren Nachrichten auftaucht und von dem wir doch so wenig wissen.
Meine Mutter konnte kein Englisch. Die meisten Leute im Kurden-Viertel konnten das nicht, nur die Christen. Meine Mutter behauptete, es sei ganz normal, dass die Christen Englisch sprächen. Sie sähen ja schließlich genauso blass aus wie die Christen in Europa, die man im Fernsehen zu Gesicht bekam. „Ich glaube, alle blassen Leute können Englisch“, schloss meine Mutter ihre Erklärungen ab.
Als Mahdi 1991 im Chaos des Golfkrieges von Aufständischen aus dem Gefängnis befreit wird  und zu seinem Onkel zurückkehrt, erkennt er sich selbst nicht mehr ihm Spiegel. Und am Ende muss er zusammen mit vielen anderen auch noch aus seinem Land fliehen.
Zufällig wird man erwachsen, hatte ich festgestellt, als ich den ersten Tag des Verhörs im Knast erlebte. Aber im März des unbeschreiblichen Jahres 1991 musste ich meine Erkenntnis erweitern: „Zufällig wird man erwachsen oder ein Fremder.“
Khiders Roman trägt autobiographische Züge. Auch er saß aus politischen Gründen zwei Jahre in einem irakischen Gefängnis. Nach Jahren als illegaler Flüchtling studiert er mittlerweile in Berlin. Er schreibt seine Bücher auf Deutsch, sein liebstes deutsches Wort ist „Mut“. Ich hoffe sehr, noch viel von ihm lesen zu können!
*irakisch-umgangssprachlich für G[...]</itunes:summary>
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		<title>&#8220;Die Prinzeninseln&#8221;: Sehnsuchtsorte</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Apr 2011 22:00:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Prof. Pu empfiehlt: Die Prinzeninseln von Joachim Sartorius „Neapel hat Capri und Ischia; Konstantinopel hat die Prinzeninseln.“ Gustave Schlumberger, Les ?les des Princes, 1884 Die acht kleinen Inseln, auf Türkisch K?z?l Adalar, liegen im Marmarameer vor Istanbul – der Stadt, die nach einem Besuch von nur wenigen Tagen bei mir einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen [...]]]></description>
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		<title>&#8220;Findet mich das Glück?&#8221;: Klein, stark, schwarz</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Mar 2011 23:01:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Prof. Pu empfiehlt: Findet mich das Glück von Peter Fischli und David Weiss Ein kleines schwarzes Buch, wie gebundene Schiefertafeln aus Papier, weiße Kreideschrift, angefüllt mit Fragen. Das Schweizer Künstlerduo, von mir schon lange verehrt, hat im wahrsten Sinne des Wortes wieder einmal ins Schwarze getroffen. Manch einer würde es Unsinn, Nonsens, Blödelei nennen, ich [...]]]></description>
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		<title>&#8220;Freiheit&#8221;: &#8220;Das kann nicht gut gehen&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Nov 2010 23:00:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Prof. Pu empfiehlt: &#8220;Freiheit&#8221; von Jonathan Franzen &#8220;Der Mensch ist zur Freiheit verdammt&#8221; sagte Jean-Paul Sartre. Der Satz ist mir erst nach der Lektüre des neuen Romans von Franzen wieder begegnet, passt aber zu den Protagonisten ganz hervorragend. Walter und Patty Berglund, beide in den 1960er Jahren geboren, leben mit ihren beiden Kindern, Joey und [...]]]></description>
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sagte Jean-Paul Sartre. Der Satz ist mir erst nach der Lektüre des neuen Romans von Franzen wieder begegnet, passt aber zu den Prota[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Prof. Pu empfiehlt: &#8220;Freiheit&#8221; von Jonathan Franzen


&#8220;Der Mensch ist zur Freiheit verdammt&#8221;
sagte Jean-Paul Sartre. Der Satz ist mir erst nach der Lektüre des neuen Romans von Franzen wieder begegnet, passt aber zu den Protagonisten ganz hervorragend. Walter und Patty Berglund, beide in den 1960er Jahren geboren, leben mit ihren beiden Kindern, Joey und Jessica, in einer viktorianischen Villa in einem Mustervorort von St. Paul. Sie, ehemalige Leistungssportlerin, möchte Idealhausfrau und Vorzeigemutter sein, er, ein früher Umweltpionier, arbeitet für eine Stiftung, die sich dem Vogel- und Naturschutz verschrieben hat.
&#8220;Patty Berglund war für alle Fragen ein reicher Quell, ein sonniger Überträger von soziokulturellen Pollen, eine freundliche Biene. Sie war eine der wenigen nicht-berufstätigen Frauen in Ramsey Hill und notorisch abgeneigt, gut von sich selbst oder schlecht von anderen zu sprechen. Sie sagte, sie gehe davon aus, eines Tages von einem Schiebefenster „geköpft“ zu werden, deren Gewichtsschnüre sie selbst ausgewechselt habe. Ihre Kinder würden „wahrscheinlich“ an Trichinose sterben, weil sie Schweinefleisch nicht immer lange genug brate. Sie fragte sich, ob ihre „Abhängigkeit“ von Abbeizmitteldämpfen wohl damit in Zusammenhang stehe, dass sie „überhaupt keine“ Bücher mehr lese. Sie gestand, seit dem, was beim „letzten Mal“ passiert sei, habe Walter ihr „strikt verboten“, seine Blumen zu düngen.&#8221;
Doch hinter den Musterfassaden äusserlicher und innerlicher Natur bröckelt es, nach und nach bricht einiges zusammen. Vor der Überliebe seiner Übermutter flieht der Sohn zu den prolligen Republikaner-Nachbarn und heiratet später auch noch heimlich deren Tochter Connie, seine Freundin aus Kindertagen. Jahrelang hat er versucht, sie zu verlassen, loszuwerden, zu betrügen. Schon als Student verdient er Geld mit höchst dubiosen Geschäften in Zusammenhang mit dem Irak-Krieg und wendet sich dann selbst den Republikanern zu.

Alles Dinge, die seinen Vater provozieren, ihn, dem Pazifisten, Naturschützer und verschrobenen Kämpfer gegen das Bevölkerungswachstum. Patty verfällt nach Joeys Auszug in Depressionen, trinkt zuviel und betrügt Walter mit seinem einzigen Freund, in den sie seit ihrer Jugend verliebt ist: Richard Katz, Rocksänger, Bohemien und das hundertprozentige Gegenteil von Walter. Nach den vielen Jahren, in denen sie davon besessen war, ihren Eltern zu demonstrieren, alles besser machen zu können, muss sie feststellen, dass sie sich in erster Linie selbst betrogen hat. Wie sagte Franzen in einem seiner zahllosen Interviews:
&#8220;Wenn in einem Franzen-Roman jemand sagt, er will es anders und besser machen, dann weiss man schon, das kann nicht gut gehen.&#8221;
Und es geht auch vieles nicht gut. Walter erfährt durch eine mit großer Lässigkeit ausgeführten Gemeinheit Richards von Pattys Verhältnis mit ihm und wirft sie aus dem Haus. Er flüchtet sich in die Arme seiner jungen Assistentin, doch das Glück mit ihr währt nicht lange. Er verliert seinen Job bei der Waldsängerberg-Stiftung, weil er in der Öffentlichkeit einen Wutausbruch bekommt statt eine Rede zu halten. Er wird ein verschrobener, von den Nachbarn streng beäugter Eremit, der Katzen neonfarbene Lätzchen umbinden will, damit sie keine Vögel mehr jagen können.
&#8220;Als Patty über ihre Kinder von der irrwitzigen Rede hörte, die er in West Virginia gehalten hatte, verzweifelte sie erst recht. Es schien, als hätte Walter sich nur von ihr trennen müssen, um ein freierer Mensch zu werden. Die alte Theorie, der sie beide angehangen hatten – dass er sie mehr liebte und brauchte als sie ihn –, war falsch gewesen, es verhielt sich genau umgekehrt. Und nun hatte sie die Liebe ihres Lebens verloren.&#8221;
Nur die Geschwister Joey und Jessica brachte die Trennung ihrer Eltern wieder näher zusammen. Walter und Patty hatten alle Freiheiten, ihr Leben zu gestalten – und sie haben es vergeigt. Doch zum Schluss gibt es einen leisen Hoffn[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>Große Kunst en miniature</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Nov 2010 22:00:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Prof. Pu empfiehlt: Kleine Leute in der grossen Stadt von Slinkachu Schon als Kind liebte ich alles in Miniaturform. Am liebsten spielte ich mit Puppenhaus und Kaufladen, wegen des kleinen Geschirrs, der Waschpulverschachteln en miniature und der Früchte aus Marzipan, die ich nie hätte aufessen können. Nie werde ich die grosse Puppenstubensammlung einer Kollegin vergessen. [...]]]></description>
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		<itunes:summary>Prof. Pu empfiehlt: Kleine Leute in der grossen Stadt von Slinkachu


Schon als Kind liebte ich alles in Miniaturform. Am liebsten spielte ich mit Puppenhaus und Kaufladen, wegen des kleinen Geschirrs, der Waschpulverschachteln en miniature und der Früchte aus Marzipan, die ich nie hätte aufessen können. Nie werde ich die grosse Puppenstubensammlung einer Kollegin vergessen. Nicht ohne Grund habe ich heute wenigstens eine kleine Sammlung von Minibüchern. Kein Wunder also, dass ich mich nach einem Fernsehbeitrag sofort zu Slinkachus Kunst hingezogen fühlte.
&#8220;Ich mag den Gedanken, dass gar niemand meine Arbeiten sieht. Denn wir alle ignorieren absichtlich oder unabsichtlich vieles, das uns in einer Stadt umgibt.&#8221; Slinkachu
Auch darin stimme ich ihm zu – was habe ich schon alles entdeckt, während ich auf der Strasse auf jemanden wartete, an einer Stelle, die ich schon tausend Mal gesehen hatte – und plötzlich ist da eine schöne, bisher unbeachtete Hausfassade. Dementsprechend glücklich war ich, als ich den Bildband in der Buchhandlung entdeckte – auf dem „Geschenkbücher-Tisch“, na ja, sicher ist es ein gutes Geschenk, aber vor allem ist es Kunst.

Slinkachu, geboren 1979, nennt sich Streetart-Künstler und arbeitet anonym auf Londons Strassen. Er arrangiert Szenen mit den kleinen Figuren, die eigentlich für die Modelleisenbahn bestimmt sind, plaziert und fotografiert sie auf Londons Strassen und überläßt sie dann ihrem Schicksal.
Polizist: Entschuldigen Sie, Sir. Würden Sie mir verraten, was Sie da machen?
Slinkachu: Oh. Äh &#8230; ich klebe hier eine kleine Plastikfigur fest.
Polizist: Hä?
Slinkachu: Hier, sehen Sie. Das ist &#8230; äh &#8230; Kunst. Sozusagen. Ich mache Fotos von diesen kleinen Leuten. Und dann lasse ich sie hier.
Polizist: Ach so! Wie niedlich. Verzeihung, ich dachte schon, Sie schnüffeln Klebstoff. Das kommt hier öfter vor.
Slinkachu: Tja. Haha &#8230;
Polizist: Ja, das ist wirklich niedlich. Haha, sogar ein kleines Auto! Süß. Meine Kinder wären begeistert!
Slinkachu: Ja &#8230; das ist &#8230; äh &#8230; eine kleine Prostituierte. Und ein Freier. Im Auto.
Polizist: &#8230; aha &#8230; also, ähm &#8230; lassen Sie sich nicht stören.
Slinkachu: Äh &#8230; ja. Vielen Dank &#8230;
Das Foto dazu heißt „Zu verkaufen/Verkauft.“
Slinkachu liebt es, zu provozieren. Es gibt eine Exhibitionistin, die mit hochgeschobenem Kleid auf einer Zigarettenkippe sitzt. Bedrückend das Szenario, bei dem ein Bettler sein Schild „Poor &#38; Hungry“ neben echten, im Vergleich obszön grossen, One-Pence-Stücken in die Höhe hält. Trostlos das Foto eines kleinen Kindes, das mit Schwimmflügeln in einer Kanaldeckelpfütze schwimmt. Auch mag ich die Ironie, mit der er einen Jogger an zertretenen Bierbüchsen und Plastikflaschen entlang laufen läßt und das Ganze „Panoramatour“ nennt. Oder „Beutezug“: Wie fleissige Ameisen tragen zwei Männer einen Erdnussflip davon. In „Taggen“ besprüht ein Sprayer das Haus einer lebendigen Schnecke.
Wahre Horrorfilm-Szenarios weiß er zu arrangieren: Eine echte Fliege sitzt auf einem blutendem Mann, dem schon ein Bein fehlt. Gruselig auch die Szene, in der ein Vater mit dem Gewehr auf eine tote Hummel zielt, hinter ihm versteckt sich ein kleines Mädchen – Titel des Fotos: „Das sind keine Kuscheltiere, Susan!“
Es gibt melancholische Szenerien, die mich sehr anrührten. Ein kleiner Anzug-Mann sitzt in einer Pflasterritze und blickt auf die Themse – „Aussteigerträume“. Wie traurig wirkt die Frau, die an einer riesigen weggeworfenen Chips-Tüte vorbeigeht und denkt: „Eines Tages wird er mich bemerken.“ Am liebsten würde ich sie alle hochnehmen und an einen schöneren Ort bringen, sie trösten und sagen, ist doch alles nicht so schlimm. Aber die Welt ist nun mal böse: Ein Mann sitzt auf einem originalgrossen Verlobungsring und die Bildunterschrift lautet: „Nein“. Da bricht einem das Herz &#8230;
Liebe LehrerInnen, das sind die richtigen Bilder für Bildbeschreibungen. Und für alle anderen die perfekte Alte[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>Bei mieser Stimmung ist &#8220;Bel Canto&#8221; besonders zu empfehlen</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Oct 2010 22:00:32 +0000</pubDate>
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Mit den Worten „Bei mieser Stimmung ist Bel Canto besonders zu empfehlen“ bekam ich dieses Buch überreicht – schlechte Stimmung hatte ich nicht, aber drei Tage mieses Urlaubswetter und es war die perfekte Lektüre.
Die Regierung eines armen südamerikanischen Staates schenkt Herrn Hosokawa, dem Vorstandsvorsitzenden eines großen japanischen Konzerns, zum Geburtstag einen Empfang. Um seine Liebe zur Oper wissend, engagieren sie für diesen Abend eine berühmte Sopranistin, Roxane Coss. Alles in der Hoffnung, daß die Japaner daraufhin in ihr Land investieren, ebenso wie die anderen illustren internationalen Gäste.
Manche von ihnen liebten sie schon seit langem. Sie hatten daheim jede Aufnahme von ihr. Sie führten ein Notizbuch, in dem sie jeden Ort eintrugen, an dem sie sie gesehen hatten, in welcher Oper, mit welcher Besetzung, unter welchem Dirigenten. Andere, die an dem Abend da waren, hatten ihren Namen nie gehört – Leute, die, wenn man sie gefragt hätte, gesagt hätten, die Oper sei für sie ein sinnloses Gejaule und lieber säßen sie drei Stunden auf dem Zahnarztstuhl. Das waren diejenigen, die jetzt unverhohlen weinten, die, die sich so furchtbar getäuscht hatten.
Doch während ihres Auftritts geht plötzlich das Licht aus und als es wieder hell wird, haben sich neue Gäste im großen Wohnzimmer des Vizepräsidenten eingefunden: Terroristen des Kommandos „La Familia de Martin Suarez“ nehmen alle Anwesenden in Geiselhaft. Leider haben sie ihr eigentliches Ziel verfehlt. Sie wollten den Präsidenten kidnappen, doch der hatte kurz vorher beschlossen, dass er lieber seine Lieblingssoap im Fernsehen anschauen möchte und glänzt mit Abwesenheit. Die Kidnapper sind fassungslos.
Der General, der Benjamin hieß, hatte sein Gewehr schon entsichert und war bereit, an dem Vizepräsidenten ein Exempel zu statuieren und ihn ins Jenseits zu befördern, doch die Geschichte mit der Lieblingsserie hielt ihn davon ab. So schmerzlich die Erkenntnis war, dass fünf Monate Vorbereitung auf diesen einen Abend, auf die Entführung des Präsidenten und womöglich den Sturz der Regierung, vergeblich waren und er statt dessen nun zweihundertzwanzig Geiseln am Hals hatte, die vor ihm auf dem Boden lagen – die Geschichte des Vizepräsidenten klang absolut überzeugend. Niemand hätte sich so etwas ausdenken können. Es war einfach zu billig und banal.
Dumm gelaufen. Einerseits, denn aus Liebe zur Opernsängerin will der diabeteskranke Pianist nicht mit den Frauen, Alten und Kranken die Villa verlassen, und stirbt im anfänglichen Tumult aus falsch verstandenem Heldentum. Andererseits beginnt nun ein zauberhaftes Märchen über das Sich-Abfinden mit Unvorhergesehenem, vom Geben und Nehmen, vom Lernen und Lehren und vor allem über die Liebe.
Alle verlieben sich in die Sopranistin, auch der Schweizer vom Roten Kreuz, der täglich die Verpflegung bringt und die Botschaften der Terroristen mit hinaus nimmt. Bis auf den Japaner Gen, der vielsprachige und ständig beschäftigte Übersetzer Herrn Hosokawas, er verliebt sich in die Terroristin Carmen. Und bringt ihr Spanisch bei.
Cesar, ein junger Terrorist, entdeckt seine Stimme und erhält Gesangstunden bei Roxane. Der Vizepräsident beginnt seine „Gastgeberpflichten“ zu lieben, der französische Diplomat seine abwesende Ehefrau und das Kochen. Einer der Kommandanten spielt täglich Schach mit Herrn Hosokawa, beim Zuschauen erlernt einer der jungen Geiselnehmer das Spiel. Der Pfarrer, der nicht gehen wollte als man es ihm anbot, liebt es, endlich täglich die Messe lesen zu dürfen. Und noch mehr liebt er es, der Sängerin von draußen Noten zu organisieren. Der Finanzchef des japanischen Konzerns entpuppt sich als der perfekte Begleiter am Klavier für die täglichen Übungsstunden der Sopranistin. Alle hören ihr jeden Tag zu.
Eines Tages, Monate sind vergangen, erlauben die Terroristen ihren Geiseln sogar, sich im Garten aufzuhalten. Man hat sich miteinander arrangiert, und nicht w[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Thomas Laufersweiler</itunes:author>
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		<title>Wo beginnt ein Verbrechen?</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 22:00:40 +0000</pubDate>
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Lauter unglaubliche Geschichten, doch sind sie wahr.
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		<itunes:summary>Prof. Pu empfiehlt: &#8220;Verbrechen&#8221; von Ferdinand von Schirach


So möchte ich schreiben können, so klar, besonnen, nüchtern und fesselnd zugleich und vor allem so berührend.
Lauter unglaubliche Geschichten, doch sind sie wahr.
Behauptet der Klappentext. Ich hätte gewettet, sie sind alle erfunden, gut ausgedacht. Doch Ferdinand von Schirach, begehrter Strafverteidiger, hat einfach seine Fälle aufgeschrieben. So unglaublich kann die Realität sein, jede Geschichte ließ mich von Neuem staunen. Er erzählt in seinem Erstlingswerk von Schicksalen, von Verbrechen, die ich nicht mehr vergessen werde.
Es ist höchst irritierend, sich bei Mitleidsanwandlungen zu ertappen; Mitleid einem Arzt gegenüber, der seine Frau getötet hat. Eine Frau, die er mit 24 heiratet und die ihn über vierzig Jahre lang mit schriller Stimme demütigt, beschimpft und lächerlich macht. Er versucht es auszuhalten, weil er ihr auf der Hochzeitsreise geschworen hat, sie nie zu verlassen. Bis es nicht mehr auszuhalten ist. Er erschlägt sie im Keller und ruft anschließend mit ruhiger Stimme die Polizei.
Der Staatsanwalt beantragte acht Jahre. Er ließ sich Zeit, er schilderte den Tatablauf und watete durch das Blut im Keller. Dann sagte er, Fähner habe Alternativen gehabt, er hätte sich scheiden lassen können.
Der Staatsanwalt irrte, genau das hätte Fähner nicht gekonnt. Die letzte Reform der Strafprozessordnung hat den Eid als obligatorische Beteuerung einer Aussage im Strafprozess abgeschafft. Wir glauben schon lange nicht mehr daran. Wenn ein Zeuge lügt, lügt er eben – kein Richter denkt ernsthaft, das würde sich durch einen Eid ändern lassen. Dem modernen Menschen scheint der Schwur gleichgültig zu sein. Aber, und in diesem ‚aber‘ liegt eine Welt, Fähner war kein moderner Mensch. Sein Versprechen war ernsthaft. Es hatte ihn sein ganzes Leben gebunden, mehr noch: Er wurde zum Gefangenen. Fähner konnte sich nicht befreien, das wäre Verrat gewesen. Die Gewalteruption war das Bersten eines Druckbehälters, in den er lebenslang durch seinen Eid eingesperrt war.
 Fähner bekam drei Jahre im offenen Vollzug und begann mit 72 einen Handel mit den Äpfeln aus seinem eigenen Garten, den seine Frau so sehr gehasst hat.

Auch Schirach erschien mir in einem Fernseh-Interview mit Gero von Boehm wie ein angenehm altmodischer Mensch aus einem anderen Jahrhundert. „Wieso kann er so gut schreiben?“ fragte mich ein Kollege. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mich die Stories über ungelöste wie aufgeklärte Verbrechen zutiefst beeindruckt haben.
In jeder Erzählung muss man sich neu orientieren: Wann beginnt ein Verbrechen? Beim hilflosen Versuch eines Mannes, mithilfe eines dilettantischen Banküberfalls zu seiner Familie zurückzukehren? Wo liegt die Schuld? Bei der Schwester, die das elende Leben ihres durch einen Unfall behinderten Bruders nicht mehr ertragen kann? Genial beschreibt Schirach die hauchfeinen Grenzen zwischen Schuld und Unschuld.
Große Erzählkunst, spannende Geschichten. Beim Lesen schwankte ich ständig zwischen der großen Lust, das Buch auf einmal zu verschlingen und dem Genuss, besonders langsam zu lesen um länger davon zu haben. Zu meinem großen Lese-Glück liegt auf dem Nachttisch schon der zweite Band, „Schuld“.
Die Filmrechte an „Verbrechen“ sind verkauft, die Üblichen Verdächtigen dürfen gespannt sein &#8230;
Ferdinand von Schirach
Verbrechen
Piper 16,95 €
978-3-492-05362-4
Ab September auch als Piper-Taschenbuch Nr. 05955 8,95 €
Audio-Tipp: Ferdinand von Schirach zu Gast bei SWR1 Leute Rheinland-Pfalz (37:14 min)</itunes:summary>
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		<title>Mafiakiller mit Medizinstudium</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Jun 2010 22:00:32 +0000</pubDate>
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		<itunes:summary>Prof. Pu empfiehlt: Schneller als der Tod von Josh Bazell


Ich befürchte, dass ich mir mit diesem Buchtipp wahrscheinlich meinen Ruf ruiniere. Das hat der Roman auf jeden Fall verdient. Was sich Bazell für sein Debüt ausgedacht hat, ist so unglaublich irre, dass ich zwischendurch immer mal wieder hyperventilieren musste.
Dr. Peter Brown, eigentlich Pietro Brnwa, gesprochen Brauna, geboren in einem indischen Ashram, aufgewachsen bei seinen Großeltern in New Jersey, ist Assistenzarzt im Manhattan Catholic Krankenhaus. Und Ex-Mafiakiller im Zeugenschutzprogramm – bis ihn ein Patient erkennt und seine Tarnung auffliegt.
Der Mann in dem Bett im Anadale-Trakt ist ein Typ, der mir als Eddy Squillante alias Eddy Consol bekannt war.
„Was soll das?“, knurre ich und packe ihn an seinem Klinikhemd. Ich sehe noch mal auf seine Akte. „Da steht, du heißt LoBrutto!“
Er guckt verwirrt. „Ich heiße doch LoBrutto.“
„Ich denk, du heißt Squillante.“
„Squillante ist nur ein Spitzname.“
„Squillante? Wie kommt man zu dem Spitzname Squillante?
„Er geht auf Jimmy Squillante zurück.“
„Den Scheißkerl von der Müllindustrie?“
„Den Mann, der die Abfallwirtschaft wiederbelebt hat. Und halt dich zurück. Das war ein Kumpel von mir.“
„Langsam“, sage ich. „Du nennst dich Squillante, weil Jimmy Squillante ein Kumpel von dir war?“
„Ja. Wenn er auch in Wirklichkeit Vincent hieß.“
„Scheiße, wovon redest du? Ich kannte mal ein Mädchen namens Barbara – deswegen sag ich den Leuten doch nicht, sie sollen mich Babs nennen.“
„Hat was für sich.“
„Was ist mit ‚Eddy Consol’?“
„Auch ein Spitzname von mir. ‚Consolidated’.“ Er kichert. “Meinst du, jemand heißt wirklich ‘Consolidated’?“
Ich lasse ihn los. „Nein, schon kapiert, danke.“
Er reibt sich die Brust. „Mensch, Bärentatze –„
„Nenn mich nicht so.“
„Okay &#8230; „ Er bricht ab. „Warte mal. Wie hast du mich gefunden, wenn du nicht wusstest, dass ich Squillante bin?“
„Ich habe dich nicht gefunden.“
„Was heißt das?“
„Du bist Patient in einem Krankenhaus. Ich bin Arzt.“
„Du bist als Arzt verkleidet.“
„Nein. Ich bin Arzt.“
Wir starren uns an.
Dann sagt er: „Mach das du rauskommst!“
Und dann geht es rund. In den nächsten Stunden versucht Pietro in einem rasenden Countdown, seinen Feinden zu entkommen &#8211; sprich zu überleben &#8211; und nahezu nebenbei ein paar Menschenleben zu retten. Gleichzeitig erzählt Bazell, wie der damals Vierzehnjährige seine Großeltern ermordet auffindet, sich später in der Schule mit Adam, dem Sohn des Mafiaanwaltes David Locano anfreundet und von dessen Familie wie ein Sohn aufgenommen wird. Zunächst ganz ohne die berühmte Doppeldeutigkeit des Wortes „Familie“ in den Kreisen der Mafia. Bis Pietro einen entscheidenden Fehler begeht: Er gesteht, nur einen Wunsch zu haben: Die Mörder seiner Großeltern zu kennen. Diesen Gefallen tut ihm Vater Locano gern. Sie umzubringen wird seine Inauguration als Mafiakiller.
Jahre später hat die Bundespolizei mich damit kleinzukriegen versucht: Was für ein hoffnungsloser Idiot das sein müsse, der feststellt, dass seine Großeltern von Mafiaschweinen umgebracht worden sind, und dann selbst mit Mafiaschweinen zusammenlebt, für sie arbeitet, sich bei ihnen einschleimt und sich von ihnen abhängig macht. Aber die Gründe lagen auf der Hand.
Wenn er keine Killer-Aufträge erledigt, hängt er mit seinem besten Freund Adam „Skinflick“ Locano herum. Irgendwann will Skinflick auch mitkillen, während Pietro heimlich seinen Ausstieg erwägt. Die gemeinsame Sache geht ziemlich schief, aber nur Pietro landet vor Gericht und wird in einem absurden Prozeß freigesprochen. Noch zögert Pietro, ins Zeugenschutzprogramm zu gehen. Und läßt sich vom aufgehetzten Skinflick in eine Falle locken, bei der nicht nur Pietros große Liebe Magdalena ihr Leben läßt. Aus den ehemals besten Freunden werden Todfeinde. Ein Drama Shakespeare&#8217;schen Ausmaßes, denn nicht einmal die Großeltern waren das, was sie ihrem Enkel zu sein schienen. Eine neue Version von „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ [...]</itunes:summary>
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