<< “Sie können doch ein Wurmloch nicht von Ihrem eigenen Arschloch unterscheiden!”   Nicht in den Sand gesetzt >>

Parvenüs im Paris der Zwanziger Jahre


Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Podcast, Prof. Pu und die Pücher am 6.Juni 2010

Prof. Pu empfiehlt: Der Ball von Irène Némirovsky

Pariser Parvenüs [ 2:43 ] Jetzt abspielen | Download

Madame Rosine Kampf möchte als Beweis ihrer Arriviertheit einen Ball geben. Sie ist schrecklich aufgeregt und herrscht ihre ganze Umgebung an. Endlich sind sie da angekommen, wo sie immer hinwollte. In der feinen Pariser Gesellschaft, dank erfolgreicher Börsenspekulationen ihres Mannes. Tagelang zerbricht sie sich den Kopf über die Gästeliste, schliesslich ist man ja jetzt wer!

Kampf zog einen mit vielen Namen und Korrekturen vollgekritzelten Zettel aus der Tasche.

„Wir fangen mit den Leuten an, die ich kenne, einverstanden, Rosine? Schreib, Antoinette. Monsieur und Madame Banyuls. Die Adresse weiß ich nicht, aber du hast ja das Telefonbuch bei der Hand, da kannst du nachschlagen …“

„Sie sind sehr reich, nicht wahr?“ murmelte Rosine.

„Ja, sehr.“

„Meinst du denn … daß sie kommen wollen? Ich kenne Madame Banyuls gar nicht.“

„Ich auch nicht. Aber ich habe geschäftlich mit ihrem Mann zu tun, das genügt … Die Frau soll reizend sein, und sie wird in ihren Kreisen nicht mehr viel eingeladen, seit sie in diese Geschichte verwickelt war … Du weißt schon, diese berühmten Orgien im Bois de Boulogne, vor zwei Jahren …“

„Alfred, ich bitte dich, die Kleine …

Ihre Tochter Antoinette, bockig, pubertierend, unter der Mutter leidend, träumt davon, auch am Ball teilnehmen zu dürfen.

Ein Ball … Lieber Gott, lieber Gott, wäre es denn möglich, daß nur ein paar Schritte von ihr entfernt dieses herrliche Ereignis stattfände, das sie sich undeutlich als ein Gewirr von wilder Musik, berauschenden Parfüms, prachtvollen Gewändern vorstellte, mit geflüsterten Liebesworten in einem abgelegenen Séparée, dunkel und kühl wie ein Alkoven – und daß sie an diesem Abend wie an jedem anderen um neun Uhr im Bett läge, wie ein Baby?

Doch die Mutter verbietet es ihr vehement. Antoinettes Rache wird grausam sein …

Bild

Ein kleiner feiner Roman über Parvenüs im Paris der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Und eine Geschichte über die herzlose Rache einer eifersüchtigen Tochter an ihrer ungeliebten Mutter. Comédie humaine und Satire in einem, brilliant verfasst. Auch als Hörbuch, gelesen von Nina Hoss, ein grosses Vergnügen!

Irène Némirovsky
Der Ball
btb 73578 € 6.-
ISBN 978-3-442-73578-5

Der Ball Brigitte Hörbuch
gelesen von Nina Hoss
88 Min. € 9,95
ISBN 978-3-86604-191-2

Schlagwörter: Irène Némirovsky, Paris, Pu

Schreiben Sie einen Kommentar! Parvenüs im Paris der Zwanziger Jahre Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Podcast, Prof. Pu und die Pücher am 06.06.2010

Noch keine Kommentare
Hier können Sie den Eintrag kommentieren. Bitte lassen Sie sich nicht von gelegentlichen Fehlermeldungen verwirren - Ihr Kommentar wird trotzdem zuverlässig bei uns ankommen!


Twitter facebook XING Impressum

Auf iTunes abonnieren




  • Ähnliche Beiträge

    • “Léon und Louise”: “Für den Rest ihres Lebens würde er sie lieben …”
    • “Die Kinder von Paris”: ein dunkles Kapitel
    • Irène Némirovskys unvollendetes Meisterwerk
    • “Die Herrlichkeit des Lebens”: Kafkas letzte Liebe
    • Prof. Pu ist Guido Guerrieri verfallen
  • Neue Kommentare

    • marijke kusters bei “Keär man, wär dat getzt lecka!” Ein Besuch im Berliner Currywurstmuseum
    • pu bei Filmtipps für Markus: Das erste Jahr – 1998
    • flim news bei “In Time”: Zeit ist Geld
    • Thomas bei LIFE: Selbstkritik und Pflaumen
    • Götz bei Filmtipps für Markus: Das erste Jahr – 1998
  • Neue Beiträge

    • “Snuff” – Vom Adel im Angesicht des Todes: Sir Samuel Vimes
    • “Ein riskanter Plan”: Sam ist schwindelfrei
    • LIFE: “Das Opfer war so ästhetisch arrangiert, daß es aussah wie ein Gemälde …”
    • “Die Herrlichkeit des Lebens”: Kafkas letzte Liebe
    • TV-TIPP: “District 9″ – Kino wie Katzenfutter
    • Hendrik hilft: Filmtipps für Markus – 1998
    • LIFE: “Man bekommt für alles eine Quittung
    • “Verblendung”: “Darf ich ihn töten?”
    • LIFE: “Ich bin 30 Jahre alt, wohne bei meiner Mutter und habe ein Captain-Kirk-Kostüm.”
    • “Drive”: Es gibt keine guten Haie
  • Kategorien

  • Archive

  • Seiten

    • Impressum
    • Sternzeit
    • Über SchönerDenken
      • Schöner Sprechen
  • Auf dem Zettel haben uns

    • BlogAlm.de
    • Ohrient.de
    • podcast.de
    • podster.de
  • Kino-Links

    • Abspannsitzenbleiber
    • Christians Foyer
    • CineKie
    • Das Manifest
    • FilmSPAICHer
    • In der Kinoprovinz
    • JFilmPowWow
    • Kino, TV und Co.
    • moviepilot
    • NEGATIV
    • Nishikata Eiga
    • OliBlog
    • Online-Filmdatenbank
    • Screenshot
    • Symparanekronemoi
    • Zeitverschwender
  • Meta

    • Anmelden
  • Wir empfehlen

    • Die Computerecke
    • Kosmopiloten
    • Lehrerzimmer
    • Molochronik
    • Pornophonique
    • strange views
    • U wie Umwelt
    • Unsichtbare Bibliothek
    • Zuckerfisch News
  • RSS Tipp: Kosmopiloten

    • Deutschland wird Acta-Abkommen vorerst nicht unterzeichnen
    • Google+ wächst ungebremst?
    • Crowdfunding: Games-Entwickler knackt Spendenrekord bei Kickstarter
  • RSS 1 x täglich: Sprechbude

    • Silvester bei den Kannibalen von Joachim Ringelnatz
    • Kino – Karl Kraus
    • Auf einen Brand zu – Gotthold Ephraim Lessing
  • SchönerDenken kooperiert mit:


    Blog-Parade

    Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
    Mit Bloglines abonnieren
    Radio.de
    blogoscoop
    Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
    Bloggeramt.de


    Läuft mit Wordpress

    Slidingdoor Design von Wayne

    Podcast ermöglicht durch podPress v8.8.10.13