TV-TIPP: “District 9″ – Kino wie Katzenfutter


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 4.Februar 2012

Fernsehtipp Morgen, Sonntag  5. Februar 2012 | 22.35 Uhr | ProSieben
Die üblichen Verdächtigen über “District 9″. Sie sind zwar begeistert – aber auch nicht unkritisch:

Realistischer SF-Actioner [ 5:54 ] Jetzt abspielen | Download

Wir alle warten auf große SF-Filmmeilensteine wie “Alien” oder “Blade Runner”. Neil Bomkamps “District 9″ sah nach den Trailern aus, als hätte er das Zeug dazu. Optisch hat er alle Versprechen gehalten – das realistischste Produktionsdesign, die glaubwürdigsten Animatronics und CGIs, die ich jemals gesehen habe. Und er wartet mit einer ambitionierten Geschichte auf:

Außerirdische sind mit ihrem Raumschiff über Johannesburg gestrandet. Unterernährt und antriebslos werden sie in einem Ghetto untergebracht, eingesperrt. Nach zwanzig Jahren sollen sie aus dem District 9 evakuiert und in ein neues Lager umgesiedelt werden. Aber bei der Evakuierung gerät einiges außer Kontrolle …

© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH

Blomkamp erzählt seine Geschichte mit Elementen des Dokumentarfilms vor einem sozialkritischen Hintergrund – die politischen Töne um Apartheid, Ausgrenzung, Angst hätten durchaus noch schärfer ausfallen dürfen. Seine Figuren bleiben leider ohne Tiefe und ihr Schicksal kann uns deshalb nie wirklich intensiv berühren. Das ist vielleicht die entscheidende Schwäche des Films.

Auf der Haben-Seite stehen neben der tricktechnischen Perfektion und der wunderbaren Kameraführung vor allem die Liebe zu den unzähligen Details: z.B. die UN-weißen Fahrzeuge des privaten Militärs inklusive weißgestrichener Gewehre.

Dass Jackson und Blomkamp ihren Rundgang durch die SF-Filmgeschichte hinter sich haben, zeigt sich an einer Fülle von Zitaten – das reicht von “Starship Troopers”, “Independence Day”, “Aliens” über “Minority Report” bis zur “Fliege”. Dabei sind die meisten Anspielungen angenehm beiläufig. Blomkamp hat es schon im ersten großen Film nicht nötig, einen auf dicke Hose zu machen.

Pluspunkt auch, dass der Film sehr viele Fragen offen lässt – das ist allemal besser als dämliche Antworten zu geben und unglaubwürdige Auflösungen zu konstruieren. Ich freue mich schon auf die DVD und hoffentlich bergeweise Bonusmaterial. Denn auch wenn er die Kurve zum Meisterwerk nicht bekommen hat, ist er doch gute Unterhaltung mit atemberaubender Optik. Und man muss ihn nicht mit aktuellem Hochglanz-Abfall wie “Transformers 2″ vergleichen, um ihn hoch einzuschätzen. Fazit: sehr sehenswert.

Links

Björn Becher erklärt in seiner sehr informativen Kritik:

“Newcomer Neill Blomkamp gelingt das Kunststück, einen erstklassigen Sci-Fi-Actioner abzuliefern, der als Unterhaltungsfilm genauso funktioniert wie als klares politisches Plädoyer.”

Flo sieht Stärken und Schwächen, urteilt dann aber milde:

“Insofern ist Blomkamp vielleicht nicht unbedingt ein Meisterwerk gelungen, aber den überzeugendsten Actionfilm des Sommers kann man sicherlich ohne größere Probleme in dem Science-Fiction-Actioner ausmachen.”

Thomas Groh weist auf die Schwächen des Films und hat einen Vorschlag, dem wir uns alle nur anschließen können:

“Eine sorgfältige Adaption durch das US-Fernsehen, das den öden Actionballast als solchen über Bord wirft und den kaum ausgeschöpften Stoff vielleicht sogar im Stil von “The Wire” als Möglichkeit zu einer soziologischen SF-Studie zu nutzen versteht, deren Welt eben nicht unter Getöse wieder auseinander fällt, eine solche Serie also wäre zweifellos atemberaubend gut.”

Marcus findet:

“Ganz nebenbei widerlegt Blomkamps intelligenter SciFi-Thriller alle Skeptiker, die glaubten, Actionfilme müssten zwangsläufig hohl und reaktionär sein.”

Und Asokan merkt an:

“Aber, und das ist ein Einwand, der den Fanboys nicht gefallen wird: der durchweg temporeiche, aber seltsam einfallsarme District 9 weiß nicht viel mit der konzeptionell interessanten, visuell atemberaubenden Welt anzufangen, in die er den Zuschauer durchaus gekonnt transportiert.”

Auf die Kritik von Christian Hellwig warten wir noch Christian erklärt Hintergründe zum Film, eine Übersicht gibt es wie immer bei film-zeit und moviepilot.

Der Beitrag erschien zuerst am 14. September 2009.


2 Kommentare




Vorstandsvorsitzende from Outer Space!


Ein Beitrag von Hendrik, abgelegt unter Buch, Podcast am 9.Juni 2009

Hendrik liest Die Aliens sind unter uns! Herrschaft und Befreiung im demokratischen Zeitalter von Christoph Spehr

Aliens tragen ihr Hemd auch manchmal offen ... [ 11:08 ] Jetzt abspielen | Download

Die Coverabbildung dieses 1999 erstmals erschienenen Buches zeigt keine Tentakel, Fühler, seltsame Handfeuerwaffen und im Hintergrund geparkte phantastische interstellare Fahrzeuge. Lediglich drei äußerst korrekt gekleidete Herren der Typenkategorie ‘Oberes Management’ blicken ungehalten und etwas grimmig von den papiernen Insignien ihrer Herrschaft über die Erdenwesen auf, um sich ablichten zu lassen. Unwillkürlich fragt man sich, was der Sicherheitsdienst wohl anschließend mit dem Fotografen angestellt hat.

Christoph Spehr, seines Zeichens Historiker, politischer Journalist und Lehrbeauftragter in Berlin, erzählt in seinem Sachbuch davon, dass wir Menschen bereits seit Jahrzehnten von Aliens entmündigt und ausgebeutet werden, die zwar auf den ersten Blick wie Menschen aussehen, aber nicht eigentlich welche sind, und eigentlich unterscheiden sie sich von uns überhaupt nur durch ihr antisoziales und un—menschliches Denken.

Im Unterschied zu den Büchern Erich von Dänikens und anderer Präastronautikforscher stellt Spehr damit jedoch nicht die These auf, die Erde hätte tatsächlich irgendwann mal Besuch von anderen Planeten erhalten, sondern er benutzt das Attribut Aliens als eine Denkmetapher: natürlich sind seine Aliens Menschen, aber eben eine neue und ganz besondere Art von Mensch, die derzeit kräftig dabei ist, die politischen und ökonomischen Strukturen so zu gestalten, dass die ‘normalen’ Menschen immer weniger und die Aliens immer mehr von der Erträgen der Erde abbekommen.

“Die ersten Alien-Generationen waren noch recht schematisch designt”, so schreibt er, “die einzelnen Exemplare unterschieden sich oft kaum voneinander. Zwischen 1945 und 1970 wurde weltweit ein genetisches Modell <Funktionsträger> bevorzugt, das direkt mit Schlips und dunklem Anzug verwachsen war. Dieses robuste Exemplar hielt jahrzehntelang – [...] Adenauer kam auch aus dieser Serie. Nach den weltweiten anti-alienistischen Aufständen der sechziger Jahre wurde dieser verräterische Déjà-vu-Effekt jedoch abgeschwächt, und das genetische Design wurde vielfältiger. Funktionsträger-Aliens wurden jetzt in allen gewünschten Farben und Geschlechtern erzeugt: sie tragen das Hemd auch mal offen und können auf Stehempfängen Witze erzählen.” (S. 113)

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Ein Kommentar




“Monsters vs. Aliens”: Kinderkino


Ein Beitrag von Thomas, abgelegt unter Die Üblichen Verdächtigen, Kino, Podcast am 23.April 2009

Die Üblichen Verdächtige kommen aus “Monsters vs. Aliens” – und sind zufrieden, mehr oder weniger:

Freaks sollen die Welt retten [ 1:53 ] Jetzt abspielen | Download

Als böse außerirdische die Erde bedrohen, müssen ungeliebte Monster die Welt retten. Das Fazit kurz und knapp: Tolle Animationen, viele Filmzitate und einige gute Gags trösten über eine eher schwache Geschichte hinweg.

Links

Daniela Leistikow lobt den Film über den Klee, CineKie hat ihn in 3D gesehen. Mehr bei film-zeit.de und Moviepilot.de.

Trailer


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