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Zwei “Must-Haves” für Bibliophile
Ein Beitrag von Prof. Pu, abgelegt unter Buch, Podcast, Prof. Pu und die Pücher am 14.März 2010
Prof. Pu empfiehlt: “Mach dieses Buch fertig” von Keri Smith und das “Buchtagebuch” mit Bildern von Rotraut Susanne Berner

Als ich darüber in der Zeitung las, dachte ich noch, ob es wohl jemand wagt, mir das zu schenken? Ich habe es tatsächlich bekommen – und jetzt stehe ich da und kann mich nicht überwinden, meine Kaffeetasse daraufzustellen oder eine Seite anzuzünden. Es gar in den Schmutz zu ziehen! Ich!? Ich soll ein Buch mit einem spitzen Gegenstand malträtieren? Ich, die nicht mal ihren Namen in Bücher schreiben will! Bei jedem Buch, dass ich aus beruflichen Gründen – und es sind bereits Tausende – stempeln und beschriften muss, muss ich erst kurz durchatmen. Ich habe es nicht einmal fertiggebracht, die vielen schönen Exlibris in meine Bücher zu kleben, die ich im Laufe meines Lebens geschenkt bekommen habe. Klebriges Zeugs in ein Buch schmieren? Moi? Jamais. Ich, die schon die Krise kriegt, wenn ein Buch schiefgelesen aussieht … Trotzdem oder gerade deshalb finde ich die Idee von Keri Smith genial – es kommt mir ein bisschen vor wie eine Schreitherapie für Leute, die im Alltag gern die Luft anhalten. Insofern genau das Richtige für mich. Was andere bisher so alles mit „Mach dieses Buch fertig“ angestellt haben, kann man hier sehen:
http://machdiesesbuchfertig.de
Vielleicht traue ich mich ja doch noch … schließlich bin ich eine leidenschaftliche Telefonier-Malerin … und dann klebe ich es zu und schicke es an mich selbst, wie es auf der Rückseite verlangt wird.
Keri Smith
Mach dieses Buch fertig
Kunstmann-Verlag € 9,90
978-3-88897-641-4
„Das Persönlichste aller Bücher“ schreibt der Verlag auf seiner Homepage über das „Buchtagebuch“ und es stimmt – wieder mal etwas, das man schon immer vermisst hat, ohne zu wissen, dass es existiert. Am liebsten würde ich es sofort im Dutzend verschenken. Ein Buchbuch, wunderschön illustriert von Rotraut Susanne Berner, für Gelesenes, Ver- und Geliehenes, Verschenktermine sprich Geburtstagskalender, Lesewünsche, Lieblingsbuchhandlungen und am Ende ein kleines Lexikon zum Thema Buch und selbstverständlich mit einem von mir so geliebten Lesebändchen. Fehlt eigentlich nur noch ein Kapitel für die Liste der lesetauglichsten Cafés …
Buchtagebuch
Ill. Rotraut Susanne Berner
Jacoby & Stuart € 12,95
978-3-941087-68-2
Schlagwörter: bibliophil, Pu, Tagebuch







Liebe Pu, das Mach-mich-fertig-Buch hab ich mir letzte Woche gekauft, und glaub mir, es sieht schon ganz fürchterlich aus. Und nicht nur meine bibliophile Seele hat Schaden genommen, auch mein Lieblingshemd, beim Versuch, das Buch durch den Dreck zu ziehen. Fürs Bücherregal ist es definitiv nichts mehr, da fällt es sofort raus, so schief wie es mittlerweile ist. Aber die therapeutische Wirkung ist wirklich formidabel.
Soll ich dir meine Lieblingsseite schenken?
Liebe Nicole,
ja bitte, schenk mir Deine Lieblingsseite, vielleicht traue ich mich dann auch endlich, dem Buch etwas anzutun … noch liegt es auf dem Schreibtisch und ist gaaanz sauber.
Liebe Pu, habe ich das richtig verstanden, daß das mit dem “fertigmachen” auf dem Buchtitel nicht so gemeint ist, daß man Geschichtenanfänge zuende schreiben soll, sondern daß man das Buch wirklich plattmachen soll mit allen Konsequenzen???Eieieieiei, das ist ja wohl wirklich schwer und kaum zu erledigen! Gerade bei Dir kann ich mir das nicht vorstellen! Vielleicht ist die therapeutische Wirkung aber aller Mühe wert, wie Nicole schreibt. Viel Glück und Mut wünscht Martina
Ja, Martina, dem Buch darfst du mit Schere und Messer und Farbe zu Leibe rücken. Und du darfst ihm alles sagen, was du schon immer mal einem Buch böses sagen wolltest. Und knicken und mit dem Auto drüber fahren und Eselohren machen und Seiten einreißen. Besticken, bemalen, aus dem Fenster schmeißen, als Dartscheibe benutzen, einfach ALLES. Klar, du darfst es auch mal streicheln, aber nur, wenn du willst.
Da ich keinerlei Hemmungen habe, Bücher in engschlundige Taschen zu pressen, hineinzukritzeln, Seiten zu knicken und sie mit schokoladenpappigen Fingern anzupacken und dergleichen mehr, ich mich an jenen Büchern im Regal freue, denen man ihre Geschichte ansieht, und mich jene stören, die spöttische Buchhandelsregalreinheit verströmen, wüsste ich nicht, welche Blockaden die Beschäftigung mit dem vorgestellten Buch niederreißen sollten, die nicht schon längst zerbröselt sind.
Nieder mit der musealen Weltaneignung!!