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	<title>Kommentare zu: „Operation Walküre“: ein klassisches Lehrstück</title>
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	<description>Filme, Bücher, Leben. Aktuelle Filme werden hier ebenso besprochen wie fast vergessene Literaturklassiker.</description>
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		<title>Von: Martina</title>
		<link>http://schoener-denken.de/blog/index.php/operation-walkeure-stauffenberg/comment-page-1/#comment-11568</link>
		<dc:creator>Martina</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Aug 2009 07:53:28 +0000</pubDate>
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		<description>Guten Morgen, 
jetzt muß ich mich doch mal aufregen. In meinem Kommentar zu &quot;Die heilige Socke...&quot; gab ich C. H. Recht, daß der Schluß meines Beitrags, der vorverurteilende Hieb gegen &quot;Inglorious Bastards&quot;, nicht ganz gelungen war, wollte ich doch eigentlich nur den Bogen schlagen zu unserer kommenden &quot;Warum Tarantino maßlos überschätzt ist&quot;-Reihe. 
Aber wenn ich jetzt die dämliche Einlassung des profillosen Kaugummigesichts Brad Pitt höre, der &quot;Operation Walküre&quot; einfach nur &quot;lächerlich&quot; findet und glaubt, mit &quot;Inglorious Bastards&quot; sei &quot;alles über Nazi-Deutschland&quot; gesagt, könnte ich schäumen...
Klar ist das PR, und klar werden sich auch die SchönerDenker den Film anschauen und damit Erfüllungsgehilfen des Hype sein, aber ich schäume trotzdem wegen dieser Nullblickeraussage. Grunz.
Schönen Tag noch, Martina</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Guten Morgen,<br />
jetzt muß ich mich doch mal aufregen. In meinem Kommentar zu &#8220;Die heilige Socke&#8230;&#8221; gab ich C. H. Recht, daß der Schluß meines Beitrags, der vorverurteilende Hieb gegen &#8220;Inglorious Bastards&#8221;, nicht ganz gelungen war, wollte ich doch eigentlich nur den Bogen schlagen zu unserer kommenden &#8220;Warum Tarantino maßlos überschätzt ist&#8221;-Reihe.<br />
Aber wenn ich jetzt die dämliche Einlassung des profillosen Kaugummigesichts Brad Pitt höre, der &#8220;Operation Walküre&#8221; einfach nur &#8220;lächerlich&#8221; findet und glaubt, mit &#8220;Inglorious Bastards&#8221; sei &#8220;alles über Nazi-Deutschland&#8221; gesagt, könnte ich schäumen&#8230;<br />
Klar ist das PR, und klar werden sich auch die SchönerDenker den Film anschauen und damit Erfüllungsgehilfen des Hype sein, aber ich schäume trotzdem wegen dieser Nullblickeraussage. Grunz.<br />
Schönen Tag noch, Martina</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Von: Thomas</title>
		<link>http://schoener-denken.de/blog/index.php/operation-walkeure-stauffenberg/comment-page-1/#comment-11529</link>
		<dc:creator>Thomas</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2009 10:42:01 +0000</pubDate>
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		<description>@ Martina: Schmallippig wurde ich beim Frühstück, weil ich außerhalb eines Kinosaals nicht an Tom Cruise denken kann, ohne mich an Scientology zu erinnern. Im Reflex rauschen dann erstmal die Mundwinkel in die Tiefe. Aber ich versuche das hochgradig unsympathische Mitglied einer sehr gefährlichen Psycho-Organisation vom interessanten Schauspieler zu trennen. (Wir wären sowieso erstaunt, wieviele Lieblingsfilme betroffen wären, wenn wir nur noch &quot;arschlochfreie&quot; Streifen schauen würden.) In der Diskussion vor dem Film wurde in der Tat viel vermischt, vor allem wurde ignoriert, dass die Qualität des Films ÜBERHAUPT NICHT davon berührt wird, dass sich der Hauptdarsteller einer irren Sekte an den Hals geworfen hat. Deinem Beitrag aber, liebe Martina, wohnt aber auch eine gewisse (wenn ich das mal so sagen darf) gehässige Befriedigung inne, dass all die inkompetenten, dämlichen Vorverurteiler nicht recht hatten: dass der Film sowohl gut als auch erfolgreich war. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Scientologen damals tatsächlich einen PR-Schachzug allererster Güte abgezogen haben: Deutschland provozieren, sehr viel Presse bekommen und dann am Ende gut da stehen mit einem prima Film. Der Plan ist spätestens aufgegangen, als Cruise seinen goldenen Bambi bekommen hat. Da hat Scientology die deutsche Öffentlichkeit wirklich am Nasenring durch die Manege gezogen - und ich glaube nicht, dass man diese Überlegung als &quot;Verschwörung&quot; abtun kann. Aber mal davon abgesehen eine Frage: Du setzt nicht den George-Kreis mit Scientology gleich, oder? Nicht dass der unaufmerksame Leser da einen falschen Eindruck bekommt. Wenn ich auf der einen Seite im Kino die hässliche Privatfratze des Superstars Tom Cruise ignoriere, dann möchte ich auf der anderen Seite auch verschont werden von künstlerisch-politischen Äußerungen wie &quot;Durch Stauffenberg habe ich mich mit der deutschen Seele beschäftigt. Ich bin demütig geworden.&quot; Aha. Hat ihn das also bestärkt auf seinem Weg, Scientology als Herrenrasse den Weg zu ebnen? Hab ich das so richtig verstanden? Um es deutlich zu sagen: Ich möchte kein einziges Wort hören aus dem Mund von Tom Cruise, das nicht auf einer Drehbuchseite steht und kein Bild sehen, das nicht von einer Kino-Filmkamera aufgenommen wurde. Denn sonst kann ich mir nämlich nicht seine Filme ansehen und ihnen als Filme eine faire Chance geben.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ Martina: Schmallippig wurde ich beim Frühstück, weil ich außerhalb eines Kinosaals nicht an Tom Cruise denken kann, ohne mich an Scientology zu erinnern. Im Reflex rauschen dann erstmal die Mundwinkel in die Tiefe. Aber ich versuche das hochgradig unsympathische Mitglied einer sehr gefährlichen Psycho-Organisation vom interessanten Schauspieler zu trennen. (Wir wären sowieso erstaunt, wieviele Lieblingsfilme betroffen wären, wenn wir nur noch &#8220;arschlochfreie&#8221; Streifen schauen würden.) In der Diskussion vor dem Film wurde in der Tat viel vermischt, vor allem wurde ignoriert, dass die Qualität des Films ÜBERHAUPT NICHT davon berührt wird, dass sich der Hauptdarsteller einer irren Sekte an den Hals geworfen hat. Deinem Beitrag aber, liebe Martina, wohnt aber auch eine gewisse (wenn ich das mal so sagen darf) gehässige Befriedigung inne, dass all die inkompetenten, dämlichen Vorverurteiler nicht recht hatten: dass der Film sowohl gut als auch erfolgreich war. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Scientologen damals tatsächlich einen PR-Schachzug allererster Güte abgezogen haben: Deutschland provozieren, sehr viel Presse bekommen und dann am Ende gut da stehen mit einem prima Film. Der Plan ist spätestens aufgegangen, als Cruise seinen goldenen Bambi bekommen hat. Da hat Scientology die deutsche Öffentlichkeit wirklich am Nasenring durch die Manege gezogen &#8211; und ich glaube nicht, dass man diese Überlegung als &#8220;Verschwörung&#8221; abtun kann. Aber mal davon abgesehen eine Frage: Du setzt nicht den George-Kreis mit Scientology gleich, oder? Nicht dass der unaufmerksame Leser da einen falschen Eindruck bekommt. Wenn ich auf der einen Seite im Kino die hässliche Privatfratze des Superstars Tom Cruise ignoriere, dann möchte ich auf der anderen Seite auch verschont werden von künstlerisch-politischen Äußerungen wie &#8220;Durch Stauffenberg habe ich mich mit der deutschen Seele beschäftigt. Ich bin demütig geworden.&#8221; Aha. Hat ihn das also bestärkt auf seinem Weg, Scientology als Herrenrasse den Weg zu ebnen? Hab ich das so richtig verstanden? Um es deutlich zu sagen: Ich möchte kein einziges Wort hören aus dem Mund von Tom Cruise, das nicht auf einer Drehbuchseite steht und kein Bild sehen, das nicht von einer Kino-Filmkamera aufgenommen wurde. Denn sonst kann ich mir nämlich nicht seine Filme ansehen und ihnen als Filme eine faire Chance geben.</p>
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		<title>Von: C.H.</title>
		<link>http://schoener-denken.de/blog/index.php/operation-walkeure-stauffenberg/comment-page-1/#comment-11528</link>
		<dc:creator>C.H.</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2009 00:02:28 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;i&gt;Tom Cruise ist in Deutschland so umstritten wie nirgendwo sonst auf der Welt; hier kann man „nicht an Cruise als Stauffenberg denken – und dabei Scientology vergessen“&lt;/i&gt;

Jaja, das Wettern von Teilen der deutschen Politik und des Feuilletons waren in der Summe fast aufregender, als es der letztendliche Film geworden ist. Zumindest zeigte sich in diesem Zusammenhang mal wieder die immer  noch virulente deutsche Unentspanntheit im Umgang mit der eigenen Geschichte. Die Mitgliedschaft von Cruise bei Scientology und das zähe Ringen um die Drehgenehmigung im Bendlerblock kamen in der Tat einem Schmierentheater aus deutschen Landen gleich. Jedoch darf man auch nicht unerwähnt lassen, dass dies nur die eine Seite der medialen Auseinandersetzung rund um einen Film war, den zu diesem Zeitpunkt noch niemand gesehen hatte: Vor allem die FAZ unter Schirrmacher hat „Valkyrie“ ebenso genüsslich zum umfassenden Erlöser des internationalen Deutschland-Bilds emporgejubelt, wie ihn die andere Seite schon mal prophylaktisch verdammt hat. Mir persönlich ist hinsichtlich der Bewertung des Films im Übrigen völlig egal, ob Tom Cruise Mitglied bei Scientology ist, oder gar Anhänger der heiligen Socke von Wanne-Eickel (So viel vielleicht schon mal vorweg).

&lt;i&gt;Und das ist gelungen: das hypertrophierte Bild der Deutschen als in der Geschichte einmalig böses Volk von Mördern ist durch „Operation Walküre“ zweifellos aufgebrochen worden.&lt;/i&gt;

Und dieses Fazit ist dann wohl die konsequente Folge aus der in den vorigen Absätzen entworfenen (und gut zu lesenden) Argumentation. Aber warum eigentlich? Warum könnte dieser Film das Deutschlandbild in der Welt und in den USA entscheidend verändert haben? Doch ist das noch nicht einmal die entscheidende Frage, denn die potentielle Antwort liegt klar auf der Hand:  1. Zugpferd Cruise,  2. eine spannend inszenierte und stringent vorgetragene Geschichte, die 3. in den USA der Masse in der Tat unbekannt sein dürfte. Mit anderen Worten: Viel entscheidender ist doch die Frage, ob man die schiere Existenz des Films (also DAS die Geschichte erzählt wird) ein taugliches Argument ist, um den Film in der Kritik automatisch zu einem Gelungenen Beispiel des internationalen Kinos werden zu lassen. Die Antwort muss in dieser Hinsicht eine Eindeutige sein, nämlich: Nein! Jeder andere Film aus den USA über Stauffenbeg mit einem bekannten Gesicht als Zugpferd hätte das Gleiche erreicht, ganz unabhängig von seiner letztlichen qualitativen Güte. Ok, für dich ist der Film nicht nur hinsichtlich seiner positiven Wirkung gelungen, sondern auch an sich.  Das begründest du ja in den nächsten Absätzen. Ein Punkt, der für meine Wertung des Films eminent wichtig ist, kommt bei deinem Text in genau einem Wort vor:

&lt;i&gt;lebt von […] Charakterstudien&lt;/i&gt;

Abseits deiner Ausführungen zu den Merkmalen der klassischen Tragödie, die „Valkyrie“ zu Eigen sind, und die mit Sicherheit maßgeblich dazu beigetragen haben, das der Film auf der Ebene des Thriller mitreißend funktioniert, würde mich mal interessieren, wo sich in „Valkyrie“ die Charakterstudien verstecken. Es ist wahr: Singer hat mit seiner „amerikanischen“ Inszenierung, seinem Gefühl für atemlose Bilder und dem Gespür für den richtigen Spannungsbogen einen Thriller vor historischer Kulisse geschaffen, der die deutschen Stauffenberg-Verfilmungen locker an die Wand spielt. Aber „Valkyrie“ strebt in seinem Selbstverständnis ja nach mehr, und das ist der springende Punkt: Abseits des Thrillers  ist „Valkyrie“ ein ziemlich feiges Filmchen, dass sich jeglicher eigenen Interpretation und Brisanz verweigert. Zentrum des Films ist Stauffenberg, doch wird dieser von Cruise eben nicht nur aus Respekt vor der Rolle zurückhaltend verkörpert, sondern eben auch weil das Drehbuch nicht mehr hergibt. 10 Minuten im heißen Wüstensand müssen der Khartasis augenscheinlich genug sein, um Stauffenbergs Persönlichkeit gerecht zu werden. Wo ist der Versuch der Charakerisation eines Mannes in all seinen biographischen Facetten, der eben eine ambivalente historische Persönlichkeit war, der Hitler erst bereitwillig in den Krieg folgte, und ihn dann umbringen wollte. Warum traut sich „Valkyrie“ nicht umfassend nach eventuellen Motiven der Verschwörer zu fragen? Warum spekuliert der Film nicht, und verlässt so die Ebene der inhaltlichen Leerstelle als ein Film, der  nicht wagt mehr zu sein als handwerklich gut gemachte Unterhaltung? Hier übersieht der Film meiner Meinung nach, dass es nicht darauf ankommt in möglichst vielen Facetten historisch korrekt zu sein (Was sowieso und per se selbst für den Historiker in letzter Konsequenz ein Ding der Unmöglichkeit darstellt), sondern durch eigene inhaltliche Reizpunkte jenes gesellschaftliches Diskussionspotential zu evozieren, die den Film abseits der Thriller-Ebene interessant gemacht hätte. Cruise als Stauffenberg in klassischer „American Hero“-Manier ist ein gleichwohl legitimer, wie uninteressanter Ansatz. Der lobende Verweis auf das umfangreiche Bonusmaterial, das ja das von mir geforderte ambivalente Bild der Verschwörung zeichnet, darf bei der Bewertung des Films keine Rolle spielen. 

&lt;i&gt;Das nächste Hitler-Attentat steht uns mit „Inglorious Bastards“ von Quentin Tarantino demnächst bevor, und ich orakele nur zu gerne, daß wir vor einem peinlichen, laut krachenden Tschingderassabumm-„Widerstandskämpfer“-Machwerk stehen werden, auf dessen abgeschmackter Folie einige Zuschauer vielleicht „Valkyrie“ als das feine, qualitativ hochstehende Glanzstück schätzen lernen, das es ist.&lt;/i&gt; 

Leider ist dies der unpassende und unnötige Abschluss eines Artikels, der  - auch wenn ich ihm in weiten Teilen nicht zustimmen kann – sehr lesenswert ist. Denn wer Tarantinos Zweite-Weltkrieg-Mär mit „Valkyrie“ vergleichen will, der versucht sich in der Tat an einem Vergleich von Äpfeln und Birnen. Mal abgesehen davon, dass du dich damit argumentativ auf das selbe Niveau jener Leute begibst, die du auf Grund ihrer Vorverurteilungen bei gleichzeitiger Unkenntnis von „Valkyrie“ zu Beginn des Artikel selbst (zu Recht) kritisierst hast.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><i>Tom Cruise ist in Deutschland so umstritten wie nirgendwo sonst auf der Welt; hier kann man „nicht an Cruise als Stauffenberg denken – und dabei Scientology vergessen“</i></p>
<p>Jaja, das Wettern von Teilen der deutschen Politik und des Feuilletons waren in der Summe fast aufregender, als es der letztendliche Film geworden ist. Zumindest zeigte sich in diesem Zusammenhang mal wieder die immer  noch virulente deutsche Unentspanntheit im Umgang mit der eigenen Geschichte. Die Mitgliedschaft von Cruise bei Scientology und das zähe Ringen um die Drehgenehmigung im Bendlerblock kamen in der Tat einem Schmierentheater aus deutschen Landen gleich. Jedoch darf man auch nicht unerwähnt lassen, dass dies nur die eine Seite der medialen Auseinandersetzung rund um einen Film war, den zu diesem Zeitpunkt noch niemand gesehen hatte: Vor allem die FAZ unter Schirrmacher hat „Valkyrie“ ebenso genüsslich zum umfassenden Erlöser des internationalen Deutschland-Bilds emporgejubelt, wie ihn die andere Seite schon mal prophylaktisch verdammt hat. Mir persönlich ist hinsichtlich der Bewertung des Films im Übrigen völlig egal, ob Tom Cruise Mitglied bei Scientology ist, oder gar Anhänger der heiligen Socke von Wanne-Eickel (So viel vielleicht schon mal vorweg).</p>
<p><i>Und das ist gelungen: das hypertrophierte Bild der Deutschen als in der Geschichte einmalig böses Volk von Mördern ist durch „Operation Walküre“ zweifellos aufgebrochen worden.</i></p>
<p>Und dieses Fazit ist dann wohl die konsequente Folge aus der in den vorigen Absätzen entworfenen (und gut zu lesenden) Argumentation. Aber warum eigentlich? Warum könnte dieser Film das Deutschlandbild in der Welt und in den USA entscheidend verändert haben? Doch ist das noch nicht einmal die entscheidende Frage, denn die potentielle Antwort liegt klar auf der Hand:  1. Zugpferd Cruise,  2. eine spannend inszenierte und stringent vorgetragene Geschichte, die 3. in den USA der Masse in der Tat unbekannt sein dürfte. Mit anderen Worten: Viel entscheidender ist doch die Frage, ob man die schiere Existenz des Films (also DAS die Geschichte erzählt wird) ein taugliches Argument ist, um den Film in der Kritik automatisch zu einem Gelungenen Beispiel des internationalen Kinos werden zu lassen. Die Antwort muss in dieser Hinsicht eine Eindeutige sein, nämlich: Nein! Jeder andere Film aus den USA über Stauffenbeg mit einem bekannten Gesicht als Zugpferd hätte das Gleiche erreicht, ganz unabhängig von seiner letztlichen qualitativen Güte. Ok, für dich ist der Film nicht nur hinsichtlich seiner positiven Wirkung gelungen, sondern auch an sich.  Das begründest du ja in den nächsten Absätzen. Ein Punkt, der für meine Wertung des Films eminent wichtig ist, kommt bei deinem Text in genau einem Wort vor:</p>
<p><i>lebt von […] Charakterstudien</i></p>
<p>Abseits deiner Ausführungen zu den Merkmalen der klassischen Tragödie, die „Valkyrie“ zu Eigen sind, und die mit Sicherheit maßgeblich dazu beigetragen haben, das der Film auf der Ebene des Thriller mitreißend funktioniert, würde mich mal interessieren, wo sich in „Valkyrie“ die Charakterstudien verstecken. Es ist wahr: Singer hat mit seiner „amerikanischen“ Inszenierung, seinem Gefühl für atemlose Bilder und dem Gespür für den richtigen Spannungsbogen einen Thriller vor historischer Kulisse geschaffen, der die deutschen Stauffenberg-Verfilmungen locker an die Wand spielt. Aber „Valkyrie“ strebt in seinem Selbstverständnis ja nach mehr, und das ist der springende Punkt: Abseits des Thrillers  ist „Valkyrie“ ein ziemlich feiges Filmchen, dass sich jeglicher eigenen Interpretation und Brisanz verweigert. Zentrum des Films ist Stauffenberg, doch wird dieser von Cruise eben nicht nur aus Respekt vor der Rolle zurückhaltend verkörpert, sondern eben auch weil das Drehbuch nicht mehr hergibt. 10 Minuten im heißen Wüstensand müssen der Khartasis augenscheinlich genug sein, um Stauffenbergs Persönlichkeit gerecht zu werden. Wo ist der Versuch der Charakerisation eines Mannes in all seinen biographischen Facetten, der eben eine ambivalente historische Persönlichkeit war, der Hitler erst bereitwillig in den Krieg folgte, und ihn dann umbringen wollte. Warum traut sich „Valkyrie“ nicht umfassend nach eventuellen Motiven der Verschwörer zu fragen? Warum spekuliert der Film nicht, und verlässt so die Ebene der inhaltlichen Leerstelle als ein Film, der  nicht wagt mehr zu sein als handwerklich gut gemachte Unterhaltung? Hier übersieht der Film meiner Meinung nach, dass es nicht darauf ankommt in möglichst vielen Facetten historisch korrekt zu sein (Was sowieso und per se selbst für den Historiker in letzter Konsequenz ein Ding der Unmöglichkeit darstellt), sondern durch eigene inhaltliche Reizpunkte jenes gesellschaftliches Diskussionspotential zu evozieren, die den Film abseits der Thriller-Ebene interessant gemacht hätte. Cruise als Stauffenberg in klassischer „American Hero“-Manier ist ein gleichwohl legitimer, wie uninteressanter Ansatz. Der lobende Verweis auf das umfangreiche Bonusmaterial, das ja das von mir geforderte ambivalente Bild der Verschwörung zeichnet, darf bei der Bewertung des Films keine Rolle spielen. </p>
<p><i>Das nächste Hitler-Attentat steht uns mit „Inglorious Bastards“ von Quentin Tarantino demnächst bevor, und ich orakele nur zu gerne, daß wir vor einem peinlichen, laut krachenden Tschingderassabumm-„Widerstandskämpfer“-Machwerk stehen werden, auf dessen abgeschmackter Folie einige Zuschauer vielleicht „Valkyrie“ als das feine, qualitativ hochstehende Glanzstück schätzen lernen, das es ist.</i> </p>
<p>Leider ist dies der unpassende und unnötige Abschluss eines Artikels, der  &#8211; auch wenn ich ihm in weiten Teilen nicht zustimmen kann – sehr lesenswert ist. Denn wer Tarantinos Zweite-Weltkrieg-Mär mit „Valkyrie“ vergleichen will, der versucht sich in der Tat an einem Vergleich von Äpfeln und Birnen. Mal abgesehen davon, dass du dich damit argumentativ auf das selbe Niveau jener Leute begibst, die du auf Grund ihrer Vorverurteilungen bei gleichzeitiger Unkenntnis von „Valkyrie“ zu Beginn des Artikel selbst (zu Recht) kritisierst hast.</p>
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