Umzug mit Büchern
Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Prof. Pu und die Pücher am 5.Juni 2011
Prof. Pu empfiehlt zieht mit 35 Bücherkisten um und macht sich so ihre Gedanken:

Hilfe, ich komme einfach nicht zum Lesen, vor lauter Packen und Aussortieren. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal in der Lage sein werde, mich von Büchern zu trennen, aber siehe da: es geht! Es gibt Bücher, von denen könnte ich mich niemals verabschieden, meine Paris-Sammlung zum Beispiel, meine Kinderbücher, meine italienischen Krimis, die Gesamtausgaben von Kafka, Woolf, Tucholsky, de Beauvoir und Goethe, oder die Bücher, die ich hier empfohlen habe. Während des Sichtens meiner Bibliothek dachte ich mir neue Stellordnungen aus (wiiieeeso steht dieses Buch hier, das gehört doch ganz woanders hin?!?), trennte mich von den tonnenschweren Ausstellungskatalogen, mit denen ich jetzt schon viermal umgezogen bin und in die ich nieee mehr geschaut habe. Oder von den Titeln, an deren Inhalt ich mich nicht einmal mehr nach dem Lesen der Klappentexte erinnern konnte … Am meisten freut es mich, dass ich für alle aussortierten Bücher Adoptiveltern gefunden habe. Mein Trennungskriterium: Würde ich es noch einmal lesen wollen? Dabei stellte ich dann fest, daß es nur ein einziges Buch gibt, dass ich mehr als einmal gelesen habe: “Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz” von Carlo Fruttero und Franco Lucentini: http://schoener-denken.de/blog/index.php/niederlande-italien/ Leider verschwand es so schnell im Umzugskarton “WoZi Ital. A-F”, daß es keinerlei Zitate hinterlassen konnte. Vom Trennungskriterium “Noch mal lesen?” ausgenommen sind selbstverständlich die Jugendsündenlektüren, ”Hallo Mister Gott, hier spricht Anna”, “Der kleine Prinz” oder “Vom Winde verweht” … oh, “Vom Winde verweht” – darf Margaret Mitchell wirklich neben “Eine unbeugsame Frau” von Margarete Mitscherlich stehen oder sollte ich auch diese Aufstellung noch einmal überdenken? Ich habe noch drei Wochen Zeit, bis ich die Bücher in der neuen Wohnung einräumen darf – wer weiß, welche Allianzen sich ohne mein Zutun in den Kisten noch bilden. Mein liebste Umzugskiste heißt übrigens: WoZi Insel.-Lyrik” …
Carlo Fruttero und Franco Lucentini
Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz
Piper-Taschenbuch 9,95 €
978-3-492-21173-4
Sie beginnen ihren „Filmclub“ mit Truffauts „Sie küssten und sie schlugen ihn“. Gilmour erzählt auf fesselnde und bisweilen auch sehr amüsante Weise Geschichten rund um die Filme, berichtet seinem Sohn und uns von Interviews, die er mit Regisseuren geführt hat, gerät manchmal ins Dozieren, bremst sich charmant-selbstironisch wieder. Es bereitete mir große Lust, seiner persönlichen Filmauswahl zu folgen. Über fünfzig Filme erwähnt er, gesehen haben müssen sie jedoch viel mehr. Er schult den Blick und den Verstand seines Sohnes auf eine einzigartige Weise und begleitet ihn wechselweise durch Liebeskummer und Verliebtheit. Erinnert sich an seine eigenen Jugendlieben, hadert mit sich, als er selbst beschäftigungslos zu Hause herumsitzt und darüber nachdenkt, was die fleißigen chinesischen Nachbarn wohl über sie beide denken könnten.
Sein Roman erzählt die Geschichte des jungen irakischen Taubenzüchters Mahdi aus Babylon. Als Mahdi acht Jahre alt ist, fällt sein Vater im Iran-Irak-Krieg. Seine Mutter erhält von der Regierung zur Entschädigung einen Renault, ein Grundstück und zweitausend Dollar. Sie bringt sich und ihren Sohn mit einem Gemüseladen durch, bis auch sie stirbt und Mahdi nach Nasrijah zu Verwandten kommt. Er sucht sich zwei Ziehväter, Sami, den Taubenzüchter und Razaq, den Geschichtslehrer und Bücherwurm. Von ihnen lernt er für sein Leben, bis zu dem Tag, als er zur Feier seines Abiturs 1989 mit den falschen Leuten in einem Auto sitzt und kurzerhand für zwei Jahre unschuldig im Gefängnis landet. Und auch dort lernt er von den einsitzenden älteren Männern nicht nur die Regeln zum Überleben unter Hunger und Folter, er lernt auch politisches Denken. Die Beschreibungen der Hungerphantasien erinnerten mich stark an die des jungen 






