Leicht erkältet zu den Sternen
Hendrik schnieft sich durch das Sonnensystem – mit Dava Sobels Die Planeten
Das einzig Schöne an Erkältungen ist ja, dass man in ihren besseren Momenten ein bißchen verreisen kann. Lesend zwar nur, aber immerhin – einige Schmökerreisen hätte ich (schon aus Zeitgründen) wohl nie unternommen, wenn ich nicht eine Neigung zu Infektionen hätte. Und da ich bekanntermaßen ebenfalls zu chronischer Rezensitis neige, nutze ich die Gelegenheit, Christophers schönen Astronomiebeiträgen eine kleine Buchanempfehlung hinzuzufügen. Denn während meines aktuellen (leider immer noch währenden) grippalen Infektes habe ich gerade mal kurz das Sonnensystem durchquert, und zwar mit Hilfe des Buches Die Planeten der u.s.-amerikanischen Wissenschaftsjournalistin Dava Sobel.
Sobel leitet ihr Buch mit einem Zitat Carl Sagans ein, der uns als die beneidenswerten Angehörigen der einzigen Generation der Menschheit bezeichnet, die erstmals das Sonnensystem erforschen wird. Das darauffolgende Buch allerdings beweist zunächst einmal, dass diese Erforschung keineswegs die Arbeit nur einer Generation ist, sondern lediglich einen von vielen seit Jahrtausenden und wohl auch noch in Jahrtausenden ständig erweiterten Wissenshorizonten des Menschen bildet. In einer anschaulichen und unterhaltsamen Weise, die dennoch wissenschaftliche Korrektheit nicht allzusehr zugunsten reinen Vorabendinfotainments (à la “Wenn jetzt die Sonne eine Wassermelone in Frankfurt ist, dann ist die Erde ein Pinienkern in Bad Salzuflen”) hintanstellt, nimmt uns Sobel mit auf eine Themenreise, weiterlesen
Auf dem Programm standen 13 Milliarden Jahre in 90 Minuten und die Frage “Können wir wissen, was wir wissen?”. Eine leistbare Aufgabe für den Medienprofessor aus München. Leschs Einstieg in das Thema rührte an das Kernproblem des Themas. Kann die Astronomie als die Wissenschaft vom universalen Gestern wirklich den Ursprung der Welt erklären? Der Urknall als Initialzündung von Zeit und Raum fordert nicht nur die Vorstellungskraft heraus, er wirft auch methodische Fragen auf. Baryionen, Leptonen, Higgs-Teilchen und vieles mehr scheinen Beschwörungsformeln einer Geheimwissenschaft zu sein. Einer “arcana imperii”, zu der nur der Eingeweihte Zutritt hat. Leschs Antwort darauf lautete: Physik und damit auch die Astronomie, ist eine rationale Wissenschaft. Ihre Modelle sind logisch und damit für jedermann nachvollziehbar.





