10. Juli 1509: Calvins Tyrannei der Tugend
Heute vor 500 Jahren wurde der Reformator Calvin geboren. Christopher hat aus diesem Anlass die Calvin-Biographie von Volker Reinhardt gelesen. Das Buch zeigt auf, wie sich Genf innerhalb von 25 Jahren zum Glaubenszentrum wandelte. Reinhardt beschreibt, wie Calvins Reformation die Stadt veränderte und aus Mission Tyrannei wurde.
Nächstenliebe war nicht sein Hauptanliegen. Stattdessen hatte Johannes Calvin der Sündhaftigkeit des Menschen den Kampf angesagt. Ausgangspunkt und Zentrum dieser Mission war Genf. Für fünfundzwanzig Jahre wurde die Stadt am Lac Léman für die einen zum Vorbild der reformatorischen Umgestaltung, für andere zum Hort der Intoleranz. Calvins Versuch, eine absolut tugendhafte Stadt zu schaffen sowie sein Extremismus bei der Verfolgung dieses Ziels polarisierte. Er entzweite nicht nur die Zeitgenossen, sondern trug ihm bei seinen Kritikern den die Jahrhunderte überdauernden Vorwurf der Despotie ein.
„Dank einer großartigen organisatorischen Technik ist es Calvin gelungen, einer ganzen Stadt, einem ganzen Staat mit tausenden bisher freien Bürgern in eine starre Gebotsmaschinerie zu verwandeln, jede Selbständigkeit auszurotten, jede Denkfreiheit zugunsten seiner alleinigen Lehre zu beschlagnahmen.“
Der 1936 formulierte Vorwurf steht unter dem Eindruck des totalitären Wahrheitsanspruchs des NS-Regimes und findet für Stefan Zweig seine religiöse Entsprechung in der Person Calvins. weiterlesen







